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herssel-er Kreisblatt

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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 95. Donnerstag, den 14. August 1913.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 6. August 1913.

An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.

Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 29. Februar 1912 I. 2524 abgedruckt im KreiSblatt Nr. 28 vom Jahre 1912, ersuche ich eine genaue Kontrolle über die in das schulpflichtige Alter tretenden blinden und taub, stummen pp. Kinder zu führen, die vorgeschriebene Nachweisung hierüber gewissenhaft aufzustellen und sie mir aus dem Instanzenwege d. i. durch die Hand deS Herrn OrtS- schulinspeltorS und deS KreiSjchulinspektorS alljährlich rechtzeitig zwecks Vorlage bei der Königlichen Regierung einzureichen.

l. 8681. Der Landrat.

I. A.:

Weffel, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 6. August 1913.

Mit Genehmigung der Königlichen Regierung in Caffel habe ich auf Grund deS § 103 deS ZuständigkeitS-GesctzcS vom 1. August 1883 an Stelle deS Königlichen Försters Kranz dem Königlichen Forstaufseher Schnei­der zu Kirchheim die aushilfsweise Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei in den Feldgemarkungen HedderS- dors, Allendors, ReimboldShausen, GerShausen, Kemmerode, Kachheim, Reckerode, Kleba, Niederaula, BeierShausen, ASbach, Hattenbach und Niederjossa übertragen.

I. 9055. Der Landrat.

I. A.

Wessel. KreiSsekretär.

Berlin, den 30. Juni 1913.

Unter Bezugnahme auf die Berichte, die gemäß dem Erlasse vom 23. Mai 1912 IVb 1122 erstattet worden sind, bestimme ich, daß künftig die Ausstellung der im § 118 Abs. 2 der Zivilprozeßordnung bezeichneten Zeugnist« zur Erlangung deS ArmenrechtS nach anliegendem Muster zu erfolgen hat. Etwaige Bestände an vorhandenen Formularen sür ArmutS- atteste können aufgebraucht werden, sofern diese tunlichst in Uebereinstimmung mit dem jetzt vorgeschriebenen Formular gebracht werden.

Zur Frage VI wird bemerkt, daß die Kosten eines Prozesse- sich nicht mit Sicherheit vorher berechnen lassen, da sie zum Teil davon abhängen, ob die Parteien sich vor den Amtsgerichten durch RechtSanwälte oder andere Bevollmächtigte vertreten lassen, ob eine Beweisaufnahme beschlossen wird und statt- findet und ob der Rechtsstreit durch BersäumniSurteil, andere- Urteil oder Vergleich beendigt wird. Immerhin wird diebeigrfüqte Aufstellung den in Betracht kommenden Behörden für die Aus­stellung deS Zeugnisse- einigen Anhalt geben. Zur Erläuterung der Aufstellung wird noch Hinzugesügt, daß in Spalte 2 und

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman aus der Zeit vor hundert Jahren von M. T r o m m e r - h a u f e n.

(Fortsetzung.)

Mit tränenden Augen lasen die Bewohner von Buchwald über die Reise der Königin Luise von KönigSberg nach Memel, die sie nach heftigem Nervenfieber unternehmen mußte: drei Tage durch Eis und Sturmesfluten, in armseligen Hütten mit zerbrochenen Fensterscheiben übernachtend, ohne eine Er­frischung zur Hand.

SaherS und HildaS Schmerz mochte sich in lebhaften Worten Luft. Wilhelmi blieb still, obgleich auch er bleich geworden war und seine Lippen zuckten.

Ermentrud aber sagte:Ihr vergeht, daS unsere Königin einS vor uns voraus hat, waS sie tröstet und belebt, ihr Vertrauen auf Gott. Könnten wir daS nicht von ihr lernen? Wir würden daS Unglück leichter tragen."

Marie nickte und seufzte.

Ja, wer daS könnte! Wir waren heitrer damals, als die Kugeln uns um den Kopf fausten, al- in dieser Zeit deS Dulden- und Abwarten-. Käme doch etwa-! Nur Tat, Handlung, Bewegung!"

Da hört man den unverwüstlichen Werder II," lachte Max.Du bist und bleibst ein Draufgänger."

Wilhelmi hatte wieder zur Zeitung gegriffen und stieß einen Laut der Ueberraschung aus.

Nun? WaS für ein neuer Schlag?" rief Hilda.Sag eS nur gleich. Wir sind die Schreckensnachrichten gewöhnt."

Georg sah auf. Seine Augen leuchteten.

Nicht- von alledem, sondern ein Held ist aufgestanden," sagte er.Er hat sich ein Freikorps gebildet mit einem Offizier an der Spitze, der dem Feinde empfindlichen Schaden zugefügt und bereits die Aufmerksamkeit der oberen Befehls­haber erregt. DaS KorpS besteht aus entflohenen Kriegs­gefangenen, Blücherschen Husaren, Infanteristen, Kavalleristen in bunten Durcheinander. Aber alle find von demselben Eifer

3 zu den eigentlichen Gebühren auch noch die nach § 80b des D. G. K. G. und nach § 76 der Geb. Ordn, für R. A. zu erhebenden Pauschsätze hinzugerechnet sind und daß in Spalte 3 die Gebühren für 2 RechtSanwälte eingestellt sind, weil die unterliegende Partei auch die Kosten deS gegnerischen AnwaltS zu ersetzen hat, ohne allerdings durch die Bewilligung eines ArmenrechtS von dieser Verpflichtung befreit zu werden.

Der von mehreren der Herrn Regierungspräsidenten vorge- brachten Anregung, die Armutszeugnisse nicht den Prozeßakten einzuvel leiben, kann eine weitere Folge nicht gegeben werden. Die Zeugnisse betreffen, wenn sie dem Prozeßgerichte mit dem Gesuch um Bewilligung deS ArmenrechtS eingereicht werden, eine für den Prozeß erhebliche Tatsache, haben auch sür den Gegner Interesse, weil der Inhalt ihm Veranlassung geben kann, die Entziehung deS ArmenrechtS aus Grund der § 121 Z. B. O. anzuregen, und gehören deshalb in die Prozeßakten, deren Führung in § 299 Z. P. O. vorausgesetzt wird. ES ist richtig, daß sie als Teil der Prozeßakten nach § 299 Abs. 1 Z, P. O. der Einsicht deS Gegner- offen stehen und daß der Gegner nicht zur Verschweigung der durch die Einsicht gewonnenen Kenntnisse verpflichtet ist. ES mag auch sein, daß hierdurch der Partei, die daS Armenrecht nachgesucht hat, Nachteile entstehen können. Einerseits hat aber eine solche Partei regelmäßig kein berechtigte- Interesse daran, daß ihre von ihr selbst geltend gemachte Armut geheim bleibt. Andererseits ist nun einmal in § 118 Abs. 2 Z. P. O. reichSgesetzlich vorgeschrieben, daß in den fraglichen Zeugnissen die VermögenSverhältniffe der Partei und der Betrag der von ihr zu entrichtenden direkten StaatSsteuern angegeben werden. Die Vorschriften deS BeamtenrechtS und der Steuergesetze über die Geheimhaltung der VermögenSverhältniffe der Steuer­pflichtigen werden deshalb durch Die Einverleibung der Zeugnisse in die Prozeßakten nicht verletzt.

Euerer Exzellenz (Hochgeboren, Hochwohlgeboren) überlasse ich hiernach ergebenst die weitere Verfügung.

Die erforderliche Anzahl Abdrücke diese- ErlasseS nebst Anlagen sür die Landräte und Ort-polizeibehörden in Städten, worin keine Königliche Polizeiverwaltung besteht, in den Städten mit königlicher Polizeiverwaltung, die Magistrate sowie der Anlagen deS Erlasse- für die OrtSpolizeibehörden in Landgemeinden sind beigefügt. (IVb 1039.)

Der Minister deS Innern. I. A.: von H e r r m a n n.

An den Herrn Oberpräsidenten in Potsdam und an die Herren Regierungspräsidenten.

HerSfeld, den 5. August 1913.

Vorstehenden Erlaß deS Herrn Ministers deS Innern bringe ich hiermit den Herrn Bürgermeistern und Gutsvor­stehern deS Kreises zur Kenntnis.

Ein Muster deS Armut-attestes wird Ihnen durch die Post zugefandt werden.

Die Funl'sche Buchdruckerei hält Formulare vorrätig.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 5940. von GruneliuS.

beseelt, den Feind zu schädigen, soviel sie nur können. Sie bringen königliche Kassen und Proviant in Sicherheit und schaffen aller nach Kolberg, um diese tapfere Festung zu ver- stärken."

Hilda- Wangen glühten. Marie sprang auf und packte Wilhelmi- Arm.

Herr von Wilhelmi, wie heißt der Führer?"

Er heißt Eugen von Hirschfeld."

Ich dachte e- mir!" jubelte Marie. Die Tränen stürzten ihr aus den Augen.Mein tapferer Eugen! WaS sagst du nun, Max? Endlich ist ein Mann aufgestanden, der etwa- tut. Und wäre er auch nur dazu da, uns durch sein Beispiel neuen Mut einzuhauchen, so wollen wir ihm dankbar sein."

Max Werder ging zur Tür und forschte, ob niemand draußen stände. Dann schloß und verriegelte er sie, ebenso die Tür, die in den Garten führte.

Hört," sagte er dann mit unterdrückter Stimme,jetzt ist eS Bett für unS, ohne Zögern, ohne Besinnen uns unter die Fahnen diese- FührerS zu stellen. Wir müssen ihn so bald alS möglich zu erreichen suchen."

Du hast mir da- Wort von den Lippen genommen," rief Marie, und ihre Brust hob und senkte sich vor Erregung. Wir gehen sofort. Wieder find wir Werder I und II und verstärken Eugen- Freikorps. Wir alle ziehen fort, nicht wahr, ihr Herren? Wir wollen

Bestürzt hielt fie inne. Waren nicht Wilhelmi und Saher auf Ehrenwort entlassene Gesängen«.

Saher bemerkte ihr Erschrecken.

Warum halten Sie ein, Frau Werder?" rief er ausgeregt. Wollen Sie mit Ihrem Verstummen andeuten, daß wir in diesem Kriege nie mehr die Waffen ergreifen dürfen? Weit gefehlt! Dies« Nachricht ist die Erlösung für mich, glauben Sie eS mir. Da gibt e- kein Zaudern, kein Fragen: Dars ich? Darf ich nicht? ES gibt nur ein rundeS, unumstöß­licher ,3$ muß, ich will, ich gehe.' WaS sagst du, Hilda?'

Sie streckte ihm beide Hände entgegen.

Du hast tausendmal recht, Friedrich. ES kann keine Frage sein: du mußt gehen."

Ermentrud- Augen hingen an Wilhelmi.

nichtamtlicher teil.

Der Kaiser als Schirmherr des Kaufmannsstandes.

In unantastbarer Gerechtigkeit und landeSväterlicher Für­sorge schirmt und schützt unser Kaiser gleichmäßig alle die verschiedenen Stände, Volksschichten und BerufSklaffen seine- mächtigen Reiches. Alle sollen möglichst gleichmäßig die Segnungen seiner Frieden-regierung ersahrcn, alle, die im Dienste deS Gemeinwohles etwa- leisten, denen daS Vaterland etwas verdankt, sollen sich seiner regen Anteilnahme seiner steten Huld und Gnade versichert halten können.

Soeben erst hat er in Lübeck bei seiner Erwiderung auf die Begrüßungsansprache deS Bürgermeister- Dr. Eschenburg diesem Grundsatz Ausdruck gegeben, indem er den in der alten Seestadt vorherrschenden Kaufmann-stand seines landeSväter- lichen Schutzes versicherte.

Nach einem herzlichen und innigen Dank an die gesamte Bürgerschast Lübeck- für den Empfang in der altehrwürdigen Hansastadt knüpfte er an den kunen historischen Ueberblick an, den der Bürgermeister über die Zeit vor hundert Jahren ge­geben hatte, und fuhr fort:

Sie haben ganz richtig darauf hingewiesen, daß, obwohl durch eine geradezu bewundernSwerte Anstrengung der Bürger und der Kaufleute im deutschen Vaterlande ein Bunde-gebilde entstand, wie eS die Welt nicht wieder gesehen hat, daSselb« aus die Dauer doch nicht Bestand haben konnte, weil die Macht deS Reiches ihm fehlte, und daS Verständnis deS deutschen Volkes für feine Wichtigkeit nicht vorhanden war. Nunmehr, dank Der Gnade Gottes, die in ganz ungewöhnlicher Weise Kaiser Wilhelm dem Großen zur Seite gestanden hat, der auch einst von Lübeck- Bürgerschaft begeistert begrüßt wurde, ist da- geeinigte deutsche Vaterland und daS Deutsche Reich wiedererstanden, mit ihm selbstverständlich auch die alten Aufgaben, die ungelöst bleiben mußten, weil die Einigkeit, die Voraussetzung für ihre Lösung, fehlte. Und wenn eS auch manchem noch der großen Zeit, die wir alle noch mit erlebt haben, wohl etwas eintönig vorgekommen sein mag, dieser Uebergang zu dem gewöhnlichen, wenn Ich so sagen darf, einfachen ArbeitSleben, so glaube Ich doch, daß wir einen guten Schritt vorwärts getan haben, denn Ich glaube als Meine Ausgabe zu erkennen, diese alten Ausgaben wieder auf­nehmen zu müssen und sie dem deutschen Volke vorzustellen und anS Herz zu legen. Daß dieselben so schnell wieder aus- grsaßt wurden und in so überraschender Weise in der ge­samten Welt durchgesührt worden sind, daS selbstverständlich kann sich der Kaufmann mit Recht zugute schreiben, und daß die alten Hansestädte mit altem Hansengeiste beseelt voraus- gegangen sind. Und so möchte Ich von dieser Stelle auS dem Raulmann Meinen Dank aussprechen, daß die Städt« an der norddeutschen Waterkant in so beispielloser Brüder-

Und Sie, Herr Wilhelmi?"

Sie sah an dem Beben der Lippen die gewaltige Erregung seine- Innern.

Ich gehe mit," sagte er heiser.Die- ist der schwerste Gewissenskonflikt, in den ein Mann geraten kann, das weiß Gott. Aber nur so und nicht ander- kann ich mich entscheiden. Gott mag unS vergeben, daß wir daS Unrecht tun müssen, damit daS Rechte geschieht."

Wißt ihr, waS euch bevorsteht, wenn ihr wieder in Ge­fangenschaft geratet?" fragte Werder ernst.

Der Tod," antwortete Wilhelmi ruhig.

Der Tod, ja; da gibt eS sicherlich kein Erbarmen," rief Friedrich von Saher.WaS macht daS? Lieber mit Ehren von der Hand deS Feindes fallen, als untätig die Kameraden sümpfen sehen."

Ich gehe mit dir, Friedrich," sagte Hilda entschlossen.

Du Hilda? Ist daS klug?" fragte Ermentrud bedenklich.

Wie meinst du daS? Marie geht auch mit Max."

ES ist doch ein Unterschied zwischen Marie und dir," sagte Ermentrud zögernd.

Hilda errötete. Ja, eS ist ein Unterschied da, ein großer. Ernst trat Saher vor sie hin und beugte sich tief zu ihr hinab.

Hilda, willst du mein Weib werden?"

Und sie zögerte nicht. Sie legte sest ihre Hand in Saher- und antwortete:Ja, ich will eS."

Werders verließen daS Zimmer, um eine Füll« von An­gelegenheiten vor ihrer Abreise zu ordnen. Gedankenvoll sah Wilhelmi auf Ermentrud, die zusammengekauert in ihrem Srffel saß, daS seine Gesicht ohne einen Hauch von Farbe.

Wie er sie liebte! Aber durfte er sie an sich fesseln in solcher Zeit? Und doch, wenn er aus dem Grunde ihreS HerzenS recht gelesen zu haben glaubte, war e- nicht ein größeres Unrecht, sie zurückzulaffen, ohne gesprochen zu haben?

Ermentrud sah aus, und ihre Augen begegneten sich. Und jedes laS in den Augen deS andern den unverhülltesten Aus­druck der Liebe.

AlS Werder- zurückkehrien, fanden sie zwc, Brautpaare, alücklick beide. Aber eS war ein Glück, da» unter SAmerien