Schlüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.
Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vierteljährlich 1 Mark. — An,eigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
M 64. Samstag, den 11. August. 1888.
Amtlicher Theil.
Verzeichnis
der am 8. August der Körungs-Commission vorgeführlen und angekörten Bullen in Mottgers.
Standort.
Besitzer.
Abstammung.
Alter.
Farbe.
Haar.
Haut.
Kopf.
Horn.
Hals.
Bug.
Rumpf
Rückenlage.
Schwanzlage.
8Hwanz
Beine.
Stellung.
Haftung
Bemerkungen.
Mottgers
Gemeinde
Werner Kreutz.
1V» Jahr
Rotb-Schach
normal
weich
leicht
normal
s. gut
s. gut
gut
gut
etw. hoch
normal
gut
gut
gut
Nr. I. alS zur Zucht au»g!zeichnrt.
Brückenau
Jos. Keßler
Simmentb Rindzucht
l1 /* Jahr
Weiß-Gelb- Schackh
fein
dick
normal
do.
gut
gut
gut
gut
gut
fein
gut
gut
noch etw zurück
Nr li. ai« zur Zucht gut.
Roßbach
v. Brummer
Simmenth. Kreutz.
1 I. 3 M.
rotbbaunmir weiß. Kopf
fein
weich
leicht
stark
gut
gut
gut
s. gut
gut
fein
gut
gut
gut
9k. i, als zur Zucht aurzezeichnei.
do.
do.
II
do.
rothbraun
fein
weich
leicht
gut
gut
gut
gut
s. gut
gut
fein
gut
gut
gut
do.
Von I o s s a und Neuengronau waren 2 Thiere vorgeführt, die aus ein viertel Jahr zurückgesetzt werden mußten.
Mottgers, den 8. August 1888. Die Körungs-Commission:
H. Köhler. Noll. Müller.
Zu der am 24. August d. Js., Nachmittags 3 Uhr im Gasthof „zum Stern" hierselbst stattfindenden con- stituirenden Generalversammlung d e s K r e i s- vereins zum Rothen Kreuz zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger werden alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Sache des Rothen Kreuzes hierdurch eingeladen.
Gegenstand der Verhandlnng:
1. Definitive Beschlußfassung und Annahme des Statuts (csr. Beilage der heutigen Nummer d. Bl.)
2. Wahl der Vorstände.
Schlüchtern, den 26. Juli 1888.
Im Auftrag:
Roth, Königlicher Landrath.
Bei der Postagentur in Heimboldshausen ist am 28. eine Telegraphenanstalt mit Fernsprechbetrieb eröffnet. Lasset, am 28. Juli 1888.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
I. -V.: v. R u m o h r.
Deutsches Reich.
Berlin. Die Taufe des fünften Prinzen soll, wie berichtet wird, nach vorläufigen Bestimmungen am 26. AUgust stattfinden. Wie es heißt, würde König Oskar von Schweden, den unser Kaiser bei seiner Anwesenheit in Stockholm um Uebernahme einer Pathenstelle gebeten hatt?, zu der Feier nach Berlin kommen.
— Fürst Bis mark befindet sich in Friedrichsruh recht wohl und es ist deshalb noch immer nicht bestimmt, ob er auch in diesem Jahr wieder nach Kissingen gehen wird. Bis jetzt soll dort noch keine Wohnung für ihn bestellt sein. Kaiser Wilhelm hat in Friedrichsruh übrigens, wie von dort erzählt wird, mit dem, Kanzler einen längeren Spaziergang unternommen und dabei regeS Interesse für die vom Reichskanzler gemachten Versuche gezeigt, fremde, überseeische Bäume bei un s in Deutschland einzubürgern.
Tages-Greignisse.
Schlüchtern, 9. August. Die am Sonntag auf der Steckelburg veranstaltete Grundsteinlegung des Hutten- denkmals nahm einen sehr festlichen Verlauf. Der Herr Oberpräsident wohnte derselben bei. Se. Majestät der Kaiser und König hatte die Gnade, auf das Begrüßungstelegramm der Festversammlung folgende telegraphische Antwort zu ertheilen:
Se. Majestät der Kaiser haben mich beauftragt, für den Ausdruck treuer Ergebenheit, welchen die Festtheilnehmer Allerhöchst Ihm gebracht, zu danken.
(gez.:) von Liebenau.
Diese Allerhöchste Kundgebung hat die Theilnehmer des Festes mit großer Freude erfüllt.
— Die Forstreferendare, welche in diesem Herbst fürstliche Staatsexamina abzulegen wünschen, werden von der Königlichen ForstOberexaminations- kommission aufgefordert, ihre Meldung bis spätestens den 1. September einzureichen.
— Dem Förster a. D. Zehner zu Flieden ist das Allgemeine Ehreuzeichen verliehen worden.
— Im Herbste l. J. werden die Lehrer des Regierungsbezirk Cassel ihre Jahresversammlung in Hanau abhalten.
— (Neue Stellen in der Steuerverwaltung zur Ausführung des neuen Zuckersteuergesetzes.) Für den 1- August, an welchem Tage das neue Zuckersteuergesetz v«m 9. Juli 1887 in Kraft tritt, steht in der Steuer-
verwaltung die weitere Errichtung einer großen Anzahl neuer Stellen bevor. In erster Linie werden für die Zuckerfabriken (sowohl Rübenzuckerfabriken wie auch Raffinerien) die Steueraufseherstellen vermehrt, indem für jede Fabrik außer den bisherigen drei Steueraufsehern noch mindestens ein Aufseher, häufig zwei und außerdem ein Hauptamtsassistent anzustellen sind. Die meisten dieser Beamten werden nicht schon am 1. August, sondern erst zum 1. September ernannt, weil der größte Theil der Zuckerfabriken im Monat September seine Kampagne zu beginnen pflegt. Da die letztere in der Regel im Januar, spätestens aber im Februar beendet ist und auf diese Weise für eine Anzahl Stellen nur die Beschäftigung für vier bis fünf Monate in Frage kommt, so hat die Steuerverwaltung zur Ersparung von Verwaltungskosten sich danach umgeschen, für gewisse Stellen geeignete pensionirte Beamte sowohl der Steuerverwaltung, als auch andere Verwaltungen gegen Tagegelder von 3 bis 4 Mk. 50 Pfg. während der genannten Monate zu verwenden. Es handelt sich für diese Stellen hauptsächlich um höchst einfache Dienste, nämlich um die permanente Bewachung der Ein- und Ausgänge der Fabrik, aus welchen kein Zucker ohne Erlegung der Verbrauchsabgabe transportirt werden darf. Da eine große Anzahl von Beamten zu diesen Dienstleistungen erforderlich wird, so haben in diesen Tagen die Steuerbehörden überall Ermittelungen über die auf solche Weise zu beschäftigenden Pensionäre angestellt und haben sich dem Vernehmen nach Viele gemeldet, die neben ihrer Pension dieses Tagegeld mit wenig Anstrengung noch verdienen können.
8. Romsthal, 8. August. Heute wurde in hiesiger Kirche feierlicher Trauergottesdienst abgehalten für den auf Schloß Stöckach in Unterfranken am 29. v. Mts. dahingeschiedenen Kgl. Generalmajor und Oberhofmeister a. D. Freiherrn Ullrich von Hütten zum Stolzen- berg. Die Theilnahme an dieser Trauerfeier seitens der Bewohner des Hutten'schen Grundes war eine über alles Erwarten zahlreiche. In der Mitte der mit Blumen und Kerzen reich geschmückten Kirche war ein Katafalk aufgebaut, der, von künstlerischen Händen geordnet, die schönsten Lorbeerkränze und Gewinde aus Eichenlaub und grünem Waldmoos trug, zwischen denen üppige Palme und herrliche Blumen aller Farben her- vorleuchteten. Umgeben von zahlreichen Kerzen, prangte an der Kopfseite des Trauergerüstes das Familienwappen des Verblichenen, unter welchem mit weißer Schrift auf dunklem Grunde die Worte standen: „Ullrich von Hütten zum Stolzenberg, geb. 3. Dez. 1827, gest. 29. Juli 1888." Das Traueramt hielt Herr Kaplan Klüppel. Während derselbe die ernsten Worte „de profundis clamavi“ betete, hörte man vom Berge her drei gewaltige Trauerschüsse. Außer dem gestimmten Forstpersonal, sowie den übrigen hiesigen Beamten der Freiherrn von Hütten, sämmtlich mit Trauerflor, sowie den Pächtern Hutten'scher Besitzungen, wohnten noch die Herren Lehrer aus dem Hutten'schen Grund mit ihren Schülern, sowie die Herren Bürgermeister und viele von auswärts erschienene Herren dem Trauerakte bei. In den Augen aller Theilnehmer konnte man lesen, daß ein guter Mann zu Grabe gegangen, ein liebevoller Helfer, ein wahrer Freund der Armen. Er ruhe in Frieden! — Es sei noch bemerkt, daß Herr Oberförster Teschauer, Herr Kaplan Klüppel und insbesondere auch die Familie des Herrn Lehrers Danz so viel zur Erhöhung des Eindrucks, den die ernste Feier auf jeden Theilnehmer machte, beigetragen, daß dies rühmlichst hervorgehoben zu werden verdient.
Gelaufen. Am Mittwoch, 29. August, findet in
Gelnhausen eine Thier Schau mit Prämien-Vertheilung für die Kreise Gelnhausen, Schlüchtern und Hanau statt. Hierzu ist folgendes Programm aufgestellt: 6—8 Uhr Vormittags: Aufstellung des Viehs auf dem Festplatz. 8—11 Uhr: Prämiirung des Viehs durch die Preisrichter. 11 Uhr: Vorführung der preisgekrönten Thiere, Bekanntmachung und Vertheilung der Prämien. 12 Uhr: Frühschoppen mit Concert auf dem Festplatz. 2 Uhr: Festessen in der Festhalle. 4 Uhr: Beginn der Volksbelustigung; Concert und Tanz auf dem Festplatz. Abends: Feuerwerk und bengalische Beleuchtung. Das Eintrittsgeld beträgt für alle Besucher 30 Pfennig. Schulpflichtige Kinder in Begleitung Erwachsener haben freien Zutritt. Herren, die sich am Tanz betheiligen, haben Tanzkarten ä 50 Pfg. zu lösen. Eintritts- und Tanzkarten sind sichtbar zu tragen. Anmeldungen zum Festessen sind bis zum 25. August an Herrn Bürgermeister Schöffer zu richten. Wünsche wegen Beschaffung von Stallungen und Futter für Vieh sind bis zum 27. August dem Bürgermeisteramt Gelnhausen mitzu- theilen. Die Ausstellung landwirthschaftlicher Geräthe und Maschinen muß am 28. August geschehen; der erforderliche Platz ist spätestens bis zum 22. August bei Herrn Landesbauinspector Wohlfarth zu Gelnhausen zu bestellen.
Frankfurt, 7 August. Vor einigen Tagen wurde einer Familie am Bockenheimer Thor eine halbe Kalbskeule von einem Bettler aus dem Eisschrank gestohlen. Heute Morgen hing der abgenagte Knochen an der Schelle der Wohnung mit einem Zettel: „Halte mich empfohlen!"
— Vom 18. d. M. an, nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs, werden auf der Bebraer Bahn täglich noch 8 Lokalzüge zwischen Frankfurt - Hanau eingeschaltet werden und zwar gehen 4 von Frankfurt ab um 6 Uhr 5 Min., 10 Uhr 50 Min., 7 Uhr, 10 Uhr 5 Min. und von Hanau ab um 4 Uhr 17 Min., 9 Uhr 8 Min., 3 Uhr 52 Min., 8 Uhr 16 Min.,
Frankfurt. (PostdefraudantHaag verhaftet!) Die Oberpostdirection theilt uns mit: „DerPost-Assistent Haag ist in Amerika verhaftet worden."
Homberg, 6. August. Hier hält sich gegenwärtig eine Anzahl Candidaten des geistlichen Amtes auf, um durch Hospitiren in allen drei Klassen unseres Seminars sich mit dem Betrieb des Unterrichts in den Volksschulen vertraut zu machen. Nach Schluß des sechswöchigen Kursus haben die Candidaten entweder durch eine Probe- lection oder durch eine schriftliche pädagogische Arbeit von dem Erfolg der Arbeit Rechenschaft abzulegen. Die meisten begeben sich von hier zur Prüfung pro ministerio und treten dann alsbald ins Pfarramt ein.
Breitungen, 4. August. Von Interesse dürfte in Jägerkreisen die Mittheilung über das tragische Ende eines Rehbockes sein, das er in Ausübung seines Berufes während der Blattzeit gefunden. Gestern, 7 Uhr Abends, wuOe von dem Lokomotivpersonal des von Meiningen kommenden Güterzuzes und einigen Feld- arbeitern die Beobachtung gemacht, wie auf einer Wiesen« läche des linken Werraufers, oberhalb Wernshausen, ein Schmalreh von einem Spießbock mit Liebesanträgen ehr hitzig verfolgt wurde und hierbei schnurstracks dem Bahnzuge zueilte. Das Reh machte eine Flucht hart an der Lokomotive vorbei über den Bahnkörper und blieb dann jenseits des Bahndammes stehen, während der Bock einige Augenblicke stutzte, und dann eine Flucht zwischen die Wagenräder machend — wohl zweifellos in der Absicht, den Gegenstand seiner Liebe einzuholen — gegend ein Rad anprallte, so, daß Schleudern an die Seite des Schienenstranges und damit ein jähes Ende des verwegenen Bockes das Werk des nächste»