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herrfel-er Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 103.

Dienstag, den Ä. September

1913.

Bestellungen

aus daS

Bersfelder Kreisblatt

werden für den

Monat September

von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 29. August 1913.

Der auf Donnerstag, den 4. S e p t e m b e r d. I. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.

Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist daS Handeln mit Vieh und da- Mustern von Vieh zwecks Handeln- im Stadtbezirke außerhalb deS ViehmarktplatzeS vor und während der Dauer deS Markte- verboten.

Auf Grund des § 47 der viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 wird bestimmt, daß nach 9 Uhr vor­mittags Tiere nicht mehr zum Markt gebracht werden dürfen.

Besonders mache ich noch daraus aufmerksam, daß durch den 2. Zugang (vor der Lindenstraße) zum Viehmarktplatz nur voruntersuchtes Vieh aufgetrieben werden darf.

3. L No. 9920. Der Landrat.

I. A.

W e s s e l, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Zum Sedantage.

Stolz grüßt jn seinem Leuchten der Tag uns wiederum, Der einst den deutschen Waffen gebracht so hohen Ruhm, Der unS im Schlachtendonner bei Sedan auf dem Plan, Inmitten Tod und Grauen, daS neue Reich gewann, Der Tag der alteS Sehnen in unserm Volk gestillt, Den Einheit-traum der Väter so herrlich hat erfüllt!

WaS aber ward erstritten bei Sedan aus dem Hag, WaS dort unS ward erworben an dem Septembertag Treu wollen wir es wahren die Hand fest an dem Schwert,

Zwei Beiden.

Preisgekrönter Roman aus der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShausen.

(Fortsetzung.)

Warum bist du heute so schwermütig? Ich kenne meine starke, mutige Ermentrud nicht wieder," sagte Georg lächelnd.

Sie nahm sich zusammen.

Ich bin nicht ich," antwortete sie mit einem schwachen Versuch, sein Lächeln zu erwidern.Ich sehe nicht klar, weil trübe Ahnungen meine Seele beschleichen. DaS ertrage ich schlecht. Viel lieber will ich mit den Gesahren deS Augen­blicks sümpfen."

Du hast keinen Grund zum Grübeln, Ermentrud, aber ich! Mir läßt daS gebrochene Ehrenwort keine Ruhe. DaS quält mich Tag und Nacht."

Im Nu hatte Ermentrud ihre Schwermut von sich ge­worfen. Sie sah Georg leiden und vergaß die eigene Not. Sie drückte ihre weiche Hand fest aus seinen Mund.

Davon sprich nicht mehr, Georg, du mußt kämpsen. Die Ehre verlangt eS. DeS Vaterlandes Ehre ist deine Ehre. Alles andere überlaste Gott und seiner Barmherzigkeit."

,Du bist eine milde Trösterin. Jetzt erkenne ich mein Weib," sagte Georg mit leuchtenden Augen.Ich will 5 nur merken: meine Liebe dir, meine Kraft dem Vaterlande, mein Leben der Barmherzigkeit Gottes. So gehe ich von ttr, Ermentrud, und so gehe ich beruhigt in die Zukunft."

Früh am 17. Februar verließ Eugen v. Hirschfeld mit den Seinigen daS gastliche Sagan und rückte gegen Christianstadt vor. Zu seiner Befriedigung fand er den größeren Teil deS Freikorps an der verabredeten Stelle vor. Er lagerte am Bober und traf alle Maßnahmen, um sich vor dem Feinde zu sichern.

Die Stellung war verhältnismäßig günstig. Nach einer Seite grenzte der Bober ab, aus den drei andern Seiten war nichts vom Feinde zu sehen. Eugen schickte im Laufe deS Nachmittags verschiedene Berittene aus Erkundigung auS.

Damit wir sagen können: Wir sind der Helden wert, Der Helden, die errungen bei Sedan in der Schlacht DeS Vaterlandes Größe, deS cin'gcn Rüche- Macht!

Wohlan, so laßt die Fahnen nun heute festlich wch'n, Laßt vaterlänb'sche Weisen erklingen von den Höh'n;

Vor allem aber brause eS durch daS deutsche Land Vom Alp.nfirn im Süden bis hin zum Eiderstrand, Machtvoll von allen Lippen, machtvoll dem Donner gleich: Hoch lebe unser Kaiser! Hoch leb' daS Deutsche Reich!"

V. Werner.

Wiederum ist der glorreiche Gedenktag von Sedan ge­kommen, an welchem vor nun dreiundvierzig Jahren daS napoleonische Kaiserreich in Trümmer brach, der Kaiser Napoleon selbst mit seiner letzten Armee über 80 000 Mann, in deutsche Gefangenschaft geriet. Die Söhne aller deutschen Stämme kämpsten in dieser Entscheidungsschlacht der Welt­geschichte vereinigt unter der Führung Königs Wilhelms I. von Preußen, und somit darf mit vollem Fug und Recht der Tag von Sedan als der eigentliche Geburtstag der nationalen und politischen Einheit Deutschlands und des neuen Reiches betrachtet werden, wenngleich die offizielle Gründung deS neuen Deutschen Reiches erst einige Monate nach der Schlacht bei Sedan, mit der feierlichen Proklamation König Wilhelms zum deutschen Kaiser im Spiegelsaale deS Versailler KönigSschlosseS am 18. Januar 1871, erfolgte. AuS dem Bewußtsein dieser weittragenden Bedeutung des 2. September heraus hat denn auch daS deutsche Volk in der Folge stets diesen strahlenden RuhmeStag der deutschen Waffen alS seinen nationalen Fest­tag gefeiert, obschon eS unter der Einwirkung seltsamer Um­stände nicht hat gelingen wollen, den 2. September zum offiziellen Festtage der Deutschen zu gestalten. Aber unge­achtet deS Fehlens deS offiziell m Feststempels hat daS deutsche Volk in seinen weitesten Kreisen den Tag von Sedan noch immer als seinen höchsten Ehrentag begangen, nicht in rauschender, glänzender, wohl aber würdiger und echt patriotischer Weise, und so wird eS seine Sedanseier sicherlich auch diesmal begehen. Gerade in diesem Jahre aber erhält sie ein markantes Relief durch die im Gange befindliche Hundertjahrfeier des deutschen BefreiungSkampfeS, dessen Ge­denken erst vor wenigen Tagen durch die unter Teilnahme deS Kaisers und der deutschen BundeSfürsten in der Kehlhümer Befreiungshalle stattgesundcne Erinnerung-feier an 1813 in besonders glanzvoller und eindrucksvoller Weise gestiert worden ist _ wohlan, möge die Erinnerung an daS glorreiche Be- freiungSjahr die diesjährige Sedanseier erhebend mit verschönen helfen!

Das Kaiserpaar in Breslau.

BreSlau, 30. August. Heute abend 7 Uhr war bei Ihren Majestäten in den Räumen des Zwingers Tafel für die Provinz.

Sie alle kamen mit dem Bescheide zurück, daß weit und breit die Lust rein sei.

So ließen sich die Reiter beruhigt an den Wachtfeuern nieder, die Wachen wurden ausgestellt, und die übrigen Über­ließen sich dem Schlummer.

Georg von Wilhelmi konnte nicht schlafen. Er dachte an seine Unterredung mit Ermentrud über Pflicht und Ehre. Immer wieder quälten ihn die Zweifel: durste ich mein Ehrenwort brechen? Und obgleich er diese Gedanken zurück- drängte, sie kamen wieder, kamen mit solcher Gewalt, daß er in tiefster Bedrängnis sich zuries: Sühne für Schuld wäre Erlösung. Wie kann sie mir zuteil werden? Und blitzartig stand die Antwort vor ihm: durch den Tod, nur durch den Tod.

Der Tod sühnt jede Schuld," hörte er plötzlich sagen, als habe seine Seele eine Stimme gesunden.

Er sah erschrocken um sich.

Neben ihm lag Friedrich v. Saher, in seine Decke gehüllt. Ahnte der Freund, was ihn quälte?

Friedrich, wachst du?" fragte er leise.

Saher richtete sich halb aus und sah ihn mit großen

M

war von wir

Augen an.

Ich wache jetzt, aber bis dahin schlief ich und träumte," antwortete er.Und waS für ein Traum, Georg! Merk- würdig, er war deiner würdig, der du ein Mensch mit Phantasie bist, paßte aber wenig für meine nüchterne Natur."

Also, waS war's?"

WaS war's?"

Saher versuchte zu lachen.

Ich freue mich, daß du mich geweckt hast; denn es ein schweres Träumen, von neuen, blutigen Kämpsen, Kämpfen, in denen wir siegend sterben mußten, weil unser Ehrenwort gebrochen hatten, du und ich. Ist cS nicht toll? Glücklicherweise war eS nur ein Traum."

Träume sagen oft die Wahrheit. Tatsächlich ist eS doch so daß erst der Tod die Schuld sühnt," sagte Georg ernst. Vielleicht wird unser Tod ein Opfer für die Freiheit deS Vaterlandes. Diese Zeit der Befreiung erleben wir freilich selbst nicht mehr. Von unS wird gejordert: Verzicht auf

BreSlau, 30. August. Bei der Festtafel für die Provin? Schlesien hielt Seine Majestät der Kaiser folgende Ansprache'

Meine Herren von der Provinz Schlesien! Noch ganz unter dem Eindruck der festlichen Tage stehend, die ich bei Ihnen verleben durft-', begrüße ich Sie, zugleich im Namen Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, Her ausS wärmste. Die patriotische Begeisterung, die unS in so freundlicher Weise allenthalben entgegengetreten ist, hat unserem Herzen wohl- getan, und ich bitte Sie, unseren innigsten Dank für diese Bekundung schlesischer Treue selbst entgegenzunehmen und zugleich der Dolmetsch unserer Gefühle für die hier nicht an­wesenden Schlesier zu sein. In der reichgegliederten Kette von ernsten und frohen vaterländisch n Gedenkfeiern, die GotteS Güte unS in diesem Jahre geschenkt hat, bilden die schlesischen Veranstaltungen gewissermaßen daS Schlußstück, daS Kleinod. Die reichen Schätze der Erinnerung an die rühm- und opferreiche Zeit der Eihebung des Preußen- Volkes, die ich in der hiesigen Jahrhundert-Ausstellung heute bewundern konnte, reden eine gewaltige Sprache und lassen die Vergangenheit mit ihren einzig in der Geschichte da­stehenden Zeugnissen von unerschütterlichem Mut und Gott- vertrauen, von unwiderstehlicher VolkSkrast, Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit wieder lebendig vor unser geistiges Auge treten. Wer gedächte dabei nicht mit besonderem Stolz und Dank der Ereignisse aus friesischem Boden und aller der Helden deS Schwertes, der Feder und der Leier, die au dem glücklichen AuSgang der schweren Heimsuchung unseres Volkes einen so wesentlichen Anteil haben. Hier in Breslau war eS, wo der tiefgebeugte König den Entschluß zur Be- freiung deS Vaterlandes von den schwer aus ihm lastenden Fesseln deS Bedrückers fasste und fein Volk zum heiligen Kriege ausrief. Hier stellten sich die ersten Freiwilligen, freudig bereit, Gut und Blut für Ehre und Freiheit deS Vaterlandes einzusetzen. Aus EchlesienS Gefilden wurden im Stampfe wider den Eroberer die ersten Großtaten von dem Volk in Waffen verrichtet. Erst vor wenigen Tagen konnten wir die hundertjährige Erinnerung der Ruhmestaten an der Katzbach und der Neiße begehen, wo die friesische Landwehr mit Bajonett und Kolben den Feind und die Ungunst der Witterung bezwäng und die Kraft ihres WahljprucheS:Mit Gott für König und Vaterland 1" betätigte. Daß Treue und Mannesmut unserer Vorfahren auch heute noch im schlesischen Volke eine feste Stätte haben, daS habe ich in diesen Tagen wieder erkennen können aus den freudig bewegten Mienen der alten Veteranen, die in ihren Kriegervereinen von Nah und Fern zur Parade vor ihrem obersten Kriegsherrn herbeigeeilt waren, aus der vortrefflichen Haltung der Regimenter meines schlcsijchen Korps und aus der Begeisterung der schlesischen Jugend, deren Aufstellung und Vorbeimarsch heute mein landeSväterliches Herz mit besonderem Stolz und Freude erfüllt haben. Solange solche Gesinnung bei Alt und Jung gehegt und gepflegt wird, brauchen wir uns den Blick in die Zukunst nicht trüben zu lassen. Ich trinke auf daS fernere Wohl und

Leben und irdisches Glück. Ich glaube, daß dies die einzige Lösung für den Konflikt sein kann, in den wir geraten sind. ES ist ein Verhängnis, daß wir eine Schuld haben auf uns laden müssen, die dauernden HcrzenSfrieden auSschließt."

In gewissem Sinne gebe ich dir recht," gestand Saher zu,aber ich meine, der Tod kann warten. ES braucht nicht gleich zu fein."

Nein," antwortete Georg.

Saher blickte aus Hildo, die an seiner anderen Seite schlummerte. Sie hatte die Arme unter den Kopf geworfen. Ein halbes Lächeln um den Mund machte ihre reizenden Züge unendlich anziehend. Ihre Brust atmete ruhig und regelmäßig in dem gesunden Schlaf der Jugend. Ein Bild des Friedens.

Wie er sie liebte! Und sollte sie lassen? Jetzt schon? Bald? AlleS in ihm bäumte sich dagegen auf. Nein, nein, er wollte leben, noch lange leben mit seinem Glück.

Der Morgen zog herauf, winterlich fahl und bleich. Der 18. Februar war da.

Fünfzehntes Kapitel.

Die Gesängelinähme bei Christian st abt.

Zum Angriff! Der Feind rückt heran."

Wie eine Bombe schlug dieser Ruf der Vorposten in daS friedliche Lager und trieb die Ruhenden an die Waffen und aus die Pferde.

Ja, der Feind war da. Mit mehreren Regimentern rückte General Montbrun von zwei Seiten heran. Mit einem Blick übersah Eugen die drohende Gcsahr. Hier wollte man sie erdrücken und ein für allemal mit dem kleinen KorpS auf- räumen. Aber daS soll nicht gelingen, g lobte er sich.

Sein scharfes Auge entdeckte sofort den AuSweg.

Vorwärts, alle Mann, die Richtung nach Süden, am Bober entlang 1" hallte sein Ruf.Wir müssen unS durch­schlagen."

Er sprengte voran, und die klein« Schar folgte.

Von allen Seiten entspann sich das Gescchi. Die vier­fache Mehrzahl, Franzosen, Württemberger, Bayern, griff an. Der Kamps zog sich nach Christianstadt. Dort hoffte Eugen zu entkommen.