Schlüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.
Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
M 75. Mittwoch, den 19. September.
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1888.
Amtlicher Thei l.
Bekanntmachung.
In Gemäßheit des § 68 der Kreis-Ordnung bringe ich nachstehend
a) die Vertheilung der Kreistagsabgeordneten auf die einzelnen Wahlverbände,
b) die Bildung von Wahlbezirken für die Landgemeinden,
c) die Vertheilung der Abgeordneten der Landgemeinden auf die einzelnen Wahlbezirke,
d) die Vertheilung der städtischen Abgeordneten auf die einzelnen Städte, welche auf dem am 24. August d. I. stattgefundenen Kreistage für die nächsten 12 Jahre (§ 69 der Kr.-O.) festgestellt sind, mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß, daß dagegen innerhalb 4 Wochen vom Tage der Ausgabe dieses Blattes ab die Klage bei dem Bezirks-Ausschussc in Cassel zulässig ist.
Vertheilung der Kreistagsabgeordneten auf die einzelnen Wahlverbande.
1- Der Kreis hat nach der letzten allgemeinen Volkszählung 28,971 Einwohner; die Zahl der Kreis- tagsabgeordnettn beträgt daher nach § 41 der Kreisordnung 20.
2. Von den 28,971 Civileinwohnern entfallen 6905 auf die 4 dem Wahlverbande der Städte angehörenden Gemeinden Schlüchtern, Steiuau, Salmünstcr und Soden. Die Zahl der Kreistagsabgeordneten dieses Wahlverbandes beträgt daher 5, da Bruchiheile über ein Halb voll berechnet werden.
3. Von den nach Abzug der städtischen Abgeordneten übrig bleibenden 15 Abgeordneten erhält der Wahlverband der größeren ländlichen Grundbesitzer nicht die Hälfte, sondern nur 5, da die Zahl der Wahlberechtigten dieses Wahlverbandes nur 7 beträgt.
4. Auf den Wahlverband der Landgemeinden entfallen hiernach 10 Abgeordnete.
Verzeichnis
der Wahlbezirke für die Landgemeinden und die zum Wahlverbande derselben gehörigen selbstständigen Gutsbezirke. Gewerbetreibenden und Bergwerksbesitzer im Kreise Schlüchtern.
Nr. 5741. Es wird hiermit zur Kenntniß der Kreiseingesessenen gebracht, daß nach Mittheilung des Königlichen Proviantamts zu Bockenheim bei der Magazinverwaltung daselbst in der nächsten Zeit mit dem Ankäufe von Hafer begonnen werden wird und daß derselbe soviel als möglich von dem Produzenten angekauft werden kann.
Ueber die Qualitäts-Ansprüche und die jeuach den Handels-Conjuncturen zu gewährenden Preise ist das Amt stets bereit, specielle Auskunft mündlich oder schriftlich zu ertheilen, wenn Seitens der Produzenten bemusterte Offerten vorgelegt werden.
Schlüchtern, den 15. September 1888.
Der Königliche Landrath.
I. V.:
Der Kreisdeputirte: B e r ta.
Wahlbezirk.
Zu dem WaUlbezirke gehören:
w
g
die Gemeinden
Ein. wohner zahl derselben
die selbst. ständigenGutS- bezirke
Ein- wohner zahl derselben
Summe der Ein- wohnerzahl der Gemeinden und Gutsbezirke
die Gewerbe- treibenden und Bergwerks- besitze»
I. Wahlbezirk
Marjoß Hohenzell Niederzell BellingS Seldenroth
Sa.
771
446
370
347
291
2228
1
II. Wahlbezirk
Ulmbach Sarrod Uerzell Neustall
Sa.
1166
341
299
127
1933
1
III. Wahlbezirk
NomSthal Eckardroth Marborn KcrberSdoif Ahl Wahlert
Sa.
523
436
393
236
267
132
1987
1
IV. Wahlbezirk
Hinterstem«» Wallroth Breitenbach Kreffenbach ReinhardS
Sa.
730
552
519
281
192
2244
1
V. Wahlbezirk
Elm
Hütten Gundhelm
Sa.
910
768
781
2459
1
VI. Wahlbezirk
Vollmerz Herolz Weiperz Sannerz Klosterhofe Ahlersbach
Sa.
802
506
396
359
250
144
2457
1
VII. Wahlbezirk i
Altengronau Joffa Neuengron«» BreuningS
Sa.
833
432
443
253
1971
1
VIII. Wahlbezirk
Sierbfritz MottgerS Schwarzenfels Sa.
1076 567 538
2lÄ "
1
IX, Wahlbezirk *
Oberzell
Weicher-bach
Sa.
923
583
760
5266""
1
X. Wahlbezirk
Uttrichshanfen Heubach Oberkalbach
Sa.
Verzeichn
799
807
734
2330
lifl der V
Zahlbezirke d
•r Städte
im Greife Schl
üältern.
1
Wahlbezirk.
k '
Namen der zum Wahl- verbande gehörigen Stadt
Civil. Einwohnerzahl
Zahl der zu wählenden Kreistags- abgeordneten
Zahl der Wahlmänner in den zu einem Wahlbezirke vereinigten Städten
Bemerkungen.
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Schlüchtern,
Schlüchtern
Steinau
Salmünster
Soden
den 15, September 1889
2625 2185 1212
883
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)er Vorsitzende des K erttttung; Der stich
:eis-Ausschusses.
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Die neue Ausrüstung für die deutsche Infanterie.
Nachdem im vorigen Jahre für die deutsche Infanterie eine neue Ausrüstung angenommen und bei den am 1. April 1887 neu errichteten Regimentern sofort zur Einführung gebracht worden ist, hat im Laufe der jüngsten Monate auch bei den übrigen Truppentheilen des Fußvolks die Neuerung (Modell 1887) ihren Einzug gehalten.
Die Ausrüstungs-Gegenstände, welche eine Abänderung erfahren haben, sind zahlreich und zwar folgende: 1) der Tornister, 2) der Tornisterbeutel, 3) das Trage- geräth, 4) der Leibriemen, 5) der Taillenhaken, 6) die Patronentaschen, 7) die Schnürschuhe, 8) der Helm, 9) das Kochgeschirr, 10) der Brodbeutel, 11) die Feldflasche, 12) das Putz- und Nähzeug und 13) das Schanzzeug-Futteral.
Die Militär-Verwaltung hatte bei der Neuerung einen Hauptgesichtspunkt vor Augen: sie wollte eine Gewichtserleichterung des zu tragenden Gepäcks herbeiführen, und hat darum ganz bestimmte Gewichtsgrenzen festgestellt, welche bei Neubeschasfungen von Ausrüstungsstücken und thunlichst auch bei Umgestaltung alter Stücke eingehalten werden sollen. Dabei ist ebenso darauf Rücksicht zu nehmen, daß den Ausrüstungsstücken eine genügende Stärke und Haltbarkeit gegeben wird. Der Tornister hat jetzt eine mehr längliche Form und besteht aus dem eigentlichen Tornister und dem Tornisterbeutel; der erstere hat die Wäsche des Mannes, der letztere den sogenannten „eisernen Bestand" der Verpflegung auf- zunehmen. Der Leibriemen — Säbelkoppel — dient jetzt zur Befestigung aller Ausrüstungstheile. Links an dem Säbelzeug hängt das verkürzte Seitengewehr (Bajonett), vorn sind zwei und hinten noch eine — die dritte — Patronentasche befestigt. Die vorderen Taschen sind dem Leibe angepaßt, ihre Kanten abgerundet; sie fassen je 30 Patronen und sitzen mit ihren Schlaufen nicht unter, sondern auf dem Leibriemen (die Unter- officiere haben zwei kleine Patronentaschen zu je 15 Patronen). Die dritte Hintere Tasche hat je zwei Pappschachteln mit zusammen vierzig Patronen und dient zugleich dem Tornister als Stütze, indem sie dessen Last auf den unteren Theil des Kreuzes mit überträgt; ihr Patronenvorrath soll in erster Linie den der vorderen Taschen bei Bedarf ergänzen. Der Helm hat am Vorder- schilde keine Messingschienen mehr, die früheren Schuppenketten sind durch schwarze Lederriemen als Sturmband ersetzt. Der Brodbeutel ist jetzt von braunem Ledertuch und hängt auf der rechten Seite des Leibriemens, so daß er keinen eigenen Riemen mehr nöthig hat, ebensowenig wie die Feldflasche, die durch einen Carabiner- haken an dem Brodbeutel befestigt ist. Das Kochgeschirr wird auch nicht mehr wie früher in der Mitte deS Tornisters, sondern weiter oben — wagerecht — festgeschnallt. Die Feldmütze hat ihren Platz nicht mehr unter dem Deckel des Tornisters, sondern liegt zwischen Kochgeschirr und dem um den Tornister gerollten Mantel. Das Tragegerüst ermöglicht, daß der Soldat durch das einfache Abschnallen des Leibriemens sich des Tornisters mit allem Zubehör entledigen kann. Auch das Schanzzeug, welches früher über den Rücken getragen wurde, hat jetzt auf der linken Seite seinen Platz erhalten und wird gleichfalls am Säbelzeug befestigt.
Als Vorzüge der hiernach in Form und Trageweise wesentlich veränderten Ausrüstung bezeichnet die osficielle „Beschreibung der Infanterie-Ausrüstung M|87" folgende:
1. Die Brust ist von dem Druck des gerollten Mantels
sowie der ßeldflaschc und Schanzzeug-Riemen und des