Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Nr. 187.
Sonnabend, den 30. Dezember
1913.
Sitzung der Stadtverordneten.
):( Hersfeld, 18. Dezember.
Heute nachmittag 4 Uhr fand im Rathaussaale eine Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung statt, zu der sich 18 Mitglieder eingefunden hatten. Außerdem nahm Herr Bürgermeister Strauß, die beiden Beigeordneten Herr Rentier Carl Schimmelpfeng und Herr KaufmannHeinrich Altenburg sowievom Magistrat Herr Kommerzienrat Fritz Rechberg, Herr Bauunternehmer Julius Roll und Herr Baurat Xylander an der Sitzung teil. Zunächst handelte es sich um die
Vereidigung der beiden nengewählten Beigeordneten, Herrn Schimmelpfeng und A ltenburg, welche die Bestätigung der Königlichen Regierung gefunden haben. Herr Bürgermeister Strauß führt die beiden Herrn in ihr Amt ein und vereidigt Herrn Schimmelpfeng, während er Herrn Altenburg auf den bereits als Magistratsmitglied geleisteten Eid verweist und ihn durch Handschlag verpflichtet. Herr Bürgermeister Strauß verläßt dann wegen einer wichtigen Sitzung mit den Herren Magistratsmitgliedern die Versammlung.
Zur Prüfung der Rechnung für das städtische Starkstromnetz
ist ein Ausschuß zu wählen. Wie Herr Stadtverordnetenvorsteher Becker bemerkt, schließt die Jahresrechnung mit einem Reingewinn von 108 Mark ab. In den Ausschuß werden die Herren Paul Schilde, Jean Rechberg und Alex Rehn gewählt.
Durch die Wahl des Herrn Altenburg zum Beigeordneten ist die
Nenwahl eines Magistratsmitgliedes nötig. Die Wahl fiel auf Herrn Kaufmann Emil Hirschberger, welcher mit 13 von 18 abgegebenen Stimmen gewählt wurde.
Gegen die
Gültigkeit der Stadtverordnetenwahlen, welche im November d. Js. stattgefunden hatten, sind keinerlei Einsprüche erhoben worden, so daß die Stadtverordnetenversammlung ebenfalls die Gültigkeit der Wahlen aussprach.
Für die in den Magistrat gewählten beiden Stadtverordneten Herrn Kaufmann Schimmelpfeng und Herrn Kaufmann Hirschberger sind
Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenversammlung vorzunehmen. Die Versammlung beschließt dem Anträge des Herrn Vorstehers entsprechend die Wahlen im Januar vorzunehmen. Herr Stern bemerkt hierzu, daß ein für allemal für jeden abgehenden Stadtverordneten ein anderer sofort zu wählen sei, was man s. Zt. bei dem Weggange des Herrn Sanitätsrates Israel nicht getan habe. Es müsse stets dafür gesorgt werden, daß die Versammlung vollzählig sei. Diesem schlössen sich auch die Herren L o r e n z Mohr und Jean Rechberg an.
Auf Anregung des Reichsverbandes deutscher Städte ist die
Gründung einer deutschen Kommunalbank beabsichtigt, welche den Kommunen Gelegenheit geben soll, ihre Darlehn leichter beschaffen zu können. An die Städte ist nun die Aufforderung ergangen, sich durch Uebernahme von Aktien an der Gründung zu beteiligen. Die großen Städte sind von einer Beteiligung ausgeschlossen. Bis jetzt haben sich schon eine Anzahl hessischer Städte zur Uebernahme von Aktien in Höhe von 10—20 000 Mark bereit erklärt. Herr Jean Rechberg beantragt diesen Punkt zurückzustellen, um sich erst genauer über die Angelegenheit informieren zu können. Herr Vorsteher Becker tritt dieser Ansicht bei, da es sich um einen wichtigen Beschluß handele. Herrn Lorenz Mohr ist die Gründung einer derartigen Bank sehr sympathisch, ist jedoch der gleichen Meinung wie Herr Rechberg, vorerst noch keinen Beschluß zu fassen. Auch Herr Kommerzienrat Rechberg ist der Ansicht und die Versammlung wählt eine Komnnsston bestehend aus den Herren Lorenz Mohr, Jean Rechberg und Hermann Braun, welche die Angelegenheit prüfen sollen, um in der nächsten Sitzung Bericht zu erstatten.
Es folgten nun eine Reihe von
Nachbewilligungen.
Als Vergütung für die Benutzung seines Fahrrades wird Herrn Monteur Orth eine jährliche Vergütung von 30 Mark gewährt. — Zur Einrichtung einer Waschküche in der Rektorswohnung hinterm Hain sind 300 Mark nötig, welche bewilligt wurden.— Da alljährlich eine Nacheichung der Maße und Gewichte durch einen auswärtigen Beamten stattfindet, so ist demselben ein geeigneter Raum zur Aufstellung seiner Geräte zu überweisen. Zu diesem Zwecke hat der Magistrat den in dem früheren Stelznerschen Anwesen befindlichen Saal für den monatlichen Preis von 80 Mark gemietet, welches die Stadtverordneten autheißen. Die Eichung nimmt gewöhnlich 2—3 Monate in Anspruch. — Der Vaterländische Frauen- verein hat um Bewilligung einer Unterstützung zur Verabreichung von Soolbädern an mittellose Kranke gebeten, da die Mittel nicht ausreichen. Der Magistrat
hat einen einmaligen Beitrag von 200 Mk. hierzu bewilligt. Herr Alex Rehn befürwortet im Interesse der segensreichen Einrichtung die Bewilligung, was auch einstimmig geschieht.
Der Magistrat hat beschlossen, vom 1. April 1914 ab eine
neue Stelle für eine Kochschullehrerin zu gründen, da es wünschenswert sei, daß wöchentlich anstatt wie bisher 12 Unterrichtsstunden deren 24 im Kochen erteilt würden und die Einrichtung von großem Segen für die Heranwachsende Jugend ist. Herr Stern beantragt die Einrichtung vorerst nur provisorisch auf 1 oder 2 Jahre zu treffen und alsdann wieder neue Vorlage zu machen. Herr Alex Rehn empfiehlt die Einrichtung wärmstens, da für sehr viele Mädchen, welche nie Gelegenheit zum Kochen hätten, dieselbe äußerst segensreich sei. Da dieser Ansicht von verschiedenen Seiten zugestimmt wird, beschließt die Versammlung gemäß dem Anträge des Magistrats.
Da für das städtische Elektrizitätswerk im neuen Etat kein
Betrag für neue Zähler und Hausanschlüsse vorgesehen war, so ist die Nachbewilligung von 2500 Mk. zu diesen Zwecken nötig. Herr Jean Rechberg empfiehlt die Bewilligung, desgleichen auch Herr H e r d a. Herr GeorgRössing bemerkt, daß für bereits hergestellte Anschlüsse eine ganze Anzahl Zähler fehlen, wodurch an die betreffenden Abnehmer kein Strom abgegeben werden könne. Herr Becker bemerkt hierzu, daß die Angelegenheit durch Vertagung der vorigen Sitzung leider eine Verzögerung erfahren habe. Herr Stern wundert sich, daß der Magistrat nicht einfach die Zähler beschafft habe, da er so manches ohne vorherige Benachrichtigung der Stadtverordneten an- schaffe. Diesen Vorwurs weist Herr Vorsteher Becker zurück. Herr Stern führt dagegen als Beispiel die Einrichtung der alten Bürgerschule für die Höhere Mädchenschule an, worüber die Stadtverordneten vorher nicht befragt worden seien, sondern nur die Gelder nachbewilligen mußten. Herr Kommerzienrat Rechberg bemerkt zu dem Vorwurf des Herrn Stern, daß im Magistrat stets das Bestreben herrsche, ohne Zustimmung der Stadtverordneten kein Geld zu bewilligen. Was die ßMWden Zähler anbelange, so sei eine Mitteilung über Neuanschaffung nicht rechtzeitig an den Magistrat gelangt. Herr Stern stellt fest, daßerdemMagistratabsolutkeinenVorwurfhabemachen wollen. Er möchte aber bei dieser Gelegenheit noch bemerken, daß auch die Stadtverordneten über die Umbauten der früheren Töchterschule zu Zwecken der Unterbringung von Kriegsschülern nicht gefragt worden seien. Hierzu bemerkt Herr Kommerzienrat Rechberg, daß alle Kosten, die dabei entstehen, dem Militärfiskus zur Last fallen. Die Verhandlungen über die Sache selbst seien geheim gewesen, da noch mehr Gebäude für die Unterbringung der Kriegsschüler in Betracht gekommen wären. Herr Stern kann die Geheimhaltung dieser Angelegenheit nicht für nötig ansehen. Betreffs der Zähler bemerkt noch Herr Jean Rechberg, daß dieselben bereits Ende September gefehlt hätten, am 7. Oktober sei der Antrag auf Beschaffung derselben gestellt worden, welcher erst heute hier vorliege. Der Herr Vorsteher bemerkt hierzu, daß durch notwendige Ermittlungen die Vorlage nicht früher möglich gewesen wäre. Schließlich stimmen die Stadtverordneten dem Magistratsantrag zu und ersuchen zur Anschaffung von weiteren Zählern noch 2000 Mk. bereit zu stellen.
Eine Angelegenheit, welche die Stadtverordneten bereits wiederholt eingehend beschäftigt hat, nämlich die
Rentabilität der Gasautomaten, liegt heute nochmals vor, nachdem eine Kommission festaestellt hat, daß die Einrichtungskosten sich durchschnittlich auf 46.50 Mark stellen, einschließlich eines zweiflammigen Herdes. Die Kommission schlägt vor, bei Gasautomaten, deren Einrichtungswert 30 Mark betrügt, einen jährlichen Gasverbrauch von 25 Mark, für solche von 31—40 Mk. 35 Mk. und für solche über 41 Mark 40 Mark festzusctzen. Alsdann sei die weitere Einrichtung der Automaten zu empfehlen. Im Monat Oktober haben die bestehenden Automaten eine Einnahme von 760 Mk. erbracht. Da nun bei der Einrichtung Lampen im Werte bis zu 14 Mk. pro Stück verwendet worden sind, so sei die Beschwerde des Herrn Stadtverordneten Georg Rössing berechtigt, da derartige Preise s. Zt. bei Beschlußfassung nicht vor- gesehen waren. Herr LorenzMohr bemerkt, daß die Anschaffung weiterer Gasautomaten wünschenswert sei zur Hebung des Gaskonsums, nicht wünschenswert sei dagegen die Verwendung zu teurer Lampen. Es sprechen dann noch wiederholt die Herren Rvffmg, Jean Rechberg, Beigeordneter Altenburg, Jean Steinweg, Bächstädt, Lorenz Mohr, Stern und Beigeordneter Schimmelpfeng zu diesem Punkte, allgemein der Ansicht, daß man die Gasautomaten weiterhin beibehalten müsse, jedoch von Verwendung zu teurer Lampen ab- sehen wolle. Es kommt nach langer Debatte schließlich ein Antrag zur Annahme, wonach der Preis einer kompletten Lampe 8 Mk. nicht übersteigen soll, die ganze Einrichtung sich dagegen höchstens auf 4050 Mk. stellen darf. Ferner wurde beschloßen den jähr
lichen Mindestverbrauch an Gas nach den Vorschlägen der Kommission festzusetzen.
Es werden alsdann zur
Beschaffung weiterer Gasarttomaten 4000 Mk. bewilligt, und zwar unter der Bedingung, daß der Magistratöen Beschlüssen der Stadtverordneten beitritt.
Auf eine Anfrage des Herrn JeanSteinweg, warum die bereits seit Monaten in der Meisebacher Straße liegenden Gasrohre nicht eingelegt würden, erwidert Herr Beigeordneter A l t e n b u r g, daß die Kommunalverwaltung Schwierigkeiten wegen Aufbruch der Straße mache.
In die Gas-, Wasser- und Elektrizitätskommission wurde Herr Lorenz Mohr, in die Sparkassen- kommission Herr Alex Rehn gewählt.
Herr Stern teilt mit, daß er durch das Pres- byterium erfahren habe, der Magistrat habe die
Anschaffung «euer Kirchenbänke
für das nächste Jahr vorgesehen. Im Hinblick darauf, daß die hiesigen Schreiner in diesem Jahre über Mangel an genügend Arbeit zu klagen haben, möchte er beantragen, den Magistrat zu ersuchen, schon jetzt die Anfertigung der Bänke zu vergeben. Der Herr Stadtverordnetenvorsteher gibt seinerFreudeAusdruck, daß endlich neue Kirchenbänke beschafft werden sollen und schlägt vor die Mittel zu bewilligen, um den Magistrat um baldige Vorlage eines Kostenanschlags zu ersuchen. Herr Stern bemerkt, daß die Kirchenbänke mit 14 000 Mark veranschlagt seien, von welcher Summe die Stadt die Hälfte zu tragen habe. Herr Beigeordneter A l t e n b u r g bemerkt demgegenüber, daß dies noch alte Kostenanschläge seien. Er würde es mit Freuden begrüßen, wenn es möglich wäre, noch in diesem Winter die Bänke zu vergeben. Die Stadtverordneten beschlossen alsdann dem Anträge des Herrn Vorstehers Becker entsprechend.
Herr L u p p bringt Wünsche der Anwohner der Wippershainer Straße nach einer telephonischen Verbindung mit der Polizeiwache sowie wegen Ermäßigung der Hundesteuer vor, da die dortigen Bewohner sich ohne jeden Schutz befänden. Ferner fragt Herr Lupp an, wer für die Abnahme des städtischen Hochdruckbassins verantwortlich wäre, welches ohne Schutzgeländer gewesen sei. Hierauf wurde erwidert, daß die Abnahme durch die Regierung erfolgt sei.
Herr Lorenz Mohr regt an, ob es nicht möglich wäre
das städtische Landmesserbüro auszulöse«, da die betreffenden Beamten nicht mehr genügend Beschäftigung hätten. Die Stadt lege jedes Jahr 4000 Mark zu. Sollte dies der Fall sein, so möchte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat ersuchen, den betreffenden Beamten mit einer angemessenen Frist zu kündigen. Herr Vorsteher Becker schlägt vor, den Magistrat um Aufstellung einer Berechnung zu ersuchen, aus der die Einnahmen und Ausgaben des Landmesserbüros hervorgingen, und ob evtl. die Aufhebung gerechtfertigt sei.
Herr Stern bemerkt noch, daß die Stadtverordneten zu wenig Kenntnis von den ausgeführten Arbeiten bekämen. Z. B. sei das Brunnenwärterhaus viel zu groß, er glaube, daß es halb so groß denselben Zweck erfüllt hätte. Herr Vorsteher Becker stellt fest, daß außer der Wohnung für den Brunnenwärter auch Lagerräume vorhanden wären. Herr Jean Rechberg tritt der Ansicht des Herrn Stern bei und bemerkt, daß der erste Kostenanschlag sogar noch 12000 Mark höher gewesen sei. Die jetzige Ausführung koste 18—19000 Mark.
Zum Schluß der Sitzung dankt Herr Alten- b u r g noch für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und die Ehrung, die ihm durch die Wahl zum Beigeordneten entgegengebracht worden wäre. Er werde stets bemüht sein, seine ganze Kraft in den Dienst seiner Vaterstadt zu stellen. — Um 3/i7 Uhr wurde die Sitzung geschlossen.
):( Hersfeld, 19. Dezember. Vor dem Schöffengericht in Homoerg hatte sich dieser Tage der hiesige Einwohner I. wegen W i l d ö i e b e r e i, die er vor einiger Zeit im Bezirk der Oberförsterei Neuenstein begangen hatte, zu verantworten. Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnis st rafevon4Wochen verurteilt.
):( Hersfeld, 19. Dezember. Gestern abend fand im Hotel Stern eine außerordentlicheHaupt - veriammlung der HersfelderBrunnen- g e s e l l s ch a f t A. G. statt. In derselben wurde dem Anträge des Vorstandes auf Abänderung des Vertrages mit der Stadt Hersfeld vom 15. Januar 1912 und Umwandlung der im Besitze der Stadt Hersfeld befindlichen Aktien in Vorzugsaktien zugestimmt. Von den übrigen Mitteilungen ist zu erwähnen, daß der Wasserversand sich bedeutend gehoben hat und die besten Aussichten für die Zukunft gewährt.
Wetteraussichte« für Sonnabend den 20. Dezember.
Meist heiter und trocken, kalt, Nachtfrost nordöstliche Winde.