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Schlüchterner Zeitung.

Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.

Erscheint Mittwochs und Samstags. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zelle oder deren Raum 10 Pfennig.

M 55. Mittwoch, den 11. Juli. 1888.

Amtlicher Theil.

Nr. 4202. Der am 9. Mai 1863 zu Marjoß ge­borene Tagelöhner Johann Nikolaus Schmidt hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande zwecks Auswanderung nach Amerika nachgesncht.

Schlüchtern, den 7. Juli 1888.

Der Königliche Landrath:

Roth.

Nr. 3927. Es wird hiermit zur öffentlichen Kennt­niß gebracht, daß die Nummerliste der am 1. d. Mts. verlvosten 4 prozentigen Staatsanleihe von 1868 im Geschäftslokal des Unterzeichneten sowohl als auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen während der üblichen Geschäftsstunden zu Jedermanns Einsicht offen liegt.

Auch ist die Nummerliste in Nr. 28 Seite 134 des diesjährigen Amtsblattes veröffentlicht.

Schlüchtern, den 5. Juli 1888.

Der Königliche Landrath: Noth.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Rache einer Frau. Die Adop- tirung einer jungen Nätherin durch eine im Osten der Stadt wohlbekannte Fabrikbesitzerin erregt in den Kreisen unserer Groß-Industriellen allgemeines Aufsehen, um so mehr, als die Vorgeschichte dieser Adoption eines romantischen Untergrundes nicht entbehrt. Vor etwa 23 Jahren war Frau R. von ihrem Manne geschieden worden; ihr Rechtsanwalt hatte dem Richter viele ge­wichtige Gründe für die Trennung der Ehegatten angeführt, hatte bewiesen, daß Herr Carl R. mit einer Tänzerin ein Verhältniß habe, und seine eigene Frau schlecht be­handele. Trotzdem war Frau R. damals bereit, ihrem Manne einen Theil ihres Vermögens abzutreten und mit dem Rest ihres eigenen ein Fabrikationsgeschäft im Osten der Stadt zu betreiben, das unter der geschickten Leitung der energischen Frau vorzüglich prosperirte. Anfang vorigen Monats nahm Frau R., welche nicht wieder geheirathet, auf Empfehlung einer Freundin eine junge Nätherin zur Anfertigung von Garderobe in ihr Haus, deren Gesichtszüge in ihr unbestimmte Erinner­ungen wachriefen. Vor etwa vierzehn Tagen nun erschien das bildhübsche Mädchen mit verweinten Augen und auf Befragen der theilnahmsvollen Arbeitsgeberin erzählte sie, daß ihr Vater, welcher schon seit einem Jahre bett­lägerig, vom Schlage gerührt und das Schlimmste zu erwarten sei. Frau R. wußte aus früheren Erzählungen des Mädchens wohl, daß dasselbe die einzige Ernährerin ihres Vaters sei und beschloß zu helfen. Am Abend des Tages begleitete sie das Mädchen nach Hause, Erfrischungen aller Art mitnehmend. Wie erschrak sie aber, als sie im niedrigen dürftigen Zimmer an das Krankenbett tretend in demselben ihren geschiedenen Mann gewahrte, welcher sie nicht erkannte. Durch geschickte Fragen wußte sie nun dem ehemaligen Gatten die Er­zählung seines Lebensschicksals abzulocken; er hatte die Tänzerin geheirathet und war mit derselben nach Amerika gegangen, dort war ihm die Frau nach der Geburt eines Töchterchen gestorben, in dem neuen Welttheil war es ihm schlecht gegangen; er hatte sein Vermögen im Laufe der Jahre verloren und so war er denn krank und siech unter anderem Rainen mit seinem Heranwachsenden Kinde nach Berlin zurückgekehrt. Frau R., welcher während der Erzählung ihres Mannes heiße Thränen über die Wangen liefen, schickte nun zu einem Arzte, welcher erklärte, daß der Kranke nur noch wenige Tage zu leben habe. Getreulich blieb dieGeschiedene" bei ihrem ehemaligen Gatten und als derselbe starb, nahm die großmüthige Frau die Tochter ihrer Nebenbuhlerin, jene junge Nätherin, zu sich und binnen kurzer Zeit wird dieselbe von -ihrer zweiten Mutter gesetzlich adoptirt werden.

Die Kaiserin-Mutter Victoria wird wahrscheinlich Schwalbach oder R e i ch e n h a l l im Laufe dieses Monats besuchen, später wird, wie die Lon­donerWorld" erfährt, sie sich nach einem klimatischen Curorte der Schweiz wenden. Die Kaiserin leidet seit Monaten an heftigen neuralgischen Schmerzen und ihr Nervensystem ist ganz erschüttert durch die tausendfachen Sorgen nnd die unaufhörliche Beängstigung des ver­flossenen Jahres. Die Kaiserin wird im Herbst mit miüugeren Töchtern der Königin von England einen

Wunsch, den Winter in Italien zuzubringen, wo sie überhaupt auch in Zukunft einen Theil des Jahres zu verleben gedenkt.

Der Magistrat von Kiel macht öffentlich bekannt, daß der Kaiser am 14. Juli, Vormittags, dort cintrifft. Ferner wird gemeldet: Die Behörden, Corporationen und Innungen werden zur Theilnahme an den Empfangs­feierlichkeiten eingeladen. Seine Majestät dürfte keinen Aufenthalt in Kiel nehmen, sondern sich unmittelbar vom Bahnhöfe kommend auf die Kaiser!. JachtHohen- zollern" begeben. Da der Rückkehr nach Potsdam am 18. d. Mts. entgegengesehen wird, so würden für den Besuch am russischen Hoflager in Peterhof mindestens zwei volle Tage in Aussicht genommen sein. Uebrigens ist Allerhöchst bestimmt worden, daß das Gefolge ein nicht zu großes sein soll; daher werden auch nur vier Adjutanten den Kaiser begleiten. Nicht das gesammte Gefolge fährt aber von Kiel aus mit der Flotte, sondern ein Theil desselben soll auf der Eisenbahn befördert werden.

(Ein Berliner Roman mit überseeischem Schluß­capitel.) Die dieser Tage in New-Iork erfolgte Trauung eines Berliner Pferdebahnschaffners mit einer jungen amerikanischen Erbin dürfte nicht verfehlen, auch in weiteren Kreisen Aufsehen zu erregen, umsomehr, als die Liebesgeschichte und Verlobung des jungen Paares in Berlin spielt. Vor etwa zwei Jahren befuhr der betreffendejunge Schaffner mit seinem Wagen die Strecke zwischen einem Vorort und der Stadt. Der hübsche Mann, dessen freundliches gefälliges Wesen von allen Stammfahrgästen der betreffenden Strecke gerühmt wurde, zählte zu diesen auch mehrere junge Damen, welche in einem Pensionat des betreffenden Vororts erzogen wurden. Der Schaffner war ein galanter liebenswürdiger Mann, und die jungen Damen wählten stets, sobald sie nach der Stadt fahren mußten, die Zeit, wo Karl P. mit seinem Wagen dorthin fuhr. Waren sie doch sicher, von dem ritterlichen Pferdebahn-Conducteur die besten Plätze zu erhalten. Miß Mary S., eine braunäugige 16jährige Amerikanerin war es, welcher im Grunde genommen die schüchternen Huldigungen des Cavaliers in der grauen Joppe galten und die kleine Pensions­Dame hatte ein empfängliches Herz für dieselben. Als einst die Beiden bei regnerischem Wetter allein nach Berlin fuhren, faßte sich der Conducteur ein Herz und machte der Angebeteten eine Liebeserklärung. Sechs Wochen später traf bereits der Vater des Mädchens, ein steinreicher Farmer aus Minnesota, auf den Brief der Tochter hier ein und nahm die Kleine scharf ins Gebet. Armuth schändet bekanntlich drüben nicht, und als der alte Herr sah, daß in dem jungen Pferdebahn­schaffner, welcher aus einer hiesigen angesehenen, aber verarmten Familie stammte, ein guter Kern steckte, machte er kurzen Proceß. Karl P. mußte seinen Abschied von der Pferdebahn-Gesellschaft nehmen und mit seinem Schwiegervater in spe nach dessen Besitzungen, welche er dereinst übernehmen wird, übersiedeln, um practisch Landwirthschaft zu erlernen, während Miß Mary S. bis vor drei Monaten in einem Dresdener Institut blieb. Jetzt nach der Hochzeit haben die jungen Ehe­leute eine Hochzeitsreise nach dem Continent angetreten und dürften auf ihrer Tour wohl auch Berlin, die Gründungsstätte ihres Glücks, besuchen.

Darmstadt, 9. Juli. Fürst Alexander von Batten- berg schwebte gestern in größter Lebensgefahr und entging derselben nur durch ein Wunder. Der Fürst fuhr gestern gegen Abend durch den Herrenweg nach dem Stettbacher Thal. Hierbei scheute das Pferd an einem Abgrund und der Fürst stürzte sammt Wagen und Pferd demselben hinunter bis in's Stettbacher Thal. Hierbei ging der Wagen über ihn hinweg und der Fürst wurde am Rückgrat nicht unerheblich verletzt. Der Wagen ging vollständig in Trümmer, während das kostbare Pferd bedeutende Verletzungen davontrug.

Berna bei Frielendorf, 5. Juli. Hier ereignete sich gestern ein schrecklicher Unglücksfall. Der 13jährige Sohn eines hiesigen Landwirths stand bei den Pferden, während der Vater eine Sense anschlug. Durch das hierdurch entstandene Geräusch scheu geworden, gingen die Pferde durch, der Knabe kam unter den Wagen, die Räder gingen ihm über den Hals und der blühende Junge wurde als Leiche nach Hause getragen. Eine neue Warnung und Mahnung, in der Erntezeit bei Beaufsichtigung der Pferde sehr vorsichtig zu sein.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern, 10. Juli. An dem Schneider Johannes Walther von Altengronau, geboren am 30. Januar 1849, welcher sich verborgen hält, soll eine von dem Schöffengericht zu Schwarzenfels am 11. No­vember 1887 erkannte Strafe von noch 15 Tagen Ge­fängniß vollstreckt werden. Es wird ersucht, den rc. Walther zu verhaften und dem nächsten Amtsgericht vorzuführen, welches gebeten wird, die Vollstreckung der Strafe zu veranlassen.

n Ulmbach. Eine Streitfrage, die auch für weitere Kreise nicht ohne Interesse sein dürfte, wird demnächst in der Berufungsinstanz das Königl. Landgericht Hanau beschäftigen. Es handelt sich darum, ob die Mitglieder der Synagogengemeinde verpflichtet sind, die Cultus­kosten der christlichen Pfarrgemeinde tragen zu helfen. Die hiesige katholische Gemeinde sorgte seither aus eigenen Mitteln für die Bau-Unterhaltungs- und Cultuskosten, die alljährlich aufgebracht werden müssen und erhob die nöthigen Beträge mittelst Umlagen im Klassensystem. Auch die Synagogengemeinde bestritt die Kosten des israelitischen Cultus, ohne die Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde heranzuziehen. Im vorigen Jahre wurden nun die hiesigen Jsraeliten, welche Grundbesitz haben, veranlaßt, gleich den Katholiken, zur Kirchenkasse beizusteuern, also Umlagen zu zahlen. Der Kirchen- vorstand, von dem diese Veranlassung ausging, war nicht in der Lage, dieser Neuerung eine gesetzliche oder durch Herkommen bestimmte Stütze zu bieten und fand daher bei den betheiligten Jsraeliten energischen Widerstand, sodaß die Sache im Prozeßwege zur Entscheidung ge­langen mußte. Das Königl. Amtsgericht Salmünster enischied zu Gunsten der Jsraeliten und verurtheilte die katholische Pfarrgemeinde in die Kosten des Ver­fahrens. Seitens der letzteren ist nun gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt worden und sieht man mit Spannung der Ansicht des Königl. Landgerichts entgegen.

@ 10. Juli. Der Hochwürdige Herr Dechant Endres aus Neuhof wird sich im Auftrage des Bischöfl. Generalvicariats Fulda Donnerstag, den 12. d. Mts., hierher begeben, um eine zwischen dem Vorsitzenden des Kirchenvorstands und der Pfarrgemeinde schon seit Jahren bestehende Streitsache bezüglich der Glocken-Läute-Ord- nung zur Erledigung zu bringen.

A Fleschenbach, 9. Juli. Dem Vernehmen nach sollen die seit einigen Jahren eingestellten Arbeiten an der Frankfurter Quell-Wasserleitnng demnächst wieder ausgenommen werden.

C Von der Kinzig. Daß unser Bienenvolk zum Schwärmen nicht gerade heiteres Wetter nöthig hat, konnte man dieser Tage an zahlreichen Fällen constatiren. Trotz des herabströmenden Regens und der damit ver­bundenen rauhen Temperatur ist eine große Anzahl von Schwärmen zu verzeichnen.

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Imherrn von Münchhausen

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(Fortsetzung.)

So schwammen einst auf einem Landsee, an welchen ich auf einer Jagdstreiserei gerieth, einige Dutzend wilder Enten allzuweit voneinander zerstreut umher, als daß ich mehr denn eine einzige auf einen Schuß zu erlegen hoffen konnte; zum Unglück hatte ich überdies meinen letzten Schuß schon in der Flinte. Gleichwohl hätte ich sie gern alle gehabt, weil ich nächstens eine ganze Menge guter Freunde und Bekannten bei mir zu bewirthen willens war.

Da besann ich mich ein Stückchen Schinkenspeck, welches von meinem mitgenommenen Mundvorrath in meiner Jagdtasche noch übrig geblieben war. Dieses befestigte ich an eine ziemlich lange Hundsleine, die ich aufdrehte und so wenigstens noch um viermal ver­längerte.

Nun verbarg ich mich im Schilfgesträuch am Ufer, warf meine Speckbrocken aus und hatte das Vergnügen, zu sehen, wie die nächste Ente hurtig herbeischwamm und ihn verschlang. Der ersten folgten bald alle übrigen nach, und da der Brocken am Faden gar bald unverdaut hinten wieder herauskam, so verschlang ihn die nächste, und so immer weiter. Kurz, der Brocken machte die Reise durch alle Enten sammt und sonders hindurch, ohne von seinem Faden loszureiflen,