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Kerrfeloer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

. Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 98. Donnerstag, den 21. August 1913.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 18. August 1913.

Der Lehrer Heinemann hier ist von dem Herrn Regierung-- Präsidenten durch Beifügung vom 14. August 1913 A. II. G. No. 1460 mit der Pflege gesunder Leibesübungen im Kreise HerSfeld biS Ende März 1914 wiederum betraut worden.

I. 9581. Der Landrat.

I. A.

Wessel, KreiSfekretär,

Nach Ziffer 4 de» Schlußprotokoll» zum Viehfeuchenüber- einkommen zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich- Ungarn sind sür den Verkehr mit Renn- und Trabrennpferden zwischen den vertragschließenden Staaten Erleichterungen insofern vorgesehen, als für sie nur die Beibringung von Zeugniffen gefordert wird, die von hierzu besonder» ermächtigten Renn- klubS nach einem vorgeschriebenen Muster ausgestellt werden. Die RennklubS, denen diese Befugnis erteilt ist, sind in dem Erlasse vom 24, April 1907 I. 645/07 allgemeine Verfügung Nr. 24 für 1907 im Abschnitt 1 unter Ziffer 9 angegeben. Diese Bestimmungen sollen auch sür die zu Dressur- und LeistungSprüfungen bestimmten Pferde mit der Maßgabe gelten, daß folgende Vereine zur Ausstellung der Zeugnisse ermächtigt find:

In Deutschland: DaS Kartell sür Reit- und Fahrsport in PotSdam, der ReichSverband für deutsches Halbblut in Charlottenburg und die Bayerische Campagne Reitergesellschaft in München.

In Oesterreich: Die Campagne Reitergesellschaft, der Reit- und Poloklub und der Klub der Herrensahrer, sämtlich in Wien.

Die Zeugnisse müssen anstatt der UeberschriftPaß für

Rennpserde" (vergl. Anlage I zu dem oben erwähnten Erlasse) die UeberschriftPferdepaß (für Dressur- und LeistungS- prüfungen)* tragen. (GeschästS-Nr. I. A. III s. 5595.) Berlin W. 9. am 14. Juli 1913.

Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. J. A. gez.: (Unterschrift).

* *

HerSfeld, den 14. August 1913. Wird veröffentlicht.

I. 8853. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Einstellung von Freiwilligen beider Kaiserlichen Marine.

Die 2. Abteilung II. Torpedodivision in Wil- Helmshafen stellt am 1. April und 1. Oktober einer jeden JahreS 4jährig-Freiwillige als Torpedomaschinisten­anwärter ein und zwar:

Maschinisten und Maschinistenaffistenten von Dampfern und im Betrieb befindlichen Dampsmaschinen, sowie jung« Leute, die eine 3jährige Lehr- oder Arbeit-zeit als Maschinen­bauer, Schlaffer, Kupferschmied, Elektrotechniker, Mechaniker, Kleupner, Kesselschmied oder in ähnlichen Handwerken nach­weisen. Von dieser Zeit darf ein Jahr alS Maschinist oder Gehilfe zugebrocht sein.

Bewerber wollen fich umgehend unter Vorlegen eine» vom Zivilvorfitzenden der Ersatzkommisfion deS Au-hebung-bezirk- ausgestellten Meldescheins zum freiwilligen Dienst auf 4 Jahre lautend, eine» felbstverfaßten und selbstgeschriebenen LebenSlaufeS und sämtlicher 6tyul- und Arbeit-zeugnisse evtl. SeefahrtSpapiere an das oben genannte Kommando wenden.

Zur Erlangung des Meldeschein-find dem Zivilvorfitzenden

der Geburtsschein, die väterliche Einwilligung für eine 4jährige Dienstzeit und ein polizeiliche- Führung-zeugni- vorzulegen.

Bemerkung: Die Aufnahmeprüfung zum Maschinisten- anwärter umsaßt:

1) Im Deutschen: Einige Fertigkeit im mündlichen und schriftlichen Wiedergeben der Gedanken.

2) Im Rechnen: Die Grundrechnungsarten mit gewöhn­lichen und Dezimalbrüchen.

3) Im Zeichnen: Einige Kenntnisse im Unfertigen von Skizzen einsacher Maschinenteile.

DaS 4. Dienstjahr gilt al- KapitulationSjahr und ist bestimmungsgemäß für den Besuch einer 6 monatigen unent­geltlichen Maschinistenmaaten-Schule (Unteroffizierschule). Die mit Erfolg abgelegte Prüfung und die erwiesene Brauchbarkeit zum Torpedo-Maschinistenmaat berechtigt zum Besitz deS SeedampfjchiffSmaschinisten-Patente- III. Klasse.

ES wird noch darauf hingewiesen, daß auch solche junge Handwerker eingestellt werden können, die ihre Lehrzeit erst zum oben genannten EinstrllungStermin beenden und dann mindestens 17 Jahre alt sind. Prospekte werden aus Wunsch kostenlos zugesandt.

HerSseld, den 28. Juli 1913.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister deS Kreises die vor­stehenden Bedingungen etwaigen Interessenten mitzuteilen.

I. M. Nr. 1794. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 13. August 1913.

Nachstehend veröffentliche ich da- Körung-ergebniS der von der Körung-kommission in den Monaten Juni und Juli dS. JS. besichtigten Zuchtbullen.

Der Vorsitzende des Kreisausschufses.

I. A. Nr. 6238. von GruneliuS.

National der in den Monaten Juni und Juli im Kreise durch die KörungSkommission nachgekörten Bullen.

S

«M

6 S «

Gemeinde.

Anzahl der Bullen.

Namen der Bullenhalter.

Datum der Körung 1913.

Resultate der Körung.

Abstammung

vtMtrrungtN.

Alter und Rasse der Bullen.

Farbe und Abzeichen.

Befund.

1

Philipp-thal

1

Wiegand, Wilhelm

19 Monate Simmentaler

Gelb ch. w. Kopf

brauchbar

Z. G. Gersfeld

2,

öbergeir '

1

Obergeis, Gemeinde

20

Gelb ch. D. weiß Kopf

brauchbar

Z. G. Homberg

3

Oberhaun

1

Schüler

18

Gelb ch. w. Kopf

unbrauchbar

auS d. Kr. Hünfeld

4

Kohlhausen

1

Stuckhardt, Ph.

18 n

Gelb ch. w. Kopf

gut

Z. G. Oberhessen

5

Kirchheim

1

Hold, Wilhelm

20

Dunkelrotschackw. Kopf

gut

Z. G. Kirchhain

6

Conrode

1

Conrode, Gemeinde

16 H

Gelbrotschack w. Kopf

brauchbar

Z. G. Oberhessen I

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman aus der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShaufen.

(Fortsetzung.)

Ich hoffte, im Intereff« und mit der Billigung deS Herrn Kommandanten zu handeln," erwiderte er, heiser vor Wut.

Wie gesagt, ich erkenne daS an," versetzte der General kalt. Er fing an zu lesen. , , , , ,

In dem Brief steht nicht- Verdächtige»," sagt« er nach einer Pause und blickte über daS Papier weg den Offizier scharf an.Er scheint lediglich dazu bestimmt zu fern, den Vater über daS Ergehen deS Sohne» zu beruhigen."

Ich glaubte annehmen zu müssen, daß Wechselbeziehungen zwischen Vater und Sohn stattfinden, und daß der General dem Sohne Nachrichten über die Bewegungen der preußischen Armee zukommen läßt."

General Rue stand nachdenklich am Fenster und sah über die Stadt hinweg auf da» silberne Band der Havel, da» sich eiSbedeckt durch die Schneefelder hinzog. Die Briesangelegen- heit war ihm über die Maßen peinlich. Bei seiner ehrenhaften Gesinnung widerstand ihm jede Handlung, die an Verrat streifte. Allein die Sache war an ihn gelangt, und er war gezwungen, sie zu verfolgen, wenn er sich keiner Pflichtver- aessenheit schuldig machen wollte. Er wandte sich um.

ES ist möglich, daß Sie recht haben. General von Hirschfeld muß verhaftet werden."

HugueS' Augen triumphierten. So sollte ihm doch seine Rache werden. .

In dem Bries ist die Rede von einer Tante und einer Lydia, die seinerzeit geholfen haben, den Schreiber auS FeindeShand zu retten," fuhr Rue fort.

Die Tante ist die Schwester de» Generals, da» junge Mädchen die Tochter beS Predigers Pfeiffer," erklärte der Kapitän.Sie verbargen wahrscheinlich den Leutnant, als das Schloß durchsucht wurde."

Sie müssen alle drei verhaftet werden," entschied der Kommandant.Ich betraue Sie mit der Ausführung."

HugueS fuhr zusammen.

Ich soll da» tun?" stammelte er.

Kein anderer. Ich überlasse Ihnen zu diesem Zwecke zehn Mann meiner Besatzung und bitte, daß die Verhaftung heute abend inS Werk gesetzt wird."

HugueS verstummte. Ein peinvollerer Auftrag hätte ihm nicht werden können. So gern er den verhaßten General der Strafe übergab, aber ihm den Haftbefehl zu überbringen, nachdem der Sohn seiner Ehrenhaftigkeit vertraut hatte, daS war überaus fatal

Hier ist der Haftbefehl für die drei Personen," begann der Kommandant wieder. Er reichte ihn dem Kapitän und setzte sich an seinen Schreibtisch zum Zeichen, daß der Offizier entlasten sei.

Widerwillig machte sich HugueS an die Au-führung seiner Aufgabe.

Im Schlöffe der Generals von Hirschfeld war alles früh, zeitig zur Ruhe gegangen. Trotzdem hielt der Brief Eugens noch alle wach. Er war die erste Nachricht noch langer Zeit, und wenn auch die Zeitungen häufig von ihm berichteten, so wußten doch die Seinigen, daß er in stündlicher Gefahr stand.

Ein laute- Klopsen am Tore brächte den alten Johann auS Fenster.

Aufgemacht! Em Befehl vom Herrn Kommandanten!" Mit zitternden Händen warf der Alte die Kleider über und lies an» Tor. Er konnte kaum den Schlüssel in» Schloß ^Schwerfällig drehte sich die Tür in den Angeln. Aber erschrocken prallte er zurück, als er einen französischen Offizier mit zehn Bewaffneten erblickte, die ihn ohne Umstände beiseite drängten und da» Hau» betraten.

Schnell, deine Laterne, Alter! Wir sehen nicht-," rief HuaucS vom Hause her.Führe uns zum Herrn General."

Mit wankenden Knien folgte Johann dem Rufe. Er ging vor den Bewaffneten her den langen, düsteren Gang entlang, deffen Wände die Ahnenbilder der Hirschfeld schmückten, ete ^ flm Ende der Gange» eine Tür. Der General, völlig angekleidet, trat auf die Schwelle.

WaS wollen Sie?" fragte « ruhig

Kapitän HugueS trat vor. Er sah blerch au», und feine Rügen blickten an der gebietenden Gestalt de» Hausherrn öotbet. Lgjtbejehl de- Kommandanten Rue für den General von Hirschfeld und seine Schwester Fräulein Luise von Hirschfeld." sagte er flockend.

Groß und durchdringend traf ihn der Blick de- General». Sie bringen ihn mir? Der Gefangene meine- Sohne-, der Ihnen die Freiheit und sein Vertrauen gab?" fragte er schneidend. Eine unsägliche Verachtung lag in seinem Tone. HugueS wandte den Kopf ab.

Der General würdigte ihn keines weiteren Worte». Schweigend, mit gekreuzten Armen stand er zur Seite, bis seine Schwester bereit war, ihn zu begleiten. E- war ihm klar, daß seine Verhaftung mit dem Briese seine- Sohne» zusammenhing, wenn er auch nicht wußte wie.

Dann gingen sie in die kalte, unwirtliche Nacht hinaus, Luise von Hirschfeld groß, stolz und schweigsam wie ihr Bruder, beide mit dem unbestechlichen Gewissen, dem unge­brochenen Mute, der sie ihr ganzes Leben lang ausgezeichnet hatte und sie auch in dieser Stunde nicht verließ.

Am Pfarrhause wurde haltgemacht. Kapitän HugueS weckte die Bewohner, ging hinein und kehrte bald mit Lydia Pfeiffer zurück, Ihr Vater begleitete sie, bleich, aber gefaßt wie sie.

Kind, du? WaS hast du denn begangen?" rief Fräu­lein von Hirschfeld erschrocken.

Man hat mich nicht gesragt," antwortete Lydia ruhig. Ihre dunklen Augen streiften in stolzer Unnahbarkeit den französischen Offizier.Vater, ängstige dich nicht, ich bin in guter Gesellschaft."

Sie lächelte dem General vertrauensvoll zu und reichte Fräulein Luise die Hand.

Der Zug setzte sich in Bewegung.

Nehmen Sie sich meiner Frau an," rief der General dem Prediger zu.

Verlassen Sie sich darauf, mein Freund, und gehen Sie selber unter dem Schutze des Allmächtigen."

En avant! rief HugueS. Er trat an die Spitze de- ZugeS, die Gefangenen gingen in der Mitte. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen und die Luft war eisig kalt.--

Da» Kriegsgericht befand sich in Magdeburg. Da nun da» Kriegsgericht über die Sache der Gefangenen entscheiden sollte, wurden sie am solgenden Morgen dahin gebracht.

Unter dem Vorsitze de» Kommandanten versammelten sich die Offiziere. Die Gefangenen wurden vorgesührt. Sie machten keineswegs den Eindruck von Schuldigen, eher wie Sieger traten sie auf, stolz und selbstbewußt in der Ruh« eines reinen Gewissen».