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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

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Amtlicher Anzeiger

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Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Kernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 183* Dienstag, den 16 Dezember 1913»

Bus der Heimat«

*lBestrafuugwegennochmaligerVer- Wendung von Beitragsmarken.) Ein Arbeiter hatte bereits verwendet gewesene Beitrags­marken in seine Quittungskarten eingeklebt und das aus diesen Marken befindliche Entwertungsdatum entsprechend abgeändert. Hierfür wurde er von der Strafkammer eines Königlichen Landgerichts zu einer Haftstrafe von 8 Wochen und in die Kosten des Ver­fahrens verurteilt.

):( Hersfeld, 15. Dezember. Ein an Ehren reicher Tag war für Herrn Betriebsleiter Heinrich Schade der vergangene Sonnabend, an welchem 25 Jahre verflossen waren, seitdem er im Betriebe der heute weltbekannten Firma Benno Schilde, Maschinen­fabrik hier tätig ist. Aus Nah und Fern liefen die Glückwünsche ein, die Beamten überreichten als Zeichen ihrer Wertschätzung dem Jubilar eine prächtige Standuhr, während die Arbeiter ein von Herrn Photographen Otto Martin hier angefertigtes riesiges Tableau mit den verschiedenen Ansichten des ausge­dehnten Werkes darbrachten. Auch von Seiten des Herrn Fabrikdirektors Paul Schilde wurde Herr Schade in mannigfacher Hinsicht geehrt. Für den Abend hatte die Firma ihre Beamten und Arbeiter in die neue Turnhalle zu einer gemeinsamen Feier des Jubiläums eingeladen, und weit über 600 Personen füllten den festlich geschmückten Raum. Der Verlauf des Abends legte ein beredtes Zeugnis ab, welcher Wertschätzung, Achtung und Verehrung sich Herr Schade sowohl von der Leitung der Firma wie auch von fetten der Beamten und Arbeiter zu erfreuen hat. Eingeleitet wurde das reichhaltige Programm des Abends durch einen von Fräulein Kathy Demme wirkungsvoll vorgetragenen Prolog. Diesem schloß sich ein von dem Fabrik-Gesangverein der Firma Schilde unter Leitung des Herrn Dirigenten Wolschke vorgetragenes Begrüßungslied an, nach welchem Herr Fabrikdirektor Paul Schilde das Wort zu einer Ansprache ergriff, in welcher er in herzlichen und anerkennenden Worten der Verdienste des Herrn Betriebsleiters Schade gedachte. Herr Schilde führte aus, daß er es für seine ehrenvolle Pflicht Halte, eine kurze Schilderung des Werdeganges des Jubilars zu geben. Als Lehrling war Herr Schade vor ca. 28 Jahren eingetreten und hat von der Prke auf fern Handwerk erlernt. Damals der allerklernste des Be­triebes sei er heute der größte desselben. Durch Be­gabung, Geschicklichkeit und Fleiß habe sich Herr Schade bereits in jungen Jahren Anerkennung zu erringen verstanden. Sein nimmer ruhender Schaffens­drang und sein Streben nach vorwärts hat rhn oft selbstschöpferisch zum Nutzen des Unternehmens mrt Erfolg tätig sein lassen. In jungen Jahren bereits zum Meister befördert, habe er nicht immer einen leichten Stand gehabt. Selbst von einer mustergültigen Pflichterfüllung durchdrungen, habe er dasfelbe auch von seinen Arbeitern verlangt und er habe er- ver­standen, im Laufe der Jahre eine mustergültige Organisation des Betriebes ernzurrchten. Mit Stolz könne der Jubilar auf seine Erfolge zurnckblicken. Er selbst danke ihm hier nochmals für sein rastloses Streben und die der Firma geleistete treue arbeiterschaft. Er bedauere, daß sein verstorbener Vater, der Gründer der Firrna, dessen hoher Wert­schätzung sich Herr Schade ganz besonders erfreut hatte, diesen Taa nickt mehr erleben konnte. Mit der Hoffnuna daß Herr Schade dem Werke noch lange L %Wt« HeiSe/ schloß . Herr ®« M Ansvracke Es folgten nun wieder zwei Manner- chöre, des Fabrik-Gesangvereins, die, Ezuglich zum Vortraa aebracht, lauten Beifall ernteten. Als lang­jährige? Mitarbeiter des H^n Schade richtete dann Herr Jnaenieur Dittrich einige ^^ite a> Festversammlung, dabei die Fürsorge und Gerechtig- keit des Herrn Schade den Arbeitern gegenüber betonend. Nicht nur sein Können und Wissen habe Herr Sckade der Firma voll und ganz ö^nnomei, sondern auch sein Hauptaugenmerk aus ^w W )- ergehen der ihm auvertrauten Arbeiter gerichtet. I gerechter Weise habe es Herr Schade verstanden, den Geschäftsverhältnissen folgend d e fmanzlelle Lag der Arbeiter zu bessern. Stets seiner bereitwilllgst mit Rat und Auskunft zur V"nd gewe

auch oft die Zeit recht knapp gewesen ware^ Gerade aber das hat dazu beigetragen, das gute Einvernepmen zwischen ihm und den Arbeitern zu OBH , ftärfer und wünsche, daß in Zukunft dieses Band noch starrer werde. Die Ansprache sKloß ÄrSStter Schade, aufgenommenen Hoch auf Herrn . Ä ö c allen, Mit herzlichen Worten .stattete Herr

dic ihn V feinen, 3nb^ Urm- seinen Dank ab. Besonders dant - Abends Schilde für die Veranstaltung des Mf ^ und versicherte, daß er das ihm^ Megeig Vertrauen zu schätzen wissen weroe. -

Arbeitern und Beamten, die ihn in Ausübung seiner Pflichten unterstützt hätten, danke er besonders und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dies auch in Zukunft der Fall fein möge und er noch recht lange unter der bewährten Leitung des Herrn Direktors Paul Schilde dem Werke seine Kräfte widmen könne. Sein Hoch galt dem ferneren Blühen der Firma Schilde. Im Namen der eingeladenen Gäste dankte Herr Kaufmann Lorenz Mohr. Kurz die Ent­wicklung der Firma streifend warf Herr Mohr noch einen Blick auf den heutigen modernen Betrieb, zu dessen glatter Abwicklung ein tatkräftiger Arbeiter- und Beamtenstanö gehöre. Ihnen widmete er fein von den Gästen ausgebrachtes Hoch. Der zweite Teil des Programms, welcher der fröhlichen Unter­haltung gewidmet war, wurde durch ein flott zum Vortrag gebrachtes Couplet eingeleitet, das allgemeine Heiterkeit erregte. Eine Turnerriege am Barren unter Leitung des Herrn Neumann zeigte eine Reihe hervorragender Uebungen, die ungeteilte Anerkennung fanden. Fräulein Kathy Demme und Fräulein Hirth erregten mit einem Kostüm-Duett, Meißener Porzellan, durch ihre vorzügliche Darstellung allgemeine Be­wunderung und mußten, durch den stürmischen Beifall veranlaßt, sich zu einer Wiederholung entschießen. Es folgten dann einige prächtig gestellte Marmorgruppen, die in sinniger Weise auf die Bedeutung des Abends Hinwiesen. Große Heiterkeit verursachten die Knittel­verse zweier Herrn, die ihre Sache ausgezeichnet ver­standen. Ein von 8 Damen der Firma aufgeführter Kostümtanz, Pierrot und Pierrette, erregte in seiner Grazie allgemeine Bewunderung. Nachdem noch einige geschickt gestellte Pyramiden gezeigt worden waren, kam das Schlußstück des außerordentlich reichhaltigen Programms, ein kleiner Einakter:Die moderne Rasierstube". Die Mitspielenden erregten mit der vorzüglichen Wiedergabe ihrer Rollen eine ausge­lassene Heiterkeit und stürmischen Beifall. So hatten sich alle in den Dienst des Abends gestellt und mit dazu beigetragen, daß die Feier einen so schönen Ver­lauf nahm. Bei Konzert und gemeinsam gesungenen Liedern blieben die Teilnehmer des Abends noch recht vergnügt zusammen. Allen Teilnehmern aber wird gewiß der Abend, der ein so schönes Verhältnis zwischen Leitung, Beamten und Arbeitern zeigte, un­vergeßlich bleiben. Auch wir möchten nicht schließen, ohne Herrn Betriebsleiter Schade zu wünschen, daß er noch recht lange zum Segen der Firma Schilde, deren Entwicklung aus kleinen Anfängen zu der heutigen achtunggebietenden Größe er mitgemacht hat, tätig sein möge und dazu beitrage, daß das Werk zu den im Laufe der Jahre in allen Teilen der Welt errungenen Erfolge noch recht viele hinzufügen möge.

):( Hersfeld, 15. Dezember. Am Sonnabend fand im Saale des Hotel Stern eine Versammlung des Hersfelder Landwirtschaftlichen Kreisvereins statt. Anwesend waren etwa 70 Mitglieder sowie die Schüler der landwirtschaftlichen Winterschule. Gegen 1/28 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Herr Landrat von Grunelius die Versammlung mit einer kleinen Ansprache und erteilte hierauf Herrn Professor Dr. Helmkampf aus Weilburg a. L. das Wort zu seinemVortrage über öieAufzuchtundJugenö- ernährung der Heranwachsenden Zuchttiere. Redner be­schäftigte sich in li/2ftitni)igen Ausführungen aus seinen praktischen Erfahrungen eingehend mit seinem Thema, das mit großem Beifall ausgenommen wurde. Dem Vor­trage schloß sich eine rege Aussprache an, die aber nicht aanz zu Ende geführt werden konnte, da Herr Helm­kampf abreisen mußte. Zu Punkt 2 der Tages­ordnung Beschlußfassung über die Uebernahme der Vermittelung des Ankaufs von Saatgut für die Ver­einsmitglieder wurde, da sich die Mitglieder meistens noch nicht entschlossen hatten, welches Quantum an Saatgut sie wünschten, auch die Preise des Saatgutes noch nicht bekannt waren, den Mit- aliederu eröffnet, daß Bestellungen auf Saatgut spätestens zum 1. Januar 1914 bei dem landwirt­schaftlichen Kreisverein emgehen muhten und daß väter eingehende Bestellungen nicht mehr berück­sichtigt werden könnten. Es sollen zunächst die Preise des Saatgutes von der deutschen Landwirtschasts-Ge- sellsckaft in Berlin eingezogen werden, die bis zum

Januar aus dem Landratsamte eingesehen werden können Zu Punkt 3 Verschiedenes wurden Anträge nicht mehr vorgebracht. Der Vorsitzende, Herr Lanörat von Grunelius, gab hierauf bekannt, daß eine Vereinsversammlung im alten Jahre nicht mehr stattfinden würde und wünschte den Anwesenden einen guten Verlauf des alten und einen guten Anfang des neuen Jahres. Gegen 5 Uhr wurde die Versammlung geschloffen.

):( Hersfeld, 15. Dez. Bon derStrafka m m e r in Cassc l wurde am Freitag der Mann, welcher vor einiger Zeit den Diebstahl in einem Hause am Marktplatze ausgeführt hatte, zu einem Jahre Ge- fangins verurteilt.

):( Hersfeld, 15. Dezember. Heute vormittag gegen 1/2 10 Uhr entstand in dem zwischen Hersfeld und K a l k o b e s, zu letzterer Gemeinde gehörigen An­wesen des Fabrikarbeiters Krause Feuer. Der Brand kam auf dem Scheunenboden aus und legte, an den Heu- und Strohvorräten reiche Nahrung findend, diese sowie den angrenzenden Vieh- und Holzstall in Asche. Nach angestrengter Tätigkeit gelang es der Feuerwehr das Wohnhaus zu retten. Ueber die Ent­stehungsursache ist noch nichts bekannt. Das Vieh konnte gerettet werden, während sämtliche Futter­vorräte ein Raub der Flammen wurden.

):(Hersfeld, 15. Dezember. Der gestrige silberne Sonntag hatte leider unter dem regnerischen Wetter sehr zu leiden. Obwohl der Verkehr in den Geschäften immerhin ein sehr reger war, so fehlte doch das Publikum aus der Umgegend. Hoffentlich gleicht der kommende goldene Sonntag alles aus und bringt unfern Geschäftsleutengoldene" Einnahmen.

):( Hersfeld, 15. Dezember. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde ein hiesiger junger Mann durch drei Brüder, mit denen er in Streit ge­raten war, durch zahlreiche M e s s e r st i ch e arg zu - gerichtet, sodaß seine Ueberführung in das Land­krankenhaus erfolgen mußte.

Caffel, 13. Dezember. Gegen 6 Uhr abends ließ sich an der Berliner Brücke der achtzehnjährige Kauf­mann Heinrich Schmidt vom Schnellzuge in felbst- mörderischer Absicht überfahren. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgetrennt. Trotz der gräßlichen Verstümmelung vermochte er noch im Krankenhause schriftlich das Geständnis abzulegen, daß er bei einer hiesigen Jnstallationsfirma große Unterschlagungen begangen habe. Bald darauf starb er dann. Der leichtsinnige junge Mensch hatte bereits vor geraumer Zeit Unterschlagungen verübt, war aber im Geschäft behalten worden. Als er nun wiederum Unter­schlagungen beging, drohte man ihm mit Entlassung. Darauf schrieb er seiner Mutter einen Abschiedsbrief und legte sich auf das Gleis.

Caffel, 13. Dezember. Der Krankenwärter Opper vorn hiesigen Lanükrankenhaus hat sich heute erschossen. Der Grund zur Tat ist noch nicht ganz aufgeklärt. Opper sollte in den nächsten Tagen als Zeuge vor Gericht erscheinen und war darüber sehr aufgeregt. Vermutlich hat er aus diesem Grunde Hand an sich gelegt.

Marburg, 13. Dezember. Die hiesigen Studie­renden der Zahnheilkunde haben sich, ebenso wie die­jenigen vieler anderer Universitäten, mit ihren Leip­ziger Kommilitonen solidarisch erklärt und sind in einen Sympathiestreik eingetreten. Seit gestern bleiben den Vorlesungen im zahnärztlichen Institut der Universität die Hörer fern.

Naumburg a. d. S., 13. Dezember. Ein in einem hiesigen Warenhaus tätiger junger Mann hatte fort­gesetzt Warenmengen in großem Umfange gestohlen und nach auswärts, Leipzig, Halle, Hamburg verschickt. Als Vermittler war ein totaler im nahen Pölsen tätig. Auf dem Wege dorthin wurde in der Nacht zum Mittwoch der junge Mann verhaftet. Bei der nach­folgenden Haussuchung verwehrte der Maler mit ge­schwungenem Beile der Polizei deu Eintritt in seine Wohnung und mußte durch einen Schuß kampfunfähig gemacht werden. Ernstlich verwundet wurde der Maler ins Krankenhaus geschafft. Seine der Hehlerei verdächtigte Wirtschafterin wurde gleichfalls in Haft genommen.

Bestwig, 12. Dezember. Als Warnung diene folgender Unglückssall, der sich im nahen Südbruch ereignete. Bei einem daselbst veranstalteten Eltern­abend war ein Kind auf der Bühne, das mit einem Flachsbart versehen, den Lichtern eines Tannenbaumes zu nahe gekommen. Der Bart fing Feuer und das Kind erlitt im Gesicht, Kopf und Händen schwere Verletzungen.

Mainz, 12. Dezember. Auf dem Großen Sand bei Gonfenheimamüsieren" sich in neuerer Zeit wieder halbwüchsige unreife Burschen damit, die dort befind­lichen Schildwachen nachts zu necken, zu beschimpfen und auch zu bedrohen. Wiederholt wurde nachts mit Steinen nach den Soldaten geworfen. In den letzten Nächten wurde sogar von diesen Rowdies auf den Posten geschossen. Die Militärbehörde hat daher strikten Befehl erteilt, daß die Schildwachen von jetzt ab in derartigen Fällen sofort von ihren Schußwaffen Gebrauch zu machen haben.

Göttingen, 12. Dezember. Eine Versammlung der Göttinger Aerzte ist sich im Gegensatz zu den Be­schlüssen des Leipziger Aerzteverbandes dahin schlüssig geworden, die zwischen den Aerzten und den Kranken­kassen bestehenden Verträge nicht zu kündigen. Das seit Jahrzehnten zwischen Aerzten und Krankenkassen in Göttingen bestehende gute Verhältnis erfährt also keinerlei Trübung und der Friede bleibt auch ferner­hin gewahrt.