hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger jf$5 für den Kreis Hersfeld
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Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7 '
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 1S7
Mittwoch, den 22. Oktober
1913
Hus der Heimat.
):( Hersfeld, 21. Oktober. Wir machen auf die vom EvangelischenArbeitervereinHersfelö geplante G e d e n k f e i e r, die am kommenden Sonntag in der neuen Turnhalle stattfindet und in Gesang- vorträgen, Deklamationen sowie einer Aufführung die Erinnerung an die Befreiung Deutschlands wach erhalten möchte, aufmerksam.
-k- Friedlos, 21. Oktober. Ein frecher Dieb- stahl wurde vergangene Nacht bei dem hiesigen Einwohner T. verübt. Demselben waren Diebe in den Gänsestall eingedrungen und hatten elf Gänse entwendet, denen sie vorher die Köpfe abgeschnittcn hatten. T. fand heute morgen im Stall die elf Köpfe als traurige Reste seiner Gänseschaar vor.
-n- Beiershausen, 20. Oktober. Trotzdem Herr Bürgermeister Neuber durch Krankheit ans Bett gefesselt war, hatte er doch Vorkehrungen getroffen, daß der hundertjährige Gedenktag ber Schlacht bet Leipzig in der hiesigen Gemeinde festlich begangen wurde. Um 7 Uhr abends fand ein Fackelzug statt, an dem sich die Feuerwehr, der Schützenverein sowie die Schuljugend beteiligte. Der Zug endete auf dem Aulaberg bei ben Friedenseichen, wo ein Freudenfeuer angezündet wurde. Patriotische Lieder wurden gesungen, der Schützenverein gab Salven ab und feurige Raketen wurden gen Himmel gesandt. Herr Valentin Neuber hielt eine Ansprache, in welcher er die Völkerschlacht bei Leipzig schilderte, und schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. — Bei einem guten Glas Bier blieben die Festteilnehmer noch versammelt und alle stimmten darin überein, daß man hier noch nie eine so schöne Feier erlebt habe.
-b- Philippsthal, 19. Oktober. Zur Feier des 18. Oktobers versammelten sich Sonnabend abend 51/2 Uhr die Schulen, Vereine Körperschaften und sonstigen Bürger auf dem hiesigen Marktplatze, wo die Verteilung von 500 Lampions vor sich ging. Unter Glockengeläute setzte sich der stattliche Zug punkt sechs Uhr in Bewegung unter Vorantritt der hiesigen Deisenrothschen Musikkapelle und eines Turnertrommlercorps. Das Ziel war der neu angelegte Turn- und Spielplatz auf dem Lindig, wo die Festteilnehmer sich zur Pflanzung einer Gedachtnis- eiche in weitem Halbkreise aufstellten, während un fernen Westen die Fackeln des Himmels langsam verglommen. Nach einleitendem Choral: „^ich bete an die Macht der Liebe" nahm Herr Pfarrer H e ß l e r das Wort. Er führte aus, daß Deutschland zur Erinnerung an seine großen Männer und Zeiten Denkmale aus Stein und Erz errichtet habe und heute das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig geweiht sei; wir wollten auch, sreilich unsern kleinen Verhaltmpen angemessen, zur Erinnerung und Mahnung ein Zeichen stiften, das den Jubel einer fluchtigen Stunde überdaure, wollten einen Baum pflanzen. Baume redeten lebendiger noch als toter Stein, sie glichen Menschen und Völkern, da sie den Stürmen Stand hielten, wenn sie tief gewurzelt seien, der Baum tn der Erde, Mensch und Volk in Gott. Zur Bismarck- und Friedenseiche hier komme nun die Jubilaums- eicke. Die alten Bäume der Gemarkung hatten so
eiche. Die alten Bäume der Gemarkung hatten so wechselnde Geschicke des Ortes geschaut, auch den Rückzug der geschlagenen Franzosen von Leipzig, der lebendig geschildert ward. Die neu gepflanzte Eiche möge stets Glück und Gedeihen des Ortes leben und als erster Baum auf dem neuen Spiel- und Festplatz der Gemeinde diese stets an das Große erinnern, das vor hundert Jahren geschehen und daß es durch Gottesfurcht und Einigkeit erreicht sei, die Eiche solle mahnen, daß über allen Feiern aus dem Platze der Geist der Vaterlandsliebe schwebe, die Jugend mahnen daß der tiefste Sinn ihrer Spiele sein müsse, fürs Vaterland tüchtig zu werden, der Vater wert zu sein. Als Pfarrer Heßler geendet hatte und der Bürgermeister Dr. B o e ck und der Schöffe Hauptmann B ö t t i ch e r zur Pflanzung der Eiche schritten, dröhnten auf ein Raketensignal hin von den Höhen
Bötticher zur Pflanzung d< dröhnten auf ein Raketensignal h jenseits über Philippsthal dreizeh
......— Philippsthal dreizehn Böllerschüsse herüber, während gleichzeitig in der Ferne auf dem Siegenberg das gewaltige Feuerzeichen zum Himmel aufflammte, das die Grüße Philippsthals und bey Werratals zur Wartburg, zum Thüringer Wald und zum Rhöngebirge hinübersenden sollte. Nachdem die Schulkinder das Lied: „Frei unb unerschütterlich wachsen unsere Eichen" gesungen und Gewehrsalven zu Ehren der Gefallenen abgegeben waren, setzte sich der Zug gleich Myriaden von Glühwürmchen unter dem Donner von Kanonenschlägen nach der Höhe über dem Spielplatz in Bewegung. Der haushohe Holzstoß ward angezüudet und während die Klänge des alten Liedes: Freiheit, die ich meine — zum Abendhimmel emporstiegen, schlug die gewaltige
Lohe zum Himmel auf. Nun rief eine Fanfare die rings um das Flammenzeichen ausgeschwärmten Teilnehmer zusammen und der Bürgermeister richtete einen Prolog zum 18. Oktober in gebundener Redeweise an die Festversammlung und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Landesherrn, das unter dem Donner von Kaüvnenschlägen auf den Höhen jenseits wieder einen Salut von 13 Böllerschüssen auslöste, während die Musik „Heil dir im
Siegerkranz" intonierte, das alle Anwesenden mit- sangen. Die Lieder „Flamme empor" und „Deutschland, Deutschland über alles" mischten sich in das Brausen der Flammen und das Krachen der zusammenstürzenden Holzscheite. — Fanfaren riefen zur Heimkehr. Von bengalischen Feuern beleuchtet, bewegte sich der Zug zum Orte zurück und endete in dem großen Saal des Zinn'schen Gasthauses. Durch die Munificenz der Schloßverwaltung war dieser mit Eichen- und Lorbeerbäumen auf das Prächtigste geschmückt und verlieh dem Ganzen im Verein mit dem großen Kaiserbilde des Bürgermeisteramts ein sinniges Gepräge. Dort begann der Kommers der sämtlichen männlichen Festteilnehmer, die an diesem Tage die gesamte Einwohnerschaft umfaßten, sodaß der große Saal die Gäste kaum alle aufzunehmen vermochte. Vom Bürgermeister willkommen geheißen, nahmen diese dessen Mitteilung, daß Seine Hoheit der Landgraf von Hessen, den edlen Gerstensaft für alle Anwesenden spenden wolle, beifällig auf und sorgten bis Mitternacht dafür, daß der hohe Spender ganz gehörig in die Kreide kam. Musikvorträge wechselten mit Ansprachen. Der Vorstand des Turnvereins, N i e b l i n g, wies in beredten Worten auf die Vorteile der Turnerei für die nationale Sache und für die Ertüchtigung der Jugend hin imir erinnerte daran, daß auch schon der Turnvater Iahn Freischaren sür den Befreiungskampf geworben hat. Er schloß mit der Mahnung, die Bestrebungen der nationalen Turnerei zu unterstützen. Im Anschluß daran stellten die Turner im Freien bei bengalischer Beleuchtung lebende Bilder dar. — Nachdem der Bürgermeister den Turnern für die Darbietungen gedankt und Gut Heil ausgebracht hatte, nahm Lehrer M ü n ch das Wort. Ausgehend von den Freiheitskämpfen, wies er darauf hin, daß leider damals eine Einigung des gesamten Volkes unter einem gemeinsamen Szepter nicht möglich geworden sei. Dieses große Werk sei girier späteren Zeit im Kampfe gegen bei vorbehalten geblieben. Der Redner
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_____,_______ ____ . ging dann auf die Größe der'jetzigen Weltmachtstellung Deutschlands, seinen Aufschwung in Handel und Verkehr, seinen alle Völker übertreffenden Fortschritt in Technik und Wissenschaft und sein stetiges Wachstum an Volkskraft ein. Nicht Erweiterung unserer Landesgrenzen, sondern immer kräftigere Betonung unseres nationalen Volksbewußtseins sei das Ziel unserer Zukunft. Er schloß mit dem Dichterwort: Am deutschen Wesen soll einmal die Welt genesen. Die kernigen Ausführungen weckten allseitigen Beifall. — Pfarrer Heßler trug aus dem Tim Klein'schen Buche: Die Befreiung von 1813, 14, 15 packende Schilderungen der heißen Kämpfe um Leipzig und Berichte von Augenzeugen vor und leitete dann hinüber auf die Kriegsereignisse in unserer nächsten Umgebung. Besonderes Interesse fand ein Brief Blüchers, den er von Philippsthal aus an sein Malchen geschrieben hat, worin er unter anderem von der Hetzjagd hinter Napoleon her berichtet und erwähnt, er hätte jetzt „so viele Orden uff dem Leibe, daß- keiner mehr druff ginge". — Rendant Wiegand erinnerte an die Pflicht, am kommenden Morgen auch Gott die Ehre zu geben. _ Als die Feier dem Ende nahte, gedachte der Bürgermeister — anknüpfend an die großen Lebensprobleme: des Nützlichkeitsprinzips, wie es durch jede Schaffung von Kulturwerten und durch die Ver- teidigung deutscher Kultur 1813/14 und 1870 71 betätigt worden sei, und des Prinzips der Lebensfreude — am Schlüsse des hochherzigen Spenders und brächte ein Hoch auf Se. Hoheit den Landgrafen ans, das einen bransenden Beifallssturm auslöste. — Am Sonntag Morgen wurde vom Jakobsberg herab der Choral: „Nun danket alle Gott" geblasen. Um 10 nbr rückten die Vereine und Körperschaften mit Musik in die Kirche zum Dankgottesdienste, in dessen liturgischen Teil zur Feier des Tages ein Solovortrag der Lehrerin Fräulein Weiß: die Allmacht von Schubert, eingefügt war.
Bebra, 19. Oktober. Gestern morgen von 8 Uhr ab fand auf dem Wilhelmsplatz hier ein Remontemarkt statt der mit ungefähr 200 Pferden beschickt war. Die Ankaufskommission, eine Anzahl Offiziere, trafen strenge Wahl; nur Tiere nicht unter 5 Jahren und nickt zn schwer wurden ausgemustert; die Preye bewegten^sichzwischen 1200 und 1600 Mk. Es wurden im ganzen 33 Pferde ange kauft, davon 3 von ^aud- wirten unb die übrigen von Händlern. Dre Tiere wurden gleich für die in betracht kommenden Garnisonen
zusammengestellt, hier verladen und durch Fritzlarer Artilleristen an ihren Bestimmungsort gebracht. Der Ausmusterung wohnten eine große Anzahl von Interessenten und Schaulustigen bei.
-h- Jesberg, 19. Oktober. Ein hier bedienstetes Mädchen wollte seine in Witzenhausen wohnende Pflegeeltern besuchen, und da es gerade bei einer anderen Herrschaft ein treten wollte, hatte es seine aus 75 Mk. bestehenden Ersparnisse mitgenommen. Auf dem Rückweg begriffen, stieg es in Zimmersrode aus, und zu seinem größten Schrecken bemerkte es, daß es seine Handtasche mit dem Gelde in dem inzwischen nach Schlierbach abgefahrenen Zuge hatte hängen lassen. Rasch entschlossen erzählte es dem dienst- tuenden Beamten in Zimmersrode das Vorgefallene, der es sofort seinem Kollegen in Schlierbach telefonisch mitteilte. Der inzwischen in Schlierbach einlaufende Zug wurde kontrolliert und in dem von dem Mädchen näher bezeichneten Wagen hing noch das fragliche Handtäschchen, mit dem gesamten Inhalt, das bald dem glücklichen Mädchen zugestellt wurde.
Caflel, 20. Oktober. Unter großen militärischen Ehren wurde heute vormittag die Leiche des hier im 72. Lebensjahre verstorbenen früheren kommandierenden Generals des 3. Armeekorps, Chef des Infanterieregiments von Steinmetz Nr. 37 und Inhaber des Schwarzen Adlerordens, Generals der Infanterie z. D. Victor von Liegnitz auf dem hiesigen Militärfrieöhof beigesetzt. In der Karolinenstraße waren zwei Batterien des Feldartillerie-Regiments Nr. 11 aufgefahren, die in dem Augenblick, als um 12 Uhr der Sarg der Erde übergeben wurde, gleichzeitig mit der Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 83, die drei Salven, über den Grabhügel schoß, einen Salut von 100 Schutz abgaben.
Hanau a. M., 19. Oktober. In der Nähe des benachbarten Ortes Kälberau stieß der Forstaufseher Englert auf einen Wilderer, der, als er sich verfolgt sah, einen Schuß gegen den Forstaufseher abgab und dann das Weite suchte. Die Gendarmerie in Alzenau holte, da schon öfters gewildert wurde, ohne daß man hätte den Täter erwischen können, einen Kriminalbeamten mit seinem Polizeihund. Letzterer wurde auf die gut erhaltenen Fußspuren gesetzt, nahm eine zweistündige Fährte auf über den Hahnenkamm nach Strötzbach und verbellte die Haustüre des 28 Jahre alten Maurers Mich. Faller. Eine Haussuchung führte zur Auffindung von Jagdgeräten und einem großen Lager von Wildpelzen. Als der Maurer von seiner Arbeitsstelle zurttckkehrte, wurde er verhaftet. Er hat die Tat auch sofort eingeftanben.
Etwas vom Apfel.
In Deutschland hat der Apfel unter allem Obst eine führende Rolle übernommen. Seine Kultur ist deukbar einfach, sein Anbau so ziemlich über die ganze Welt verbreitet, und seine Arten sind so mannigfaltig, daß sie an Größe und Geschmack oft kaum als Söhne eines ri erkennen sind. Neben den edlen
Calvillen, Goldparmänen und Gravensteinern steht die derbere Reinette, der sauere aromatische Wein- liug, der zierliche Borsdorfer; der Hasenkopf, in dem zur Freude der Kinder die Kerne klappern, neben dem fleischigen Stettiner und dem kältetrotzenden Rostocker. Da gibt es dann noch die feinschaligen Pepins, die süßen, riesengroßen Alexander, mit ihren geflammten gelb und roten Backen, das dunkelrote Weihnachtsäpfelchen und den vornehmen Rosmarinapfel aus dem südlichen Tirol, von dem oft ein einziger 1,50 Mk. kostet. Amerika und Australien exportieren außerdem massenhaft Aepfel nach Deutschland. Im Haushalt sollte man neben gutem Tafelobst besonders auf haltbare, nicht zu zarte Kochäpfel sehen. Der Speisezettel kann dadurch eine weitgehende Bereicherung erfahren und gesundheitlich wohltätig wirken. Auch für die Krankenkost ist der Apfel eine nicht zu unterschätzende wertvolle Zugabe; Apfelgelee, Apfelmus, Apfelwasser und Apfelwein bringen oft eher Linderung bei fieberhaften Zuständen chjs Medi- kamente. Man kann ein ganzes Menü von Aepfeln zusammenstellen, und wird den Apsel sich doch nicht zuwider essen. Der Apfel reinigt und verdünnt das Blut und übt auch auf die Verdauungsorgane eine sehr wohltuende und fördernde Wirkung aus. Besonders aber vor dem Schlafengehen genossen, wirkt der Apfel vorzüglich, indem er das Blut beruhigt und den aufgeregten Geist besänftigt. Namentlich ist der Apfel allen denen zu empfehlen, die schwere, oder andauernde geistige Arbeit zu verrichten haben, und denen ihrer Nerven wegen alle Reizstoffe wie Kaffee, Tee, Tabak usw. verboten wurden. Der Apfel ist im übrigen noch ein guter Durststiller, da uns in ihm das vorzüglichste, reinste Getränk geboten wird, das es überhaupt gibt.