S (Nüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die BeröffemlichMM des Kreises Schltichtem.
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^ 4 Smnfhifl, neu 14. Januar. I8SS.
Amtlicher Theil.
Nr. 8401. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Bürgermeister Alt zu Bellings auf die nächste 8jährige Dienstperiode wieder gewählt und die Wahl von mir bestätigt worden ist. Schlächtern, den 10. Januar 1888.
Der Königliche Landrath:
Roth.,
Ob Krieg, ob Friede?
Diese vielsagende Ueberschrist trägt ein längerer Artikel in der neuesten Nummer der „Grenzboten", der denen zum Trost geschrieben zu sein scheint, die sich darüber beklagen, daß die Ungewißheit, ob Krieg, ob Friede trotz all unserer Stärke sich noch immer nicht in eine bestimmte Zuversicht, daß der Friede erhalten bleiben werde, verwandeln will. Wie's früher ausgesehen hat, das mögen die Unzufriedenen aus diesem Artikel ersehen. Es heißt in demselben:
Seit dem letzten großen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich sind siebzehn Jahre verflossen. Während dieses Zeitraums hat sich, Dank den erfolgreichen Bemühungen Bismarcks, Mitteleuropa des Friedens zu erfreuen gehabt. Der russisch-türkische Conflict war nur ein localer, nur ein neues Glied in der Kette von Grenz- kriegen, die nie aufgehört haben, seit die Türken Konstan- tinopel eingenommen haben. Die Bedeutung jener siebzehnjährigen Waffenruhe nach gewaltigem, aber kurzem Kampf schätzt man erst vollständig auf Grund von Rückblicken. In keiner Periode der europäischen Geschichte bis 1810 begegnen wir einer so langen Pause. Die Kriege des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts währten Jahre, halbe Jahrzehnte und in einem Fall eine Generation hindurch und erneuerten sich in kurzer Frist, so daß die Welt kaum zu Athem kam von ihrer Noth und Last. Die Kämpfe der französischen Revolution und der Tage Napoleons dauerten fast ohne Aufhören. Die Tinte eines Friedensvertrages ivar kaum getrocknet, so wurde er verletzt, und die Nationen erschöpften sich in Aushebungen, die „bis an die Wiege und das Grab griffen"". Wir haben in dem jetzigen Jahrhundert zweifellos einen Fortschritt gemacht, wenn wir uns erinnern, daß auf Leipzig und Warerloo vier friedliche Jahrzehnte gefolgt sind und daß seit 1870 keine christliche Macht Europas mit einer anderen das Schwert gekreuzt hat. Das war in alter Zeit ganz unerhört, und wir dürfen uns zu der Besserung Glück wünschen, wenn auch Ausnahmen von der Regel für die Zukunft möglich sind und deshalb ein „Unberufen" am Ort scheint. Die Regel ist: man besinnt sich heutzutage länger als früher, ehe man losschlägt, die Kriege sind kostspieliger und in ihren Ergebnissen weiter greifend, aber sie dauern nicht lauge, und es giebt zwischen ihnen längere Pausen. Man kann sagen, daß in solchen Zeiten jeoes Jahr des Aufschubs die bittere Erinnerung an Demüthigung und Verlust mehr abschwächt. Bon 1815 bis 1840 hätte man die Voraussetzung, Frankreich würde Waterloo nicht wett zu machen suchen, für Wahnsinn gehalten, und siehe da, die Revanchegelüste sind nicht bloß nicht verwirklicht, sondern vergessen worden. Daß auch die Revanche gegenüber den Deutschen von 1870 bald von der Bühne schwinden wird, ist zwar nicht sicher, indeß scheint es immerhin ein gutes Zeichen, daß die Französin schon einige Monate ganz leidlich ohne Bou- langer ausgekommen sind. Weniger erfreulich als diese Beobachtungen und Vergleichungen sind folgende. Früher konnten die Nationen im Frieden Geld sammeln, jetzt nicht, da die Vorbereitung auf den Krieg oder, was gleichbedeutend ist, die Erschwerung desselben für den Gegner, womöglich die Abwendung, zu große Summen verschlingt. Als Frankreich 1871 Frieden mit Deutsch- land machte, war es schwer mit Schulden überbürdet, aber statt die Last durch Abzahlungen zu vermindern, hat es sie durch Ausgaben für Kriegszwecke ganz erheblich vermehrt. Seine Vorbereitungen für die Vertheidigung, oder auch für einen Angriff, wenn sich Gelegenheit bietet, haben ihm Jahr für Jahr dreimal mehr gekostet als früher seine Kriege. Zu einem großen Theil ist die Wissenschaft hierfür verantwortlich: die Gewehre, Geschütze und Kriegsschiffe, die 1854, 1859 und 1866, ja noch 1870 zur Kriegsführung nothwendig waren, sind jetzt veraltet und durch wirksamere überholt. Es herrscht ein Wettlauf in der Erfindung. Manche Kriegsminister warten beim Erscheinen von neuen Waffen, bis eine noch neuere und bessere sie ins alte Eisen ver- veist, und das kann praktisch sein, nur muß nicht über
Nacht ein Krieg eintreten und sie ungenügend gerüstet treffen. Die großen Staaten sind dem mehr ausgesetzt und können am wenigsten zögern, und so kommt es dahin, daß sie Schiffe bauen, die sie nach kaum zehn Jahren abtakeln, und Gewehre einführen, die sie noch vor ihrem Gebrauch wieder abschaffen müssen. In der That, während Europa friedlich aussieht, ist die Welt eigentlich im Krieg, im Wettkampf um das Bewußtsein und den Werth des Stärkeren. Es ist ein Krieg der Ausgaben, der Pläne, der unaufhörlichen Steigerung der Kräfte zu Angriff und Abwehr, ein Krieg mit allem Möglichen außer scharfen Schüssen und Blutvergießen. Es steht zu hoffen, daß gerade die Erschöpfung, welche solchen ungeheueren Anstrengungen doch einmal folgen muß, zu Ermattung des Eifers und Ueberdruß an Kriegen führt, nur würde dies allenthalben gleichzeitig der Fall sein müssen. Die Erkenntniß wird erleichtert, je mehr die Völker erkennen, daß der Sieg nicht nothwendige Sicherheit bedeutet. Wir gewannen 1870 Ruhm in Fülle, Geld und Gebiet mit einer guten Grenze, und doch hat das Volk seine Rüstung verstärken, seine.Anstrengungen für Vertheidigungszwecke fast verdoppeln müssen. Wenn das die Errungenschaft eines sieggekrönten Feldzuges war, wo bleibt da die Versuchung zu neuen Kriegen?
Die Brandeufteiner Fehde. XV.
Aus dem Land zu Hessen. (Auf einem Zettel verzeichnet.)
Von Thann aus *M Meile. Wolf von der Thaun, 2 Knecht: Schwarz Hensiein, Kilian Aschmesser.
Mangold von Ebersteins Logt Peter ungerüstet geritten.
Des von der Thaun Knecht lang grob Rock, roth Kappen mit gelben Zotteln, grob Hut auf, 2 braun Langschwanz geritten und Schießzeug geführt.
Des Ebersteins Vogt einen grauen Rock, eine rothe Kappe mit grün Zotteln und eine Wage von grünem Tuch darein genäht, einen groben Hnt auf, hat ein weiß Bauernpferd geritten, ist davon gesessen und auf des Trumers Pferd gesessen.
Durch rauh Holz gemacht gen Brandenstein auf eine Ackerlänge, daselbst die Augen verbunden, absitzen müssen, und im Vorhof hat ihn Peter und Eberstein in das Schloß geführt, nach dem Essen zu Nacht mit Händen und Füßen in einen Stock eingeschlossen, 2 Tage liegen lassen. Eberstein die Oedheimerin gebracht, sagend, sie wollte lieber einen andern haben, der an ihrer Sache schuldig wäre, und ihm damit viel von ihrem Handel gesagt und 6000 Gulden Schätzung begehrt, über 2 Tag wieder gekommen und 2000 Gulden haben wollen und zuletzt kommen auf 600 Gulden, 50 Gulden für Schätzung und Atzung.
Hätte der Markgraf feinet halben geschrieben, hätten sie sein gespottet.
Hätten sie eines Males gelegt (d. i. einen Tag zum Stellen, Wiederkommen angesetzt), nach der Schätzung zu reiten, und hätten ihn ein Siegel machen lassen, sich zu verschreiben, die Schätzung zu bringen und sich nicht abfangen zu lassen. Damit sei er zu seiner Mutter geritten, die nicht gefunden und sich nach 4 Tagen wieder gen Brandenstein gestellt. Hat man ihn im Schlosse lassen umhergehen und bis in die fünfte Woche noch gefangen gelegen, nämlich von Galli (16. Okt.) bis Martini. Hab' der Vogt von Offenheim die Schätzung gebracht. Der Markgraf hat Eberharden Bär mit 4 Pferden gen Brandenstein seinethalben geschickt. Der hat beteidingt (gerichtlich ausgesagt), daß er habe geben müssen 550 Gulden für Schätzung, 50 Gulden für Atzung, 20 Gulden der Frau für eine Schaube (Gewand) an lauterem Golde, das hab' Mangold eingenommen.
Marsilius Vogt, Joachim von der Thaun, Kunz von Rosenberg, Frowein von Hütten oft 25, 30 bis in 40 Pferde stark dahingeritten.
Am Mittwoch nach Jakobi (31. Juni 1521) gefangen worden mit Hans Trümer, den sie im Feld reiten lassen und gen Gelnhausen getegt, aber sich nicht gestellt. Die Oedheimerin, ihre Tochter und ein Jungfräulein, Elslein genannt, Marsilius Vögten Muhme, auch die Frau oft zu ihm gekommen, hatten mit ihm gespielt, auf die Letzte hätte man sie nicht leicht zu ihm lassen wollen.
Sich verschreiben müssen, die Sachen nicht zu offenbaren, das Pferd um 9 Gulden wieder ausgelöst, nach der Gefängniß Eberstein 2 Knecht, Schwarz Henslein und Hans Reschauer, der Ebersteins Schultheiß im Dorf,
hinweg geleitet bis auf 2 Meilen bis gen Rineck, hat ihnen einen halben Gulden geschenkt.
Mangold reitet oft mit 4 bis 5 Pferden, lauter Matzen, hat sehr gute Gäule zu 60 Gulden, die 4 Braune und ein Fuchs mit einer Blesse, grau Rock, rothe Kappe mit grünen Zottlein und ein Wag, grün, darein genäht, auch roth Hosen mit der grünen Wag, und führt stets Armbrust^ Eberstein hab' sein S a ch' mit dem Reiten in guter Acht» n g.
Lorenz Rottenbuchers Ansage.
Lorenz Rottenbucher von Morstadt, Hansen TrumerS Eidam, hat auf Samstag nach Aegidie den 7. Sept. in der Kriegsstube angesagt, daß am Samstag Aegidiru Abend (31. August) Hans Trümer, als er gen Morstadt reiten wollen und mit ihm Jörg Flock, so hier Bürger, auch geritten. Und als sie zwischen Weichtingen und Undorf eine Meile Wegs von Morstadt gekommen, wären Hansen Trümer zwei Reiter nachgetrabt. Und als dieselben zwei Reiter zu Trümer gekommen, hätten sie ihn und Flocken gefragt, wer sie wären. Hätte Flock gesagt: „von Nürnberg." Und den hätten sie sofort gefangen genommen und zu Trümer gesagt: „Du ehrloser, meineidiger Bösewicht, bist du auch da?" (er hatte sich, wie aus dem Vorhergesagten hervorgeht, nach Gelnhausen stellen sollen, hatte es aber unterlassen). Sie hätten sofort auch ihm nachgetrachtet und die Pfeile auf ihn abgeschossen. Aber Trümer hätte sich zur Wehr gestellt also daß Trümer hart verwundet und geschossen und st' ihn für todt haben liegen lassen. Da wäre Trume* aufgesprungen und hätte in ein Dorf eilen wollen. Da* Hütte der eine Reiter ersehen und wäre dem Trumes wieder nachgeeilt, hätte die Tasche von ihm gefordert und zu ihm gesagt, er wolle ihm nichts mehr thun.t Also hätte ihm Trümer die Tasche gegeben, aber während der Zeit hätte ihn der Reiter bei der Brust hinein geschossen und wäre von ihm geritten und die Reiter hätten den Flock mit gefangen geführt. Die zwei Reiter haben geritten zwei braune Mützen, aber Trümer habe die Reiter nicht gekannt.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Hofjuwelier Telge in Berlin hat eine vorzüglich gelungene Medaille mit dem Bildnisse des Kronprinzen angefertigt; die Rückseite enthält die Inschrift: „Gott erhalte unseren Fritz!" während die Umschrift lautet: „Deutschlands Gebet. Weihnacht 1887." Ihre Majestät, die Königin von Rumänien, (Earmen Sylva) ist durch diese Medaille, von welcher sie zwei Exemplare in Gold bestellt hat, zu folgendem tiefempfundenen Gedicht angeregt worden:
Deutschlands Gebet.
Der uns zu Sieg und Ruhm geführt,
Mit Wort und Blick den Muth geschürt, Gott! Er ist krank.
Das willst Du nicht, -
Daß uns sein Arm gebricht!
Dem Güte strahlt aus Augenblau, Dem jedes Wort wie frischer ThaU
Vom Herzen quillt — .
Der soll vergeh'n?!.
Gott! laß es nicht gescheh'n!
Die Stirne hoch in Völkerschlacht,
Klaglos der Mund in Schmerzensuachk,
Im Lebenskampf soll er voran, Gott! auf dem heißen Plan.— Und wenn Dein Volk Dich, Gott, vergaß, Sei gnädig in der Strafe Maaß.
Der heiter'n Blicks den Tod geschaut,
Dem sei'n wir anvertraut!
Wir zittern nicht vor Noth und Kampf,
Geht er voran. Im Schlachtendampf,
Durch Wogenprall, Kanonenblitz,
Wir folgen unserm Fritz!
Gott! sei uns gnädig! Tief und bang'
Steigt ein Gebet aus Völkerdrang;
Gott! zeig' uns Licht im Wolkenritz, Erhalt' uns unsern Fritz!
— Einen liebenswürdigen Beweis internationaler Courtoisie hat in diesen Tagen die italienische Regierung geliefert. Für den deutschen Kronprinzen und die kron- prinzliche Familie gehen täglich zahlreiche Sendungen aus Deutschland, meist in Körben mit frischen Blumen oder in Blumensträußen bestehend, in San Remo ein. Der Umstand, daß für Postpacketsendungen nach Italien nur ein Höchstgewicht von 3 Kilogr. zugelassen ist