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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- ~ C tk zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5)CT5|ClUd Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. '

für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im AUlSUlUU I amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- I holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 188. (Erster Blatt). Sonntag, den 21. Dezember 1913.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat.

Winters Anfang.

Am 22. Dezember, genau mittags 12 Uhr erreicht die Sonne den südlichsten Punkt der Ekliptik, sie tritt gleichzeitig aus den Zeichen des Schützen in das des Steinbocks, in welchem Zeitpunkt in astronomischem Sinne der Winter beginnt. Mit der Wintersonnen­wende erreichen wir auf der nördlichen Halbkugel die längste Nacht und den kürzesten Tag; nicht mehr als 71/2 Stunden verweilt die Sonne über dem Horizont, und fast 16 Stunden währt, die kurze Zeit der raschen Winterdämmerung nicht gerechnet, die Nacht. Aber der astronomische Kreislauf des Jahres deckt sich keines­wegs völlig mit dem meteorologischen, und obwohl wir bisher kalendarisch noch im Herbste weilten, hat in Wirklichkeit schon längst der Winter Besitz von der nördlichen Halbkugel ergriffen. Der Laubfall ist be­endet, kahl und schwarz recken Bäume und Sträucher ihre Aeste gen Himmel. Die Tage sind winterlich kurz, und die selten durchbrechende Sonne leuchtet zumeist mit der fahlen Bläffe der winterlichen Jahres­zeit. Meist verhüllen graue Schichtwolken den Himmel und das Tagesgestirn. Die eigentliche winterliche Signatur ist allerdings, wie in den letzten Jahren schon so oft, auch in diesem Jahre in der Witterung noch kaum zum Durchbruch gekommen, sofern man von der kalten Jahreszeit auch wirklich Frost und Schnee verlangt. Ob man nun aber den heutigen 22. Dezember als den Anfang des Winters anerkennen mag ader nicht, einen Vorteil wird man der Zeit von jetzt an zuerkennen müssen: die Tage werden nun­mehr wieder länger. Ist es auch noch nicht viel, so ist es doch immerhin etwas, und schon das bloße Be­wußtsein, daß es nun wieder aufwärts mit der Sonne geht, stimmt uns freudig und läßt uns zufriedenen Sinnes in die Zukunft blicken. Unseren heidnischen Vorfahren feierten Winters Anfang durch Feste und Opfer. Das ist längst vorüber, nur der Kalender redet heute noch von Winters Anfang.

* (ErbschaftsschwindelZ EinAdvokat" Ernesto (Kumpel in Barcelona hat in letzter Zeit zahlreichen Personen in Deutschland eine inhaltlich übereinstimmende Mitteilung übersandt, wonach ihnen ein Verwandter ihres Namens, der im Jahre 1885 nach Mexiko ausgewandert und kürzlich in Barcelona verstorben sei, 35 000 Mk. bar, sowie Grundstücke in Havanna nnd in Jamaika vermacht habe. Der Be­dachte soll zwecks Auszahlung des Barvermögens bis zu einem bestimmten Tage einen beiliegenden Frage­bogen ausgefüllt an ihn, als seinen Vertreter, nach Barcelona, postlagernd einsenden und zur Deckung der Gebühren und Stempelkosten einen 50 Mk.-Schein beifügen. Die Auszahlung des Barvermächtnisses werde dann durch das Erbschaftsgericht feiner Kreis­stadt erfolgen. Wegen des Verkaufs oder der Ver­waltung der Nachlaßgrundstücke würde er, der Advokat, später ausführlich schreiben. Es liegt auf der Hand, daß die Geschichte von der Erbschaft erfunden ist, um leichtgläubige Leute zur Einsendung des 50 Mk.- Scheins zu veranlassen, mit dem der Schwindler dann das Weite suchen würde. Da sich aber immer wieder Unerfahrene finden, die auf einen solchen plump an­gelegten Schwindel hereinfallen, so ist eine Warnung auch in diesem Falle nicht überflüssig.

):( Hersfeld, 20. Dezember. Die heutige Nummer des Amtlichen Anzeigers enthält nochmals die Be­kanntmachung betreffs Veranlagung zum Wehr­bei t r a g, worauf wir wiederholt ganz besonders hinweisen möchten.

):( Hersfeld, 20. Dezember. Von einem Bienen­züchter wird uns geschrieben: Bei dem jetzt ein­getretenen F r o st ist es ratsam, die Korbvölker warm zu halten. Um die Bienen nicht zu stören, nehme man den Deckel von einem alten Korb und lege ihn direkt auf den Bienenkorb. Sollte das Loch für den Stopfen nicht weit genug sein, so erweitere man die Oeffnung durch Herausnahme einer Rundung Stroh. Dieses wird schon einen guten Schutz bilden, da sich das Volk stets oben anhängt.

-g- Niederaula, 20. Dezember. Bei der heute stattgefundenen V e r p a ch t u n g der hiesigen G e m e i n d e - j a g d blieb Herr Schenk von hier Höchstbietender. Es folgten dann Herr Sauer-Hersfeld als nächst höherer und Herr Schuchardt von hier als dritter Bieter. Es wurden 615 Mark mehr erzielt wie früher, sofern die Jagd dem Höchstbietenden zugeschlagen wird, was als sicher zu erwarten ist.

Heringen (Werra), 18. Dezember. Der Milch- kutschex eines Landwirts im nahen Harnrode hatte

seinem Herrn ca. 400 Mark unterschlagen und damit unter Zurücklassung seiner Papiere das Weite gesucht. Von Berlin aus schrieb er jetzt um Zusendung der Papiere. Auf Grund dieses Berichtes wurde der un­getreue Knecht in Berlin verhaftet.

Wölfershausen, 18. Dezember. Mit einer Schüssel Suppe verbrühte sich hier ein kleines Kind derart, daß es bald darauf starb.

Dermbach, 18. Dezember. Auf dem Heimweg von der Arbeitsstätte geriet abends in der Dunkelheit der etwa 70 Jahre alte Zimmermann Rothaupt bei Willmars vom Wege ab. Er verirrte sich und stürzte in den hoch geschwollenen Waldbach, in dem er am anderen Morgen tot aufgefunden wurde.

Fulda, 18. Dezemher. Die Beschaffung von Radium für das Landkrankenhaus Fulda ist bereits zur Tat­sache geworden. Durch einen besonderen Boten ist das in einem grauen Pulver bestehende wertvolle Heilmittel beim Reichsgesundheitsamt in Berlin ab­geholt worden. Die Kosten für die Beschaffung über 82 000 Mk. sind durch eine größere Gesellschaft von Herren aufgebracht worden. Das Landkranken­haus Fulda, welchem das Radium von dieser Gesell­schaft zur Verwendung zu Heilzwecken überlassen wurde, ist eine der ersten Anstalten in unserer Pro­vinz, die sich im Besitze dieses kostbaren Heilmittels befindet.

Fritzlar, 18. Dezember. Bei der hier imObersten Holz" vom hiesigen Offizierjagöverein veranstalteten Jagd wurden am ersten Tage 88 und am zweiten Tage 139 Hasen erlegt. Außerdem sind zur Strecke gebracht worden: 3 Rehböcke, 1 Reh und 2 Füchse, ferner 1 Eule und zwei andere Vögel.

Buhle«, 19. Dezember. Durch eine gestern statt- gefundene neue Rutschung ist der Eisenbahndamm oberhalb unseres Dorfes so tief gesunken, daß die Schienen teilweise 2 Meter hoch in der Luft schweben. Infolgedessen werden die Pussugrere beim Umsteigen nicht mehr über den Damm geführt, sondern es ist jetzt ein neuer Weg oberhalb des Dammes am Wald­rande angelegt worden. Die mächtige Stützmauer des Dammes, die unten an der Staatsstraße entlang führt, konnte bis jetzt durch schwere Balkenstützen vor dem Umsturz bewahrt werden.

Volpriehausen, 18. Dezember. Die außerordent­liche Gewerkenversammlung von Hildasglück beschloß die Erhebung einer Zubuße von einer Btillion Mark. Die erste Rate von 300 000 Mark wird am 1. Februar n. Js. eingezogen. Die Festsetzung der weiteren Raten und der Einzahlungstage wurde dem Grubenvorstand überlassen. Nach dem Bericht über den Stand des Schachtbaues ist jetzt eine Teufe von 600 Metern er­reicht. Der Schacht steht im Steinsalz und ist bis zu dieser Teufe zum Teil in Mauerung fertig ausgekleidet.

Hann. Münden, 19. Dezember. Ein hartes Schick­sal ist über fünf unmündige Kinder einer hiesigen Arbeiterfamilie hereingebrochen. Vor mehreren Jahren wurde ihnen der Vater entrissen, der einer nächtlichen Messerstecherei auf dem Steinwege zum Opfer fiel und jetzt ist die für die Kinder sorgende Mutter, die Witwe Gieseler, infolge einer Operation den Kindern, die im Alter von 513 Jahren stehen, ebenfalls ge­nommen worden.

Marburg, 17. Dez. Die hiesigen Studierenden der Zahnheilkunde haben den Streik, in den sie durch Fernbleiben von den Vorlesungen eingetreten waren, wieder eingestellt, nachdem der Minister einer studen­tischen Deputation erklärt hat, daß die Wunsche der Studierenden erst nach Beilegung des Streiks berück­sichtigt werden könnten.

Eisenach, 18. Dezember. Der ungefähr 1800 Mit­glieder zählende Hausfrauenverein hielt gestern abend eine stark besuchte Versammlung ab, um zu den Fleischpreisen Stellung zu nehmen. Da nur fünf Fleischer sich bereit erklärt haben, die Fleischwaren zu den vorn Hausfrauenverein festgesetzten Preisen zu verkaufen, wurde beschlossen, daß alle Vereinsmit­glieder künftig ihren Bedarf bei diesen fünf Fleischern decken.

Frankfurt a. M., 19. Dezember. Im Hauptbahnhof wurde gestern abend die 72jährige Wagenreinigerin Ettinghaus aus Friedberg von einer Rangierab- teilung erfaßt und umgeworfen. Hierbei wurden ihr beide Beine direkt am Leib abgefahren. Schwer ver­letzt kam die bedauernswerte Frau ins Krankenhaus. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt.

Frankfurt a. M., 19. Dez. Von der Milliarde für die Wehrsteuer entfällt ein verhältnismäßig großer Teil auf Frankfurt. Man schätzt den Ertrag auf 40 Millionen, während nach der Prozentziffer der Ein­wohnerzahl auf Frankfurt nur 6 zweiDrittel Millionen entfallen würden.

Frankfurt a. M., 19. Dezember. Die Strafkammer

verurteilte den Banklehrling Karl Steuernagel wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu 3 Jahren Ge­fängnis. Steuernagel hatte im März d. I. einen Scheck in Höhe von 80 000 Mk. auf seine Firma ge­fälscht und das Geld auf der Bank abgehoben. Er war damit über Paris an die Riviera geflüchtet. Dort wurde er im Mai ermittelt. Bei der Festnahme versuchte er sich zu erschießen und gab auch einige Schüsse auf die Polizisten ab. Seine Auslieferung erfolgte kurz darauf.

Mainz, 19. Dezember. Hier beging ein dreizehn­jähriger Schüler des Wiesbadener Pädagogiums Selbst­mord. Der Junge, der seinen Angehörigen in Wies­baden entlaufen war, wurde von der Polizei ver­folgt, da er sich durch sein Auftreten in schlechter Ge­sellschaft verdächtig gemacht hatte. Schließlich stellte es sich heraus, daß der jugendliche Lebegreis schon recht beträchtliche Schulden gemacht hatte.

Mainz, 19. Dezember. In der hiesigen höheren Töchterschule ereignete sich heute früh ein schweres Unglück. Während einer Turnstunde löste sich das Eisen, das den Runölauf hielt, aus der Decke, stürzte herab und zerschmetterte einem neunjährigen Mädchen den Fuß. Ein zweites Mädchen erlitt ebenfalls schwere Verletzungen und mußte in bewußtlosem Zustande nach Hause gebracht werden.

Jeua, 18. Dezember. Der Schutzmann Gumplich, der am 26. Oktober auf einem Jahrmärkte bei einem Streit mit Studenten einen Fußtritt gegen das Schien­bein erhielt, ist jetzt an den Folgen dieser Verletzung gestorben.

Offeubach, 19. Dez. Der plötzlich irrsinnig ge­wordene Lederzuschneider Lutz ließ sich gestern abend um 8 Uhr aus dem Fenster seiner Wohnung mittelst eines Seiles herab, band sich in halber Höhe fest und schoß mit einem scharf geladenen Revolver, auf die vorübergehenden Leute herab, glücklicherweise, ohne jemand zu treffen. Alle Bersuche der Polizei, ihn von seinem verwegenen Tun abzubringen, scheiterten. Als er des Hängens zwischen Himmel und Erde müde war und keine Munition mehr hatte, sprang er frei­willig herab und ließ sich ohne Widerstanö ins Kranken­haus bringen.

Durch die Lupe.

(Weihnachtsbetrachtungen eines gallsüchtigen Junggesellen.)

Weihnachtsfest? 'Ne üble Plage, stößt mir stets wie Essig auf, mögen andere sich freuen, ich für mein Teil pfeife drauf. Morgens noch bei Nacht und Nebel da beginnt der Rummel schon, über mir Trompetenkrächzen, unter mir ein Grammophon, Talg- und Stearingerüche, daß der Atem stecken bleibt,Stille Nacht" schon früh um viere, die uns aus den Betten treibt. Mittags dann Familiensimpeln, wenn man ein­geladen ist. Kennst Du, Leser, dies Vergnügen, wenn Du Junggeselle bist? Schon das mitleidsvolle Lächeln, das des Hausherrn Lippen ziert, kann die Laune Dir verderben; dann wird alles vorge­führt: Kinder, ungerat'ne Göhren, die mit gierig heißen Blicken auf die Rundung Deiner Taschen und auf Deine Hände blicken, bis allmählich jedes einzeln mit der Frage Stimmung macht: Papa, hat uns denn der Onkel wirklich garnichts mitgebracht?" Bei der Tafel selbstverständlich stopft man Dich zum Platzen voll, weil das Essen in derKneipe" ja dochnie was taugen soll." Väterlich, mit Gönnerblicken nötigt man Dich immer mehr, nur die Kinder hört man flüstern:

Mutter, kriegen wir nichts mehr?"--Später zeigt man die Geschenke, Puppen, Helme, Seiden- roben, Bilderbücher, Bleisoldaten, alles, alles muß Du loben. Bleiern schleichen dann die Stunden, höchstens pflegt man von den Göhren alle halbe Stunde einmalMama, mir ist schlecht" zu hören, bis um fünfe Dich der Hausherr ungewollt von dannen jagt, weil er was von einer Nichte, die um sechse ankommt, sagt. Walter-Walter.

Wandervorschläge für Sonntag.

a. Hersfeld-Alpen - Tanzplatz - Laxturm - Mönches- Hählgans; Reckeröderstraße - Meisebach -Hersseld. (31/2 Std.)

b. Hersfeld-Hünfeld(Bahnfahrt) Gruben-Burghaun. Rückfahrt mit der Bahn (IV2 bis 2 Std.)

Wetteranssichten für Sonntag den 21. Dezember.

Meist heiter und trocken, kalt, Nachtfrost, östliche Winde.