Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
KreirM
Amtlicher Anzeiger
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 148. Dienstag, den 4. November 1913.
Bus der Heimat«
Entlaubte Baume.
Nun fallen auch die letzten Blätter von den Bäumen, und zwar ist es der Baum selbst, der sie abwirft. Eine Haupttätigkeit der Blätter ist die Atmung, durch die fort und fort bedeutende Mengen von Kohlensäure in die Luft übergeführt werden. Wasser entnimmt die Pflanze in großer Menge durch die Saugtätigkeit der Wurzeln aus dem Erdboden. Wird nun durch anhaltende Trockenheit oder Durch- kältung des Erdbodens die Wurzeltätigkeit gelähmt, so übersteigen bei dem Baume die Ausgaben die Einnahmen, und der Saftumlauf wird in einem sein Leben bedrohenden Maße gestört. Um nun das durch den gestörten Saftumlauf bewirkte Mißverhältnis zwischen Einnahme und Ausgabe, das seine Existenz gefährdet, zu beseitigen, tritt für den Baum die Notwendigkeit ein, die Atmung abzubrechen und sich seiner Blätter zu entledigen, und dies geschieht durch einen ganz merkwürdigen Vorgang. Die die Massen- ströme aus dem Erdboden leitenden Gefäßbündel setzen sich durch den Stamm in die Zweige und Aeste bis in die Blätter fort und bilden hier ein engmaschiges, wunderbares Adernetz, das man die Nervatur des Blattes nennt. Diese Gefäßbündel bestehen aus derben und zähen, daher sehr widerstandsfähigen Geweben, die ohne mechanische Einwirkungen nicht ohne weiteres reißen. Die Blätter würden also überhaupt nicht abfallen können, wenn die Natur es nicht so eingerichtet hätte, daß sich an der Stelle, wo der Blattstiel aus den Zweigen hervorgeht, ein wulstartiges Gewebe bildet, das den Zweck hat, die zähen Gefäßbündel aufzulockern und auseinanderzutreiben.
Diese Neubildung ist die sogenannte Trennungsschicht. Hat sich diese vollkommen ausgebildet, so bedarf es nur eines geringfügigen äußeren Anstoßes, z. B. eines Windhauches oder eines Regentropfens, um das auf diese Weise mit dem Zweige außer Verbindung gesetzte Blatt zu Fall zu bringen. Durch Herbstfröste wird der Laubfall begünstigt und beschleunigt, während ein andauernder, durch keine Nachtfröste gestörter schöner Herbst das Welken und Abfallen der Blätter weiter hinausschiebt. Apch ein regenreicher Herbst wird eine ähnliche Wirkung hervorrufen, weil eine solche dem Erdboden hinlängliche Feuchtigkeit zuführt, die Wasserzuführnng in die Bäume eine Störung somit nicht erleidet. Freilich darf es dabei nicht zu kalt sein, denn die Durch- kältung des Erdbodens setzt die Saugwurzeln außer Tätigkeit. Wie aber in der Natur nichts verloren geht, so ist dies auch mit dem gefallenen Laube der Fall. Der Baum gibt dem Erdboden in den welken Blättern einen Teil der erborgten Bestandteile zurück und führt ihm auf diese Weise neue Nahrung zu, die dem Baume und seinen Genossen wieder zugute kommt.
* (EineObstkrankheit.) Aepfel und Birnen weisen in diesem Jahre vielfach Krusten an der Schale auf und gehen zum größten Teil sehr rasch in Fäulnis über. Der Erzeuger dieser Krankheit ist der „Blutenstecher", der sich in diesem Jahre durch die warmen Frühjahrstage besonders stark und früh entwickelt hat. Der Blütenstecher gleicht in Form der Blattlaus, entwickelt sich aber rasch in Nestern, die er in die Fugen der Aeste legt, zu einem kleinen Schmetterling. Als solcher beginnt er sein verhängnisvolles Handwerk, indem er die kleinen Fruchtknoten ansticht und dabei der Frucht die Krankheit einimpft. Zur Verhütung ihrer Ausbreitung empfiehlt es sich, das Obst nicht zu eng zu lagern, damit man das Faulen rechtzeitig bemerkt und die schlechten Früchte entfernen kann. Eigentümlich ist bei der Krankheit, daß dre Aepfel besonders vom Kern aus faulen, ohne daß man der Frucht von der Außenseite eine Krankheit anmerkt.
§ Hersfeld, 3. November. (Der Lauf d e s Kometen 1913 b.) Da der Komet 1913 b (Metcals) noch einige Zeit mit dem Feldstecher bezw. mit einem kleinen Fernrohr zu verfolgen ist, so geben wir nachstehend einige Anweisungen zu seiner Aufsuchung. Es ist im allgemeinen zu berücksichtigen, daß seine Entfernung von der Sonne seit dem 14. September im Zunehmen begriffen ist und daß zugleich noch schneller die Distanz des Kometen von der Erde wächst. Beides trägt zur Verringerung seiner Helligkeit bei. Am 16. Oktober bemerkte man ihn westlich des Sternes Zeta im Schwan. Es empfiehlt sich, zur praktischen Verwendung dieser Angaben die Sternkarten von Schurig-Goetz (Leipzig, A. Gaebler) zu Rate zu ziehen. Danach identifiziert man den Kometen am 19. und 20. leicht in der Nähe von 33 im Fuchs. (Die Ziffer ist die übliche alte nach Flamsteed.) Nach dem Ueber- gang in den Delphin diente am 24. der Stern 17 dort
zur Orientierung und am 28. der Stern 14. Die Helligkeit des Kometen hat inzwischen um mindestens eine Größenklasse abgenommen und sinkt bis Mitte November um den gleichen Betrag. Am 9. November gelingt vielleicht noch eine Auffindung bei k im Wassermann und am 15. bei My. Damit dürfte der Komet für die meisten Liebhaber der Sternkunde unsichtbar werden.
):(Hersfeld, 3. Nov. Aus Anlaß des Reformationsfestes am gestrigen Sonntag wirkten in dem Fefitz ottesdienst der evangelische Kirchenchor sowie auch der K n a b e n ch o r der evangelischen Volksschule mit. Dadurch gestaltete sich die Feier des Festes zu einer recht erhebenden und alle Kirchenbesucher waren sicherlich hinsichtlich der Leistungen der beiden Chöre vollbefriedigt. — Möge es an dem Interesse für Verschönerung der Gottesdienste niemals fehlen und dem Kirchenchor die ihm gebührende Anerkennung stets zu teil werden.
):( Hersfeld, 3. November. Beim Parforcereiten in der Senne st ü r z t e am Sonnabend Leutnant Prinz von Croy, welcher zur Offizierreitschule kommandiert ist, mit dem Pferde. Der Prinz, welcher im vorigen Jahre zur hiesigen Kriegsschule kommandiert war, blieb längere Zeit bewußtlos und hat innere Verletzungen davongetragen.
):( Hersfeld, 3. November. Der diesjährige G a u - tag des Gaues 17a des Deutschen Radfahrer- Bundes, dem der^hiesige Radfahrer-Verein 1886 angehört, wurde am gestrigen Sonntag in Mengeringhausen abgehalten. An demselben beteiligten sich ca. 50 Vertreter. Der seitherige Gauvorstand wurde wiedergewählt, sowie noch eine Reihe interner Vereinsangelegenheiten erledigt. Ferner wurde noch beschlossen, den nächstjährigen Gautag hier in Hersfeld abzuhalten.
):(Hersfeld, 3. November. Der von dem Männer- gesangverein „Liederkranz" am gestrigen abend in der neuen Turnhalle veranstaltete „B.u n t e Abend" fand vor einem ausverkausten Haufe statt. Die Darbietungen des Abends, die in Gesangvorträgen und Rezitationen sowie unter Mitwirkung der Kapelle des Fuldaer Feld-Artillerie-Regiments bestanden, wurden mit großem Beifall ausgenommen. Die verschiedenen Männerchöre, welche an die Leistungsfähigkeit des Vereins große Anforderungen stellten, wurden unter Leitung des Herrn Dirigenten Löwer bestens vorgetragen. Als ein geschickter Rezitator erwies sich Herr Bock aus Hanau, der mit ernsten und heiteren Dichtungen allgemeinen Beifall fand. — Der starke Besuch des gestrigen Abends zeigte wieder, welcher Beliebtheit sich der Gesangverein „Liederkranz"^in allen Kreisen unserer Stadt erfreut.
Heringen, 2. November. (Kaligewerkschaft Herfa). Die in Berlin abgehaltene außerordentliche Gewerken- versammlung genehmigte einstimmig den vom Gruben- vorstand beantragten Beitritt zum Kalisyndikat. Der Vorsitzende begründete den Antrag hierzu dahin, daß man heute oder morgen die vorläufige Beteiligungsziffer bei der Verteilungsstelle beantragen werde. Der Schacht habe nunmehr auch das zweite Kalilager bei 708 Meter angetroffen, und dieses sei bis 710 Meter durchteuft. Es seien bereits nach jeder Seite ca. 12 Meter aufgefahren worden. Man habe in demselben günstige Verhältnisse angetroffen wie in dem benachbarten Schacht der befreundeten Gewerkschaft Neurode. Auf eine Anfrage, ob die Gerüchte über Verkaufsverhandlungen der Gewerkschaft mit dem sachsen-weimarischen Staat geflogen worden seien, konnte der Vorsitzende fcststellen, daß ernsthafte Verhandlungen nicht geschwebt haben, wenn auch verschiedentlich über einen Verkauf gesprochen worden sei. Auf den Vorhalt, worauf denn die plötzliche, erhebliche Kurssteigerung der Kuxe der Gewerkschaft zurückzuführen sei, antwortete der Vorsitzende, daß man im Grubenvorstand selbst Erstaunen darüber empfunden habe. Wahrscheinlich hinge sie mit den guten inneren Verhältnissen des Unternehmens zusammen.
Wachenhausen, 2. November. Beim Transport eines Selbstbinders kam der Dreschmaschinenbesitzer Engelhardt in der Dunkelheit zu Falle und geriet unter die Maschine. Die Maschine drückte dem Manne den Brustkorb ein, sodaß er auf der Stelle seinen Geist aufgab.
Marburg, 1. November. In einem Anfall von Geistesstörung trank eine junge hiesige Malerin Lysol. Die Lebensmüde starb unter gräßlichen Schmerzen. Die Tat der Unglücklichen, der 38 Jahre alten Frl. Frieda Kurtze aus Landeshut i. Schi., hat deren beide Schwestern derart erregt, daß sie in einem Anfall von Schwermut auf die gleiche Weise ihrem Leben ein Ende machten. Die beiden Leichen wurden heute morgen
im Sterbezimmer der jüngeren Schwester neben deren dort noch aufgebahrten Leiche vorgefunden. Die beiden Toten sind die nach der Kunde von der Selbstent- leibung der jüngeren Schwester herbeigeeilte Oberlehrerin Gertrud Kurtze aus Braunschweig und die hiesige wissenschaftliche Lehrerin Anna Kurtze. Beide hatten zuvor durch ein Testament über ihren Nachlaß Bestimmung getroffen.
Marburg, 31. Oktober. Wie sich jetzt herausgestellt hat, ist der junge Malergehilfe Franz Sieger aus Füssen im 3lHgäu, der sich vorgestern erschoß, das Opfer einer Unvorsichtigkeit. Die näheren Ermittelungen haben ergeben, daß der junge Mann, am Tische sitzend, den noch mit einer Kugel geladenen Revolver geputzt hat. Dabei entlud sich die Waffe und das Geschoß drang ihm ins Herz. Er stand kurz vor der Hochzeit.
Hemfnrt t. Waldeck, 1. November. Der Landwirt Höhle und dessen Frau wollten gestern mit ihrem Fuhrwerk, von Bühne kommend, nach hier zurückkehren. Unterwegs begegneten dem Fuhrwerk einige Stroh- wagen, vor denen das Pferd des H. scheute und durchging. Der Wagen wurde gegen einen Baum geworfen und die Insassen herausgeschleudert. Frau H. erlitt einen doppelten Schädelbruch, an dessen Folgen sie nach dem Unfall starb. Herr H. kam mit einem Armund einem Rippenbruch davon.
Darmstadt, 31. Oktober. In Gegenwart des Groß- herzogspaares, der Minister und der sonstigen offiziellen Persönlichkeiten wurde heute nachmittag das Denkmal Justus von Liebigs enthüllt, das die chemische Industrie Deutschlands und des Auslandes ihrem großen Meister in seiner Vaterstadt Darmstaöt gesetzt hat.
Hana«, 31. Oktober. Zwei Rekruten des Ulanenregiments entfernten sich am Dienstag, nur mit Drillichanzug und Schnürschuben bekleidet, von ihrem Truppenteil. Der eine von ihnen stellte sich am selben Abend noch in Fechenheim freiwillig der Polizei, wo er von einem Unteroffizier des Regiments abgeholt wurde. Der andere hatte sich nach Wiesbaden, wo er beheimatet ist, begeben; er wurde gestern dort festgenommen und dem Regiment wieder zugeführt. Vermutlich hat das Heimweh die jungen Vaterlandsverteidiger veranlaßt, sich von ihrem Truppenteil zu entfernen.
Wieviel Deutsche spielen Karten?
Das Statistische Amt hat dieser Tage eine Aufstellung über die in Deutschland hergestellten und die aus- und eingeführten Spielkarten veröffentlicht. Aus den Millionenzahlen kann man so manches lesen, vor allem aber, daß in Deutschland vorzugsweise der solide Skat gespielt wird. Nimmt man an, daß im Jahre 1912 insgesamt — nach Abgang und Zugang der Aus- und Einfuhr — etwa 6,562,000 Kartenspiele gebraucht wurden, so wird man leicht dahinter kommen, daß durchschnittlich täglich etwa 18 000 Kartenspiele verkauft worden sind. Diese Spiele sind verwendet worden, geschah es nicht gleich, so doch im Laufe der Zeit. Der Jahreskartenverbrauch steht somit fest, und aus ihm muß man seine Schlüsse ziehen. Täglich werden also mindestens 18,000 Spieltische von Spielern belegt. An diesen Tischen werden nicht weniger als 750 000 Spielrunden an jedem Abend gespielt. Skatspieler gehen — wie die Erfahrung lehrt — nicht unter 20, Sechsundsechzigspieler nicht unter 40, Glücksspieler nicht unter 120 und Spieler, die Gefallen an anderen Spielen finden, nicht unter 80 Spielrunden nach Hause. An 9000 Tischen wird Skat, an 4500 Sechsundsechzig, an 2250 werden Glücksspiele und an 2250 Tischen andere Kartenspiele gespielt. Es dreschen allabendlich mindestens 27000 Männer Skat, Sechsundsechzig klopfen durchschnittliche 500 Personen (bei beiden Spielen durchschnittlich drei Beteiligte an einem Spieltisch), Glücksspielewerden von 13,500 Leichtsinnigen (durchschnittlich 6 an einem Tisch) gespielt und 9000 Menschen zerstreuen sich an anderen Spielen (durchschnittlich vier an einem Tisch). Insgesamt findet man hiernach also wahrscheinlich 63,000 Personen jeden Abend beim Kartenspiel. Da die passionierten Spieler sich jede Woche einmal zusammenfinden, muß, da unsere Aufstellung allabendlich 63,000 Kartenratten beisammen- finüet, diese Zahl mit sieben multipliziert werden. Dadurch ergibt sich das Endresultat nämlich, daß in Deutschland mindestens (nach oben abgerundet) 450,000 Kartenspieler vorhanden sind. Selbstverständlich ist hier nur von wirklichen Kartenspielern die Rede; die Zahl derer, die sich gelegentlich mit Kartenspielen die Zeit vertreiben, ist bedeutend höher, sie wird in die Millionen gehen.
Wetteraussichten für Dienstag den 4. November.
Veränderliche Bewölkung, mit Niederschlägen, frische westliche Winde.