Amtlicher Anzeiger
für den Kreis Hersfeld
1813
Nr. 193
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
-2 . <«ii Der Anzeigenpreis beträgt jür die einspaltige ZeUe 10 Pfennig, im
MKwUluU amtlichen TeUe 20 Pfennig, ReUamen die ZeUe 25 Psg. Bei Wieder
holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * * «j.
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5)vl5|^luCT Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
in Hüddingen bei Bildungen glatt gelandet. Der Ballon war am ersten Feiertag in Lille aufgestiegen.
selber Tageblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Knschluh Nr. 8
Bus der Heimat.
):( Hersfeld, 27. Dezember. In der Zeit vom 2. Januar bis zum 6. Februar n. I. findet die N a ch - eichung der Maße und Gewichte aus der Stadt Hersfeld statt. Die näheren Bestimmungen darüber, die wir genauester Beachtung empfehlen möchten, enthält eine Bekanntmachung im heutigen amtlichen Anzeiger.
):( Hersfeld, 27. Dezember. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß die Weihnachtsfeier des Evangelischen Arbeitervereins heute Sonnabendabend im Saale des Hotel zum Stern stattfindet und nicht, wie es in dem vorigen Inserat hieß, am Sonntag abend.
):( Hersfeld, 27. Dezember. Das schöne Weihnachtswetter, welches sich am heiligen Abend einstellte und alles in eine weiße Decke cinhüllte, hat ltzider nicht standgehalten. Der erste Feiertag gab bereits Gelegenheit zur Ausübung des Schneeschuh- ützd Rodelsports, dem eifrig gehuldigt wurde. Wer nun aber für den zweiten Feiertag sich auf das gleiche Vergnügen gefreut hatte, wurde sehr enttäuscht, denn daseintretende Tauwetter machte bald wieder alles zu Wasser. Der heutige Tag nun bringt stürmisches und regnerisches Wetter, so daß alle Aussichten auf baldige Besserung wieder völlig geschwunden sind. Auch die Wetterpropheten haben diesmal wieder mit ihrer Voraussage von weißen Weihnachten sehr daneben gehauen.
-h- Sieglos, 27. Dezember. In der vergangenen Nacht wurde hier bei Herrn Schneidermeister Ehrhardt ' der Kaninchenstall erbrochen und von den darin befindlichen Tieren das beste gestohlen.
Caffel, 26. Dezember. In einer Wirtschaft in der Holländischen Straße saßen gestern abend eine Anzahl junger Leute in animierter Stimmung zusammen- Während nun einer der Beteiligten aufgestanden war, um eine Rede zu halten, zog ihm sein Nebenmann d^n Stuhl weg. Ahnungslos wollte sich der junge Mann wieder setzen. Er stürzte mit solcher Wucht auf den Hinjerkopf, daß er bewußtlos liegen blieb. Ein zufällig anwesender Sanitäter bemühte sich um den Gestürzten, der krank darniederliegt.
Caffel, 24. Dezember. Zum Zwecke der Krebsbehandlung schenkte die Witwe eines hiesigen Großindustriellen heute dem hiesigen Marienkrankenhaus hundert Milligramm Radium.
Caffel, 27. Dezember. Das Gerücht von der Verlegung des 167. Infanterie-Regiments will nicht verstummen. Wie gemeldet wird, versichert der Straß- bürger Korrespondent des Berl. Tageblattes aufs neue, es stehe fest, daß das 167. Infanterie-Regiment mit dem 99. Regiment die Garnison tausche, nur sei der Zeitpunkt der Uebersiedelung noch nicht bekannt. An hiesiger amtlicher Stelle ist über den Garnisontausch nichts bekannt.
Kirchhai«, 23. Dezember. Im Ohmflusse bei dem Dorfe Niederwald wurde ein mit Schuh und Strumpf versehenes menschliches Bein gefunden. Jedenfalls ^handelt es sich um ein Bein der Schrankenwärterin Michaelis, die vor etwa einem Jahre bei dem Eisenbahnunglück auf der Wohrabrücke zerstückelt und in den Fluß geschleudert wurde.
Eschwege, 24. Dezember. Der neue Eschweger Bürgermeister Dr. Stolzenberg-Graudenz ist vom Kaiser bestätigt worden. Er wird sein neues Amt am 5. Januar antreten.
Wächtersbach, 28. Dezember. Von einem Tobsuchtsanfall betroffen wurde gestern abend hier der Fabrikarbeiter August Wittmann. Er tobte so furchtbar, daß 5 Mann erforderlich waren ihn zu halten, auch hat er einem derselben schwere Bißwunden am Arm beigebracht. Als er sich etwas beruhigt hatte, ließ ihn die Polizei durch drei kräftige Männer noch gestern abend nach dem Landkrankenhaus Hanau bringen.
Carlshafe«, 25. Dezember. Im benachbarten Dorfe Herstelle ereignete sich vorgestern mittag ein Automobilunfall. Das Töchterchen des Kapitäns R. kam aus dem Hquse gerannt und wollte quer über die Straße laufen, als das Automobil des Herrn F. vom Hasselhof vorbeifuhr. Das Kind wurde überfahren. Die Verletzungen sind glücklicherweise nicht lebensgefährlich. Pen Wagenführer trifft an diesem Unfälle keine Schuld.
Bad Wild««gen, 27. Dezember. Gestern früh ist ein französischer Freiballon bet heftigem Schneetreiben
Sonntag, den 28. Dezember
Hamel«, 24. Dezember. In der Wohnung eines Leutnants erschien, wie dem „B. T." gemeldet wird, ein junges Mädchen, mit dem der Leutnant in Beziehungen stand, und erklärte, daß es soeben Lysol getrunken habe. Der Offizier geriet hierüber derartig in Aufregung, daß er zum Revolver griff und sich durch einen Schuß in die Brust tötete. Pas junge Mädchen befindet sich inzwischen außer Gefahr. Es hatte nur eine schwache Lysollösung zu sich genommen.
Escherode, 26. Dezember. Am Weihnachtsabend erschossen aufgefunden wurde im Walde bei Escherode der vierzigjährige Förster Knoche vom Forsthaus Non- nenholz. Bei einbrechender Dämmerung muß er auf einem Dienstgang im Walde durch irgendein Geräusch zu einem Schreckschuß veranlaßt worden sein, worauf er von einem Wilderer, den man in einem gewissen bereits geflüchteten Fuhrmann vermutet, durch einen Schuß in den Hals tödlich verwundet wurde. Knoche hat sich dann noch bis zum Wildgatter geschleppt und dieses zu übersteigen versucht, ist aber hierbei verblutet. Die Leiche des Ermordeten, um den eine Witwe und ein Sohn trauern, wurde gegen Mitternacht gefunden. Weiter wird zu dem Drama noch gemeldet: Förster Knoche war am heiligen Abend um 5 Uhr auf einem Dienstgange im Walde, da hörte er ein Geräusch im Dickicht und glaubte, es wolle jemand einen Tannenbaum stehlen. Er bekam einen Schrotschuß in den Hals, der die Schlagader traf. Die Blutspuren deuten darauf hin, daß er sich noch 100 Schritt weit schleppen konnte bis zu einem Gatter, das etwa 150 Schritt von seiner Wohnung entfernt ist. An blutigen Fingerabdrücken «"-kannte man, daß er vergebens versucht hat, das Gatter zu übersteigen. Man hätte drei Schüsse gehört. Vermutlich hat der Förster einen Warnungsschuß abgegeben, während ihn selbst zwei Schüsse trafen. Die Holzhauer fanden ihn abends um 10 Uhr auf. Er hatte noch seine Fausthandschuhe an und seinen Feldstecher umhängen. Im Wald sand man einen Hut und Nägelabdrücke von Schuhen, die auf die Spur des Täters führten. Dieser, ein Zigarrenarbeiter Fuhrmann aus Huberode, hatte sich Tags zuvor bei einem Schuhmacher in Huberode ein Paar Schuhe besohlen lassen und dabei sechs Nägel zufällig in eine Reihe. Frau und Kinder des Mörders erkannten den Hut und gaben an, Fuhrmann sei gegen Abend eiligst angekommen und habe seine Stockflinte geholt. Um vermutlich ein Alibi nachweisen zu können, war er um 5 lshr, also eine halbe Stunde nach dem Mord, zur Kirche gegangen und hatte, wie der Schuhmacher erzählte, „feste mitgesungen." Er ging dann fort und ist bis jetzt noch nicht aufgefunden worden.
Das Flugjahr 1913.
Von einem Luftschifferoffizier wird geschrieben:
Das preußische Kriegsministerium hat kürzlich den großen Berliner Blättern, die doch aus dem benachbarten Döberitz gelegentlich Nachrichten bekommen, die Bitte zugehen lassen, sie möchten über die Zahl der Offiziere, die hier und anderswo zu Fliegern ausgebildet würden, nichts mehr bringen. Das ist eine außerordentlich dankenswerte Maßregel. Den fremden Nationen, die auch ihrerseits die stärksten Anstrengungen machen, um im Kampfe um die Luft nicht hinterdrein zu bleiben, brauchen wir nicht auf die Base zu binden, über wieviel Flieger wir verfügen; soviel aber dürfen wir sggen, daß der Glaube der Franzosen, sie seien unerreicht, würden auch von uns Nie erreicht, seit einigen Monaten ein Irrglaube ist. Bei der Mobilmachung wird man einst erstaunt sein, wie gut gerüstet Deutschland auch in dieser Be- ziehm^ U. * .^ ein Jahr der intensivsten Anstrengung aller beteiligten Faktoren gewesen, auch des deutschen Volkes, dessen Nationalspende uns außerordentlich geholfen hat. Daß wir den Weltrekord für den längsten Flug innerhalb 24 Stunden durch Stöfflers Bravourleistung erworben haben, will nicht einmal so viel bedeuten, aber es ist überhaupt in die Sacke „Schmiß" hineingekommen, sobald erst die Riesenpreise winkten. Auch beim Militär gehören jetzt Hachtflüge, ja sogar Flüge ohne Karte, lediglich nach geographischen Kenntnissen, quer durch Deutschland, nicht mehr zu den Seltenheiten und an Schnerd sind unsere Offiziere den französischen womöglich sogar überlegen. Vor allem sind sie deshalb eifriger bei der Sache, weil bei uns methodischer gearbeitet wird, planmäßig und stetig auch überall Ordnung herrscht, während man aus Frankreich immer nur von neuer „Reorganisation" hört, weil jeder neue Inspekteur, jeder neue Kriegsminister — und sie wechseln ja wie die Mondphasen — alles vorher geschaffene für Unsinn erklärt. Auf den franzößischen Militärflugplätzen
herrscht vielfach eine derartige Lodderwirtschaft, daß die eigentlichen Flieger das Fliegen überhaupt mißmutig sein lassen und zum Teil wieder in ihre alten Regimenter einrücken, obwohl man sie himmelhoch bittet, in der Fliegertruppe zu bleiben.
Pech haben die Franzosen auch mit ihren Versuchen, uns das starre Luftschiff nachzumachen. Ihr „Spieß", der unserem „Zeppelin" entspricht, ist immer noch nicht stabil: er steigt auf, macht einige unbeholfene schwankende Bewegungen und wird wieder in die Halle gebracht und wochenlang umgebaut. Das geht nun so schon seit dem Frühling 1912. Besseres wird von einem ganz neuen starren Luftschiff erwartet, das die Kanonenfirma Schneider-Creusot in tiefster Stille erbaut und das alles das enthalten soll, was uns die Franzosen in Luneville — abgeguckt haben.
Unser eigener Luftschiffbau ist von drei schweren Katastrophen heimgesucht worden; die beiden Marine- luftschiffe und der erste Schütte-Lanz gingen verloren. Aber wir fliegen doch wenigstens l Und diese Unfälle wollen nicht viel besagen, wenn man beüenkt, daß inzwischen die Delag-Schiffe hinter einander Hunderte von Fahrten unternehmen, ohne daß das geringste passiert. Wir sind im Luftschiffbau immer noch allen anderen Nationen ein gutes Stück voraus. In der Fliegerei haben wir sie, wie bereits gesagt, inzwischen erreicht, dank der vorbildlich genauen Arbeit unseres Militärs, dank der Nationalflugspende, die jetzt für das nächste Jahr ihre letzten 3^2 Millionen für die gute Sache auswirft, dank auch dem „Deutschen Flug- verbande", der unter der Aegiöe der mitteldeutschen Bundesfürsten und unter der Leitung des Flieger- Hauptmanns der Reserve, Rechtsanwalts Mardersteig- Weimar, bereits einen großen Teil des Netzes von Flugstützpunkten geschaffen h t, die sich über das Reich erstrecken sollen.
Eine neue Nationalspenöe wird vom deutschen Volke nicht mehr verlangt. Wer aber trotzdem die Sache weiter fördern will, der kann nur dringend gebeten werden, diesem Flngverbande in Weimar mit einem verhältnismäßig geringen Jahresbeiträge bei- zutreten. Alles andere geht jetzt auch schon ohne Mithilfe des Publikums seinen Gang. Insbesondere möchten wir dabei erwähnen, daß die Reichsversuchsanstalt für Luftschiffahrt, die in Adlershof bei Berlin unter Professor Bendemann errichtet ist, im abgelaufenen Jahre bereits außerordentlich viel Gutes durch Vorprüfung neuer Erfindungen usw. geleistet hat. Auch die Preise des Kaisers für den besten Motor haben viel geholfen. Alles in allem war es ein gesegnetes Jahr für uns, das uns der Herrschaft im Luftmeer viel nähergebracht hat.
Auf der glatten Kegelbahn verunglückt.
Der Kaufmann W. befand sich am Abend des 26. Juli 1911 mit einer größeren Gesellschaft auf der Kegelbahn im Lokal des Gastwirts S. in Gelsenkirchen. Ein Teil des Pulvers, das zum Glätten des in der Nähe befindlichen Tanzbodens bestimmt war, ist anscheinend nach der Kegelbahn verschleppt worden und hat dort eine erhebliche Glätte hervorgerufen. W. ist gleich beim Abwurf der ersten Kugel infolge der Glätte zu Fall gekommen und hat einen Arm gebrochen. Er macht den Gastwirt S. für den ihn dadurch entstandenen Schaden haftbar, indem er eine Fahrlässigkeit des Wirtes darin behauptet, weil dieser vor der Erlaubnis zum Kegeln hätte prüfen müssen, ob der Fußboden der Kegelbahn nicht zu glatt sei. Demgegenüber wirft der Beklagte dem Kläger eigenes Verschulden vor: dieser hätte, da die Kegelbahn hell erleuchtet war, die Glätte erkennen und Abhilfe verlangen müssen.
Landgericht Essen und Oberlandesgericht Hamm haben den Beklagten zum Schadenersatz verurteilt. Das Oberlandesgericht führt hierzu aus: Der Beklagte habe seine Vertragspflicht schuldhaftverletzt. Nurdievor- handene Glätte habe den Unfall des Klägers verursacht. Der Beklagte habe gewußt, daß der Raum, wo die Ab- wurfstelle der Kegelbahn liege, am Nachmittag des Unfalltages von einer Hochzeitsgesellschaft mitbenutzt worden war und daß der Fußboden mit Klitschpulver bestreut war. Er mußte sich deshalb sagen, daß die Abwurfstelle zu glatt sein könne. Ein eigenes mitwirkendes Verschulden des Klägers sei nicht dargetan. Der Kläger sei unmittelbar vor dem Abwurf seiner ersten Kugel an die Bahn herangetreten. Der Kläger hat vor dem Unfall die Glätte nicht wahrgenommen. Eine Verpflichtung, vor dem ersten Wurf sich zu überzeugen, ob die Bahn nicht etwa zu glatt sei, kann keinem Kegler auferlegt werden. Das würde eine Ueberspannung der im Verkehr erforderlichen Sorgfaltspflicht bedeuten, da der Kegler damit rechnen kann, daß der Wirt für ordnungsmäßige Beschaffenheit der Bahn Sorge getragen hat.
Auch das Reichsgericht gelangte zu dem gleichen Ergebnis: es hat die von dem Beklagten eingelegte Revision zurückgewiesen.