Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
Mslelber Kreisblatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 158.
Sonnabend, den 15. November
1913.
Hus der Heimat.
Etwas von Schleuderpreisen.
Eine schwere Schädigung bedeuten heutzutage für viele Gewerbezweige diejenigen Betriebe, die durch Preisunterbietung und Festsetzung von wahren Schleuderpreisen Geschäfte zu machen versuchen. Einesteils ist es Mangel an genügender Beschäftigung, andernteils die Sucht, möglichst alle Arbeiten an sich zu reißen oder aber auch, und zwar nicht immer zuletzt, die Gehässigkeit gegen den lieben Nächsten. Gerade in der heutigen Zeit, in welcher der kleine und mittlere Gewerbetreibende mit immer schwereren Lasten zu kämpfen hat, sollte jeder Geschäftsmann darauf halten, daß seine Preise stets der geleisteten Arbeit entsprechen, denn ohne Verdienst kann auf die Dauer wohl kein Betrieb existieren. Sind es oft auch nur einzelne Artikel, die gewissermaßen zu Schundpreisen auf die Straße geworfen werden, so hat doch das ganze Gewerbe darunter zu leiden, denn der Zweck ist meistens der, sich als den billigen Mann bekannt zu machen. Das Publikum ist aber nur zu leicht geneigt, derartige Schleuderpreise dann als maßgebend auch für die anderen Arbeiten des betreffenden Geschäftszweiges hinzustellen und oft wird ein richtig rechnender Geschäftsmann sich lieber einen Auftrag entgehen lassen, wenn er auf feinem Preise bestehen bleibt. Das soll ihn aber weiter nicht verdrießen, denn ein Geschäft, an dem kein Nutzen ist, ist ja schließlich überhaupt kein Geschäft. Jedenfalls wird kein Gewerbetreibender, der flott zu tun hat und gegen seine Konkurrenz anständig gesonnen ist, seinen Stand dadurch schädigen, daß er plötzlich Preise, die seither als gewerbsüblich galten, durch Unterbietung auf den Hund bringt. Eine gern benutzte Ausrede sind dann vorteilhafte i Einkäufe, große Abschlüsse u. dergl. Leider aber weist jedes Gewerbe Leute auf, die in demselben nicht groß geworden sind, sondern oft vorher einen Beruf hatten, der mit ihrem jetzigen nichts im entferntesten zu tun hat. Bei diesen fehlt dann die praktische Erfahrung und sie können oft gar nicht beurteilen, ob der Preis zu der geleisteten Arbeit im richtigen Verhältnis steht. Hoffen und wünschen kann man nur, daß sich gewerbliche Vereinigungen und Innungen diese Preisdrücker scharf aufs Korn nehmen und sie zum Bessern zu bekehren versuchen. Vielleicht hilfts, — vielleicht auch nicht. -n-
* (Papier Handtücher in D-Zügen.) Infolge des großen Mißbrauchs, der mit den in den D-Zügen mitgeführten leinenen Handtüchern getrieben wird, hatte die badische Staatsbahn schon seit längerer Zeit einen Versuch mit Papierhandtüchern gemacht. Da diese sich gut bewährten und auch vollständig ihren Zweck erfüllten, ordnete vor etwa drei Monaten der Minister v. Breitenbach ebenfalls die versuchsweise Einführungdieser Papierhanötücheranfeinzelnen ; Linien der preußischen Staatsbahn an.
* (Skikursus in öer Rhön.) Die Sektion Frankfurt a. M. des Deutschen Touringklubs veran- staltet vom 20. bis inkl. 25. Januar 1914 einen sechs- tägigen Skikurs nach Lilienfelder Technik in der Rhön mit Standquartier in Gersfeld. Es ist der erste Kurs nach der von Zdarsky erdachten Methode in einem mitteldeutschen Gebirge. Anmeldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle August Ulrich, Frankfurt a. M., Elbestraße 19, wo auch nähere Auskunft erteilt wird.
* (DieProvinzHesfen-Nassau unö die Maul- und Klauenseuche.) Auch die neueste Statistik über die Maul- und Klauenseuche im Deutschen Reiche ist für die Provinz Heffen-Nassan noch durchaus günstig, da in derselben weder für den Regierungsbezirk Caffel noch für den Regierungsbezirk Wiesbaden ein derartiger Seuchenfall verzeichnet ist. Mithin ist die gesamte Provinz Hessen-Nassau nach wie vor von der Seuche befreit.
* Der Mangel an Kleingeld, besonders an 10 Pfennig-Stücken, hat den Bundesrat im Jahre 1912 veranlaßt, einem Antrag auf Ausprägung von 10 Pfennig-Stücken im Betrage von 5 Millionen Mk. zuzustimmen. Die Prägung verteilte sich auf die Jahre 1912 und 1913. Da sich herausgestellt hat, daß auch mit dieser Nickel-Bereicherung des Geldmarktes um 5 Millionen der Bedarf an Kleingeld bei weitem nicht gedeckt ist — insgesamt sind jetzt 105 Millionen Mk. Nickelmünzen im Verkehr —, muß sich, wie aus Berlin geschrieben wird, der Bundesrat in Bälde darüber schlüssig werden, weitere 5 Millionen prägen zu lassen. Ein entsprechender Antrag ist dem Bnndes- rat bereits zugegangen.
):( Hersfeld. 14. November. Eine ant gestrigen Abend im Hotel Stern abgehaltene B e r s a m m l u n g des Bürgervereins für städtische An gelegen heiten war leider nicht so besucht, als wie
man das im Hinblick auf den einzigen Punkt der Tagesordnung, Staötverordnetenwahl betreffend, hätte erwarten sollen. Der Vorsitzende, Herr Professor S ch a a f f, führte aus, wer von den Stadtverordneten ausscheidet und stellte dann die ganze Frage zur Diskussion. Es entspann sich eine recht rege Aussprache, wobei von den verschiedensten Seiten Kandidatenwünsche und Vorschläge eingebracht wurden. Schließlich einigte man sich aber dahin, gleich wie in anderen Vereinen, auch hier eine Kommission zu wählen, die aus dem Vorstand und einigen hinzugewählten Herren besteht, damit dieselbe in der Kandidatenfrage mit den anderen Kommissionen gemeinsam anfangs nächster Woche beraten soll, um möglichst eine Einigung zu erzielen. Hierdurch hofft man, eine Zersplitterung zu vermeiden. Herr Professor Schaaff gab zum Schluß noch dem Wunsche Ausdruck, daß die bevorstehenden Kämpfe in sachlicher Weise unter Vermeidung alles persönlichen geführt werden möchten.
-w- Hersfeld, 13. November. (Wandervor- schlüge für Sonntag.) a) V2 Tagestour: Hersfeld-Frauenberg-Falkenblick-Gittersdorfer Wald- weg-Hählgans; Reckerööer Straße-Meisebach-Hersfeld. (3 Std.) b) V2 Tagestour: Hersfeld-Wippershainer Höhe - Hüttenbachgrund - Dünkelrode-Malkomes (2Vs Std.) Von hier mit der Kreisbahn zurück, c) Tagestour : Hersfelö-Alpen-Tageberg-Forsthaus Mönches- Wollemannsbuche-Dreiförsterstock Jagdhaus Richarö- Lisburg-Eisenberg-Oberaula. (5 Std.) Von hier Rückfahrt mit der Bahn.
-r- Philippsthal, 13. November. Herr Bürgermeister Dr. Boeck hier wurde zum Bürgermeister und Kurdirektor vonBadSooden (Werra) von der dortigen Gemeindevertretung einstimmig gewählt.
Fulda, 12. November. Die diesjährige Vogelabnahme des Kanarienzüchter-Vereins Fulda brächte einen großen Umsatz. Es wurden 5000 Vögel um- gesetzt im Werte von über 14 000 M.
Obervellmar, 12. November. Gestern mittag wurde dem Landwirt R. in seiner und seiner Frau Abwesenheit ein Betrag von 115 Mark aus einem Schranke gestohlen. Ein Handwerksbursche drang in die Wohnung ein, indem er sich von dem 4jährigen Söhnchen des Landwirts die Tür öffnen ließ.
Gilserberg, Kr. Ziegenhain, 13. November. Schwer heimgesucht wurden die Eheleute Sch. vom nahen Lischeid. Das etwa 6jährige Kind derselben lief in ein Lastfuhrwerk, wurde überfahren und war sofort eine Leiche. Den Lenker des Fuhrwerks trifft keine Schuld.
Caffel, 13. November. Seit vierzehn Tagen wurde ein Beamter des hiesigen Wach- und Schließinstituts vermißt. Heute abend wurde nun seine Leiche und außerdem die Leiche einer mit ihm aus Liebesgram in den Tod gegangenen Verkäuferin aus Wolfsanger bei Spiekershausen aus der Fulda geborgen. Die Leichen wurden in das Spiekershausener Spritzenhaus gebracht.
Caffel, 14. November. Gegen 5 Uhr gestern nachmittag stattete die Kaiserin in Begleitung ihres Gefolges in der Heilanstalt zum Roten Kreuz einen längeren Besuch ab. Die Kaiserin wurde von den Damen und Herren des Vorstandes des Vaterländischen Frauenvereins sowie den Aerzten und Schwestern des Krankenhauses empfangen und besuchte sodann die Krankensäle; bei diesem Rundgang unterhielt sich die hohe Frau mit zahlreichen Kranken in leutseligster Weise und .sprach sich zu ihren Begleitern sehr befriedigt über die Einrichtungen des Krankenhauses aus. Erst gegen 7 Uhr abends erfolgte die Rückkehr nach dem Wilhelmshöher Schlosse.
Bestrvig, 11. November. Der gestern 2,20 nachm. von Hagen hier eintreffende Personenzug 512 kollidierte bei der Einfahrt in den Bahnhof mit einem Rangier- znge, wobei drei Reisende leichtere Verletzungen davontrugen. Bei vielen Wagen des Persollenzuges wurden die Fensterscheiben und Trittbretter zertrümmert und Beschlagteile verbogen. Bis zur Herbeischaffung eines Ersatzzuges war eine Verspätung von 50 Minuten entstanden.
Laasphe, 12. November. Von einem eigentümlichen Mißgeschick wurde ein junger Mann im benachbarten Dorfe Wieselbach betroffen. Derselbe war kürzlich abends am Tische, die Arme aufgelegt, etwas eingenickt. Als er nach einiger Zeit wieder erwachte, war der rechte Unterarm, wie dies ja mehrfach vor- kommt, völlig „eingeschlafen", also leblos. Während sonst bei entsprechender Armhaltung die Blutzirkulation in das betroffene Glied bald wieder zurückkehrt, blieb sie in diesem Falle aus und trotz aller angewandten Mittel und ärztlichem Beistand ist der Unterarm bis jetzt noch immer leblos und steif
geblieben, sodaß mit der Möglichkeit einer Amputation gerechnet werden muß.
Unterneubrunu, 12. November. Der 58 Jahre alte Walöaufseher Daniel Hopf aus Heubach überraschte gestern zwei Heubücher Glasmacher beim unerlaubten Fischen. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der Waldaufseher durch Messerstiche und Stockschläge schwer verletzt wurde. Er schleppte sich noch bis Oberneubrunn und mußte von dort durch die Sanitätskolonne nach Heubach gebracht werden. Sein Zustand ist bedenklich.
Niederwalluf, 13. November. Am Dienstag abend hat der 24jährige Karl Reitz seine Geliebte, das ungefähr 20 Jahre alte Dienstmädchen Christine Schneider, erschossen und sich dann selbst eine Kugel in den Kopf gejagt. Er ist ebenfalls tot. Vor der Tat haben die beiden eine Wirtschaft besucht und dort gelacht und gescherzt, so daß niemand den Vorsatz einer so schrecklichen Tat bei ihnen vermuten konnte. Es steht auch nicht fest, daß das Mädchen sein Einverständnis zu der Tat gegeben hat, denn es befand sich bei einer russischen Dame in guter Stellung und hat nie Selbstmordgedanken geäußert.
Günthersleben, 12. November. Auf der Landstraße von hier nach Schwabhausen benutzten gestern mittag zwei hiesige Jungen ohne Wissen des Geschirrführers eine Ringelwalze zu einer ihnen willkommenen Freifahrt. Bei einem plötzlichen Ruck verloren die beiden Fahrgäste das Gleichgewicht, und fielen herab. Der eine kam mit dem bloßen Schrecken davon. Der etwa 14jährige Sohn des Gutsarbeiters Wenzel blieb jedoch hängen, wurde eine Strecke geschleift und erlitt außer einer Schädelspaltung erhebliche Verletzungen im Gesicht und an einem Bein. Sofern der Junge überhaupt mit dem Leben davon kommen sollte, wird er doch dauernden Schaden erleidern^
Offenbach, 12. November. Der städtische Ver- faffungs-Ausschnß beschloß einstimmig die Aufnahme einer Anleihe von 14 Millionen Mark. Anfänglich war die Aufnahme von 20 Millionen vorgesehen. Von diesen 14 Millionen sind nicht weniger als rund 9 Millionen für werbende Anlagen vorgesehen, die sich selbst verzinsen und amortisieren. ' Unter den restlichen 5 Millionen befinden sich etwa 125 000 Mk. für die Erweiterung des städtischen Krankenhauses, eine Million für den Stadthaus-Neubau, 250 000 Mk. für Volksschul-Neubauten und 637 000 Mk. für den Beitrag der Stadt zum Umbau der Bahnanlagen.
Frankfurt a. M., 13. November. Gestern mittag kurz nach 2 Uhr drangen 4—5 vermummte Räuber in das Geschäftslokal der Filiale einer Pforzheimer Goldwarenfabrik in der Kronprinzenstraße 30 i. über- fielen und fesselten die beiden anwesenden Angestellten, raubten für 7000 Mk. Schmucksachen und Geld und entkamen unerkannt.
Frankfurt a. M., 13. November. Bei der Einfahrt eines Feuerwehrautomobils in die Station der Münzgasse stieß heute früh kurz nach 6 Uhr das Fahrzeug mit einem Straßenbahnwagen der Linie 18 zusammen. Durch den heftigen Anprall wurden fünf Feuerwehrleute von ihren Sitzen geschleudert und so schwer verletzt, daß sie sofort ins städtische Krankenhaus überführt werden mußten. Auch mehrere Fahrgäste des Straßenbahnwagens trugen durch Glassplitter Verletzungen davon.
Frankfurt a. M., 13. November. Gegen 20 untere Gerichtsbeamte, darunter auch eine Anzahl Gerichtssekretäre sollen wegen ihrer Beziehungen zu Rechtsanwalt Dr. Karl Fehl ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden. — Gegen die Disziplinarstrafe von 1000 Mark durch die Anwaltskammer hat Fehl Berufung eingelegt, weil er seiner Meinung nach nicht Strafe zu zahlen habe, da seine Verurteilung nach Aufgabe seiner Anwaltspraxis nicht mehr zulässig sei.
Frankfurt a. M., 13. November. Man ist hier gestern umfangreichen Schwindeleien mitRabattmarken auf die Spur gekommen. Es handelt sich um Fälschungen von zwei Millionen Marken.
Frankfurt a. M., 13. November. Der wegen mehrfachen Giftmordes angeklagte Hopf wurde von der Strafkammer wegen Beihilfe zum Verbrechen gegen das keimende Leben - zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilt.
Caffel, 14. November. Ein Glasergehilfe, der auf dem Verschiebebahnhof an der Dachverglasung des Erweiterungsbaues des Lokomotivschuppens beschäftigt war, rutschte als er das Dach verlassen wollte, aus und stürzte zehn Meter tief hinab. Er erlitt einen Schädelbruch und verschied nach kurzer Zeit.
Wetteraussichten für Sonnabend den 15. November.
Wolkig, abnehmende Niederschlüge, kühler, frische Westwinde.