Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be-
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei j|c[5|uU”l Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
für den Kreis Hersfeld
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Zernfprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 176. (Erstes Matt).
Sonntag, den 7. Dezember
1913.
Bus der Heimat«
»(Neue Form der Achtellose der K l a s s e n l o t t e r i e.) Die soeben ausgegebenen Achtellose für die 4. Preußisch-Süddeutsche (230. Kgl. Preuß.) Klassen-Lotterie, deren erste Ziehung am 12. Januar 1914 beginnt, haben gegen die Lose der früheren Jahre ein anderes Format erhalten; bisher waren die Achtellose 10,5 Zentimeter lang und 8,2 Zentimeter hoch. Die neu ausgegebenen Achtellose weisen die gleiche Breite auf, haben aber nur eine Höhe von 5,7 Zentimeter, sind also in der Höhe um 2,5 Zentimeter kleiner. Auf diesen neuen Losen mußte selbstverständlich der Aufdruck in etwas kleinerer Schrift hergestellt werden, hat aber sonst denselben Wortlaut. Die Neuerung soll aus dem Grunde eingeführt sein, um auch die Achtellose den Einnehmern in Einzelbogen zu je 5 Losen zuteilen zu können. Bisher waren die Achtelabschnitte a bis d und e bis h auf je einen besonderen Bogen gedruckt, so daß die neue Einrichtung eine größere Schnelligkeit in der Bearbeitung der Losebogen ermöglicht. Bekanntlich werden die ganzen Lose in sehr viel größerem Format ausgegeben, das Format der halben und Viertellose bleibt das bisherige. Auch bei den Banknoten und Kassenscheinen sind die Formate je nach dem Wert verschieden.
* (Freiwillige Jäger.) Beim Kurhessischen Jäger-Bataillon Nr. 11 mit Maschinen-Gewehr- und Radfahr-Kompagnie in Marburg a. d. Lahn werden zuHerbst1914nochZweijährig-Freiwilligeangenommen. Diejenigen, die sich melden wollen und im Besitze eines gültigen Meldescheines zum freiwilligen Eintritt sind, können sich an einem ihnen passenden Mittwoch oder Sonnabend 10 Uhr vormittags auf dem Geschäftszimmer des Bataillons, Frankfurterstr. 6, zur ärztlichen Untersuchung einfinden. Besonders erwünscht sind Meldungen von Schneidern, Schuhmachern, Köchen, Schreinern, Buchbindern, Malern, Steindruckern, Schlossern, Sattlern, Beschlagschmieden usw. Schriftliche Anfragen an das Bataillon vor der Untersuchung sind, wenn nicht besondere Wünsche vorliegen, zu unterlassen. In der Zeit vom 24. Dez. bis 4. Januar finden keine Untersuchungen statt.
* (Brand st euer für das Jahr 1914.) Der Landesausschuß für den Reg.-Bez. Cassel hat in seiner kürzlichen Tagung beschlossen, daß Sie Brandsteuer für das Jahr 1914 auf den Betrag von 14 Pfg. für je 100 Mk. Umlagekapital festgesetzt wird, also auf denselben Betrag, wie im lfd. Jahr 1913. Hiernach beträgt die zu zahlende Brandsteuer sür je 1000 Mk. Versicherungssumme in Bauartklasse 1 70 Pfg., 2 98 Pfg., 3 1.26 Mk., 4 1.54 Mk. und Klasse 5 1.96 Mk.
8 Hersfeld, 6. Dezember. Am Sonntag, den 14. Dezember nachmittags 3 Uhr findet im katholischen Gesellenhaus in Fulda der hessische Handwerk e r t a g für beide Hessen statt. Es sprechen der Bundesvorsitzende Schneidermeister Voigt-Friedenau, Landtagsabgeordneter Schreinermeister Euler-Bens- berg und Landtagsabgeordneter Malermeister Liene- weg-Werther,' außerdem haben eine Reihe von Reichsund Landtagsabgeordneten ihr Erscheinen zugesagt. Die städtischen Behörden von Fulda werden ebenfalls vertreten sein.
):( Hersfeld, 6. Dezember. Wir brachten kürzlich eine Notiz aus Borken, die wir einer anderen Zeitung entnommen hatten, in welcher gesagt wurde, daß dort die Aerzte mit den Krankenkassen bereits einen Vertrag abgeschlossen hätten. Wie uns nun von zuständiger Seite hierzu mitgeteilt wird, entspricht dies nicht den Tatsachen, denn bis jetzt haben nur zwischen Krankenkassen und Aerzten unverbindliche Besprechungen stattgefunden.
8 Hersfeld, 6. Dez. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unterm 5. Dezember geschrieben: Die letzte Nacht hat auf den Bergen etwas Frost gebracht. Dieser und die kalten Winde lassen vielfach die Befürchtung auftauchen, daß wir vor einer Frostzeit ständen. Bis gestern war das auch noch nicht zu entscheiden. Unsere Südwest- Winde sind so kalt, weil sie von der Ruckserte eines kräftigen Sturmwirbels aus Island stammen. Heute jedoch machen sich die ersten Anzeichen bemerkbar, daß vom Ozean ein neuer Wirbel heranuaht. Danach wäre es wahrscheinlich, daß wir höchstens noch eine kalte Nacht und in ihr stellenweise auch etwas Frost zu erwarten hätten, jedoch keine stärkere Frostperrode.
8 Hersfeld, 6. Dezember. Am 1. Dezember d. Js. hat sich hier ein Verein unter dem Namen: „C l u b der Friseurgehülfen" gebildet. Der Zweck des Clubs ist Förderung fachlicher Kenntnisse.
§ Hersfeld, 6. Dezember. Kupferner, silberner und goldener Sonntag stehen nun vor der Tür. Volle vier Wochen lang schweigt der
rege Geschäftsverkehr des Weihnachtsumsatzes nur in den wenigen Stunden, in denen an Sonntagen die Kirchenglocken zum Gottesdienst rufen. Zu jeder übrigen Tagesstunde herrscht das gleiche, unermüdliche Leben, und abends spät, wenn längst die Verkaufsräume für das Publikum geschlossen sind, sind Chef und Personal noch eifrig beschäftigt, für den Umsatz des nächsten Tages alles Erforderliche vorzubereiten. — Mag eine derartige Hochflut des Geschäfts auch für Besitzer und Personal mancherlei Anstrengung mit sich bringen, mag jeder auch erleichtert aufatmen, sobald erst das Weihnachtsgeschäft vorüber ist — während sie mitten darin stehen, läßt Lust und Liebe zur Sache die aufgewandte Mühe und Arbeit leichter erscheinen. Und wenn an den berühmten drei Sonntagen vor Weihnachten auch der Andrang zuweilen so stark sein mag, daß der sprichwörtliche Apfel nicht mehr zu Boden fallen kann, fofern nur der Umsatz dem Andrang entspricht, sieht man auch beim Personal fröhliche Gesichter. Schließlich ist jeder einzelne doch viel zu sehr mit dem Geschäft verwachsen, um an dessen Ehrentagen sich nicht zu erfreuen. Hoffen wir deshalb, daß die kommenden drei Sonntage allen unseren Geschäftsleuten ein recht zufriedenstellendes, ausgiebiges Weihnachtsgeschäft bringen mögen.
Aus der Rhön, 4. Dezember. Von dem Dach der Kirche zu Wickers (Rhön) stürzte gestern der ungefähr 54 Jahre alte Dachdecker Hollenbach von Wiesenthal ab und war sofort tot.
Aus der Rhön, 5. Dezember. Auf der Fahrt durch die Rhön stand plötzlich ein fremdes Automobil bei Ostheim (Rhön) in Flammen. Nur mit knapper Not konnten sich die vier Insassen vor dem Verbrennungstode schützen. Das Automobil samt allen Effekten, darunter auch wertvolle Instrumente eines Passagiers bräunten vollständig nieder.
Gersfeld (Rhön), 4. Dezember. Der im ganzen Kreise und weit darüber hinaus bekannte und geachtete Kreisausschußsekretär Herr Georg Barthelmes erlag heute nachmittag 1 Uhr in seiner Wohnung plötzlich einem Herzschlag.
Marbach (Kr. Fulda), 4. Dezember. Vor ungefähr 4 Wpchen wurde bei einem hiesigen Einwohner eingebrochen und u. a. auch eine Geldkassette mit barem Gelde gestohlen. Ein anderer hiesiger Landwirt stieß gestern beim Ackern eines Stückes Land in nächster Nähe unseres Dorfes auf einen festen Gegenstand. Es stellte sich heraus, daß es die gestohlene Geldkassette war. Sie war aber erbrochen und ihres Inhalts beraubt.
Cassel, 5. Dezember. General Liman von Sanders, der Chef der deutschen Militärmission für die Türkei, begiebt sich am Montag zu einer Audienz beim Kaiser nach Berlin. Er wird dann aus dem preußischen Heeresverbande ausscheiden und in der nächsten Woche nach der Türkei fahren, wo er am 20. Dezember das Oberkommando über das erste Armeekorps der türkischen Armee übernehmen wird.
Gießen, 5. Dez. Wie der „Franks. Gen.-Anz." erführt, ist das Entlassungsgesuch des Oberbürgermeisters Mecum auf den Rat seines Arztes und aus Gesundheitsrücksichten erfolgt. Mecum ist 13 Jahre der Leiter der städtischen Geschäfte und erst 56 Jahre alt.
Marburg, 5. Dez. Heute früh bräunte hier die große Ziegelei von Reising & Sickel bis auf die Grundmauern nieder. Der Schaden ist sehr beträchtlich und beläuft sich schätzungsweise auf mehr als 100 000 Mk., ist aber durch Versicherung gedeckt.
Herzhausen, 3. Dezember. Eine hübsche Einnahme erzielte unser Nachbardörfchen Harbshausen bei der Verpachtung der Gemeindejagd. Während früher 10 Mk. einsamen, sind jetzt durch Fabrikant Klönne aus Dortmund nicht weniger denn 500 Mk. geboten worden.
Jestädt, 5. Dezember. Ein hiesiger, ungefähr 10 Jahre alter Junge hat gestern ein Markstück verschluckt. Er hatte das Geld von der Mutter erhalten, um Einkäufe zu besorgen.
Guxhagen, 5. Dezember. Der 12jährige Schüler Brethauer erkletterte gestern einen Baum. Als er sich an einem Aste festhielt, gab dieser (da er morsch war) nach und der Junge stürzte ans einer Höhe von etwa fünf Metern in die Tiefe. Er zog sich bei dem Sturz einen komplizierten Bruch des rechten Oberschenkels zu.
Mühlhausen i. Th., 4. Dezember. Garnison- und Schulbauten haben zu gleichen Teilen eine Anleihe in Höhe von 800 000 Mark für die Stadt Mühlhausen notwendig gemacht. Nur zur reichlichen Hälfte ist es bisher möglich gewesen, das Geld aufzutreiben, und zwar 150 000 Mark zu 4 Prozent Verzinsung und IVe Prozent Tilgung bei der Provinzial-Städte- Feuer-Sozietät und 400 000 Mk. bei der Landes
versicherungsanstalt für Sachsen-Anhalt zu 4Vi Prozent Verzinsung und Vi pro Mille Tilgung, in beiden Fällen bei sehr kurzen Kündigungsfristen. Bei diesen guten Bedingungen stimmte die Stadtverordnetenversammlung der Anleihe in Höhe von 550 000 Mk. ohne weitere Debatte zu.
Erfurt, 5. Dez. Heute früh in der vierten Stunde brach hier auf dem Petersberg in einem hinter dem Kasernement des 71. Infanterieregiments stehenden großen Geräteschuppen Feuer aus. Bei dem herrschenden Sturme griff dasselbe sehr schnell um sich und brannte in kurzer Zeit völlig nieder. Nur durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr und des Militärs konnte ein Uebergreifen des Feuers auf die benachbarten Baulichkeiten verhindert werden.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag befaßte sich am Freitage mit der sozialdemokratischen Interpellation über die Arbeitslosigkeit. Abg. Silberschmidt (Soz.) führte aus, daß es sich hier um eine das deutsche Volk stark berührende Angelegenheit handle. Die Arbeitslosenversicherung sei eine Pflicht des Reiches: es müsse sich der unverschuldeten Arbeitslosigkeit annehmen. Besonders aber müsse das Reich dafür sorgen, daß die Reichsangehörigen Arbeit erhalten und nicht die Ausländer. Zur Beantwortung der Interpellation führte Staatssekretär Dr. Delbrück aus, daß die Frage der Arbeitslosigkeit zu den ungelösten Problemen gehöre,' ungelöst wegen ihrer Schwierigkeit. Alle inbetracht kommenden Stellen zerbrächen sich den Kopf, wie der Arbeitslosigkeit beizukommen sei. Ausländer seien für bestimmte Arbeiten unentbehrlich. In Ober- schlesien fehlt es sogar an deutschen Arbeitern. Man könne hoffen, daß man auch ohne Eingreifen des Reiches über die Schwierigkeit der Lage hinwegkommen werde. Notstandsmaßnahmen würden keinen praktischen Erfolg bringen. Die Versicherung durch die Kommunen sei von größter Bedeutung, jedoch sei die Unterstützung der Gewerkschaften bedenklich, da sie Kampforganisationen seien. Solange keine zuverlässige Statistik vorliege, sei eine Versicherung ausgeschlossen. Notwendig sei ein Ausbau der Arbeitsnachweise, und die Regierung werde dazu tun, was sie tun könne. (Beifall.« Das Haus beschloß die Besprechung der Interpellation. Abg. Giesberts (Zentrum) gab zu, daß die Verhältnisse bei einer Arbeitslosenversicherung schwieriger als bei einer Krankenversicherung liegen, betone jedoch, daß derartige Schwierigkeiten wohl überwunden werden könnten. Abg. Dr. Ouarck-Coburg (natl.) hielt es für keine Ueberspannung des sozialen Gedankens, wenn man eine Arbeitslosenversicherung fordere. Fraglich sei jedoch, ob man die deutsche Volkswirtschaft mit den ungeheuren Kosten dieser Versicherung belasten könne. Abg. Weinhausen (Fortschr.) bekannte sich als Freund der Versicherung und forderte ein Zwangsgesetz zur Regelung der Arbeitsvermittelung. Abg. Graf Carmer-Zieserwitz (kons.) wies treffend darauf hin, daß der Zug in die Großstädte dort Arbeiterüberflutz und auf dem Lande Arbeitermangel herbeiführe. Die ganze Frage müsse von den Kommunen geregelt werden. Seine Freunde lehnen den Weg einer Versicherung ab.
Waudervorschläge für Sonntag.
a. ' 2 Tagest 0 ur: Hersfeld-Beiershausen (Bahnfahrt) dann Forsthaus Falkeubach-Rehkopf- Hungerberg-Niederaula (2 bis 3 Std.) Rückfahrt nach Hersfeld mit der Bahn.
b. 1/2 Tagestour: Hersfeld - Alpen - Tageberg- Laxturm-Escherskopf-Asbacher Grund-Asbach (2 bis 3 Std.) Zurück mit der Bahn.
Wetteraussichten für Sonntag den 7. Dezember.
Wolkig, höchstens vereinzelt Niederschläge, kalt, wechselnde Winde.
Der (Donas Dezember bietet die beste Gelegenheit zu einem Probeabonne- ment auf das ßersfelder Tageblatt. Deder kann sich dadurch selbst von dem reichhaltigen Anhalte überzeugen.
Wöchentliche Beilagen: „Von Pah und Fern“, achtieitiges illustriertes Unterhaltungsblatt sowie „Dach Feierabend“, vierseitige Romanzeitung.
Alle 14 Tage illustrierte bandiDirtfchaftl. Beilage.