Schlüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die BeröffeLlichmgen des Kreises Schlüchtern
Erscheint Mittwochs und Samstag«. Preis »ierieijährHch 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
^ 29.
Mittwoch den 11. April.
1888.
Amtlicher Th eil.
Verzeichnitz
der Preise und des Gewichtes der Backwaaren für den Monat April 1888.
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Manien ber Bäcker dezw Backumaren- Händler.
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1. Stadt Schlüchtern
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Adam Freund, Bäcker
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Ferdinand Nässer, Bäcke»
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Ph. Mitzei, Bäcker
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Stadt Steinau.
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W. Euler, Georgs Sohn
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Johs. Weitzel, Johs.S'hu
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Johs^ Weitzel, W. Sohn
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Friedrich Buß
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Stadt Soden.
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Herm. W/tarecker, Händl.
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Schlüchtern, den 30 März 1888.
Der Königliche Landrath: , ■ Roth.
Bekanntmachung.
Die Herren Bürgermeister von Ahlersbach, Breitenbach, Breunings, Heubach, Hintersteinau, Hütten, Jossa, KerderSdorf, Klofterböfe, Marborn, Marjoß, Neuen- gronau, Reinhards, Romsthal, Salmünster, Seidenroth, Soden, Sterbsritz, Ulmbach, Wallroth, werden hierdurch an die Bekanntmachung in Nr. 25 der Schlüchterner Zeitung, betreffend Anlegung von Werdenplautagen erinnert, nnd haben die geforderte Anzeige sofort einzureichen.
Schlüchiern, den 10. April 1888.
Der Königliche Landrath: (gez.) Roth.
Bekanntmachnng.
Diejenigen Herren, welche das Ihnen im Februar d. J. zugesandte Stafilt, betreffend Gründung eines Bereins znm „Rothen Kreuz", noch nicht zurück- gegeben haben, werden hierdurch um baldgesällige Zurückgabe desselben ergcbenst ersucht.
Schlüchtern, den 10. April 1888.
Der Königliche Landrath: (gez.) Roth.
Bekanntmachung.
Den Herrn Bürgermeistern von Breitenbach, ElM, Hinter steinau, Hütten, Kerbersdorf, Klosterhöfe, Kressen- bach, Nenengronau, Nenstall, Oberzell, Reinhards, Romsthal, Salmünster, Soden, Steinau, Sterbfritz, Uerzell, Ulmbach, Wahlert und Züntersbach wird die Bekanntmachung in Nr. 22 der Schlüchterner Zeitung hierdurch in Erinnerung gebracht und bestimmt erwartet, daß zu Oltsverlretern geeignete und bereite Personen binnen S Sagen in Vorschlag gebracht werden.
Schlüchtern, den 9. April 1888.
Namens des Kreis-Ausschusses.
Der Vorsitzende: (gez.) Roth. IVersicherung durchschnittlich bestehen, also mit diesem
Bekanntmachung.
Der landwirlhschastliche Kreisvcrem wird in diesem Monat eine Commission nach der Schweiz schicken zum Ankauf von Bullen und Kalbinnen resp. Kühen bester Simmenthaler Rasse für Zuchtzwecke im Kreise. Es wird damit beabsichtigt, geeignetes Zuchtmaterial für den Kreis zu gewinnen, welches die Möglichkeit bietet, die für den Kreis erforderlichen Bullen im Kreis selb st zu züchten und dadurch allmählig die erheblichen Kosten zu ersparen, welche bisher dem Kreise resp, den Gemeinden aus dem auswärtigen Ankauf ihrer Bullen erwachsen sind.
Es dürfte sich empfehlen, daß wenigstens in allen größeren Gemeinden des Kreises einige Simmenthaler Mutterthiere angeschafft werden, welche eine reinblütige Simmenthaler Nach-Zucht erwarten lassen, die sich zur Verwendung als Gemeindebullen eignet.
Indem ich die Herren Bürgermeister hiervon in Kenntniß setze, veranlasse ich dieselben dahin zu wirken, daß aus ihrer Gemeinde möglichst Bestellungen au Simmenthaler Kalbinnen resp. Kühe gemacht werden deren Preis sich voraussichtlich auf 400 — 500 Mar pro Stück stellen wird. Um den Ankauf möglichst zu erleichtern, hat der Kreis-Ausschuß ungesagt, den Bestellern das Kaufgeld gegen 4 pCt. Zinsen aus der Kreissparkasse vor- zuleihen.
Etwaige Bestellungen sind spätestens bis zum 24. d. Mts. an den Herrn Rendant P f a l z g r a f hier schriftlich einzureichen.
Schlüchtern, den 7. April 1888.
Der Königliche Landrath: gez.: R o t H.
I. Nr. 2132. Der 20 Jahre alte Kaufmann Carl Rosenbaum von hier, Sohn des Salomon Rosenbaum hat um Ertheilung eines Passes zwecks Reise in das Ausland nachgesucht.
Schlüchtern, den 7. April 1888.
Der Königliche Landrath:
Roth.
Zur Kreisviehversicherung.
Das Prozect der schon mehrsach besprochenen Kreis- viehversichernug auf Gegenseitigkeit ist, wie bereits be- kaiint, durch den letzten Kreistag znm Beschlusse erhoben worden. Die Versicherungsstatuten sind den Gemeinden zugegangen und von dem Auklauge, welchen sie in den ländlichen Kreisen finden, wird es abhängen, ob die Versicherung demnächst eröffnet werden kann oder nicht. An einer freudigen Unterstützung durch rückhaltslosen Beitritt sollte man bei näherer Prüfung der Statuten allerdings kaum zweifeln, handelt eS sich doch um ein dankeswerthes Vorgehen der Kreis -Communalbchörden im ausgesprochenen Interesse der Landwirthschaft treibenden Bevölkerung: Die KreiSeommunalbeamten übernehmen die Last der Verwaltungsgeschäfte unentgeltlich und die Kreiskasse steht dem VersicherungSinstitut für etwa zu leistende Vorschüsse rc. zur Verfügung. DaS sind gewiß Vorzüge, die einer anderen Berufsklasse so leicht nicht zu Theil werden und wohl auch nicht zu Theil werden können, die man aber dem Bauer mit Rücksicht auf die anerkannt schwierige Lage, in der er sich befindet, umsomehr gönnt, als sie eine Schädigung des Communalvermögens, neue Belastung der Gesammt-
heil, nicht im Gefolge haben. Lediglich dem Bestreben.
ym, uiwp nH \ü/t[viyu ^num. ^viynuj vc tu <jcpitucil/. *“hm pp/ »hhvh -w^p H! »»^‘H« xytvpv . ^i»pyuucit den Bauernstand, der die überwiegende Mehrheit der «wurden von der Bruchstelle aus bis in die Vorstadt
Kreisbevölkerung ausmacht, in seinem wichtigsten land
wirthschaftlichen Besitze — dem Viehstande, auf die billigste Weise sicher zu stellen, ist die Idee einer Vich- versicheruug auf Gegenseitigkeit innerhalb des Kreises entsprungen. Die Viehkassen, wie sie vielfach bestehen, können in dieser Hinsicht nur als eine ungenügende Selbsthülfe der einzelnen Gemeinden angesehen werden, weil in Fällen empfindlicher Verluste, wie sie manche Ortschaften in den letzten Jahren zu verzeichnen hatten, die einzelnen Mitglieder zu schwer belastet werden. Nur bei einer Versicherung auf Gegenseitigkeit in größerer Ausdehnung wird natur- und erfahrungsgemäß ein geringer Beitrag des Einzelnen zur Deckung der Gesammt- verluste genügen. Und welcher besonnene Landwirth ist nicht gerne bereit, alljährlich einen kleinen Beitrag zu entrichten, wenn er sich hierdurch vor eventuellen schweren
Verlusten gesichert weiß.
Mit einer Prämie von 1 pCt. glaubt die Kreisvieh-
Betrage alle im § 16 der Statuten erwähnten Entschädigungs- und sonstige Hebe- und Zuschlagsgebühren decken zu können.
Ein so günstiges Resultat ist auch nur bei einer Versicherung zu gewärtigen, deren Verwaltungskosten sich auf die absolut nothwendigen Ausgaben beschränken, die im vorliegenden Falle, fast lediglich in den Entschädigungsbeträgen, welche den Orts-, und Kreisvertretern für Zeitverluste gewährt werden, bestehen. Betrachten wir nun kurz die Organisation des Versicherungsinstituts im Allgemeinen:
In jeder Ortschaft sind gewöhnlich zwei eingesessene Ortsvertreter, in jedem Amtsgerichtsbezirk ist ein Kreis- vertreter für die Versicherung thätig. Die Kreisvertreter in Verbindung mit dem Kreis - Ausschuffe bilden den Vorstand. Die Hauptgeschäfte, insbesondere die Aufnahme- und Taxationsgeschäfte bei eintretendem Verluste, fallen dem Ortsvertreter eventl. unter Aussicht und Mitwirkung des Vorstandes anheim. Das ganze Versicherungswesen ruht also in den Händen solcher Leute, welche das Vertrauen der Versicherten genießen und im Interesse des Ganzen ihres Amtes walten werden. Wir dürfen mit Recht sagen, daß derjenige Bauer, der eine solche, ihm förmlich auf den Leib zugeschnittene Einrichtung sich nicht freudig zu Nutze macht, verdient, daß es ihm schlecht gehe. Indessen sind wir überzeugt, daß die Zukunft etwaige Zweifel und Bedenken zerstreuen ünd die Versicherung nach jeder einzelnen Ortschaft des Kreises hin sich Bahn brechen wird.
Aus dem Weichsel- und Nogat-Gebiet.
Minister von Pultkamer ist aus dem Ueberschwem- mungsgebiet der Weichsel und Nogat zurückgekehrt; er weiß für das Elend nnd die Noth, die dort herrschen, keine Worte zu finden. Alle bisherigen Schilderungen der Zustände können nach seiner Versicherung auch nicht annähernd ein zut?effendes Bild der Wirklichkeit gewähren. Der Minister hat die große UeberschwcmmungS- noch im Rheingebiet im Jahre 1813 aus eigener Wahrnehmung noch in lebendigster Erinnerung; sie ist ein Kinderspiel gegen das, was sich jetzt im Osten -«getragen hat. Seit 150 Jahren hat die Nogatniederung nicht unter nennenswertyer Wassersnoth zu leiden gehabt; die Deiche hatten trefflich dem Anprall der Wogen widerstanden; die Bewohner hatten sich in die volle Sicherheit gewiegt; Kähne zur Flucht waren nirgend vorhanden, in vielen Ortschaften nur dem Namen nach bekannt. Drei Viertelstunden haben genügt, auf einer Strecke von vier Quadratmeilen, also dem Gebiet eines großen preußischen Kreises, einen nicht unerheblichen Wohlstand der Bevölkerung mit einem Schlage zu vernichten. Der Deichhauptmann hat an der Bruchstelle bei Jonas- dorf, eine geographische Meile von Marienburg entfernt, bis zum letzten Augenblick Widerstand geleistet und ausgeharrt; den Augenblick des Durchbruchs schildert er als unvergeßlich großartig und schaurig. Turmhoch hatten sich die Eismassen im Strom emporgeballt; mit einem Male überklugen sie sich über der Deichkrone und stürzten in die Niederung, hinter ihnen in einer 30 Fuß hohen Kaskade die ganze Masse des Stromes, den Deich an dieser Stelle wie wegblasend, alle Hinter- nisse vernichtend, aus immer neuen Fluthen 'unb neuen Eismassen immer gewaltigere Kraft schöpfend. Von der Schnelligkeit, mit der jene gewaltige Fläche von vier Quadratmeilen 10 Fuß hoch überschwemmt wurde, kann
man sich keinen Begriff machen. Große. Eisschollen
Elbings getrieben. Noch wnß man nicht, ob und wie
viele Menschenleben zu Grunde gegangen sind; denn große Theile des Gebietes sind zur, Zeit noch nicht erreichbar; aber von den Menschen, die gerettet worden sind, hat die große Mehrzahl nahezu alles, den ganzen Besitzstand verloren. Eine Anzahl größerer Hofbesitzer hat die Hofgebäude auf sogenannten Volten, — kleinen Anhöhen — errichtet, die vor Ueberschwemmung einiger maßen geschützt sind. Es sind die einzigen Häuser, die jetzt aus dem Wassermeer unversehrt hervorragen; hier sind die Bewohner zurückgeblieben; die Sorge für das Vieh, das nicht zu retten war, hat sie zurückgehalten, aber sie können sich kaum bewegen; die günstigste Besitzung dieser Art war so gelegen, daß etwa ein Umkreis von höchstens 15 Schritt um das Haus frei war, an die Mehrzahl der übrigen grenzte das Wasser unmittelbar an. Die Leute, die in dieser Weise noch jetzt auf ihrer Scholle aushalten, mögen im besten Fall 10 Prozent der betroffenen Bevölkerung ausmachen; 90 Pro