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Welbet
für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 181. Sonnabend, den 13 Dezember 1913.
Bus der Heimat.
Steuern und Wählerlisten.
Die offen liegenden Wählerlisten mit ihren Angaben über die Steuern der Einzelnen geben oft zu Irrtum und Beunruhigung Anlaß. Es wird nämlich von Vielen angenommen, daß dieHöhe des angegebenen Gesamtsteuerbetrages den Einkommens- und Ver- mögensverhältnissen entspricht, wie sie bei der Staatssteuer- und Gemeindesteuerveranlagung festgestellt worden sind. Dies ist keineswegs der Fall.
Bei den hier in Betracht kommenden Steuern spielen die verschieden hohen Steuerzuschläge, die Grund-, Gebäude-, Gewerbe-, Bier-, Branntwein- und Betriebssteuer die Hauptrolle. Demgegenüber tritt die Einkommensteuer und ganz besonders die Vermögenssteuer oftmals in den Hintergrund.
So kommt es vor, daß ein verschuldeter Hausbesitzer, wenn sein Haus einen entsprechenden Mietwert hat, (sagen wir mal von 3000 Mk.) in den Wählerlisten mit etwa 240 Mk. Gesamtsteuer eingetragen steht, (200 o/o von 120 Mk. Gebäudesteuer), selbst wenn die Schuldenzinsen sein ganzes Einkommen verschlingen, wenn er also zur Einkommen- und Vermögenssteuer gär nicht veranlagt ist. Dagegen steht der Rentner mit 100 000 Mk. Vermögen und 4000 Mk. Zinseneinkommen nur mit etwa 220 Mk. Gesamtsteuern in der Liste.
Besitzt der Hausbesitzer nun noch ein Gewerbe und gar eine Schankwirtschaft, so kommt außerdem die Gewerbesteuer, Betriebssteuer und die Bier- und Branntweinsteuer hinzu, sodaß er, selbst wenn er ganz unvermögend ist, vielleicht mit 600 Mk. Steuern in der Wählerliste erscheint, ungefähr eben so hoch wie Jemand, der ein Einkommen von 10 000 Mk. hat, ohne sonstiges Vermögen zu besitzen.
Die Eintragungen der Gesamtsteuern lagen also gar keinen Schluß auf die Höhe der wirklichen Staatssteuerveranlagungen und das wirklich veranlagte Em- kommen oder Vermögen zu.
Ebensowenig ergibt sich daraus der tatsächliche Betrag der absoluten Steuerbelastung vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus. f m
Die Steuern schwanken übrigens bet Gewerbetreibenden bedeutend. Erst die Kenntnis der Gesamt- höhe der Steuern aus einer Reihe von Jahren läßt einen Vergleich mit Anderen zu. Dabei muß man aber immer seinen steuerpflichtigen Grundbesitz und den Umfang seines steuerpflichtigen Betriebes ins Auge fassen. ;
* Der Winterschutz der Rosen besteht meistens darin, daß diese umgebogen und mit Tannen- zweigen bedeckt werden. Leider macht man oft tm Frühling beim Aufdecken die traurige Entdeckung, daß der Stamm gebrochen ist, oder sehr empfindliche Sorten, die mit der Erde in Berührung kamen, an der Krone stark gelitten haben. Ein zu warmer Winterschutz kann oft mehr schaden, wie nutzen. Alte, starkwüchsige Rosenhochstämme vertragen kein Um- biegen mehr, daher lasse man sie aufrecht stehen, und binde sie so ein. Dies Verfahren hat sich in vielen Fällen auch an jungen Stämmen ausgezeichnet bewährt. Die Längstriebe der Krone schneidet man soweit zurück, als zur Erhaltung der Form und Blüte nötig ist. Die Krone selbst stopft man vorsichtig mit Holzwolle aus, umgibt sie mit einer Strohhaube, oder hüllt sie mit geöltem Papier ein, über erstere kann man auch ein Stück Sackleinen binden. Der Stamm selbst braucht bei älteren Exemplaren gar keine Hülle, nur muß er, wie die Krone, durch einen starken Pfahl vor dem Abbrechen geschützt werden.
Hersfeld, 12. Dezember. (Die Unterrichts- z e i t f ü r Fortbildungsschulen.) DerZweu- ßische Handelsminister hat an die Regierungs- präsidenten einen Erlaß gerichtet, tn dem er ersucht, den Schulvorständen der Fortbildungsschulen erneut Rücksichtnahme auf die Wünsche und Bedürfnisse der Gewerbetreibenden zur Pflicht zu machen. Der Vorstand des deutschen Handwerks- und Gewerbekammer- tags hatte den Minister gebeten, anzuordnen, daß die Gemeinden vor Festsetzung der Unterrichtszelten für die gewerblichen Pflicht-Fortbildungsschulen der Handwerkskammer Gelegenheit zur Aeußerung geben. Der Minister knüpft daran den Hinweis aus seine früheren Anordnungen, bei Festsetzung der Unteri lchU'- zeiten innerhalb der durch die einschlägigen Bestimmungen gezogenen Grenzen die Wunsche und Bedürfnisse der beteiligten Gewerbetreibenden zu berücksichtigen. Er legte Wert darauf, daß in dieser Beziehung dieFühlungzwischen den Schulverwaltungen und den interessierten Kreisen gewahrt bleibe. Der Herr Minister erwartet, daß die Schulvorstande außer mit Innungen und Jnnungsausschüssen im Bedarfsfälle auch mit Gewerbevereinen, kaufmännischen Ver
einen usw. in Verbindung treten. Als dienlich zur Anbahnung eines guten Verhältnisses zwischen Fortbildungsschulen und Geschäftswelt sei es zu bezeichnen, wenn die Schulvorstände vor grundsätzlichen und weiterreichenden Anordnungen mit der beteiligten Handwerks- oder Handelskammer sich verständigten.
§ Hersfeld, 12. Dezember. Im Kreise Hersfeld ist in den Orten Niederaula, Philippsthal und Willingshain zum 1. April 1914 je eine Schulstelle zu besetzen.
):( Hersfeld, 12. Dezember. Der Reichsbankdiskont wurde heute auf 5°/o und der Lombardzinsfuß auf 6o/o ermäßigt.
Oberaula, 11. Dezember. Heute nacht brannte das in hiesiger Gemarkung gelegene Dampfsägewerk von Heinrich Klippert aus Friedigerode nieder. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.
Satzungen, 10. Dezember. Durch eine beim Spielen explodierte Dynamitpatrone, die vermutlich ein Bergarbeiter mit nach Hause genommen hatte, wurden im benachbarten Kaltenborn einem 8jährigen Knaben sämtliche Finger der linken Hand, sowie ein Finger der rechten Hand abgerissen. Außerdem erlitt er eine erhebliche Verletzung der beiden Augen. Die Sehkraft des einen Auges ist erloschen.
Cassel, 12. Dezember. Das „Tgbl." schreibt: Wir registrierten vor wenigen Tagen das hier und auswärts kursierende Gerücht, demzufolge mit der Verlegung des Infanterie-Regiments Nr. 99 aus Zabern auch ein Wechsel in der Caffeler Garnison Zusammenhängen werde. Es war hierbei an den Austausch des Infanterie-Regiments Nr. 167 mit einem Regiment aus dem Elsaß gedacht worden. Wie uns hierzu nun heute vom Chef des Generalstabes des 11. Armeekorps mitgeteilt wird, entspricht dieses Gerücht nicht den Tatsachen; die von anderer Seite bereits als feststehend gemeldete Verlegung des Infanterie-Regiments Nr. 167 aus Cassel und Mühl- Hausen üach dem Elsaß stehe nicht bevor.
Vom Truppenübungsplatz zu Ohrdruf, 12. Dez. Im bevorstehenden Jahre werden Uebungen der Truppenteile des 11. Armeekorps auf dem Truppenübungsplatz zu Ohrdruf wesentlich früher beginnen als in anderen Jahren, weil die Kaisermanöver, an denen das 11. Armeekorps teilzunehmen hat, bedeutend früher beginnen, als die gewöhnlichen Manöver. Die einzelnen Truppenteile werden meistens zweimal den Truppenübungsplatz auffuchen, um dort die Regimentsund Brigadeübungen vorzunehmen. — Am 16. Dezember wird die Maschinengewehrabteilung des Infanterie-Regiments Nr. 95 den Truppenübungsplatz aufsuchen, um dort große Scharfschießübungen mit Maschinengewehren zu veranstalten.
Wasenberg, 10. Dezember. Eine Warnung für Landwirte ist folgender Begebenheit zu entnehmen: In einem unbewachten Augenblicke gingen einem hiesigen Landwirt, der mit Pflügen beschäftigt war, die Pferde durch. Einem wertvollen Tiere wurde dabei von der scharfen Pflugschaar ein Hinterbein glatt durchgeschlagen. Das Tier ist verloren.
Friedrichroda, 10. Dezember. Als heute vormittag in der Villa Elisabeth am Büchig eine dort beschäftigte Aufwartefrau beim Feueranmachen Petroleum in das Feuer goß, explodierte die Kanne und die Frau erlitt lebensgefährliche Brandwunden.
Suhl, 10. Dezember. Der Glasermeister E. und dessen Frau von hier haben gestern abend durch Vergiftung und Ertränken Selbstmord verübt. Finanzielle Schwierigkeiten sollen der Grund zur Tat sein.
Frankfurt a. M., 10. Dezember. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigt sich zurzeit mit der Arbeitslosenversicherung, die in Frankfurt eingeführt werden soll. Dem Magistrat liegt es ob, die Zeit festzusetzen, in der in der Regel die Versicherung ausgezahlt werden soll. Die Unterstützung beträgt täglich 70 Pfg. und kann bei verheirateten Arbeitern je nach der Zahl der Kinder auf 1,50 Mk. steigen.
Göttingen, 10. Dezember. In einem Dorfe war Schlacbtefest. Während man in der Stube mit Fleischhacken zur Mettwurst beschäftigt war, machte sich ein Kater am Fleischkessel zu schaffen. Beim Versuch, ein Stück Fleisch zu angeln, fiel er hinein und verbrühte. Als der Schlächter dann das Fleisch ausfüllen wollte, hatte er zum nicht geringen Schrecken den blankgekochten Kater in dem großen Fleischkepel. Wohl oder übel mußte das ganze Fleisch vernichtet werden
Hachenburg, 10. Dez. Auf gräßliche Weise verunglückte, laut „Gieß. Anz", der 28jährige Karl Köpper. Er war im Stadtwalde mit Holzfällen beschäftigt und dabei auf eine hohe Eiche gestiegen, um Aeste abzu- sägen. Als einer der Holzarbeiter emporsah, gewahrte er, daß Köpper mit dem Kopfe nach unten frei in I
den Aesten hing. Alle Bemühungen, den Unglücklichen aus der schrecklichen Lage zu befreien, waren erfolglos. Es wurde die Feuerwehr mit der Rettungsleiter herbeigeholt, die den jungen Mann jedoch nur als Leiche zu Boden bringen konnte. Jedenfalls ist dem Arbeiter ein Ast auf den Kopf gefallen, wodurch er die Besinnung verlor.
Saalfeld, 11. Dezember. Der Revisionsabschluß bei der hiesigen Filiale der Schwarzburger Landbank ergab, daßderProkuristKramann insgesamt 540 000 Mk. unterschlagen hat. Hiervon sind 450 000 Mk. durch Gegenwerte gedeckt.
Deutscher Reichstag.
Das Haus setzte am Donnerstag die erste Beratung des Etats fort. Abg. Ricklin (Elf.) gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Kriegsminister in einem späteren Stadium der Zaberner Angelegenheit bessere Auskünfte geben wird als bisher. Herr Graf Westarp habe die Bevölkerung von Zabern ungerecht verdächtigt, sie habe die Offiziere nicht beschimpft. — Abg. Hoch (Soz.) tadelte die Willkürherrschaft des Militärs und forderte erneut die Abdankung des Kanzlers, der nicht fähig war, sein Amt zu vertreten. — Abg. Erz- berger (Ztr.) meinte, der Reichskanzler habe die Zaberner Angelegenheit doch wohl auf eine zu leichte Achsel genommen. Er hätte betonen sollen, daß die Reichsverfassung unter allen Umständen gewahrt bleiben müsse. Was Graf Westarp am Mittwoch aussprach, bedeute die Proklamierung des militärischen Faustrechts. Immerhin bedeute das Mißtrauensvotum keine Gefährdung der Verfassung. Was den Etat anlange, so zeigten die Einnahmen einen Stillstand. Dem Kriegsminister sei Dank, daß der Militüretat ohne Zuschuß aufgestellt sei. Die Beseitigung des DuellzwaNges müsse angestrebt werden. In der Frage des Arbeitswilligenschutzes sei die unbedingte Anwendung der geltenden Gesetze zu verlangen. Eine Stärkung der christlich-nationalen Gewerkschaften bedeute das größte Gegengewicht gegen den sozialdemokratischen Terror. — Braunschweigischer Bevollmächtigter Geheimrat Boden betonte die unver- brüchlicheLoyalitätder braunschweigischen Bevölkerung. — Abg. Hautzmann (Fortsch.) gab seiner Freude über die Entwirrung der auswärtigen Lage Ausdruck, bedauerte die wenig glückliche Haltung des Reichskanzlers in der Zaberner Angelegenheit und fragte, ob eine dauernde Verlegung der Zaberner Garnison beabsichtigt sei. — Kriegsminister v. Falkenhayn erwiderte, daß eine Entscheidung darüber nicht gefaßt sei und nicht gefaßt werden konnte, da die Untersuchung der ganzen Angelegenheit noch nicht abgeschlossen sei. — Abg. Dr. Oertel (kons.) bezeichnete den Zustand der auswärtigen Politik als erfreulich, insbesondere was das Zusammenhalten des Dreibundes anlange, dessen Bestand eine geschichtliche Notwendigkeit sei. Wenn England Verträge mit uns schließen wolle, dann tue es das, um etwas für sich herauszuholen. Die Auffassung seiner Partei über Zabern werde auch von Nationalliberalen geteilt. Den Vorwurf des Reichskanzlers, Abg. Graf v. Westarp habe in ein schwebendes Verfahren eingegriffen, müsse er zurückweisen. Man dürfe das Eine nicht verkennen: die Vorgänge der letzten Zeit zeigten, daß die Mächte zu wanken beginnen, die als die festesten betrachtet werden. Wenn das Mißtrauensvotum ein Schritt auf dem Wege des parlamentarischen Regimes sein solle, dann können seine Freunde das nicht mitmachen, die sich vom Standpunkte der Geschichte nicht abbringen lassen. Die Forderung eines stärkeren Arbeitswilligenschutzes werde nicht nur von Konservativen erhoben. Sie wünschen ein Sondergesetz, weil die Strafprozeßreform sich noch viele Jahre hinziehen werde. Eine planmäßige Stärkung des Mittelstandes sei allein imstande, den wirtschaftlichen Niedergang aufzuhalten. Da sollte der Reichskanzler die Führung übernehmen: des Dankes könne er sicher sein. — Nachdem noch Abg. Dr. Paasche (natl.) die Behandlung des Mißtrauensvotums durch den Reichskanzler bemängelt hatte, vertagte sich das Haus.
Wandervorschläge für Sonntag.
a. 12 Tages tour: Hersfeld-Wippershainer Höhe- Hüttenbachgrund-Dünkelrode-Malkomes (2 bis 3 Std.) Rückfahrt mit der Kreisbahn.
b. V2 Tagestour: Hersfeld-Wehneberg-Heide- köpfchen-Reilos-Friedlos. (3 bis 3^ 2 Std.) Rückfahrt mit der Bahn. W.
Wetteranssichten für Sonnabend den 13. Dezember.
Wolkig, meist trocken, etwas kühler, westliche Winde.