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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

hersfelder

für den Kreis Hersfeld

Kreirblatt

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 139. Freitag, den 24. Oktober 1913.

Bus der Heimat.

* (Gibt e s K i n d e r z u l a g e n?) Bei allen preußischen Beamten, sowohl den etats- wie außer- etatsmäßigen, haben kürzlich Erhebungen über den Haus- und Familienstand nach dem Stande vom 1. Oktober stattgefunden. Es wird angenommen, daß es sich um die im Ministerium erwogenen Kinder­zulagen gehandelt hat. Doch weiß man dies nicht bestimmt.

* (Portofreiheit für Soldatenpakete.)

Nach zuverläfsigen Berichten schweben gegenwärtig Erwägungen, die darauf abzielen, eventuell volle Portofreiheit für Soldatenpakete unter gewissen Voraussetzungen einzuführen. Bekanntlich sind heute Pakete, die an Soldaten gerichtet werden, nicht porto­frei wie die sogenannten Soldatenbriefe, sondern sie unterliegen lediglich einer Ermäßigung des Porto­satzes. Nun macht sich aber schon seit längerer Zeit lebhaft der Wunsch geltend, daß für Soldatenpakete die gleiche Bevorzugung eingeführt werden möchte. Die Angelegenheit hat bereits mehrfach den Reichstag beschäftigt und zu verschiedenen Resolutionen des Parlaments im Sinne der genannten Bestrebungen geführt. An ein Entgegenkommen der Reichspost- verwaltung ist wohl kaum zu denken. Dagegen dürften die ermäßigten Wünsche, die sich auf Portofreiheit für alle Pakete, die zwischen den Soldaten und ihren An­gehörigen gewechselt werden, unter Einhaltung einer bestimmten Gesichtsgrenze, Aussicht auf Erfüllung haben. Daß die Angelegenheit demnächst in einer den Soldaten günstigen Weise geregelt werden wird, ist mit Sicherheit zu erwarten.

* (Sie Altersgrenze für den Fort­bildungsschulbesuch.) Es bestehen immer noch Zweifel darüber, bis zu welchem Alter gewerbliche Lehrlinge zum Fortbildungsschulbesuchgenötigt werden können. Wie der F. G. A. schreibt, ist von dem zu­ständigen Ressort in einem Erlaß verfügt worden, daß im allgemeinen das vollendete 21. Lebensjahr als Grenze zu betrachten ist, über die hinaus eine Nötigung für Lehrlinge zum Fortbildungsschulbesuch von Hand­werkskammern und Innungen nicht geübt werden soll. Es geht hieraus hervor, daß Lehrlrnge, ine drese Altersgrenze überschritten haben und gegen die An­ordnung fehlen, wegen Versäumnis der Fortbildungs­schule nicht bestraft werden können. Die Altersgrenze hebt dagegen nicht die Verpflichtung des Lehrherrn auf, den Lehrling zum Besuch der Fortbildungsschule anzuhalten und den Schulbesuch zu überwachen, da diese Pflicht solange besteht, wie das Lehrverhaltms dauert, und zwar ohne Rücksicht auf das Lebensalter des Lehrlings. Im Falle der Lehrherr gegen diese Verpflichtung verstößt, macht er sich strafbar. Nur für Inhaber offener Verkaufsstellen ist die,Ver­pflichtung einerseits auf Lehrlinge unter 18 Jahre beschränkt und andererseits auf Gehilfen unter 18 Jahre ausgedehnt.

-k- Hersfeld, 23. Oktober. Am Mittwoch, den 29. Oktober, nachmittags 2 Uhr, findet vom L a n d w i r t - schaftlichen Kreis-Verein Hersfeld aus im Hotel Stern, Hersfeld ein Vor trag über dieAnwendung derElektrizität in den landwirtschaftlichen Betrieben und deren Nutzen statt. Der Vortrag wird sich zunächst auf Wesen und Zweck der Ueberlandzentralen, speziell der Edertalsperre, sowie auf das dabei zur Aus­führung gelangende Stromverteilungssystem erstrecken. Es werden dann die Anwendungen der Elektrizit<ck sowohl in landwirtschaftlichen Betrieben als auch im Kleingewerbe als Kraft- sowie als Lichtquelle er­läutert werden, wobei speziell die durch Verwendung der Elektrizität dem Landwirt wie dem Handwerker erwachsenden ganz bedeutenden Borteile und An­nehmlichkeiten eingehend auseinandergesetzt werden, an einer Reihe Erfahrungswerten werden dem Verbraucher durch die Elektrizität erwachsenden Kosten erörtert und hierdurch der Nachweis geführt, daß die Elektrizität billiger ist als wie rede andere Kraft- und Lichtquelle. Zum Schluß werden an einer Reihe von Lichtbildern von ausgefuhrten Anlagen die Herstellung und Anwendungen der Elektrizität den Besuchern vor Augen geführt.

):( Hersfeld, 22. Oktober. Die sogenannten Spanischen Schatzschwinöler entfalten neuer­dings wieder einmal in Deutschland besonders lebhaft ihre betrügerische Tätigkeit, die bekanntlich darauf hiuausläuft, denen, die nicht alle werden, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Während früher ein ver­grabener Schatz (daher der Name Schatzschwindler) als Lockmittel diente, spielt jetzt, den Verhältnißen der Neuzeit mehr entsprechend, ein Reisekoffer mit Wertpapieren bei der leider oft genug erfolgreichen Spekulation auf die Einfalt der Menschen die H<"'"^ rolle. In den Briefen, mit denen von Madrid

Barcelona aus, anscheinend auf Grund von Adreß­büchern, die verschiedensten Teile Deutschlands überschwemmt werden, ist die Aufforderung ent­halten, einen größeren Geldbetrag nach Spanien zu senden oder persönlich zu überbringen oder auch lediglich selbst nach der einen oder der anderen der genannten Städte zu kommen, um den angeblich dort im Gefängnis sitzenden Briefschreiber bei der Aus­lösung des mit Beschlag belegten Koffers behilflich zu sein, von dessen Inhalt dem Briefempfänger ein Teil als Belohnung zugesichert wird. Trotzdem es in die Augen fällt, daß es lediglich auf das Geld des Brief­empfängers abgesehen ist, finden sich immer wieder Leute, die auf den plumpen Schwindel hineinfallen und ihre Vertrauensseligkeit mit empfindlichen Geld­verlusten, günstigenfalls mit den Kosten einer zweck­losen Reise nach Spanien zu büßen haben. Es muß deshalb stets von neuem davor gewarnt werden, auf die Angebote der Briefschreiber einzugehen und ihren Angaben, auch wenn sie durch echt erscheinende Urkunden belegt werden, Glauben zu schenken.

):( Hersfeld, 23. Oktober. Auf Veranlassung des Vorstandes des K n ü l l k l n b s, der durch mehrere Herren und den Vorsitzenden, Herrn Amtsrichter H e u ß n e r aus Niederaula, vertreten war, hatten sich gestern abend im Hotel zum Stern die hier wohnenden Mitglieder des Knüllklubs eingefunden, um zwecks Gründung eines Zweigvereins Hersfeld zu verhandeln. Von den 24 hiesigen Mitgliedern des Knüllklubs gehören 22 gleichzeitig auch dem hiesigen Touristenklub an, weshalb letzterem ebenfalls Gelegenheit gegeben worden war, sich an den Besprechungen zu beteiligen. Leider waren nur wenige Mitglieder des Touristenklubs erschienen, so daß die Herren vom Vorstände des Knüllklubs einst­weilen von Gründung einer Ortsgruppe absehen möchten bis der Touristenklub sich über eine Gesamt- Anschließung an den Knüllklub besprochen hätte. Das Gebiet des Touristenklubs sei doch nur ein beschränktes und könne sich durch Anschluß an den Knüllklub bedeutend erweitern. Es wurde verschiedent­lich betont, daß Hersfeld in mehrfacher Hinsicht das größte Interesse an einer engeren Fühlung mit dem Knüllklub habe, da dessen Interessengebiet bis vor die Tore Hersfelds reiche. Gleichsam wie Fulda der Mittelpunkt des Rhönklubs wäre, obwohl es doch auch nicht inmitten der Rhön liege, so könne Hersfeld der Hauptsitz des Knüllklubs werden. Von verschie­denen Seiten wurde keine Schädigung des hiesigen Touristenklubs durch die Gründung eines Knüllklub- Zweigvereins erblickt, im Gegenteil würden dann beide Vereine in edlem Wettbewerb sich gegenseitig anspornen. Jedenfalls würde es mit Freuden zu begrüßen sein, wenn die Gründung eines Knüllklub- Zweigvereins hier dennoch zustande käme. Die Ver­handlungen gaben verschiedentlich Anlaß zu recht ausgedehnten Debatten.

8 Hersfeld, 23. Oktober. (Verlosung von Landeskreditkassen-Obligationen.) Wir werden ersucht darauf hinzuweisen, daß die neueste Verlosungsliste der Landeskreditkasse bei der Landes- Renterei hier eingesehen werden kann. Die Ein­lösung der gekündigten Obligationen erfolgt so­fern dagegen 4o/oige Stücke gekauft werden vom 1. November ab, die bare Auszahlung dagegen erst vom 1. März 1914 an.

Betziesdorf, 20. Oktober. In der Frühe des letzten Samstags zerrissen 2 Hunde hiesiger Einwohner im Schafpferch 12 Schafe. Die Tiere wurden, soweit sie noch lebten, geschlachtet und für 5 Mk. pro Stück ver­kauft. Der Schaden beträgt etwa 450 Mk.

Weidenau, 21. Oktober. Heute morgen um 3^ Uhr wurde in der Nähe der Station der Rangierer Karl Büdenbender aus Weidenbach von einem Zug überfahren, dessen Herankommen er bei dem herrschenden starken Nebel nicht bemerkt hatte. Er war sofort tot. B. ist 23 Jahre alt und ledig.

Heiligenstadt, 22. Oktober. In dem Dorfe Oster- hagen auf dem Eichsfelde wütet seit heute mittag eine verheerende Feuersbrunst. Drei große Bauerngehöfte mit allen Maschinen und Erntevorräten find bereits vollständig eingeäschert worden. Der angerichtete Schaden ist sehr bedeutend.

Wiüenhausen, 21. Oktober. Die deutsche Kolonial- fchule eröffnete heute ihr Wintersemester mit 98 Studierenden, die bisher erreichte höchste Zahl.

Büdingen, 19. Oktober. Die unheimliche Erschei­nung der spinalen Kinderlähmung gewinnt jetzt auch im Kreise Büdingen Boden. Nachdem erst in Blessen- bach die Krankheit auftrat, forderte sie letzt auch ein Opfer in Wippenbach. Mehrere Kinder liegen hier außerdem noch schwer krank darnieder. Durch Tur- ick/lder sind die Häuser kenntlich gemacht, in denen

Wallernhansen (bei Nidöa), 22. Oktober. Hier streiken die Schulkinder auf Veranlassung der Eltern. Der Grund ist folgender: Als der alte Schullehrer gestorben war, setzte die hessische Regierung einen jungen Lehrer her, der auch sehr beliebt wurde. Aber die Stelle bekam er schließlich nicht definitiv, sondern ein Lehrer aus Vilbel. Keine Hand regte sich, als der Lehrer einzog. Niemand war behilflich. Nur einige Kinder kamen zur Schule, die anderen streikten und wollen so lange streiken, bis der frühere Lehrer wiederkommt. Auch eine andere Demonstration leistete man sich am 18. Oktober, indem man aus Trauer um den Lehrer den schon fertigen Holzstoß nicht anzündete. Man wird neugierig sein dürfen, wie die hessische Regierung mit den 617 Einwohner zählenden Wallernhausen fertig wird.

Cassel, 22. Oktober. Von der hiesigen Straf­kammer wurde heute der Direktor des Elektrizitäts­werkes in Witzenhausen, Blumenstein, wegen Be­leidigung des Papierfabrikanten und Stadtver­ordneten Louis Staffel daselbst zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt. Dem Beleidigten wurde die Publikation des Urteils zugesprochen.

Frankfurt a. M., 22. Oktober. Gestern abend gegen V29 Uhr rannte der Zigarrenhändler Richard Haas auf der Eschersheimer Landstraße mit einem Motorrad gegen ein Auto, wurde zur Seite geschleudert und erlitt so schwere Verletzungen, daß er in der Nacht im Diakonissenhaus verstarb.

Wiesbaden, 22. Oktober. In dem Betrugsprozeß gegen die Baronin von Saldern-Ahlimb wurde die Angeklagte nach fünfstündiger Verhandlung frei­gesprochen, weil ihr eine Schuld nicht nachgewiesen werden konnte. Der Staatsanwalt hatte einige Tage Gefängnis beantragt.

Erfurt, 21. Oktober. Das Kriegsgericht in Erfurt verurteilte einen Musketier vom 71. Infanterie- Regiment zu einem Jahr und drei Monaten Ge­fängnis, weil er einen schwunghaften Handel mit Militärstiefeln betrieben hatte.

Erfurt, 22. Oktober. Gestern abend zwischen 8 und 9 Uhr sprang die in der Skalitzerstraße wohnhafte Frau Kafka von einem Wagen der elektrischen Straßen­bahn, während sich dieser in voller Fahrt befand. Die Frau kam zu Fall und erlitt eine schwere Ge­hirnerschütterung, an deren Folgen sie bald darauf im Krankenhause starb.

Rudolstadt, 22. Oktober. Der Sattlergehilfe Johann Steb wurde vom Schwurgericht wegen Mein- eiös zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Wenige Minuten später erhängte er sich in seiner Zelle. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Steb hatte außer dem Meineid noch Ver­schiedenes anf dem Kerbholz.

Arnstadt, 21. Oktober. Auf dem Bahnkörper nach Plane fahen die Beamten eines Zuges einen Mann liegen. Der konnte jedoch nicht mehr zum Stehen gebracht werden und ging über den Mann hinweg. Im Glauben, daß ein tödlicher Unfall vorliege, be­nachrichtigte man von der nächsten Station aus die Polizei, die dann zwischen den Schienen liegend und vollkommen unverletzt den total betrunkenen 35= jährigen Handarbeiter St. aus Arnstadt vorfand. Der Tote" war nur schwer aus dem Schlafe zu wecken. Der bereits beschaffte Leichenwagen wurde wieder abbestellt.

Niedersfeld (Sauerland), 22. Oktober. Von einem Automobil aus Münster, in dem sich ein Herr und eine Dame befanden, wurde ein hiesiger tauber Greis überfahren und noch eine Strecke weit mitgeschleift. Er starb an den erhaltenen furchtbaren Verletzungen etwa eine Stunde später. Der alte Mann hatte ine Signale des in schnellem Tempo fahrenden Auto­mobils nicht hören können und war, als er von Zu­schauern auf die nahende Gefahr aufmerksam gemacht wurde, nach derselben Seite ausgebogen, anf der ihn das Fahrzeug überholen wollte.

Warstein (Sauerland), 21. Oktober. In einer hiesigen Wirtschaft machte ein Arbeiter einem hiesigen Hammerschmied Vorhaltungen, daß dieser daran schuld sei, daß er der Arbeiter. s. Z. ein Jahr Ge­fängnis erhalten habe. Schließlich griff der Rauf­lustige zum Messer und drang anf den Hammer- fchmied ein, der mit argen Verletzungen im Gesicht ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Der Ver­letzte hatte vor einigen Jahren in einer Gerichts­verhandlung gegen den Täter wegen Körperverletzung als Schöffe mitgewirkt.

Wetteranssichten für Freitag den 24. Oktober.

Wolkig, geringe Regenfälle, nördliche Winde, kälter.