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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^h für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ~ t fk zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei 5)$t5|ClUtt Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im JUwSulUU amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­

holungen wird Rabatt gewährt. Erfcheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 143, Dienstag, den 38. Oktober 1913.

Allen denjenigen, die sich von dem anerkannt reichhaltigen interessanten Inhalt des Hersfelder Tageblatts, der sich auf alle Ge­biete erstreckt, überzeugen wollen, ist für November und Dezember die beste Gelegenheit zu einem Probeabonne­ment gegeben.

In der kurzen Zeit seines Erscheinens hat sich das Hersfelder Tageblatt stets als gut unterrichtet erwiesen. Die politischen und nicht politischen Berichte werden täglich auf Grund neuster Nachrichten zusammengestellt.

Alle bis zum Nachmittag vorliegenden wichtigen Tele­gramme finden an demselben Tage noch Aufnahme.

Aus der Heimat«

* (Konservierung von Eiern.) Für den Handel ist im allgemeinen zur Konservierung von Eiern die Lagerung in Kühlhäusern vorteilhafter. Für den Hausgebrauch jedoch ist die Konservierung von Eiern mit Wasserglas vorzuziehen. Die Haupt­sache ist, wie J. N. Bartlett in derChem. Ztg." be­richtet, daß nur gute, frische Eier konserviert werden, daß man eine Wasserglaslösnng von richtiger Zu­sammensetzung und ohne freies Alkali verwendet. Ferner müssen die Eier von der Lösung vollständig bedeckt in einem irdenen oder verzinnten eisernen Gefäß kühl aufbewahrt werden. Die Zusammensetzung des Wasserglases ist sehr wichtig. Ist das Wasserglas zu stark alkalisch, so nimmt das Eiweiß der Eier eine gelbliche Färbung an. Gute Resultate erzielt, man mit Wasserglas, das 24,2 Teile Siliciumoxyd auf 8,89 Natriumoxyd enthält. Die so konservierten Eier unterschieden sich fast garnicht von frischen. Der viel­verbreitete Glaube, daß die mit Wasserglas konser­vierten Eier lösliche Kieselerde enthielten und deshalb sehr gesundheitsschädlich seien, erwies sich, wie zu er­warten war, als unrichtig. In guter Werfe in Wasser­glas aufbewahrte Eier zeigen vielmehr, rote dre Naturwissenschaftliche Wochenschrift" betont, keinen größeren Gehalt an Silicium, oder anderen anor­ganischen Stoffen als frische Eier. Der Feuchtigkeits­gehalt ist ebenfalls unverändert. Der Nährwert wird, soweit dies durch die chemische Analyse nachweisbar ist, nicht geändert.

* (Inwieweit treffen die Weilbnrger Wettervoraussagen zu?) Zu dieser Frage findet sich eine für das Jahr 1912 berechnete interessante Feststellung in dem jetzt erschienenen Bericht der Obst- bananstalt Oberzwehren. Danach hat die von der Anstalt eingerichtete Prüfungsstelle für Wettervoraus- sagen festgestellt, daß vom Mai bis einschließlich September die Mitteilungen zu 55 Proz. zutreffend, zu 32,6 Proz. vorwiegend zutreffend, zu 9,8 Proz. vor­wiegend verfehlt und zu 2,6 Proz. verfehlt waren.

*(Die Viehseuchenabgaben.) Nach dem vom Landesausschuß in seiner Sitzung vorn 24. Sept. genehmigten Voranschlag der Einnahmen und Aus­gaben des Viehseuchensonds für das Jahr 1914 ist für das genannte Jahr von der Erhebung von Beiträgen (Viehseuchenabgaben) für Pferde usw. mit Rücksicht aus die Höhe des Reservefonds abgesehen, dagegen die Erhebung eines Beitrags für Rindvieh in Höhe von 20 Pf. für jedes Stück beschlossen worden. Der Uuterverteilung der zu erhebenden Beiträge sind die Ergebnisse der nach Beschluß des Bundesrats vorn 1 Dezember d. Js. stattfindenden allgemeinen Vieh­zählung zugrunde zu legen.

ps Hersfeld, 27. Oktober. Der Reichsbank - diskont wurde auf 5v2o/o, der Lombardzinsfuß auf 6V2 % ermäßigt.

):( Hersfeld, 27. Oktober. (B unter Abend des Lieder kranz). Der in weiten Kreisen des hiesigen Publikums geschätzte Männergesangverern Liederkranz hat für seinen am nächsten Sonntag in der neuen Turnhalle stattfindendenBunten Abend ein überaus mannigfaltiges und reichhaltiges Pro­gramm ausgestellt. Als Rezitator ist Herr Bock aus Hanau gewonnen worden. Er wird ernste und heitere Dichtungen in hochdeutscher Sprache und im Dialekt zum Vortrag bringen. Unter den Chören finden wir eine Ballade von dem süddeutschen Komponisten Wengert und außerdem durchweg Chöre neuer Meister.

H Hersfeld, 27. Oktober. Eine nächtliche n fi e st ö r u n g verursachte in der Nacht vom Sonn­abend zum Sonntag ein Arbeiter in der Weinstraße und am Linggplatz. Als er mit mehreren jungen Herren in Streitigkeiten geriet, bezog er von den­selben eine Tracht Prügel. Von der Polizei wurde

der Ruhestörer, der sich vorher schon in anderen Straßen unliebsam bemerkbar gemacht hatte, festge­nommen und zur Wache gebracht.

):( Hersfeld, 27. Oktober. Im Laufe dieser Woche wird zu Uebungszwecken eine Alarmierung der gesamten Feuerwehr stattfinden.

):( Hersfeld, 27. Oktober. Eine würdige echt patriotische Feier zur Erinnerung an den Freiheitskrieg 1813 veranstaltete gestern abend unter großer Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung der hiesige Evangelische Arbeiterverein. Mit dem vom Posaunenchor des Jünglingsvereins flott gespielten Torgauer Marsch wurde das reich­haltige Programm des Abends eingeleitet. Herr Schmiedemeister Tobias Glebe sprach dann in schwungvoller Weise Theodor Körners Aufruf. Hierauf solgten zwei Chorlieder des Männergesangvereins der Firma A. Rechberg, die unter Leitung des Herrn Dirigenten Biehl in vorzüglicher Weise zum Vor­trag kamen und lauten Beifall ernteten. Im Namen des Evangelische« Arbeitervereins hieß Herr Pfarrer Scheffer die Erschienenen willkommen und schil­derte in packender Weise die Ereignisse des Jahres 1813. Die von echt patriotischen: Geiste getragene Ansprache endete mit einem jubelnd aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, worauf gemeinsam Heil Dir im Siegerkranz" gesungen wurde. Aber­mals trug der Männergesangverein der Firma Rech­berg zwei Chorlieder vor, denen sich eine Deklamation des Herrn Conrad JakobGruß an das Vater­land" anschloß. Ein Vortrag des Posaunenchors des JünglingsvereinsOde an die Freiheit" trug weiter zur Verschönerung des Abends bei. Den Schluß des Abends bildete die Aufführung des vaterländischen FestspielsAus eiserner Zeit," welches in zwei Bildern die Zustände der Franzosenherrschaft im Jahre 1813 schilderte. Die Mitwirkenden entledigten sich ihrer Aufgabe auf das Beste und erzielten mit ihren treffend wiedergegebenen Rollen stürmischen Beifall. Mit dem gemeinsamen Gesang des LiedesDeutsch­land, Deutschland über alles" schloß die eindrucksvolle Feier. Ein gemütliches Beisammensein hielt dann noch die Gäste und Mitglieder des Evangelischen Arbeitervereins in bester Stimmung beisammen. Der Abend hat gezeigt, daß in dem Evangelischen Ar­beiterverein unter einer vortrefflichen Leitung der Geist echt nationaler Gesinnung auf das Beste gepflegt wird. Hoffentlich tritt der Verein in Zukunft noch öfters an die Oeffentlichkeit, der Unterstützung weitester Kreise wird er, das hat der gestrige Abend wieder gezeigt, sicher fein.

Ziegenhain, 25. Oktober. Seit einiger Zeit werden aus bem Zuchthaus«? in Diez Sträflinge in andere Strafanstalten überführt. U. a. wurde der 78jähr:ge Sträfling Johann Peter Müller, gebürtig aus Cron- berg im Taunus, der wegen Totschlags vom Schwur- neriebt Wiesbaden im Jahre 1872 zu einer lebens­länglichen Zuchthausstrafe verurteilt worden war, in die Anstalt Ziegenhain transportiert.

Marburg, 25. Oktober. Das Landgericht verur­teilte heute einen Reisenden aus Höchst, der sich in Frankfurt eine Fahrkarte 4. Klasse löste, bannt bis Marburg fuhr und dann zu seiner Fahrkarte, bie bis Cassel galt, eine solche dritter Klaffe bis Kirchhau: nahm, jedoch im Eilzuge sitzen blieb, zu 14 Tagen Gefängnis. Bei der Revision in Wabern kam es heraus, daß er nur eine Karte 4 Klaffe besaß. Seine Entschuldigung, daß er in Cassel habe nachbezahlen wollen, schützte ihn nicht vor Strafe.

Cassel 27. Oktober. Die Abgcordneten-Versamm- lung des 'Kurhessischen Sängerbundes fand gestern in Marburg statt. Die Versammlung wurde um J/211 Uhr vormittags im RestaurantSebvde" eröffnet. Der bcm Kurhessischen Sängerbünde angehörende Liedcrverein Marburg leitete den Sängertag mit dem Bortrage des ChoresHymne an die Musik" von Lachner ein; der Chor wurde unter Leitung des Dirigenten Herrn Lehrer Engelhardt wirkungsvoll zu Gehör gebracht. Hierauf erfolgte die Begrüßung der Bundesdelegierten durch Herrn Spörhase von Marburg, woran sich eine Ansprache des Bundes- vorsitzenden Schade schloß, die die Entwickelung des Kurhessischen Sängerbundes schilderte. Der Bund zählt zurzeit 50 Vereine mit zusammen ca. 3000 Mitgliedern. Das nächstjährige Bundesfest findet in Cassel am 27. bis 29. Juli 1914, verbinden mit der 80jährigen Jubelfeier des Kurhessischen Sänger­bundes, statt.

Hanau, 23. Oktober. In der heutigen Stadtver- orbuetenfiVung wurde bei der von dcu Svzml- demokraten angeschnittenen Frage wegen Unterstützung Arbeitsloser in diesem Winter vom Oberbürgermeister erwidert, daß namentlich für Bauhandwerker reichliche Arbeitsgelegenheit vorhanden sein werde, da nach­

träglich noch für die beiden hiesigen Eisenbahn-Regi­menter die Depotbauten hergestellt werden müßten, im Betrage von etwa 650 000 Mk.

Marburg, 23. Oktober. Die hiesige große Aktien- Zuckerfabrik verarbeitet jetzt alltäglich große Mengen von Zuckerrüben. Die Ernte ist im allgemeinen eine recht gute zu nennen. Auch der Zuckergehalt ist heuer ein verhältnismäßig hoher, sodaß die Anbauer vermutlich durchaus auf ihre Kosten kommen werden. Von einem Sinken der relativ hohen Zuckerpreise ist allerdings noch nichts zu hören.

Hettstedt, 24. Oktober. Einen plötzlichen Tod erlitt in dem nahen Greifenhagen der 58jährige Hecke- voigt Friedr. Ecke. Der beladene Fruchtboden seines Grundstückes war bisher mit Stempeln gestützt, die aber gestern beseitigt werden sollten. Dabei wurde Ecke von einem stürzenden Balken so unglücklich getroffen, doß er einen doppelten Genickbruch erhielt, der den sofortigen Tod zur Folge hatte.

Duderstadt, 25. Oktober. Der Arbeiter Meineke in Bilshausen stürzte gestern die Treppe hinab. Dabei wurde ihm der Schädel gespalten, sodaß der Tod sofort eintrat.

Arnstadt, 24. Oktober. Hier beleidigte ein Mann, der im Zuhörerraum einer Verhandlung des Schöffen­gerichts beiwvhnte, durch einen Zuruf einen Zeugen, wofür er sofort in eine Haftstrafe von 24 Stunden genommen wurde. Als der Mann nun eine unge­hörige Bemerkung zum Vorsitzenden machte, erhielt er noch weitere 2 Tage Haft.

Corbach, 24. Oktober. Ein Unglücksfall mit töd­lichem Ausgang hat sich heute Nacht auf der Kolonie bei Bruchhausen ereignet. Ein bejahrter Invalide hatte sich, anscheinend in einem frampfhaften Zustande, von seinem Lager erhoben und war im zweiten Stockwerk an das Fenster geeilt. Da lehnte er sich zu weit aus dem Fenster hinaus, bekam das Ueber- gewicht und stürzte auf den gepflasterten Hof hinab. Dabei erlitt er einen tödlichen Bruch der Schäöeldecke und der Wirbelsäule und verstarb nach wenigen Minuten.

Herford, 24. Oktober. Zu drei Monaten Ge­fängnis wurde ein Maurer vom Schöffengericht verurteilt, weil er einen mahnenden Gläubiger in die Nase gebissen hatte.

Weimar, 25. Oktober. Das vom Düsseldorfer Ingenieur Vech (gebürtigt aus Apvlda) erbaute Luft­schiff wird am 28. Oktober oder 1. November von Berlin aus eine Fahrt nach Gotha mit einer Zwischen­landung in Weimar unternehmen. Dort wird es dem Großherzog vvrgeftthrt werden.

Gera, 26. Oktober. In Gegenwart des Fürsten Heinrich 32. von Reuß, des Erbprinzen, der fürstlichen Damen, des Herzogs Ernst Günther zu Schleswig- Holstein, des Präsidenten des deutschen Flugverbandes wurde der Flugstützpunkt Gera eingeweiht. Neun Militärflugzeuge nahmen an den Wettflügen teil.

Längeres Leben auf dem Lande oder in der Stabt?

Nach der vorliegenden amtlichen Sterbetafel für die Jahre 1906 bis 1910 betrug die Sterblichkeit in Preußen bei Säuglingen in der Stadt 206, bei solchen auf dem Lande 211 auf 1000 Lebeudgeborene. 3m Alter von 20 Jahren starben in der Stadt 5.26, auf dem Lande 4.66, im Alter von 40 Jahren in der Stadt 10.80, auf dem Lande 7.13 und im Alter von 50 Jahren in der Stadt 20.90 und auf dem Lande 13.45. Von 1000 Einwohnern erreichten in Frank­furt a. M. in den Jahren 1900 bis 1910 durchschnittlich 546 das 50. Lebensjahr. Der Staatsdurchschnitt wurde für die angegebene Zeit auf 575 Todesfälle von 1000 Lebenden im Alter von 50 Jahren feftgcftcKt. Weit günstiger als der Staatsdnrchschnitt zeigten sich die Provinzen Schleswig-Holstein und Hessen-Nassau in der Sterblichkeitsberechnung, denn in diesen Provinzen überlebte das Alter von 50 Jahren von 1000 Ein­wohnern nicht weniger als 638, die Provinz Hannover steht an zweiter Stelle und konnte 629 solcher Lang­lebigen zählen. Unter dem staatlichen Durchschnitt steht der Osten. Auch die Säuglingssterblichkeit ist im Osten am auffälligsten. Von 10W Lebendgeborenen starben in Schlesien 282, während die günstigste Provinz, Hessen-Nassau, nur 132 Säuglingssterbefälle zu ver­zeichnen hatte. Interessant ist, daß das Land wohl eine größere Säuglingssterblichkeit aufweist, dagegen durch seine gesunden Lebensverhältnisse für die Er­wachsenen eine Lebensverlängerung bedeutet, doch hat die amtliche Ermittlung zu dem Ergebnis geführt, daß auch in den Städten die Sterblichkeit bedeutend im Abnehmen begriffen ist.