Schlüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.
Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vierteljährlich 1 Mark. - Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
M 77. Mittwoch, den 26. September. 1888.
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H^ „Schlüchterner Zeitung" ^Wg
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Schlüchtern, im September 1888. Die Wedaction und Spedition.
Die im Jahre 1877 in Marburg gegründete land- wirthschaftlichen Winterschule hat die Aufgabe, in zwei Wintercursen Bauernsöhne und andere junge Leute, welche sich der Landwirthschaft widmen wollen, zu denkenden Landwirthen zu erziehen und für den landwirthschaftlichen Beruf derart auszubilden, daß sie befähigt sind, ein Landgut rationell zu bewirthschaften, um daraus den möglichst höchsten Ertrag zu ziehen.
Dieser Aufgabe hat die Schule bisher durchaus entsprochen. Die Schüler haben nach Erledigung eines zweijährigen Wintercursus bei Wiedereintritt in die väterliche Wirthschaft zu deren Hebung wesentlich mit- gewirkt und diejenigen derselben, welche wegen ausreichender Hülfskräfte oder aus anderen Gründen in die väterliche Wirthschaft nicht wieder eingetreten sind, haben durch Vermittelung des Direktors der Winterschule als Verwalter auf größeren Gutswirthschaften Stellung gesunden und den daselbst an sie gemachten Anforderungen genügt.
Bei den sich täglich steigernden Ansprüchen an den landwirthschaftlichen Betrieb müssen wir die Landwirthe
Deutsches Reich.
— Kein Geringerer als König von Schweden tritt als Zeuge gegen Dr. Mackenzie auf. Der König war derLetzte, der den totkranken Kaiser Friedrich besuchen bürste. Es wurde ihm auf seine Anfrage, ob sein Besuch für den Kaiser nicht nachtheilige Folgen haben könne, „doch wohl auf Mackenzies Veranlassung hin" die Antwort zu Theil, daß sich der Kaiser zur Zeit ausnehmend wohl befinde und jeden Besuch entgegen nehmen könne. Ueber diesen Besuch hat der König folgende in Stockholmer und deutschen Zeitungen veröffentlichte Mittheilung gemacht: „Ich war sehr erfreut über diesen Bescheid und war geneigt, Herrn Mackenzie, den man in der deutschen Presse so heftig angegriffen hatte, mein volles Vertrauen zu schenken, sollte ich mich doch in wenigen Stunden persönlich von den Erfolgen seiner Behandlung überzeugen dürfen. Aber wie erschrak ich, als ich mich dem armen Kaiser gegenübersah; er wollte sich erheben, als er mich erblickte, aber er hatte sich kaum aufgerichtet, als sein Körper schon wieder kraftlos zusammenfiel wie ein Paket. Von dieser sterbensmüden Mattigkeit und allem Andern, was ich in den entstellten Zügen des Leidenden wahrnahm, war ich so erschüttert, daß ich mich nach wenigen Augenblicken in tiefster Bewegung zurückziehen mußte. Ich fand später noch Gelegenheit, Herrn Mackenzie meine schmerzlichsten Befürchtungen anzudeuten und ihn um seine aufrichtige Meinung zu befragen, aber dieser freche und kecke . . • hatte die Stirn, mir auch jetzt noch in diesem furchtbaren ernsten Augenblick, wo sich der Tod dem Kaiser schon genähert hatte, zu sagen, daß sich der Patient, verhältnismäßig befriedigend befinde, daß der letzte Anfall fast ganz überwunden sei und daß man sich jetzt wieder auf eine lange Ruhepause im Fortschreiten der Krankheit die berechtigste Hoffnung machen könne."
Hannover, 19. Sept. (Die ersten Anzeichen eines Lehrermangels) beginnen sich in der Provinz Hannover bemerklich zu machen. Im Seminar zu Osnabrück unterzogen sich in den Jahren 1877 bis 1882 gewöhnlich 40 bis 50 Präpa randen der Aufnahmeprüfung, im Jahre 1885 meldeten sich dagegen nur 13; diesmal bewarben sich 18 um Aufnahme in das Seminar, von welchen einer zurücktrat und 13 Aufnahme fanden, 4 wurden nur provisorisch zugelassen. Auch am Seminar zu Alfeld ist die Zahl der sich zur Aufnahme Meldenden gegen früher geringer geworden.
— Am 1. Oktober d. I. wird im Bezirk der Großh. Direktion der Oberhessischcn Eisenbahnen die 18,45 Klm. lange Bahnstrecke Stockheim-Gedern mit den Stationen Selters, Ortenberg, Eckartsbora, Lißberg, Hirzenhain, Merkensritz und Gebern dem öffentlichen Verkehr »ber- ötben werden.
Amtlicher Th eil.
dringend ausfordern, für die Ausbildung ihrer Söhne in den landwirthschaftlichen Lehrgegenständen Sorge zu tragen, und zu diesem Zweck ihnen den Besuch der landwirthschaftlichen Winterschule in Marburg für ihre Söhne empfehlen.
Dank der Fürsorge des letzten hohen Communal- Landtags hat die gedachte Schule ihre Lehr- und Hülfsmittel durch Einrichtung eines Laboratoriums für chemische, physikalische und mikroskopische Arbeiten wesentlich vervollständigen können und wird weiter durch den Besuch von renomirten Wirthschaften größerer Landwirthe, von Zuckerfabriken, Brennereien, Molkerei-Anstalten den jungen Leuten Gelegenheit geboten, das von ihnen theoretisch Erlernte in praktischer Ausführung kennen zu lernen.
Der Unterricht des nächsten Wintercursus beginnt Donnerstag den 18. Oktober d. I.,Vormittags 8 Uhr. Anmeldungen zur Aufnahme sind zeitig vorher an den Direktor der landwirthschaftlichen Winterschule, Herrn Dr. R. Hesse in Marburg, zu richten, welcher etwaigen weiteren Ausschluß über die Schule geben
Tages-Ereigmsse.
Schlüchtern. An der diesjährigen Lehrerprüfung nahmen 28 Candidaten Theil, welche sämmtlich bestanden. Die Prüfung dauerte vom vorigen Donnerstag bis Samstag unter Leitung der Herren Schulräthe. Das Thema des deutschen Aufsatzes lautete: „Gedankengang der Klopstock'schen Ode: Der Züricher See." Die Namen der Candidaten sind folgende: Appel-Hanau, Becker-Eschwege, Bellon-Carlsdorf, Börner-Niederzell, Brand-Niederzell, Breusing-Frankfurt, Brod-Barchfeld, Dieterich-Harleshaulen, Eckhard-Breitenbach, Eucker- Frankfurt, Fischer-Eichenberg, Freitag-Schlüchtern, Haas- Enkheim, Heinz-Sorga, Homburg-Stammen, Landgrebe- Hof, Lehr-Langenselbold, Lotz-Niederzell, Massie-Marien- dorf, Michel-Frankfurt, Mittler-Gilserberg, Müller- Frankershausen, Peter-Ehlen, Rohrbach-Grandenborn, Schulze-Bockenem, Wagner-Rüdigheim, Schuster-Gnaden- frei, Witzel-Eschwege.
— Bei Herrn Valentin Freund kann man ein Gerstenbüschel sehen, das, einem einzigen Korn entsprossen, aus nicht weniger als 40 Halmen besteht. Dieses gewiß seltene Naturwunder näher zu besichtigen, dürfte wohl Niemand versäumen und wird Herr Freund einem Jeden bei einem Gläschen Bier oder auch Wein das Nähere gern mittheilen.
Schlüchtern. Es besteht zwar schon seit 4 Jahren eine Verfügung, welche die Zwanzig-Markscheine wie auch Fünf-Markscheine vom 11. Juni 1874 außer Verkehr setzt; trotzdem sind solche noch immer Umlauf. Um etwaigem persönlichem Verlust vorzubeugen, ist es zweckdienlich, sich anzumerken, daß vorbezeichnete Scheine bei den Reichskassen nicht mehr angenommen werden und nur die Königl. Staats-Schuldenverwaltung zu Berlin derzeit noch den kostenfreien Umtausch bewerkstelligt.
— Die Obstberichte aus Oesterreich, Bayern, Wür- temberg, Schweiz, Pfalz rc. konstatiren überall einen Rückgang der Preise. In Würtemberg sind die Märkte so überfahren, daß Aepfel zu 80—90 Pf. der Centner verkauft wurden. In hiesiger Gegend sind größere Der- täufe zu 5—6 Mk. der Centner abgeschlossen worden. Die Aussichten an Qualität versprechen um so mehr gute zu werden, als die Aepfel dieses Jahr lange auf den Bäumen hängen bleiben und ordentlich ausreifen können. Bei solchen Aussichten läßt sich ein recht billiger Obstwein herstellen.
— Die königlichen Eisenbahndirektionen erlassen eine Bekanntmachung, in welcher das Publikum unter Hinweis auf die alljährige in den Herbstmonaten eintretenden Massentransporte von Feldfrüchten und Kohlen ermähnt wird, sich die schleunigste Be- und Entladung der Waaren angelegen sein zu lassen. Mit Rücksicht darauf, daß
wird. Derselbe, welcher auch außerhalb der Schulzeit die Schüler streng überwacht, ist gern bereit, für ein passendes Unterkommen der Schüler in gut beleumundeten Familien zu sorgen. Für Wohnung, Verköstigung, Feuerung und Licht hat ein Schüler monatlich 30 bis 45 Mark zu zahlen. Das Schulgeld beträgt 45 Mark für den Winter, wovon die Hälfte am 18. Oktober d. I. und die andere Hälfte am 3. Januar 1869 zu entrichten ist.
Die aufzunehmenden Schüler müssen das 15. Lebensjahr überschritten haben und sich durch ein Zeugniß über den bisherigen Schulbesuch ausweisen, außerdem, wenn sie über ein Jahr die Schule bereits verlassen haben, ein Attest der Ortsbehörde über ihre Unbe- scholtenheit beibringen.
Cassel am 27. August 1888.
Das Direktorium des landwirthschaftlichen Central-Vereins.
Wird veröffentlicht.
Cassel am 1. September 1888.
Der Regierungs-Präsident.
durch stoßweise Zuführung von Gütern einzelne Bahnhöfe überfüllt und hierdurch dem Betriebe größere Störungen bereitet werden können, wird ferner dringend ersucht, größere und andauernde Bezüge der Leistungsfähigkeit der Empfänger in der Abfuhr thunlichst anzu- passen und auf längere Zeiträume gleichmäßig zu ver- theilen.
— Die Bleideckel auf Krügen und Gläsern dürfen nur noch bis zum 1. Oktober in Verwendung sein und müssen dann durch solche ersetzt werden, die dem Reichsgesetz entsprechen. Wer sich vor Unannehmlichkeiten schützen will, sehe sich deshalb bei Zeiten vor.
Flieden, 19. Sept. Vom 15. Oktober ab ist dem Pfarrer Kraiger hierselbst aus sein Ansuchen die Pfarrei Ruhlkirchen übertragen worden. Von demselben Tage ab wurde Pfarrverweser Jos. Müller zu Ruhlkirchen (früher Stadtkaplan in Fulda) zum Pfarrverweser von Flieden bestellt.
Fulda, 17. Sept. Massenhafte Anmeldungen aus Berlin, Leipzig, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Mainz, Kassel, Gelnhausen rc. sind schon zu der nächsten Monat hier stattfindenden Blumen-, Obst- und Gemüse- Ausstellung beim Komitee eingelaufen. Das Unternehmen scheint demnach gesichert.
— Auf eine Anfrage des Lehrerkollegiums in Mon- tabaur bei dem Oberpräsidenten, ob Elementarlehrer zur Tragung der Einquartierungslast verpflichtet seien, traf die Entscheidung ein, daß „der in Schul-, d. h. in dem Unterrichtsgebäude wohnende Elementarlehrer von der Einquartierungslast zu befreien sei." Daraufhin mußten die anderen Lehrer Einquartierung nehmen, was bisher nicht der Fall war.
Frankfurt, 20. Sept. Ein hiesiger Kaufmann erhielt aus einem benachbarten Badeorte, woselbst sich seine Frau zur Zeit aufhält, ein Telegramm, unterzeichnet mit dem Vornamen derselben, welches die Bitte enthielt, sie sofort zu besuchen, da sie schwer krank sei. Der Kaufmann telegraphirte zurück, daß er mit dem nächsten Zuge eintreffen werde, und reiste ab, war aber sehr erstaunt, bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof seine Frau wohl und munter zu finden, die gekommen war um ihn abzuholen und aus seinem Mund zu hören, was ihn plötzlich zu ihr führe. Die Mystifikation kam dem Manne verdächtig vor; er reifte sofort mit dem nächsten Zuge nach Frankfurt, wo er zu seiner Ueber- raschung seinem Kommis, mit Reisegepäck in den Händen, begegnete, welcher versuchte, sich schleunigst auf die Seite zu drücken. Dem Kaufmann ging Plötzlich ein Licht auf, er faßte den Kommis am Arm und .nöthigte ihn, mit in die Stadt, in das Geschäft zu gehen, wo sich herausstellte, daß der Kommis mehrere hundert Mark unterschlagen hatte, mit welchen er eben das Weite