Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^M^ für den Kreis Hersfeld
Melkt KreisbM
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 136.
Donnerstag, den 9. Oktober
1913.
Bus der Heimat
»(Prüfungs-Ergebnisseder Seminare.) Die diesjährigen Abgangsprüfungen an den Lehrerseminaren unseres Regierungsbezirks sind nunmehr beendet. Es bestanden am Lehrerseminar zu Homberg von 40 nur 85, zu Rinteln von 27 nur 25, Fulda (Nebenkursus) von 29 nur 27, zu Fulda (Hauptkursus) von 28 alle, zu Cassel von 3 alle, zu Frankenberg von 31 nur 28 und zu Schlüchtern von 37 nur 35. Die Abgangsprüfung am Lehrerinnen- Seminar zu Rotenburg bestanden von 33 Semi- naristinnen alle, von den 195 Prüflingen der Lehrerseminare dagegen von 195 nur 181 = 92,8 pCt. Die Gesamtzahl der in diesem Jahr hinzu gekommenen Schulamtsbewerber und -Bewerberinnen beträgt 181 bezw. 33 (gegen 161 bezw. 27 im Jahre 1912). Der Lehrermangel dürfte nun wohl im Regierungsbezirk Casfel beseitigt sein.
* Mit derPrägung der er sten 5 - Mark- st ü ck e mit dem neuen Bildnis des Kaisers soll demnächst begonnen werden, sodaß die erste Rate dieser Münzen an die Reichsbank möglicherweise noch im Laufe dieses Monats abgeliefert werden dürfte. Es sollen zunächst im ganzen 10 Millionen solcher Fünfmarkstücke von der Berliner Münze geprägt werden.
):( Hersfeld, 8. Oktober. Der Einladung des Magistrats zu einer Besprechung über den anläßlich der 100jährigen Gedenkfeier der Schlacht bei L e i p z i g zu veranstaltenden Fackel- und Lampionzug hatten die Vorstände der hiesigen Innungen und Vereine recht zahlreich Folge geleistet. Im Namen des Magistrats hieß Herr Beigeordneter Anel die Erschienenen herzlich willkommen und gab eine Uebersicht über die beabsichtigten Veranstaltungen. Am Sonnabend den 18. Oktober werden in allen Schulen Feiern abgehalten. Von mittags 12 bis 121'2 Uhr läuten sämtliche Glocken und am Nachmittag findet ein Spielfest der Schulen statt. Am Abend soll dann ein Fackel- und Lampionzug veranstaltet werden, der eine imposante Kundgebung zu werden verspricht. An dem Zuge, der sich um 6 Uhr pünktlich in Bewegung setzen soll, nehmen zunächst etwa 600 bis 700 Kinder der Bürgerschule teil, ferner fast alle hiesigen Vereine und Innungen, sowie die Kriegsschule, das Gymnasium, die Luisenschule und alle patriotisch gesinnten Bürger. Die Aufstellung des Fackelzuges soll Punkt V26 Uhr auf dem Turnplatz an der Hainstraße erfolgen, damit er sich um 6UhrinBewegungsetzenkann. Während der Dauer des Zuges werden sämtliche Glocken geläutet. Der Zug wird von der Hainstraße seinen Weg nach dem Johannistor nehmen, weiter über den Brink, Neumarkt, Abt Michaelstraße, Hainstraße, Breitenstr. Kaiserstr. Bahnhofsstr. Klausstraße, Weinstratze, Linggplatz. Hier soll es nun entweder um den Marktplatz herum oder durch die untere und obere Frauenstraße gehen, der genaue Weg wird noch festgelegt werden. In der Stiftsruine wird dann der Zug endigen, woselbst die vereinigten Gesangvereine unter Leitung des Herrn Musiklehrers Fischer mehrere Lieder vortragen werden. Nach einer Ansprache und Absingen des Liedes „Deuschland, Deutschland über alles" wird die Stiftsruine bengalisch beleuchtet. Am Abend findet in der Turnhalle ein Kommers statt, bei dem das Theaterstück „Heldentreue", welches die Zustände des Jahres 1813 schildert, aufgeführt wird. Am Sonntag morgen um 6 Uhr werden dann wieder sämtliche Glocken läuten, um 8 Uhr^folgt Choralmusik vom Turm, und um V2IO Uhr findet Festgottesdienst in allen Kirchen statt. Geplant war ferner noch mittags ein Konzert des Chorvereins mit den 167ern in der Stiftsruine, welches jedoch ausfallen foll, da die Stadtverordneten die Zeichnung eines Garantiefonds abgelehnt haben. Ueber die Zusammensetzung des Fackelzuges teilte Herr A u e l dann noch mit, daß derselbe zunächst durch eine Abteilung Feuerwehr eröffnet wird, es folgen dann die Schüler des Gymnasiums mit eigner Kapelle, weiter die Bürgerschule mit ihrem Trommler- und Pfeifferkorps, die Luisenschule, die Kriegsschule, die vereinigten Sänger, diese nach Stimmen geordnet und jede Stimme mit einem einheitlichen Lampion versehen, sowie alle anderen Vereine in der durch das Los bestimmten Reihenfolge. Auf einen Antrag des Herrn Kupferschmiedemeisters Schüßler, der von verschiedenen Seiten unterstützt wurde, wird von einem Mitführen der Fahnen abgesehen. Ferner regte Herr Schüßler an, nur den Schulkindern Lampions zu geben, während die erwachsenen Teilnehmer mit Fackeln versehe« werden sollen. Es folgte dann eine Feststellung der sich in den einzelnen Vereinen beteiligenden Witfe g.lieder. Hiernach werden ca. 25 Vereine mit ungefähr 900 Mitgliedern teilnehmen, sodaß mit Einschluß der Schulen und soustigen Teilnehmer mit der erheblichen Anzahl von 1800—2000 Personen zu rechnen sein wird. Durch das Los wurde dann die Reihen
folge der Vereine wie folgt bestimmt: Raüfahrklub „All Heil", Schneider-Innung, Akordeonklub, Kaninchenzuchtverein, Postunterbeamtenverein, Turnverein Hersfeld, Schützenverein 1884, Fußballklub „Viktoria", Jünglings- und Männerverein, Evangelischer Arbeiterverein, Sportverein Einigkeit, Schuhmacher-Innung, Kutscherverein, Turnverein Iahn, Hersfelder Schützengesellschaft. Den Schluß bildet dann wieder eine Abteilung Feuerwehr, welche auch den Zug rechts und links flankieren wird. — Hersfeld wird also den großen Tag der Schlacht bei Leipzig würdig begehen, und an der großen Beteiligung kann man ersehen, daß der Gedanke in allen Kreisen unserer Bevölkerung eine begeisterte Aufnahme gefunden hat.
§ Hersfeld, 8. Oktober. (Allgemeine O r t s - krankenkasse für die Landgemeinden des Kreises Hersfeld.) Unter diesem Namen wird die ländliche Ortskrankenkasse des Kreises Hersfeld am 1. Januar 1914 weiterbestehen und im Sinne der R. V. O. als ausgestaltete allgemeine Ortskrankenkasse verwaltet werden. Alle Arbeiter, Dienstboten und Knechte, welche bisher nicht versicherungs- pflichtig waren, sind auch von diesem Tage ab ver- sicherungspflichtig. Um in dem ausgedehnten Kassen- bezirke eine größere Kontrolle zu ermöglichen und zum anderen den Arbeitgebern und Versicherten in der Erledigung ihrer Kassengeschäfte bezw. Krankenhilfe eine Erleichterung zu schaffen, hat der Vorstand der Kasse den Kassenbezirk in 8 Zahl- und Meldestellen (Kassiererbezirke) eingeteilt und den einzelnen Zahl- und Meldestellen folgende Ortschaften zugeteilt. Zahl- und Melde stelle Hersfeld: Allmers- hausen, Kalkobes, Gittersdorf, Heenes, Untergeis, Meisebach, Eichhos, Asbach, Kohlhausen, Vingartes, Kühnbach, Petersberg, Wilhelmshof, Sorga, Hermannshof, Kathus, Oberrode, Friedlos, Mecklar, Meckbach, Reilos, Rohrbach, Tann und Bieöebach. Zahl - undMeldestelle Obergeis: Obergeis undAua. Zahl-unöMeldestelleOberhaun: Oberhaun, Unterhaun, Rotensee, Eitra und Sieglos. Zahl- und Meldestelle Nieöeraula: Niederaula, Beiershausen, Roßbach, Kerspenhausen, Hilperhausen, Holzheim, Kruspis, Stärklos, Engelbach, Solms, Mengshausen, Niederjoffa, Hattenbach, Kleba, Kemmerode, Reimboldshausen, Allendorf, Gershausen und Kirchheim. Zahl - und Melde st elle Frielingen: Frielingen, Heddersdorf, Goßmanns- rode, Reckerode, Rotterterode, Beiersgraben, Willings- hain und Gersdorf. Zahl- undMeldestelle Friedewald: Friedewald, Herfa, Ober- und Unterneurode, Hillartshausen, Motzfeld und Lauten- Hausen. Zahl- und Meldestelle Schenk- lengsfeld: Schenklengsfelö, Oberlengsfeld, Rans- bach, Hilmes, Ausbach, Gethsemane, Wehrshausen, Kahlhausen,Thalhausen, Rimmerode, Unterweisenborn, Landershausen, Conrode, Wüstfeld, Wippershain, Dünkelrode, Malkomes, Schenksolz und Lampertsfeld. Zahl- und Melde st elle Philippsthal: Philippsthal, Röhrigshof, Heimboldshausen und Harnroöe. Zahl- und Melde stelleHeringen: Heringen, Wölfershausen, Lengers, Leimbach, Bengen- dorf, Widdershausen und Kleinensee. Der Vorstand ist nun bemüht, die Zahl- und Meldestellen geeigneten Persönlichkeiten zu übertragen. Nähere Auskunft hierüber wird im Kassenlokal Dippelstraße Nr. 2 erteilt, auch können Anfragen dorthin gerichtet werden.
):( Hersfeld, 8. Oktober. Der heutige Obst- markt war nur sehr schlecht beschickt. An Käufern fehlte es zwar nicht, doch mußten die meisten wieder unverrichteter Sache fortgehen. Die wenigen zum Markte gebrachten Aepfel erzielten recht hohe Preise.
-m- Breitenbach a. Herzberg, 7. Oktober. Ein bedauerlicher Unglücks fall erlitt die Ehefrau des Johs. Stein beim Häckselschneiden. Indem sie einen harten Gegenstand, der zwischen das Futter geraten war, bei den Messern entfernen wollte, setzte sich das Rad in Bewegung und die Messer schnitten ihr den Daumen der rechten Hand fast vollständig ab, während der Zeigefinger mit leichteren Verletzungen davon kam. — Am Sonntag war die Burg Herzberg der Sammelpunkt von ungef. 200—300 Wandervögeln, die sich zu frohem Beisammensein aus fast allen Gegenden Deutschlands daselbst eingefunden hatten.
Bebra, 7. Oktober. Von der Lokomotive zerdrückt und sofort getötet wurde vergangene Nacht auf dem hiesigen Bahnhof der Eisenbahnarbeiter Kaspar Mausehund aus Ronshausen.
Cassel, 7. Oktober. Der Verband der Bacheleüer- fabrikanten von Hessen-Nassau und Darmstadt mit dem Sitz in Cassel hat beschlossen, mit Rücksicht auf das Vorgehen des Verbandes der thüringischen und sächsischen Lederfabrikanten sowie der freien Vereinigung der Lederfabrikanten Mitteldeutschlands den Mitgliedern eine sofort in Kraft tretende Preiserhöhung in Vacheleder in Hälften um 6 Pfennig für
das Pfund, in ganzen Stücken um 8 Pfennig vor- zuschlagen.
Fulda, 7. Oktober. Die Wiederwahl des Herrn Dr. Antoni als Oberbürgermeister von Fulda ist sicher. Die Stelle wird nicht ausgeschrieben. — Bei dem durch Brandstiftung entstandenen Schadenfeuer sind vom Karlshof bei Maberzell Wirtschaftsgebäude mit einer Fluchtlänge von 115 Meter abgebrannt. Bedeutenden Verlust erlitt Oberamtmann Kersten auf der Domäne Maberzell, der große Mengen an wertvollem Saatgut pachtweise eingestellt hatte.
Vom Eichsfelde, 7. Okt. Als heute in Bischofferode (Krs. Worbis) ein Arbeiter aus Berlin mit dem Reparieren der elektrischen Lichtanlage beschäftigt war, kam er mit den Leitungsdrähten in Berührung und erhielt einen Schlag, der seinen sofortigen Tod herbeiführte.
Vom Eichsfelde, 7. Oktober. Als die Erbauer des in der Flur Helmsdorf neu errichteten großen Kalkofens diesen heute zum ersten Male anbrennen wollten, erfolgte eine furchtbare Explosion der im Ofen an- gefammelten Gase. Der ganze Oberbau stürzte ein. Die noch am Bau beschäftigten Arbeiter konnten sich mit knapper Not in Sicherheit bringen.
Gera, 7. Oktober. Der Kaufmann Willy Bauer hatte hier nachts ein anständiges Mädchen mit einem unsittlichen Antrag auf der Straße belästigt. Dafür wies ihn das Mädchen mit ein paar Ohrfeigen zurück. Hierauf mißhandelte B. das Mädchen. Das Schöffengericht verurteilte B. deshalb zu 5 Monaten Gefängnis. Die gegen das Urteil eingelegte Berufung wies die Strafkammer zurück und bedauerte dabei, daß der Amtsanwalt keine Berufung eingelegt hatte, da dann die Strafkammer eine höhere Strafe ausgesprochen hätte.
Erfurt, 6. Oktober. Im benachbarten Vieselbach stürzte am Sonnabend beim Pflaumeupflücken der 58 Jahre alte Tischler Hermann Götze von der Hohen Leiter und trug so schwere innere Verletzungen davon, daß bald darauf der Tod eintrat. Götze hinterläßt eine Witwe und 9 Kinder.
Mainz, 6. Oktober. Der 33jährige Heizer Karl Wilhelm Kofel aus Berlin wollte in der vergangenen Nacht nach dem am Kaisertor vor Anker liegenden Schiff „Fenöel 21" mit einem Nachen übersetzen. Beim Besteigen des Schiffes verlor er das Gleichgewicht, fiel rücklings in den Rhein nnö ertrank. Die sofort eingestellten Rettungsversuche blieben ohne Erfolg. Die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden.
Wiesbaden, 7. Oktober. Eine kürzlich hier verstorbene ältere Dame hat der Ehefrau des Schreinergesellen Gibner, die jahrelang bei ihr Aufwartedienste verrichtete, ihr Vermögen von l12 Millionen Mark vermacht. Das Testament ist nach dem Ausspruch von Juristen unanfechtbar. Der Bruder der Erblasserin hat sich daher mit der freiwillig angebotenen Summe vou 300 000 Mark zufrieden gegeben.
Darmstadt, 6. Oktober. Eine 68jährige Brandstifterin, die K. Roth Ww. in Sickenhofen bei Baben- Hausen, die beschuldigt und geständig ist, in der Nacht zum 1. Oktober d. I. die Hofraite ihres Sohnes in Brand gesteckt zu habe«, wurde nunmehr verhaftet. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß in den letzten Jahren wiederholt Brände in der Familie vorgekommen sind, und die Roth gab auch zu, daß sie aus der gleichen Ursache, um die Bersicherungsgelöer einzuheimsen, im Jahre 1909 dieselbe Hofraite angesteckt hatte.
Bad Wildungen, 7. Oktober. Seinen Verletzungen erlegen ist der neun Jahre alte Schüler August Keßler von hier, der vor einiger Zeit in der Bahnhofstraße von einem Automobil überfahren wurde.
Ettenheim, 7. Oktober. Bei dem nicht geschlossenen Bahnübergang in Ringsheim wurde das Fuhrwerk des Bierbrauers Bosch von einem Schnellzug überfahren und vollständig zertrümmert. Der Brauer blieb unverletzt, aber seine beiden Knaben im Alter von 5 und 15 Jahren wurden auf der Stelle getötet.
Gelnhansen, 6. Oktober. Die Strafkammer in Hanau verurteilte den Taglöhner Josef Günther aus Höchst bei Gelnhauseu wegen schwerer Körperverletzung zu 1 Jahr Gefängnis. Er hatte nach einer Tanzmusik den Maurer Bernhard Weitz von Höchst durch einen vom After bis in den Leib gehenden Messerstich so schwer verletzt, daß er mehrere Monate arbeitsunfähig war. Die Strafe für die brutale Tat wäre noch härter ausgefallen, wenn das Gericht nicht die Angetrunkenheit des'Angeklagten strafmildernd in Betracht gezogen hätte.
Wetteraussichten für Donnerstag den 9. Oktober.
Zeitweise aufklärend, Niederschläge in Schauern, etwas kühler, wechselnde Winde.