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Hemelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" :
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8 I
Nr. 109. Dienstag, den 16. September 1913.
Unter dem Titel
HerMn Sageblatt
wird vom 1. Oktober ab das seitherige Hersfelder Kreisblatt erscheinen.
Jede Nummer des Hersfelder Tageblatt wird einen aus dem neuesten Material des Tages zusammengestellten reichen Lesestoff
bieten.
Ferner wird ein wöchentliches Illustriertes
Sonntagsblatt mit vorzüglichen Romanen, alle 14 Tage eine Illustrierte Landwirtschaftliche
Beilage und der Amtliche Anzeiger, der sämtliche Bekanntmachungen, Verordnungen usw. des Königlichen Landratsamtes und anderer Behörden enthält, gratis beigegeben.
Der Abonnementspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1.50 Mk., durch die Post bezogen 1.60 Mk. pro Vierteljahr.
Zu zahlreichen Bestellungen ladet ergebenst ein
Verlag der Herrlelder Tageblatt (Kreisblatt).
Amtlicher teil.
Berlin W. 8, den 21. August 1913.
Nach einer Mitteilung deS Herrn Ministers deS Innern wird auf Beschluß deS BundeSratS im Deutschen Reiche am 1. Dezember 1913 eine allgemeine Viehzählung stattfinden, mit der in Preußen eine gleichfalls vom BundeSrate ungeordnete Obstbauwzählung verbunden ist.
Zwei Beiden.
Preisgekrönter Roman au- der Zeit vor hundert Jahren von M. TrommerShausen.
(Fortsetzung.)
Kapitän Humbert sah mit Interesse der Ankunft der beiden Damen entgegen. Der Prediger hatte ihm mitgeteilt, wer sie seien ohne jedoch den Zweck ihre- Kommens anzugeben. Der Franzose war gespannt darauf, die jungen Frauen zu sehen, deren Männer die Tollheit begangen hatten, sich gesetzwidrig gegen seinen großen Kaiser zu vergehen. Vielleicht waren sie schön, wie so manche unter diesen vornehmen Preußinnen. Wahrscheinlich wünschten sie Abschied von ihren Männern zu nehmen. Er wollte eS von ihrem ^P^0 ^ Eindruck abhängig machen, den sie auf ihn auSüben würden, ob er diesen Wunsch erfüllen wollte.
Sobald die Damen gemeldet waren, ließ er sie vor.
Er hatte die Absicht, sie fitzend zu empfangen und sie geradezu al- Bittsteller zu behandeln. Aber als er diese hohen Gestalten sah mit den ähnlichen> und doch so verschiedenen Zügen, den blauen, tiefleuchtenden Augen, den goldblonden Haaren, die sich hell von den schwarzen Gewändern abhoben, alS er diese würdige und gebietende Haltung sah, da änderte sich alSbald der Sinn. ^ sprang aus und fragte mit tiefer Verbeugung nach den Befehlender Damen
Ermentrud schüttelte den Kopf. „W.r haben in unserer Lage nichts tu befehlen, Herr Kapitän," sagte sie Mit ihrer weichen, biegsamen Stimme. .Wie kommen nm. um fu '"““ias könnten so anmutvolle Damen ton mir e,bitten, daß "ich eS nicht de tont mon coeur gewähren wurde, so- fern eS in meiner Macht steht?" rief Humbert, die Hand aus dem Herzen. ^ eie Beim Wort nehmen?"
auS ^ und ihre Augen glänzten feucht. „WaS ,1İ^ S'°u-" “K “" onbm{ "bitten alS daS Leben ihrer Gatten?
Voraussichtlich wird seitens der OrtSbehörden vielfach an VolkSschullehrer daS Ersuchen gerichtet werden, sich an der Ausführung deS ZählgeschäfteS zu beteiligen. Soweit hierzu ein Bedürfnis vorliegt und die Lehrer bereit sind, ihre Mitwirkung eintreten zu lassen, genehmige ich, daß der ihnen obliegende Unterricht an dem gedachten Tage auSsällt.
Die Königliche Regierung wolle hiernach unverzüglich daS Erforderliche anordnen. (A. N. 1531 U. III. C )
Der Minister der geistlichen und UnterrichtS-Angelegenheiten.
I. V.: gez. von ChappiuS.
An die Königlichen Regierungen.
* *
Caflel*, den 1. September 1913.
Abschrift zur Kenntnis und weiteren Veranlassung.
Der Unterricht ist am Zähltage nur auSzusetzen, soweit die beteiligten Lehrer sich bereit finden, bei der Zählung mitzu- wirken. . (B. Nr. I, 3900.) Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen. gez. Dr. Blankevhorn.
An die sämtlichen Herren KreiSschulinspektoren deS Bezirks.
HerSseld, den 9. September 1913.
Wird veröffentlicht.
I. 10276. Der Landrat.
3 ■
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 11. September 1913.
Am Mittwoch, den 17. September dr. JS. findet von 280 bis etwa 480 Nachmittag? Scharfschießen aus dem Exerzierplatz am OberSberg statt. Allgemeine Schußrichtung: östlich.
DaS Geländedreieck HerSseld—WilhelmShos—Oberrode mit sämtlichen darin befindlichen Wegen (ausschließlich der Chaussee HerSseld—WilhelmShos) darf während dieser Zeit nicht betreten werden, ,
Den Anweisungen der an den in Frage kommenden Wegen ausgestellten militärischen WarnungSposten ist Folge zu leistend l. 10325. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 11. September 1913.
In der Zeit vom 13. Oktober bis 15. November wird im hiesigen Schlachthos ein KursuS in der Fleisch. und Trichinen- beschau abgehalten werden.
Anmeldungen hierzu werden von dem Echlachthosverwalter, Tierarzt Friedrich hier, entgegengenommen.
I. 10328. Der Landrat.
3 8 •
Wessel, KreiSsekretär.
Der Kapitän stutzte. War daS schöne Weib toll? Hielt sie eS wirklich für möglich, daß man diese Offiziere auSwechselte wie andere Gefangene?
„ES soll ein Geschenk Ihrer Hand sein," suhr Hilda inbrünstig fort. „Ein ganze? Leben nur soll hinreichen, Ihnen für solch Erbarmen zu danken."
„Kein Lösegeld ist unS zu hoch," fügte Ermentrud hinzu.
Humbert warf den Kops zurück und schloß einen Augenblick die Augen. Wahrhaftig, die Szene wirkte aus seine Sinne. Sie war gefährlicher, als er geahnt hatte.
„WaS wollen Sie, meine Damen? Das Urteil ist noch nicht gesprochen," wich der Kapitän auS.
„Wenn eS gesprochen ist, wird eS für jede Rettung zu spät sein," entgegnete Ermentrud. „Soll Ihre Hülse eine Hülfe sein, Herr Kapitän, so muß sie kommen, ehe daS Urteil vom Kriegsgericht gcjällt ist."
„Ich kann eS nicht, meine Damen. Ich darf eS nicht. Denken Sie an meine Pflicht. Die Pflicht deS Soldaten ist seine höchste Ehre!" tief der Kapitän pathetisch.
„Man könnte doch leicht jemand auS dem Blockhaus entfliehen lassen," sagte Ermentrud langsam und ein wenig ängstlich. Sie wußte nicht, wie solche Zumutung ausgenommen wurde.
Aber Humbert lächelte nur. Seine Blicke waren unver« rückt aus die schönen Frauen gerichtet.
„Sie versuchen mich hart, mes dames/ rief er mit matter Abwehr. „Ich bin in meiner Ehre gebunden, glauben Sie eS mir."
Plötzlich ergriff Hilda ErmentrudS Hand und zog die Schwester mit sich auf die Knie nieder.
„Herr Kapitän, haben Sie Erbarmen, helfen Sie unSI" stammelte sie. „Ihre Macht ist groß. Ein Wort von Ihnen, und unsere Gatten find frei. Ein Wort von Ihnen, und der Riegel vom Blockhause bleibt offen. Ein Wort nur, und die befangenen find verschwunden. Niemand weiß, wohin fie gekommen sind. Geben Sie uns unsere Gatten, Herr Kapitän. Bedenken Sie daS junge, kräftige Leben, daS mit einem Schlage vernichtet werden soll. Denken Sie an uns, die wir mit ihnen aller verlieren. Versetzen Sie sich in die Lage
nichtamtlicher teil.
Dr. Soll und Kamerun.
DeS Staatssekretärs Dr. EolfS Besuch KamerunS neigt dem Ende zu. Dr. Solf hat in den zwei Wochen ein gutes Stück dieser besonders schwierigen Kolonie kennen gelernt. Nach einem Besuche deS Sitzes der LandeSverwaltung in Buen und deS SchutztruppenkommandoS Soppo hoch oben am Kamerunberge hat er mit den Pflanzern im lieblichen Viktoria verhandelt, hat die wilde und gefahrvolle Brandung in Kribi überwunden und von dort aus im flüchtigen Auto Lolodorf, Jaunde und Ebolowa besucht, zweimal mit den Gummilöwen der Batangaküste beraten und dann ein Stück Neukamerun an der Mondabucht kennen gelernt. Dann ist er nach dem Hamburg KamerunS, Duala, gefahren, hat von da die Nord- und Mittellandbahn befahren vnd noch einen Abstecher durch die Manengubaberge in die zukunftsreiche Landschaft Bamum gemacht. Schon rein Physisch betrachtet ist daS eine ganz respektable Leistung in der dunstigen TreibhauSglut dieser Kolonie.
Aber der Staatssekretär hat sich informieren wollen. Dazu gehört eine Summe geistiger Spannkraft, die man wohl daheim allgemein unterschätzt. Von dem, waS Dr. Solf hier gesehen, gehört, gefragt hat, hängt aber ungemein viel ab. Denn daS lassen die lakonischen Berichte schon erkennen, daß Kamerun dem ReichSkolonialamte gegenüber eine sehr viel ander- geartete Stellung auch in Zukunft einnehmen wird, als Südwest- und Ostasrika. Dr. Solf hat Selbstverwaltung-wünsche abgelehnt und ist konscqucntcrweise auch auf Angelegenheiten eingegangen, deren Erledign ^ er in Südwest- und Ostafrika den Gouverneuren vorbehielt. Die Lösung der brennend ge- ' wordenen Arbeiterfrage in den PflanzungSgebieten im Norden hat er s lbst mit besp ochen und den Gouverneur angewiesen, daS weitere zu veranlassen; im Süden verfuhr er in gleicher Weise mit dem Handel, dem er unumwunden die Wahrheit sagte, alS er verlangte, Mittel bereit zu stellen, durch die der Handel aus der selbstverschuldeten Klemme komme. Diese politische Ausnahmestellung KamerunS finden wir ganz berechtigt. Zu den wirtschaftlichen und verkehrSpolitischen Gegensätzen zwischen Norden und Süden sollten noch neue in Ost- und Südkamerun hinzutreten. Auf nichts andere- läuft der Wunsch der Ansiedler hinaus, für Neukamerun einen besonderen Etat zu schaffen. Bevor nicht durch ein leistungsfähige- Eisenbahnnetz diese Gegensätze ausgeglichen sind, und bevor nicht auch europäische Pflanzungen im Süden entstehen, die der Einseitigkeit und der Eigennützigkeit deS dortigen Handel- eine Grenze bieten, ist gar nicht daran zu denken, daß der Schwerpunkt der Verwaltung noch mehr nach Kamerun selbst verlegt wird. Einer größerm Machtvollkommenheit deS Gouverneur- muß ein Korrektiv in der Kolonie selbst entgegengesetzt werden durch Ausbau der Selbstverwaltung. Da aber
unserer Männer, Herr Kapitän, und sagen Sie, ob Sie ander- gehandelt hätten ; Herr Kapitän, ich flehe Sie an mit der ganzen Kraft meiner Seele: schenken Sie unS daS Leben der Gefangenen!"
Sie waren hinreißend, diese beiden Frauen, wie sie am Boden knieten, die Hände bittend erhoben, die schönen Köpse in den Nacken geworfen, die von reinster Glut durchleuchteten Augen aus ihn gerichtet.
Wie gebannt starrte der Kapitän sie an, während die Worte der Bitte unaufhaltsam wie ein Strom von Hilda- Lippen flossen. Erst alS sie schwieg, kam er wieder zu sich selber und zum Bewußtsein der eigentümlichen Lage, in die er geraten war.
Er beugte sich tief zu den Knienden hinunter. Sein heißer Atem streifte HildaS Wange.
„Stehen Sie aus, meine Damen," flüsterte er. „Hören Sie wich? Stehen Sie auf."
Ermentrud, die Klarere, Besonnenere, stutzte bei dem Ton und der sinnlichen Glut, die auS den bisher so kühlen Augen schlug.
Hilda aber, ganz versunken in ihr Vorhaben, bemerkte nicht- davon. Sie glaubte im Gegenteil, daß sie dem Ziele nahe sei, und verdoppelte ihre Bemühungen.
„Nein, nein, wir stehen nicht auf!" rief sie stürmisch. „Hier bleiben wir, und wir lassen nicht nach, bis Sie unerhört haben!"
„Ich werde eS tun," lispelte Humbert dicht an HildaS Ohr. ES war wie im Rausch. Siedendheiß rollte sein Blut durch den Körper. Er hatte für nicht- mehr Sinn, alS diese Frau zu besitzen.
„Ich verspreche Ihren Gatten die Freiheit, wahrhaftig, 'ch verspreche sie Ihnen, wenn -"
Die Frauen glaubten nicht recht zu hören. Der Ueber* gang von tiefster Verzweiflung zum höchsten Jubel war zu gewaltig. Selbst Ermentrud wurde mit fortgeriffen. Warum sollte nicht dieser Franzose eine Regung der Großmut haben gegenüber ihrer Qual? Dennoch konnte sie sich einer gewissen Beklemmung nicht erwehren. Die schwarzen Augen deS Franzosen flackerten so sonderbar.