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herrsel-er Kreisblatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8 :
Nr. 91. Dienstag, den 5. August 1913.
Xwflkber teil
HerSfeld, den 1. August 1913.
Im Monat Juli d. Js» sind diesseits den nachbenannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
am 7/7. dem Landwirt Heinrich Gippel in Herfa;
„ 11/7. „ Gärtner Franz Anders in Heringen;
„ 14/7. „ Mühlenmeister Georg Rosenthalll. in RanSbach;
„ 14/7. „ Landwirt Jakob Trost in Niederjossa;
„ 16/7. „ „ Hermann Burghardt in Äua;
„ 16/7. „ Holzhändler Peter Schlößler in HerSfeld;
„ 16/7. „ Materialienverwalter August Sperber in Nippa bei RöhrigShöse;
„ 17/7. „ Landwirt Adam Ruch aus Hof Rimmerode, Gemeinde WehrShausen;
„ 17/7. „ BergwerkSdirektor Paul Thiel in Philipp-thal;
„ 22/7. „ Rittergutsbesitzer Freiherr Thilo von Bodenhausen in Kleinensee.
b. unentgeltliche:
am 17/7. dem Königlichen Hegemeister Troch in Meckbach;
„ 17/7. „ „ Förster Schmidt in Friedewald;
B. Tagesjagdscheine:
am 15/7. dem j
Kaufmann Friedr. Graffe auS Münster i. Wests;
„ 15/7. „
„ Herm. Busch „ „ „
„ 18/7. „
„ Friedr. Graffe „ „ .
„ 18/7. „
„ Herm. Busch „
„ 21/7. „
„ Friedr. Graffe „ „
„ 24/7. „
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„ 24/7. „
„ Herm. Busch „ „ „
Der Landrat von GruneliuS.
HerSfeld, den 31. Juli 1913.
Die Räude unter der Schafherde in Rothenkirchen, Kreis Hünseld, ist wieder erloschen.
I. 8883. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 1. August 1913,
Der auf Donner-tag den 7. August d. I. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.
Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist daS Handeln mit Vieh und da- Mustern von Vieh zwecks Handelns im Stadtbezirke außerhalb deS Viehmarktplatzes vor und während der Dauer deS MarkteS verboten.
Auf Grund deS § 47 der viehfeuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 wird bestimmt, daß nach 10 Uhr vormittag- Tiere nicht mehr zum Markt gebracht werden dürfen.
Zwei Beiden.
Preisgekrönter Roman aus der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShausen.
(Fortsetzung.)
„Eilen Sie. Die Unruhe in der Stadt ist Ihrer Flucht günstig. Benutzen Sie sie."
Er eilte weg und ließ die Tür offen.
Ohne ein Wort zu verlieren, machte Marie sich daran, Eugen daS Gesicht zu waschen. Dann zog Sie ihm den Rock auS und verband die Wunde. Beide zogen die französischen Unisormiöcke über, steckten Brot und Paß in die Tasche und verließen daS Zimmer.
Verschiedene Personen liefen an ihnen vorüber. Aber da sie ebenfalls eilig waren und sich wie Leute betrugen, die wichtige Dinge zu erledigen haben, hielt niemand sie auf. Auf der Straße herrschte die größte Verwirrung. An einzelnen Punkten wurde noch gekämpft, hier führte man einen Gefangenentransport, dort drangen die Soldaten plündernd in die Häuser. Mit flachen Säbelhieben trieben sie die Männer hinaus, belästigten die Frauen und Mädchen und ließen sich von ihnen Schränke und Truhen öffnen.
Wehklagen und Jammern erfüllte die Luft.
Ohne Besinnen stürzten sich die beiden Kameraden in daS Getümmel und ließen sich eine Weile von dem Strome treiben. Zuerst suchten sie vorsichtig in drm Gewühl unterzutauchen; aber als sie merkten, daß jeder nur auf sich selber bedacht war, wurden sie kühner, reckten ihre Häupter hoch und nahmen Partei sür diesen oder jenen, den sie trafen, je nachdem sich Gelegenheit dafür bot.
Am Burgtor war der Kampf beendet. Haufen von Toten und Verwundeten sperrten den Eingang zu. Sie mußten über die aufgewühlten Wälle steigen.
Auch draußen sah eS entsetzlich auS. Marie versuchte dar Gesicht abzuwenden. Aber wohin sollte sie blicken? Ueberall derselbe trostlose Anblick: zerstörte Häuser und Gärten, Leichen über Leichen, zum Teil gräßlich verstümmelt.
Besonders mache ich noch darauf aufmerksam, daß durch den 2. Zugang (von der Lindenstraße) zum Viehmarktplatz n u r voruntersuchtes Vieh aufgetrieben werden darf.
I. 8974. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 30. Juli 1913.
Bri den außerordentlichen Revisionen der Gemeindekassen ist sestgestellt worden, daß von den Gemeinderechnern immer noch häufig gegen die Vorschriften der Dienstanweisung verstoßen wird.
Die Einziehung der Staat-steuern und Gemeindeabgaben wird vielsach nicht rechtzeitig vorgenommen. Die Hebelisten und die Belege find hinsichtlich der erforderlichen Ausrechnungen und Zusammenstellungen, der Anweisungen und der Quittungen oft recht unvollständig. Die Kassenbücher werden nicht ordnungsmäßig geführt. Häufig kommt eS noch vor, daß mehrere Einnahmen bezw. Ausgaben unter einer Nummer gebucht werden. Auch leisten die Rechner häufig Vorschüsse auS eigenen Mitteln oder aus solchen der ihnen anvertrauten Kaste, waS gänzlich unzulästig ist.
Ich weise deshalb die Gemeinde-Rechner nochmals aus die genaue Besolgung der gegebenen Bestimmungen hin.
Ich werde in Zukunft, wenn keine besonderen Umstände eine Entschuldigung begründen können, für jeden UebertretungS- sall eine Strafe von 3 Mk. festsetzen.
Die Herren Bürgermeister haben diese Setfügung den Gemeinderechnern mitzuteilen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 5855. von GruneliuS.
Einstellung von Freiwilligen bei der Kaiserlichen Marine.
Die 2. Abteilung II Torpedodivision in Wil- helmshaven stellt am 1. April und 1. Oktober eines jeden Jahres 4jährig-Freiwillige als Torpedomaschinisten- anwärter ein und »war:
Maschinisten und Maschimstenassistenten von Dampfern und im Betrieb befindlichen Dampfmaschinen, sowie junge Leute, die eine 3jährige Lehr- oder Arbeit-zeit als Maschinenbauer, Schloster, Kupserschmied, Elektrotechniker, Mechaniker, Klempner, Kesselschmied oder in ähnlichen Handwerken Nachweisen. Von dieser Zeit darf ein Jahr alS Maschinist oder Gehilfe zugebracht sein.
Bewerber wollen sich umgehend unter Vorlegen eine- vom Zivilvorfitzenden der Ersotzkommistion deS Au-hebungSbezirk- auSgestellten Meldescheins zum sreiwilligen Dienst aus 4 Jahre lautend, eines selbstversaßten und selbstgeschriebenen LebenSlauseS und sämtlicher Schul- und Arbeit-zeugnisse evtl. Seefahrt-papiere an daS oben genannte Kommando wenden.
Zur Erlangung deS Meldeschein- sind dem Zivilvorfitzenden
Fort, fort!
Allmählich ließen sie da- furchtbare Schauspiel hinter sich. Anfatmend standen sie still und sahen zurück.
„Wo sie wohl alle sind? Ob sie weiter sümpfen ? Ob sie gefangen sind? Einerlei. Meine Wunde brennt, ich komme kaum noch vorwärts," sagte Eugen.
„Du hast dich nicht schonen können und wirst dir auch jetzt keine Ruhe gönnen dürfen," anwortete Marie.
„Nicht, bis wir in Sicherheit find. DaS Land ist ringsum von Franzosen überschwemmt, wir werden Not haben, unS hindurchzuwinden."
„Wohin willst du, Eugen?"
„Nach Brandenburg. Zu Hause kann ich mich auSheilen und bald wieder eintreten. Kommst du mit Marie?"
„Bis zur Oder, ja; dann reise ich nach Buchwald. Ich verzehre mich vor Sorge um Max."
Eugen betrachtete sie von der Seite. Sie sah kreideweiß auS, ihre Zähne schlugen aufeinander, und ihre Augen irrten hilflos umher.
„WaS fehlt Dir, Marie?"
„Ich — ich kann nicht mehr!" stotterte sie mühsam.
Eugen war in Verlegenheit. So ging daS nicht. Wenn Marie versagte, waren sie beide verloren. Sie mußten weiter. Jetzt galt eS entweder oder.
„Nur Memmen sagen, ich kann nicht mehr," sagte er hart, „Wer eine Sache unternimmt, soll sie auch zu Ende führen. Ist daS dein Heldenmut, deine Vaterlandsliebe? Warum bist du nicht hinter deinen Kochtöpsen oder in deinen weichen Sesseln geblieben, wenn du versagst, sobald eS schlimm geht? Komm, laß unS in die Gesangenschoft zurückkehren."
Marie sah ihn mit wilden Augen an. Dann stieg langsam dunkle Glut in ihre Wangen. Ihr Körper straffte sich. Sie biß die Zähne zusammen, damit sie ruhig wurde.
„Komm," sagte sie nur, umklammerte sein Handgelenk und zog ihn mit sich fort. Jede Spur von Müdigkeit war verschwunden.
Ihn rührte die schnelle Wirkung seiner Strenge.
„Verzeihe, daß ich hart war," sagte er.
Marie schüttelte den Kopf.
der Geburtsschein, die väterliche Einwilligung sür eine 4jährige Dienstzeit und ein polizeiliche- Führung-zeugnis vorzulegen.
Bemerkung: Die Aufnahmeprüfung zum Maschinistenanwärter umfaßt:
1) Im Deutschen: Einige Fertigkeit im mündlichen und schristlichen Wiedergeben der Gedanken.
2) Im Rechnen: Die Grundrechnungsarten mit gewöhnlichen und Dezimalbrüchen.
3) Im Zeichnen: Einige Kenntnisse im Ansertigen von Skizzen einsacher Maschinenteile.
DaS 4. Dienstjahr gilt als Kapitulation-jahr und ist bestimmungsgemäß sür den Besuch einer 6 monatigen unentgeltlichen Maschinistenmaaten-Schule (Unteroffizierschule). Die mit Grsolg abgelegte Prüsung und die erwiesene Brauchbarkeit zum Torpedo-Maschinistenmaat berechtigt zum Besitz deS SeedampsschiffSmaschinisten-PatenteS III. Klasse.
Er wird noch darauf hingewiesen, daß auch solche junge Handwerker eingestellt werden können, die ihre Lehrzeit erst zum oben genannten Einstellung-termin beenden und dann mindestens 17 Jahre alt sind. Prospekte werden aus Wunsch kostenlos zugesandt.
HttSfeld, den 28. Juli 1913.
Ich ersuche die Herrn Bürgermeister deS Kreises die vorstehenden Bedingungen etwaigen Interessenten mitzuteilen.
I. M. Nr. 1794. Der Landrat
von GruneliuS.
Zur Lage aus dem Balkan.
Berlin, 2. August. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wochenrundschau zur Friedenskonferenz in Bukarest: Die Schwierigkeiten dieser diplomatischen Verständigung-arbeit werden nicht unterschätzt. Man darf aber nach dem Bisherigen daS Vertrauen haben, daß die Konferenz ihr Ziel erreichen und zu Ergebnissen führen wird, denen die Großmächte zustimmen können.
In der Frage der Zukunft Adrianopel- ist eine schärfere Zuspitzung vermieden worden. ES kann begreiflich erscheinen, daß die Stimmung im türkischen Heere und der PatriotiSmuS deS oSmanischen Volke- zur Behauptung der vielumstrittenen Stadt drängen. Einsichtige türkische Staatsmänner entziehen sich aber nicht der Pflicht, genau zu prüfen, ob eS dem bleibenden Interesse ihre- Lande- entspricht, daS Verhältnis der Pforte zu den Großmächten, wie zu Bulgarien, von dem Besitz Adrianopels abhängig zu machen, oder ob daS BedürsniS der Türkei nach einer strategisch vorteilhafteren Grenze nicht durch Verhandlungen mit den Mächten, unter Rückkehr auf dem Boden deS Londoner Vertrages, zu befriedigen wäre. Die dauernde Wiederbesrtzung Adrianopels würde den Anlaß zu einem neuen Waffengang zwischen der Türkei und dem an seiner Zukunst nicht verzweifelnden Bulgarien fortbestehen lassen. Sie würde ein Hindernis sür die von beiden ge-
„Sei nicht dumm. Du hast mich gerettet," antwortete sie.
Die Flucht war mühselig und gefahrvoll. Dabei stand Eugen große Schmerzen an seiner Wunde auS. Marie wusch sie mit kaltem Wasser, sobald sie an einen Bach oder an eine Quelle kamen, und verband sie von neuem. Aber die Anstrengungen deS Marsches verschlimmerten sie beständig.
Der Paß leistete ihnen gute Dienste. Er war aus einen 3erome Passant und seinen Burschen ausgestellt und wurde in den meisten Fällen geachtet, aber oft gab eS auch Umstände.
AlS sie in die Nähe von KyriS kamen, hielt eine französische Patrouille sie an.
Eugen erklärte, daß sie zu den siebenten Husaren gehört und mit einem Befehle deS Marschalls Bernadotte an Murat kämen.
„DaS ist gelogen," fuhr ihn der Offizier an. „Murat steht gar nicht hier herum. Er ist längst über die Weichsel hinaus. Auch schickt der Marschall nicht einen zerlunipten Husarenleutnant zu Fuß alS Feldjäger."
Marie wurde unruhig. Aber sie kannte noch nicht Eugens Kaltblütigkeit.
„WaS fällt Ihnen ein, Kritik zu üben an dem Marfchall deS größten Feldherrn der Welt?" fuhr er den Kapitän an. „WaS missen Sie davon, warum man mich gewählt hat, und warum ich nicht beritten bin? Wenn eS den Herren Vorgesetzten gefällt, sich meiner als Boten zu bedienen, haben Sie zu schweigen und mir jede Unterstützung zu gewähren, die in Ihren straften steht. Verstanden?"
Der Offizier schwieg verdutzt.
„Ich habe große Eile, fuhr Eugen fort, sich geflissentlich in Zorn redend. „Mir ist mein Vorrat an LebenSmitteln ausgegangen. Ich verlange daher, daß sie mir geben, mal Sie bei der Hand haben, widrigenfalls ich Sie beim Marschall anzeigen werde."
„Wenn die Sache so liegt — bitte, zersägen Sie", ent. gegnete der Franzose unterwürfig. Er teilte Hirschseld an Brot und Fleisch mit, waS er besaß, und Eugen dankte.
„Ich werde nicht verfehlen, Ihre Bereitwilligkeit beim Marschall anerkennend zu erwähnen," sagte er großmütig, grüßte von oben herab und marschierte weiter.