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Schlüchterner Zeitung.

Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.

Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

M 69. Mittwoch, den 29. August. 1888.

Amtlicher Th eil.

Nr. 5134. Für den am 15. Juli 1871 zu Heubach geborenen Friedrich Hohmann, Johannes Sohn, ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsoerbande zwecks Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. Schlüchtern, den 21. August 1888.

Der Königliche Landrath.

R o t H.

Nr. 5137. Der dem Schmiedemeister Kurz zu Raboldshausen in die Lehre gegebene Zwangszögling Johannes Hartwig aus Marjoß diesseitigen Kreises, geboren am 17. Januar 1870, ist in der Nacht vom 15.(16. Juli cr. seinem Lehrherrn entlausen.

Es wird ersucht, den Aufenthaltsort des Entlaufenen ermitteln und den Letzter» im Betretungsfalle mir zu­führen lassen zu wollen.

Schlüchtern, den 22. August 1888.

Der Königliche Landrath. Roth.

Nr. 5214. Die Bestimmung zu Nr. 2 unsrer Circular-Versügung vom 2. Januar 1878 R. 13280, die Ausnahme der schulpflichtigen Kinder in die Volks- schule betreffend, wird dahin abgeäudert, daß an dem zu Nr. 1 a. a. O. bezeichneten Aufnahme-Termine (Ostern jedes Jahres) diejenigen Kinder aufzunehmen sind, welche bis zum 1. October des betreffenden Jahres das sechste Lebensjahr zurücklegen, vorausgesetzt, daß sie zum Schulbesuche in körperlicher und geistiger Beziehung reif befunden werden.

Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.

J. V.: Callenberg.

Vorstehendes bringe ich zur öffentlichen Kenntniß.

Schlüchtern, den 25. August 1888.

Der Königliche Landrath. Roth.

Anbauversuche mit zwei neueren Korn- Barietäten.

DerLandWirth" (wöchentliche Beilage zuFrkf. Journal") berichtet in seiner jüngsten Nummer:

Die landwirthschaftliche Samenhandlung von A. Theiß in Darmstadt veranlaßte, daß dieses Jahr zum ersten­male in der Nähe von Darmstadt ein Anbauversuch mit Sibirischem Riesen-Sommer-Roggen gemacht worden ist. Die Körner dieses Roggens sind 21/smal so groß, als der größte Marktroggen; im Frühjahr zeitig gesät, widersteht er selbst den stärksten Fiühjahrsfröstcn. Er hat schilfartiges Stroh und etwa 2325 Ctm. lange Aehren. Das Mehl dieser vorzüglichen Sorte ist weißer, als das der bis jetzt bekannten Arten. Der Sibirische Sommer-Roggen kann auf allen Bodenarten mit Erfolg gebaut werden, eine einzige Pflanze treibt stets 1b20 Aehren. Interessenten können schon unmittelbar vom Bahnhof Nieder-Ramstadt (bei Darmstadt) aus dieses Korn an seinen kräftigen Aehren und seiner hervorragend grünen Farbe leicht erkennen ; der Bersuchs-Acker gehört dem Mühlenbesitzer Bürger in Nieder-Ramstadt.

Auch der Zceländer Winter-Roggen erfreut sich dieses Jahr besonderer Beachtung. Bei Anbauversuchen im Mümlingthal (Odenwald), im Rico und in der Nähe Darmstadt's ist obige Firma selbst betheiligt. Der Roggen zeignet sich besonders durch sehr starke Bestockung aus, hat langes schönes Stroh, 1315 Ctm. lang und 0,9 Ctm. breite Aehren, Frucht graugelb, mit auffallend dünner Schale. Dieses Korn hat sich in genannten Gegenden am besten gestellt. Gastwirth Schneider in Nieder-Ramstadt hat dorten einen Acker zur Hälfte mit Zceländer, zur andern Hälfte mit einheimischem Roggen bestellt, wodurch die Vorzüge des ersteren sofort in die Augen fallen. Diese wenigen Bemerkungen über die beiden Noggenarten mögen genügen, da ja Jedem, der der Sache näher treten möchte, an Ort und Stelle Einsichtsnahme leicht ermöglicht ist und von genannter Firma und den bezeichneten Eigenthümern der Versuchs­felder auch aller Aufschluß bereitwilligst ertheilt wird."

Deutsches Reich.

Berlin, 24. August. (Reisepläne Kaiser Wilhelms.) Wie derPolit Corresp." gemeldet wird, verlautet über die nächsten Reisepläne.Kaiser Wilhelm IL, daß derselbe zunächst noch verschiedene Besuche in Deutschland selbst abstatten wolle, dann Ende September sich nach Wien und von da nach Rom begeben werde. Der Tag der Abreise ist noch nicht festgestellt.

! bei den Wachkommandos nach anderen Garnisonen kom- mandirt sind. Hieraus geht hervor, daß die Garnison- Postanstalt in der Lage ist, alle Postsendungen ohne jede Verzögerung in das Manöverfeld nachzusenden. Es empfiehlt sich also, auf den Postsendungen an Soldaten, welche an den Herbstübungen betheiligt sind, nicht die in kürzerer Zeit wechselnden Marsch-Quartiere, sondern den Garnisonort der betreffenden Truppentheile als Be­stimmungsort anzugeben. Auch ist empfehlenswerth, auf beregten Sendungen außer Charge, Familiennamen, Compagnie, Eskadron, Batterie und Bataillon resp. Regiment noch den Vornamen (wenn nöthig auch die Bezeichnungen, ob z. B. Schulze I oder II), ferner auf der Rückseite der Briefe Name und Wohnort des Absenders anzuführen. Bemerkt sei noch, daß für die gegen ermäßigtes Porto beförderten Soldatenpackete ohne Werthangabe bei Nach- oder Rücksendung Porto nicht in Ansatz kommt. Die Abholung der Postsachen von den Postanstalten findet im Manöver so zeitig wie möglich statt, auch die Vertheilung an die Empfänger wird ohne Verzögerung vorgenommen. Die Nachsendung von Zeitungen rc. ist besonders von den betreffenden Personen schriftlich beim Garnison-Postamt zu beantragen. Für diese Nachsendung ist eine geringe Gebühr zu ent­richten.

Wir lesen in dem Kasseler Journal vom 9. August:

Ramholz, 6. August. Am Sonntag, den 5. August, fand die G r u n d st e i n l e g u n g des Denkmals für Ulrich v. Hütten, welches auf seinem alten Stammsitze, der Steckelburg, errichtet wird, statt. Um 2 Uhr be­wegte sich der Festzug, der sich an der Kirche mit Musik, Fahnen und Sängerchören gesammelt hatte, von Ramholz nach dem waldumrauschten Berggipfel, der die Ruinen der Steckelburg trägt. Im Innern der Burg wird an der einen Seite der Grundstein gelegt, in dem weiten Hofe der Raum für die Festgenossen hergestellt. Die geladenen Ehrengäste, unter denen wir den Oberpräsi­denten der Provinz, Se. Excellenz Herrn Grafen zu Eulenburg, den Herrn Landesdirector v. Hundels- hausen, Herrn Major von Stamford, Vorstand des hessischen Geschichtsvereins und Andere bemerkten, waren zu Wagen dem Zuge vorausgeeilt und hatten mit dem Eigenthümer der Steckelburg, Herrn Rittmeister Hugo Freiherrn von Stumm und seiner Gemahlin neben dem Grundstein Aufstellung genommen. Der Festzug mit den Gemeindebehörden der Herrschaft Ramholz an der Spitze füllte das Innere des Burghofs, begrüßt von dem die Bauten leitenden Bauinspector Herrn Wohlfarth von Gelnhausen. Derselbe wies mit kurzen Worten darauf hin, daß die Burg des gefeierten Ulrich v. Hütten der vollen Zerstörung durch den Zahn der Zeit entgegen- gegangen und die mühevollen und großartigen Restau­rationsarbeiten das schönste Denkmal für den ehemaligen Besitzer hergestellt, indem sie seinen alten Geburts- und Wohnsitz, diesen Stolz der ganzen Gegend, vor völligem Verfall " geschützt. Das Denkmal, dessen Grundstein heute gelegt werde, bilde nunmehr den Schlußstein des ganzen Werkes. Zum Beginne der Feierlichkeit erschallten dann die ergreifenden Klänge des Chorals:Ein' feste Burg ist unser Gott". Herr Pfarrer Orth aus Ramholz bestieg die Rednerbühne und gab in warmen, begeisterten Worten ein Bild des gefeierten Helden, dem die heutige Denkfeier gilt. Ein Sängerchor trug das Lied vor: Deutschland, Deutschland über Alles", worauf die Schließung des Grundsteins erfolgte. Die Kapsel, welche die auf Pergament geschriebene Stiftungs-Urkunde mit den Unterschriften des Stifters und der Ehrengäste enthält (die Münzen mit dem Bildniß des Kaisers und verschiedene Zeitungen sind der Urkunde beigefügt), wird den festlich gekleideten Maurern übergeben und in den Grundstein versenkt. Von dem Polier wird Kelle und Hammer den Ehrengästen überreicht. Seine Excellenz der Herr Oberpräsident führte die drei SchlägeMit Gott"für König"und Vaterland"! Lauthin schallten dann drei Schlüge von der zarten Hand der Gemahlin des Stifters, es folgten die desLandesdirectors v.Hundels- hausen, dann des Majors v. Stamforddem Mann zu Ehren, der an dieser Stätte geboren und in unsern Herzen fortlebt!"hierauf schließt Freiherr v. Stumm, der Stifter des Denkmals, den Grundstein mit den Worten:Indem ich den Grundstein nunmehr mit drei Schlägen feierlich schließe, gedenke ich beim ersten Schlage unseres ehrwürdigen, vielgeliebten, in Gott ruhenden Kaisers Wilhelm I., der das Deutsche Reich mit starker Hand wieder aufgerichtet bei dem zweiten Schlage des großen Dulders, des dahingeschiedeneu

EinTodtschlag in der Garde-Kürassier-Kaserne! Ueber eine bedauerliche und in Anbetracht des Ortes, wo sie sich zugetragen, doppelt sensationelle Affaire, welche in dem mit einem Todtschlag endenden Streit zweier Garde-Kürassiere bestand, verlautet, soweit wir bis jetzt ermitteln konnten, Folgendes: Im Stall der Kaserne des Regiments in der Lindenstraße gerieten heut früh der Gefreite Kabelitz und der Kürassier Dilli beim Reinigen des Stalles in einen Wortwechsel, im Verlauf dessen Dilli dem Gefreiten, der ihn packte, einen Stoß versetzte, um ihn von sich zurückzutreiben. Hierüber gerieth der Gefreite Kabelitz so in Wuth, daß er einen schweren Stallbesen ergriff und mit dem Stiel desselben dem Dilli so wuchtig über den Kopf hieb, daß der Mann lautlos zusammenbrach. Wie sich später ergab, war dem Getroffenen der Schädel zer­trümmert worden, und der Unglückliche verschied unter den Händen der Aerzte nach kurzer Zeit. Die Leiche desselben wurde mittelst Tragkorbs nach dem Garnison- Lazareth in Tempelhof gebracht, während etwa um dieselbe Zeit in der Nähe auf dem Tempelhofer Felde das Regiment vor dem Kaiser und dem Könige von Dänemark in Parade hielt. Der Thäter Kabelitz ist in den Militär-Arrest abgeführt worden; er zeigte die tiefste Reue und soll bisher ein Mann von tadelloser Führung gewesen sein.

Schwerin a. W., 23. Angust. Am 17. d. verschied hierselbst, wie derPosener Zeitung" geschrieben wird, der Gymnasiallehrer Szastecki im Alter von 40 Jahren in Folge Genusses giftiger Pilze. Der Genannte be­schäftigte sich eifrig mit Botanik uud besonders mit dem Studium der Pilze. In einem Werke hatte er die Beschreibung des Kaiserpilzes gefunden, der zwar zum Geschlecht der giftigen Fliegenschwämme gehört, aber selbst nicht giftig sein soll. Seit Jahren suchte nun Herr Szastecki bei seinen botanischen Exkursionen nach diesem Pilze. Vor einigen Tagen fand er zwei Pilze, die er für die gesuchten, angeblich giftfreien Kaiserpilze hielt; er ließ sie zubereiten, perzehrte sie, erkrankte Abends und fand unter furchtbaren Qualen den Tod.

Hamburg, 27., Aug. Durch Feuerbrunst auf Insel Stemwäroer sind 7 große Holzschuppen, in welchen be­deutende Quantitäten Baumwolle, Zucker, Reis, Holz, Salpeter, Wein und viele andere Kaufmannsgüter la­gerten, total vernichtet worden. Sechs Personen sind umgekommen. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Mark.

Hannover, 25. August. Gegen dieHannovera", Militärdienst- und Aussteuer-Versicherungsgesellschaft für Deutschland (nicht zu verwechseln mit der Deutschen Militär-Dienstversicherungsanstalt) ist das Verfahren auf Konzessionsentziehung eingeleitet.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern. Die Postbehörden liefern nicht mehr Briefe aus, worauf Jemandem der Meistertitel beigelegt wird, dem er nicht zukommt sagt dieBaugewerks- Zeitung". Das klingt ganz unglaublich. Möglich, daß ein vereinzelter derartiger Fall vorgekommen ist, dann aber kann es sich nur um einen Uebergriff eines einzelnen Beamten handeln. Bisher hat die Post ein gewisses point dhonneur barein gesetzt, auch bei mangelhafter oder ungenügender Aufschrift der ihr anvertrauten Sen­dungen dieselben richtig zu bestellen. Und jetzt sollte die Bestellung blos deshalb unterbleiben, weil dem Adressaten auf der Adresse ein Titel beigelegt wird, der ihm möglicherweise nicht zukommt?

Eine Trauerkunde für unsere Hausfrauen, eine Schreckenspost für alle Getreuen des Bacchus und Gambrinus: Die Häringe werden selten! Man berichtet soeben aus Wittow: Das Ergebniß der von hier aus vor etwa vierzehn Tagen begonnenen Ostsee- Häringssischerei war so gering, daß die meisten Boote in den letzten Tagen gar nicht mehr in See gegangen sind. Mit nur fünf bis zwanzig Häringen auf vierund­zwanzig Netzen kamen die einzelnen Fahrzeuge bisher des Morgens ans Land; nur ein Boot hatte bis jetzt als höchsten Fang viereinhalben Wall in einer Nacht.

Ueber Postsendungen an Soldaten während der Herbstübungen wird geschrieben: Das Postamt des Garnisonortes ist genau unterrichtet, an welchen Post­orten die betheiligten Truppentheile sämmtliche Postsen­dungen während der Zeit der Herbstübungen an den einzelnen Tagen in Empfang nehmen, ferner, welche Personen von den betreffenden Truppentheilen in der Garnison Zurückbleiben und schließlich, welche Personen