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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

^ershlöer Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-änschlutz Nr. 8

Nr. 161.

Mittwoch, den 19. November

1913.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat.

Sitzung der Stadtverordneten.

):( Hersfeld, 18. November.

Am gestrigen Nachmittag 4 Uhr fand eine Sitz­ung der Staötverordneten-Versammlung statt, zu der sich 19 Herren eingefunden hatten. Vom Magistrat waren die Herren Altenburg, Roll, Rechberg, S e e l i g und Magistratsassessor D r. S ch e f f e r an­wesend.

Punkt 1 der Tagesordnung betraf die

Prüfung der Forstkassenrechnung pro 1912.

Da sich keine Beanstandungen ergeben hatten, erteilte die Versammlung dem Rechnungsführer Entlastung. Daran anschließend wurde der Etat der Forstkasse für 1913/14 durchberaten, welcher, da er sich nicht wesentlich von dem vorjährigen unterscheidet, ohne Debatte genehmigt wurde. Als Ablieferung an die Stadtkasse sind 7015 Mark vorgesehen.

Gegen die

Eingemeindung einiger kleiner Grnndftücksparzellen der Gemeinde Kalkobes

hatte die Versammlung keine Bedenken.

Die Brauerei F. L. Steinweg möchte an die

alte Wasserleitung angeschlossen

werden, da das Wasser der neuen Leitung sich für Brauereizwecke nicht gut eignet. Da die übrigen Brauereien ebenfalls bereits Wasser aus der alten Leitung beziehen und die Firma F. L. Steinweg sich mit den vom Magistrat gestellten Bedingungen ein­verstanden erklärt hat, so hat der Magistrat die Ge­nehmigung vorgeschlagen. Hierbei machte Herr Stadt­verordneter Wolfs darauf aufmerksam, ob nicht mit dem gleichen Recht noch andere Geschäfte der­artige Anträge stellen könnten. Es sei doch dann zweifelhaft, ob das vorhandene Wasser aus der alten Leitung dann ausreichen würde, um alle Ansprüche zu decken. Hierzu bemerkte der Herr Stadtverordneten- Vorsteher, daß das neue Wasser für die Brauereien zu hart wäre. Da nun das Wasser der alten Leitung unbenutzt wegfließen würde, so sei die Einnahme von den Brauereien als sehr willkommen zu be­grüßen. Natürlich wäre der Wasservorrat ein be­schränkter und könnte nicht an jedermann abgegeben werden. Herr Kaufmann Otto bemerkt, daß er ebenfalls die Absicht habe, sich an die alte Leitung anschließen zu lassen, da das neue Wasser wegen seiner Härte und seiner geringen Nahrungsstoffe für sein Fischbassin ungeeignet wäre. Herr L o r e n z Mohr meint, daß man in derartigen Fällen die Ge­suche genehmigen könne, doch für Privathaushälte müßten sie abgelehnt werden. Nachdem Herr Wolfs nochmals sein Bedenken geltend gemacht hatte, daß das Wasser nicht ausreichen würde, bemerkte der Herr Stadtverorönetenvorsteher, daß Bestimmungen vorhanden wären, die eine zu starke Inanspruchnahme der alten Quelle verhindern können, zumal auch das Wasser zur Spülung der Kanäle benutzt werden müßte. Die Versammlung stimmte dann dem Ver­trage mit der Brauerei F. L. Steinweg zu.

Von der zur

Prüfung der Rentabilität der Gasautomaten

s. Zt. gewählten Kommission ist der Bericht einge­gangen. Die Kommission hat zunächst festgestellt, daß die Gasanstalt pro Kubikmeter Gas 36°/o Verdienst hat. Von Gasautomaten sind zur Zeit 198 Stück im Gebrauch, die pro Stück nach Abschreibung aller Unkosten, Verzinsung usw. nur 2,98 Mk. reinen Ver­dienst pro Jahr erbrächten, was als sehr gering zu bezeichnen sei. Die Ursache wäre ein zu geringer Gasverbrauch bei den meisten Automaten. Die Kommission schlage deshalb vor, andere Bedingungen festzusetzen, nach denen eine Anlage, die 8090 Mk. einzurichten koste, mindestens 40 Mk. Gas pro Jahr verbrauchen müßte. Solche, deren Einrichtung 7080 kosten, müßten 35 Mk., und solche, die weniger kosteten, mußten mindestens für 30 Mk. Gas im Jahr verbrauchen. Die Rentabilität würde dann eme bessere fern und man könnte die Aufstellung weiterer Gasautomaten empfehlen. Der Magistrat hinwirken, daß die einzelne Anlage höchstens a0 Mk. einzurichten koste. Herr Stern öi^ubt, daß die vorgeschlagenen Sätze zu hoch seien und dann zahlreiche Gasautomaten wieder abgeschafft wurden. Herr Vorsteher Becker hält den Kommissions­antrag für richtig, denn wenn eine Anlage 8090 Mk. kostet, dann durfte auch eine bessere Rentabilität erwartet werden. Herr H i r s ch b e r g e r schließt sich ebenfalls dem Anträge der Kommission an. Da

meistens bessere Leute im Besitze der Automaten seien, so könnte der Mehrverbrauch leicht getragen werden. Herr L o r e n z M o h r hat in der Kommission alles genau mitgeprüft und meint, wenn nicht einmal für 30 Mk. Gas im Jahre verbraucht würde, dann habe die Aufstellung keinen Zweck. Im Prinzip sei er gegen die Ausführung von Jnstallationsarbeiten durch das Gaswerk, doch sei es für Beamte, die doch nur vorübergehend hier feien, bequemer, wenn das Gaswerk die Installation besorgte. Wenn die vor­geschlagenen Sätze Annahme fänden, fo würde jeder Automat einen jährlichen Reingewinn von 8 Mark abwerfen. Alsdann könne man auch eine Vermehrung derselben befürworten. Herr Georg Rößing führt aus, daß die Automateneinrichtung ursprünglich nur für Minderbemittelte bestimmt gewesen wäre, doch treffe man tatsächlich die Einrichtung vorwiegend nur in den besseren Haushaltungen. Die Lampen, die damals vorgesehen waren, sollten nur 34 Mk. pro Stück kosten, heute würden aber solche zu 1012 Mk. verwendet. Unter diesen Umständen könne er es ja niemand verdenken, sich die Einrichtung machen zu lassen. Er möchte jedoch den Beschluß der Stadtver­ordneten öurchgeführt sehen, wonach nur einfache schwarze Lyras zur Verwendung kommen sollten.. Auf seine bereits mehrfach vorgebrachte Beschwerde sei ihm vor ca. Jahresfrist durch den Herrn Bürger­meister erklärt worden, daß die Verwendung Her teuren Lampen aufhören sollte. Leider sei dies bis heute noch nicht durchgeführt und er verlange, daß der Stadtverordneten-Beschtuß anerkannt würde. Herr Hirschberger führt noch an, daß s. Zt. ausdrück­lich betont worden sei, den einheimischen Installateuren solle keine Konkurrenz durch diese Automatenein­richtung entstehen, er halte es daher für zu weitgehend, daß das Gaswerk derartig gute Lampen liefere, denn den hiesigen Installateuren sei es unmöglich, noch Lampen zu verkaufen. Die Herren Rösfing, Becker, Steinweg und Bäch stäö t sprechen noch wiederholt zu diesem Punkte. Der Herr Vorsteher stellt dann aus dem Protokoll fest, daß die Gasauto­maten ursprünglich nur für die Minderbemittelten eingerichtet werden sollten. Herr Hirschberger gibt seiner Meinung dahin Ausdruck, daß wenn nach Angabe des Gaswerks der Magistrat die Verwendung einer besseren Lampe gestattet hätte, sich diese An­ordnung nicht mit dem Beschlusse der Stadtverordneten decke. Der gleichen Meinung ist auch Herr Stern. Herr Mohr schlügt vor, die Messinglampen bei einem entsprechenden Gasverbrauch beizubehalten. DerGas- konsum müsse gehoben werden, da das Elektrizitäts­werk manchen Ausfall bei dem Gaswerk bringen werde. Bis jetzt allerdings hätten die Automaten noch keinen großen Nutzen gebracht. Herr Vorsteher Becker ist für eine andere Festsetzung des Mindest- verbrauchs und Festsetzung der zu verwendenden Lampen. Herr Ludwig Engelhardt ersucht um Zustimmung des Kommissionsbeschlusses, der sehr an­gebracht sei. Nach weiteren Bemerkungen der Herren Hirschberger, Wolfs und Stern schlägt Herr Vor­steher Becker vor, den Punkt einstweilen von der Tagesordnung abzusetzen und die Kommission damit zu beauftragen, festzustellen, was die am Lager der Gasfabrik befindlichen Lampen kosten. Nachdem dann noch die Herren Rössing, Mohr, Jean Steinweg, Bächstädt, Stern und Hirschberger gesprochen hatten, wurde der Punkt bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt. Auch über die Anschaffung weiterer Gasautomaten soll dann Beschluß gefaßt werden.

Es folgte nunmehr eine Reihe von Nachbewilligungen.

Infolge Schaffung einer neuen Lehrerinnenstelle an der Bürgerschule erhöht sich der Beitrag der Stadt zur Alterszulagenkasse um 275 Mk., die bewilligt wurden. Für die Ausbildung zweier weiterer Des­infektoren wurden 126 Mk. bewilligt. Da die Stadt Hersfeld verpflichtet ist einen Zuchtbullen zu halten, so sind hierzu 703 Mk. für Anschaffung desselben nötig. Die Unterhaltungskosten betragen 365 Mark pro Jahr, die jedoch größtenteils durch Einnahme des Sprunggelds wieder gedeckt werden. Ueber die Abfassung des Gebührenparagraphs entstand noch eine kleine Debatte, worauf die Stadtverordneten be­schlossen, die Gebührenordnung an den Magistrat mit dem Ersuchen um bestimmtere Abfassung derselben zurückzugeben.

Dem Garantievertrag mit den hiesigen Brannt­weinbrennern wurde ohne Debatte zugestimmt.

Für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen mußte die

Wahl von Beisitzern und deren Stellvertretern vorgenommen werden. Die Vorschläge aus der Ver­sammlung fanden einstimmige Annahme.

Da die Zeit zu weit vorgeschritten war, wurden einige kleinere Sachen bis zur nächsten Sitzung zu­rückgestellt.

Bevor die öffentliche Sitzung geschlossen wurde, fragte Herr Lorenz Mohr noch an, ob es nicht angängig wäre, den nächsten für eine geheime Sitzung vorgesehenen Punkt, betreffend die

Amtsniederlegung der beiden Herren Beigeordneten, in öffentlicher Sitzung zu verhandeln, zumal in der Bürgerschaft viel über diese Angelegenheit ge­redet würde. Herr Vorsteher Becker hält dies nicht für angängig, zumal da auch Herr Kommerzienrat Rechberg mitteilte, daß unter den zur Verlesung kommenden Schriftstücken solche seien, die nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt seien.

Nachdem Herr Mohr noch mitgeteilt hatte, daß der Versand der Lullusbrunnen-Gesellschaft von Ende Juni bis heute 80 903 Flaschen bereits erreicht hätte, wovon die Versammlung befriedigt Kenntnis nahm, traten die Stadtverordneten in eine geheime Sitzung ein. In derselben billigten nach eingehender mehrstündiger Beratung die Stadtverordneten die Gründe, welche die beiden Beigeordneten, Herrn Rentner Aue! und Herrn Rentner H r ch. G e s i n g, zur Niederlegung ihrer Aemter veranlaßt hatten und sprechen den Herrn durch fast einstimmige Wiederwahl ihr Vertrauen aus.

-o- Hersfeld, 18. Nov. fZumBuß - undBet - tag.) Wenn die Schatten länger, die Nebel dichter werden, wenn um kahle Bäume der herbstliche Novemberwind schauert, dann kommen auch dem Menschenherzen oft schwermütige, nachdenkliche Stun­den. Das ist die Stimmung, die uns auf eine rechte innere Feier des Buß- und Bettages vorbereitet. Morgen schon naht er heran, und wenn dann die Glocken unserer Gotteshäuser die christliche Gemeinde zu Andacht und Buße versammeln, dann sei jeder einge­denk, was man am heutigen^Tagc von ihm verlangt.

-l- Hersfeld, 18. November. In der gestern Abend im GasthofZur Lullusquelle" stattgefundenen Ver­sammlung der hiesigen Metzgerinnung ist der Preis für das O ch s e n f l e i s ch um 8 Pfg. pro Kilo vom 1. Dezember d. J. herabgesetzt worden, so daß dasselbe künftighin 0,92 Mk. pro Pfund beträgt.

):( Hersfeld, 18. November. Eine ganz besondere Auszeichnung wurde in der gestern im Hotel Deutsches Haus stattgefundenen Generalversammlung des Gastwirtevereins für Hersfeld und Umgegend dem bei Herrn Hotelier Karl Brack in Diensten stehenden Fräulein Minna Manns aus Reckerode zu teil. Derselben wurde durch den Vorsitzenden des Vereins eine vom Bund Deutscher Gastwirte für 15jährige treue Dienstzeit gestiftete silberne Brosche mit Widmung sowie ein Diplom mit einer Ansprache in Gegenwart von 25 Gastwirten überreicht, als Zeichen des Dankes für das harmonische Zusammen­arbeiten mit der Herrschaft, was in der heutigen Zeit eine Seltenheit geworden ist.

):( Hersfeld, 18. November. Auf ein seltenes Jubiläum kann Frau Hebamme N e p h u t h hier zurückblicken. Am 1. November d. Js. waren es 50 Jahre, seitdem Frau Nephuth ihre Kraft in den Dienst der Menschheit gestellt hat und fast 5000 Kinder erblickten in dieser Zeit unter ihrem Beistand das Licht der Welt. Wohl noch nie dürfte eine Hebamme ihren Beruf fast ein Menschenalter mit einem der­artigen Erfolg ausgeübt haben.

-b- Alsfeld, 17. November. Die Ausführung der Erd-, Maurer- und Oberbanarbeiten zum Umbau des BahnhofsAlsfeldwurdenheuteöer FirmaZindelWitwe in Wiesbaden im Auftrage des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten übertragen. Mit den Arbeiten ist sofort zu beginnen. Zu diesen Arbeiten gehört der ganze Bahnhofsumbau, die Herstellung der Neu­baustrecke Bahnhof Alsfeld über Altenburgerweg, Schwalm bis zur Lauterbacherstraße und die Her­stellung der zu verlegenden Strecke FuldaGießen von Altenbnrg bis Bahnhof Alsfeld. Das Angebot beträgt nahezu 600 000 Mk. Nicht einbegriffen ist der Bau des neuen Lokomotivschuppens, der Stellwerks­gebäude, des Güterschuppens mit Abfertigungsgebäude und des neuen Empfangsgebäudes. Mit Vergebung dieser Arbeiten sind nunmehr die Erdarbeiten zur Herstellung der neuen Eisenbahndämme und Ein­schnitte, sowie die Herstellung aller Brücken für die ganze Länge der dem Vorstände der hiesigen Eisen­bahn-Bauabteilung unterstellten Neubaustrecke rd. 48 Kilometer vergeben. Bislang sind bereits 1^ Million Kbm. Boden gegraben und in den Eisenbahndamm aufgeschuttet. 85 000 Kbm. Mauerwerk sind zur Her­stellung der Brucken ausgeführt. Hierbei sind die beiden großen Talbrücken in der Steinfürst und an der pardtmühle nicht einbegriffen. Auf diese Arbeiten sind rd. 4V2 Millionen Mark abschläglich bezahlt. Davon entfallen IV2 Millionen auf die preuß Teil­strecke Niederaula-Wallersöorf (Landesgrenzei und ^Millionen auf die hessische Le tstreckeWallÄsdorfl Alsfeld und auf Niederjossa-Schlitz.