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persterer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 101.
Donnerstag, den 28. Angnst
1913.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 25. August 1913.
Die Herren Bürgermerster und Gutsvorsteher derjenigen Gemeinden deS Kreises, welche mit Einzahlung der Kreissteuer (2. Rate) noch im Rückstand« sind, werden hieran mit Frist bis zum 3 0. d. M t S. erinnert.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. A. Nr. 6594. von GruneliuS.
HerSseld, den 23. August 1913.
Am 20. September d. JS. findet der Gesellenprüfung?- termin für daS Wagnerhandwerk statt.
Anmeldungen hierzu sind bis zu diesem Termine an den Wagnermeister Valentin Schade in HerSseld zu richten. Den Anmeldungen find beizufügen:
1. ein selbstgeschriebener LebenSlauf,
2. Zeugnisse deS Lehrmeister- und der Fortbildungsschule,
3. der Lehrvertrag.
Zugelassen zur Prüfung werden alle Lehrlinge, die bis zum 1. Januar 1914 ihre Lehrzeit beenden.
I. 9744. Der Landrat.
I. A.:
Messel, KreiSfekretär.
nichtamtlicher teil.
Kelheim.
Während aus den Schlachtfeldern von Großbeeren und an der Kotzbach die Erinnerung an die ersten großen Siege von 1813 festlich begangen wurde, waren im Süden unsere- Vaterlandes die deutschen Fürsten zu einer Kundgebung versammelt, die den Sinn der Jahrhundertseiern glänzend und eindrucksvoll zusammengefaßt hat. Die Kelheimer Befreiung?- Halle mit ihrer Ausschmückung von der Hand der besten bayerischen Künstler hat sür diese Feier einen Rahmen gebildet, wie er großartiger und weihevoller nicht gedacht werden kann. In meisterhaften Worten hat der Prinzregent von Bayern ein Bild der großen Zeit und ihrer Lehren sür die Gegenwart entworfen. Mit Ernst und Nachdruck hat der Kaiser in seinem Trinkspruch den Gedankengang dieser Darlegungen weitergeführt. Einigkeit und Eintracht der Fürsten und Stämme als Gewähr von Deutschlands Größe und Freiheit war der leitende Gedanke beider fürstlichen Redner, wie er allen Feiern dieses JahreS zugrunde liegt. Durch ein herzliches Telegramm hat Kaiser Franz Joseph seine Teilnahme an der Feier bekundet, die ja auch die Erinnerung an die österreichische Waffenbrüderschaft einschließt.
So ist von Kehlheim her ein krast- und weihevoller
Zwei Beiden.
Preisgekrönter Roman auS der Zeit vor hundert Jahren
von M. TrommerShausen.
(Fortsetzung.)
„Der leibhaftige Gottseibeiuns find Sie, Kamerad," fluchte er ingrimmig. „Sie haben mich betrogen und mich sogar heute morgen au-geforscht."
„Erlaubte Mittel im Kriege."
„Leider! Nur schade, daß ich in diesem Falle der Ge- prellte bin und nicht Sie. War aber haben Sie mit unseren Geschützen vor, wenn ich fragen darf?" t
„Die folgen ihren früheren Gefährten in d,e Oder, Freund. Da ruhen sie sanft gebettet mit den anderen bis an den jüngsten Tag," antwortete Friedrich von Saher munter.
Der Bayer Machte große Augen. Also dahin?
Sobald die Geschütze in die Oder gestürzt waren, entließ Eugen die Gefangenen auf Ehrenwort, nicht mehr zu kämpfen, und setzte mit seinem Freikorps den Weg nach Süden fort.
Saher war schweigsam geworden.
„DaS Ehrenwort, das wir diesen Leuten abgenommen haben, ist mir in die Glieder gefahren," sagte er halblaut zu Wilhelmi.
Georg antwortete nicht. Er sah düster vor sich hin in die Ferne.
„Geht eS dir ebenso, Georg?"
„ES vergeht kein Tag und keine Stunde, wo nicht mein gebrochene- Ehrenwort wie ein drohende- Gespenst vor mir aufstände und mein Gewissen quälte," sagte er. „Und doch — noch einmal vor die Frage gestellt: willst du dein Vaterland tieser und tiefer sinken sehen und keinen Finger dazu rühren, eS zu retten, oder dein Ehrenwort den Winden preis» geben? — ich würde nicht ander- handeln, al- ich getan habe."
„Ich auch nicht, nie, nie!" tief Friedrich und reckt« b«. schwörend die Hand in dir Luft. „In einem Konflikt, wie
Akkord durch die deutschen Lande erklungen, und dem Prinzregenten Ludwig gebührt herzlicher Dank für die Anregung und Einladung zu dieser Kundgebung, die der Kaiser mit Recht als ein Fest ganz Deutschlands bezeichnet hat. Nur der „Vorwärts" kann eS sich nicht versagen, auch den Kelheimer Tag mit dem gleichen Hohn zu besprechen, der die Verlegenheit der Sozialdemokratie gegenüber dem patriotischen Aufschwung deS ErinnerungSjahreS nur mühsam verdeckt. Er ist in der Tat kein Erntejahr für die Sozialdemokratie. Ganz abgesehen von der erfolgreichen Durchsetzung der HeereSverstärkung, die nun einmal mit der Erinnerung an 1813 verbunden bleibt, hat sich namentlich bei der deutschen Jugend biS in die Arbeiterkreise hinein ein so kräftiges vaterländische? Empfinden gezeigt, daß man seine Helle Freude daran haben kann. So sind die Jahrhundertfeiern nicht umsonst gewesen. ES ist in diesem Jahre manche- gute Samenkorn gesäet worden, daS unserem Vaterland« in Zukunft reichen Ertrag verspricht.
Zur Ballanlage.
Die Meldungen über die angeblichen direkten Ver- ständigungSverhandlungen zwischen Bulgarien und der Türkei in der Adrianopelsrage lauten zum Teil noch immer recht widerspruchsvoll, so daß authentische Nachrichten über den Stand dieser Angelegenheit abzuwarten sind. In Sofia sollen Meldungen eingegangen sein, denen zufolge die Verhandlungen zwischen den Großmächten über eine Wiederräumung Thraziens seitens der Türken fortdauern. Gegen den ruffischen Vorschlag eine- Finanzboykotts der Türkei werden von anderen Seiten ernste Bedenken geltend gemacht. — In Belgrad hat am Sonntag der festliche Einzug der serbischen Truppen unter lebhaften Kundgebungen der Bevölkerung stattgesunden. Dem König Peter wurde die ihm vom König Carol verliehene Kette deS Ordens CarolS I. nebst einem Handschreiben deS rumänischen Herrschers vom Gesandten Rumänien- in Belgrad, Frlality, im Beisein deS serbischen Ministerpräsidenten Pasitsch feierlich überreicht. Der Vorgang legt zweifellos Zeugnis von den gegenwärtig bestehenden ausgezeichneten Beziehungen zwischen Rumänien und Serbien ab. Unterdiffen hat im Auswärtigen Amte zu Bukarest der Austausch der Ratifikationen deS Bukarester FriedenSvertrageS stattgesunden, womit daS FriedenSwerk vollständig perfekt geworden ist.
Der Friedenspalast.
Der Scheveninger Weg, in Holland wie im Auslande gleich berühmt, wird eine noch größere Bedeutung erlangen, wenn der FriedenSpalast, der morgen, am 28. August ringe- weiht werden wird, seine Bestimmung als WeltgerichtShof erfüllen wird. Die erste Friedenskonferenz, die 1899 zu Haag unter den AuSspizien deS Kaisers von Rußland, Nikolaus II.
der unsrige war, mußte die Vaterlandsliebe siegen. Mögen die Bayern wieder kämpfen, in Gottes Namen, ich habe nichts dagegen zu erinnern, obgleich unser Fall nicht der ihrige ist. Sie sind Deutsche wie wir und leisten dem Korsen gezwungene Dienste."
Georg schüttelte den Kops.
„Ehrenwort bleibt Ehrenwort. Ich entschuldige unS nicht. Ich beschönige nichts. Aber Gott weiß, eS ging nicht anders. ES gibt, so scheint mir, eine Ehre, die über daS von Menschen gegebene Ehrenwort hinauSgeht."
„Ich hoffe eS. Ich hoffe, daß der Allmächtige eS anders ansieht al- die Menschen," erwiderte Saher. „Georg mein Freund, in waS für GewiffenbedrängniS werden wir vaterlandsliebende Männer in diesem Kriege gestellt!"
„Keine ist größer als diese," antwortete Wilhelmi mit finsterem Ernst.
Zwischen seinen Augen stand eine dunkle Falte. Der Aufruhr, den sein eigentümliche- Schicksal in seinem Innern angerichtet hatte, war heftig. Und doch gewann seine Seele immer wieder ihr Gleichgewicht, wenn er an Ermentrud dachte. Zu ihr flüchteten seine Gedanken, wenn seine Unruhe über ihn hinau-wachsen und ihn bewältigen wollte. Er sah ihr liebliche-, sanfte- Gesicht vor sich und ihre klaren, ernsten Augen. Dann küßte er ihren weichen Mund und trank in gierigen Zügen daS Geständnis ihrer Liebe von den Lippen. Er streichelte daS duftige Haar, die weißen, schlanken Finger und flüsterte törichte LiebeSworte an ihrem Ohr. Dann lebte er in einer Welt deS Glücke- und berauschte sich daran. WaS da- Herz bedrückte, war vergessen.
DaS Pserd schüttelte seine Mähne und wieherte leise.
Georg fuhr auS seinen Träumen auf und sah verwundert um sich Er hatte ganz vergeffen, daß er im Hirschseldschen Frejlorp- dahinritt und fern von Ermentrud war. Aber er fühlte, daß sie bei ihm war, sie lebte mit ihm, er fühlte el deutlrch. . —. ,. „ _ . „
Er atmete erleichtert aus. Seit 4 Wochen gehörte Ermen. trud ihm. Noch sah er sie vor sich stehen, feine junge Gattin, so still so ergeben in den Willen GotteS. Im weißen Schnee stand sie, eine Priesterin bei Hause-, die Hüterin bei heimischen
im „HauS zum Walde" (Huis ten Bosch) tagte, rief den ständigen SchiedSgerichtShof inS Leben, und diese Schöpfung flößte den bekannten amerikanischen Milliardär Andrew Carnegie im Jahre 1902 den Gedanken ein, eine Bibliothek zum Gebrauch dieses HoseS zu stiften. Später faßte Carnegie jedoch den Entschluß, seinem ursprünglichen Vorschläge eine erhebliche Ausdehnung zu geben, indem er der niederländischen Regierung eine Summe von 38/< Millionen Gulden (über 6 Millionen Mark) zur Setfügung stellte zum Bau eine- JustizpalasteS. Die „Carnegie-Stiftung" wurde unter die Verwaltung eine! Rates von Mitgliedern gestellt, von denen 4 von der Königin der Niederlande und der fünfte vom Verwaltung-rat beständigen SchiedSgerichtShof«- ernannt werden. Jetziger Vorsitzender deS VerwaltungSrateS ist Dr. jur. Jonkheer A. P. C. von Karnebeeck, früherer Minister deS Aeußeren und Mitglied der zweiten Kammer.
Am 30. Juli 1907, als die zweite Friedenskonferenz im Haag tagte, wurde der Grundstein bei FriedenSpalaste- gelegt. Der Vorsitzende, Herr von Nelidoff, der damalige russische Botschafter in PariS, vollzog diesen symbolischen Akt, Der Grundstein, auS bayerischem Granit, trägt die Inschrift: „Paci justitia firmandae hanc aedem Andreas Carnigii munifiegntia dedicavit“.
Im Mai 1908 wurde mit dem Bau der Fundamente, die sich auf eine Oberfläche von über Va Hectar erstrecken, ein Anfang gemacht. Gerade ein Jahr später war die Konstruktion der Fundamente vollendet. Der Bau bei ganzen riesigen Gebäude- hat sich so gut wie ohne UnglückSfälle vollzogen.
WaS die innere Einrichtung anbelangt, so haben fast alle Regierungen der Signatarmächte deS Haager Vertrag- von 1899, der den ständigen SchiedSgerichtShof inS Leben rief, prachtvolle Spenden gestiftet, um den Palast auSzufchmücken und auSzustatten. Ein prachtvolle- Portal auS schön bearbeitetem Schmiedeeisen, flankiert von 2 Pylonen gibt Zutritt zu dem da- Gebäude ganz umringenden Garten. Zunächst fesselt dann den Blick die große Fassade mit ihrem mächtigen Turm zur Linken. Die äußeren Treppen hinaussteigrnd, steht man dann vor einem prachtvollen Portal auS ziseliertem Eisen, mit Bronzeornamenten geschmückt, ein Geschenk Belgien-, da- den Haupteingang bildet. Den unteren Teil deS oberen Stockwerks schmücken prächtige Statuen von hervorragenden holländischen Künstlern modelliert, die eine Darstellung bei GesetzeS bei Frieden- usw. geben. Die Farben der Fassade verschmelzen sich zu einer Symphonie in rot und weiß, weil dazu ausschließlich Ziegel- und Sandsteine zur Verwendung gekommen sind. DaS ganze wi.d gekrönt von dem dunklen Blaugrau der schiefernen Dachbedeckung. Wenn man die Halle mit ihrer mächtigen Doppelsreitreppe betritt, bekommt man den Eindruck, sich in einer Kathedrale zu befinden. In der Tat ist denn auch die Decke der Halle ein Kuppelbau und die großen Korridore, welche von den Sälen zum Portal der Treppenhalle führen, sind Gewölbegänge. Die obere Mitte der Kuppel ist in blau, braun und gold bemalt und verziert
Herde-, und sah ihm nach, der hinau-zog in den heiligen Krieg.
Den heiligen Krieg? Mit dem gebrochenen Ehrenwort? Ingrimmig gab er dem Perde die Sporen. Er war unwillig über sich, daß der Kreislauf seiner Gedanken immer wieder zu diesem Ausgangspunkte zurückkehrte. Doch war'? ein heiliger Krieg, denn el ging um König und Vaterland. Auch Ermentrud, die Reine, hatte diesen Weg gutgeheißen.
Seine fiebernden Sinne beruhigten sich allmählich. Bald durfte er hoffen, Ermentrud wieder zu sehen. Nur wenige Tage noch, dann war er bei ihr, dann war'S kein Traum. —
Für Ermentrud vergingen die Wochen nicht einförmig, wie ihre Freunde auf dem KriegSpfade dachten. Je mehr der Kampf sich nach Osten hinzog, desto mehr flüchtige Offiziere und Mannschaften nahmen den Weg über Buchwald und Eagan, um sich entweder zu den Truppenteilen oder in die Festungen zurückzuziehen, zu denen der Zugang noch offen stand. Wie viele Verwundete hatte sie mit Heinrich- Hülfe verpflegt, wie viele Bedürftige mit Kleidung, Geld und LebenS- mitteln auSgestattet, damit sie ihre Reife fortfetzen konnten!
Von den Freunden, von ihrem Gatten hatte sie nur zweimal Nachricht erhalten, bridemale durch Verwundete auS dem Freikorps, die sich nach Buchwald durchgeschlagen und in ihre Pflege begeben hatten. Fast schämte sie sich, daß sie diesen Leuten gern doppelte Güte erwie-. Sie lohnten eS ihr damit, daß sie von den Waffentaten erzählten, die von dem Freikorps auSgeführt waren, wie verwegen der Führer, wie tollkühn Saher I und II, wie tapfer Werder I und II, wi« kühn und geistesgegenwärtig sich Wilhelmi gezeigt hatten. Mit glücklichen Augen, mit brennenden Backen hörte sie el, und in der Einsamkeit ihre- Zimmers küßte sie die Zeilen, die ihr der Gatte durch die Boten geschickt hatte.
Am 14. Februar änderte sich daS Wetter. Südwind wehte, der Schnee schmolz, wie FrühlingSluft rauschte el.
ES war gegen 7 Uhr abends. Ermentrud hatte ihren Hausstand geordnet. Sie ging von Zimmer zu Zimmer sah, daß el dem letzten Boten auS dem Hirschseldschen KorpS, dem einzigen Gaste, der augenblicklich die Werdersche Gastfreundschaft genoß, an nichts fehlte, und schloß die Gartenpforte.