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Amtliches Blatt für die Leröffemlichuagell des Kreises Schlüchtern

Erscheint Mittwoch« und Samstags. Preis »ierteljährllch 1 Mark. - Anzeigen kosten die kleine Zelle oder deren Raum 10 Pfennig.

Amtlicher Theil.

Steckbrief.

Der nachstehend näher bezeichnete, am 25. Juli 1867 zu ZüntcrSbach, Kreis Schlüchtern, geborene Rekrut Bern ard D itzcl hat seinen seitherigen AnfenttzallSort ZüntcrSbach ohne Abmeldung verlassen. Es hat ihm daher die Gcstclluugs Ordre zum Antritt des Militär­dienstes nicht behändigt werden können und ist er als Fahnenflüchtiger zu betrachten.

Alle Militär- und Eivilbehördcu werden ersucht, nach dem rc. Ditzel zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu verhaften und an die nächste Militärbehörde abzuliefern.

Fulda, den 20. November 1888.

Königliches Bezirks-Commandv.

Familien-Name:

Ditzel

Vorname:

Bernard

Geburtsort:

Züntersbach

Gewerbe:

Bauer

Alter:

21 Jahr

Größe:

1 Mir. 63 Cmtr.

Gestalt:

gesetzt

Haar:

schwarz

Kinn:

rund

Nase: 1

Mund: J

gewöhnlich

Bart:

keinen

Zähne:

vollständig

Besondere Kennzeichen:

keine.

Nr. 7019. Der seitherige Bürgermeister Löffert zu Breunings ist aus weitere 8 Jahre gewählt und der­selbe heute von mir verpflichtet worden.

Schlüchtern, 20. November 1888.

Der Königliche Landrath: Roth.

Nr. 7055. Es ist von Interesse zu wissen, ob sich im hiesigen Kreise ein Arbeiter Namens Augu st Skro bisch, dessen Vater vor Kurzem gestorben und dessen Mutter in Schemrowitz Post Mischline wohnt, aufhält. Derselbe ist im Laufe dieses Sommers in Marbach Kreis Marburg beim Landwirth Adam Schneider mit landwirthschaftlichen Arbeiten beschäftigt gewesen und soll sich dann nach Friedberg beheben haben; ein von seiner Mutter nach Friedberg adressirter Brief ist jedoch als unbestellbar zurückgesandt worden.

Die Herren Bürgermeister und Gulsvorsteher des Kreises wollen nach dem Aufenthaltsorte des rc. Skrobisch Ermittelungen anstellen und falls derselbe bekannt wird, mir Mittheilung machen. Vacatanzeige ist nicht er­forderlich.

I VVIUUJ.

Schlüchtern, den 22. November 1888. Der Königlich

Der Königliche Landrath.

Roth.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. November. DemBerliner Tageblatt" i zufolge ist eine Romreise der deutschen Bischöfe geplant.

Die Bischöfe sollen nicht zusammen abreifen, sondern nach einander in Rom eintreffen und direkt mit dem i von diesem berufen worden,

nach etnanber in Rom eini Papst verhandeln, sie seien um sich mit ihm über die politische uno pauamtmuri|n;c Agitation für die Unabhängigkeit des Papstes zu be­rathen.

. Arolsen, 22. Nov. In Bringhausen hatte sich kürzlich

um sich mit ihm über die politische und parlamentarische

ein 15jähriges Mädchen eine unbedeutende Wunde am Kniegelenk zugezogen, solche jedoch erst nicht beachtet, bis dieselbe sich verschlimmerte. Nach verschiedenen Quacksalbereien wurde endlich ein Arzt herbeigerufen,

der jedoch auch nicht mehr helfen konnte, da sich das Uebel bereits zu sehr verschlimmert hatte. Die Kranke wurde in das Landkrankenhaus nach Arolsen überführt, wo derselben, um ihr das Leben zu erhalten, das Bein amputirt werden mußte, so daß sie nun zeitlebens ein Krüppel bleiben wird.

Coburg, 27. November. Eine Ueberraschung unan- genehmster Art wurde am vergangenen Sonntag in dem wciningcn'schen Orte L. einem bekannten Professor und seiner jungen Frau zu Theil. Der Herr Professor lehrte, wie man derRudolft. Ztg." schreibt, am gr­

Mittwoch, den 28. November

nannten Tage seine junge Frau vom Altare zum Photo grapheu, um sich mit ihr im schönsten Schmuck Photo- graphiren zu lassen. Der Photograph hatte kaum das glückliche Paar zur Aufnahme gruppirt, da erscheint auch schon ein Dritter im Atelier, jedoch nicht, um sich photographiren zu lassen oder dem Brautpaare die herz­lichsten Wünsche darzubringen, nein, um ihnen die zur Trauung angelegten Schmuckgegeustündc, wie Uhren, Ringe u. bergt.,avzunehmen". Dieser Dritte im Bunde war kein Anderer, als der Gerichtsvollzieher.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern. Auf dem hiesigen Postamte ist als un­bestellbar zurückgekommen: ein gewöhnliches Packet in Leinen, 4 Kilo schwer, an Rubin Posgang in Bebra, von dort nachgesandt nach Pfungstadt, eingeliefert am 17. September b. J., zwischen 10 und 11 Uhr Bonn. Der unbekannte Absender dieses Packeis wird von dem Kaiserlichen Postamt hierdurch aufgeforbert, sich inner­halb 4 Wochen zu melden und nach erfolgten! Nachweise seiner Berechtigung das Packet in Empfang zu nehmen, widrigenfalls dasselbe nach Ablaut der Frist an die Kaiserliche Ober-Postdirection in Kassel zum weiteren Verfahren eingesandt werden muß.

Auch unsere Bahnbeamten erhalten vom 1. April k. J. ab neue Uniformen und werden dieselben ähnlich denjenigen unserer Schutzmannschaft angefertigt werden. Als Grund zu dieser Aenderung in der Be­kleidung wird angegeben, daß dieselbe unpraktisch sei und namentlich zu Verwechslungen mit der Militär­uniform Anlaß gegeben habe. Seitens der Militär­behörde sei, wie ferner behauptet wird, des letzteren Grundes wegen Beschwerde beim Eisenbahnminister gc- sührt worden, welcher diese Angelegenheit dem Kaiser unterbreitet habe, auf dessen Anregung nunmehr die Aenderung in der Bekleidung vorgenommen werde. Dieselbe soll sich zunächst ai^f Schaffner und Zugführer beziehen; späterhin soll ein Bekleidungs-Reglement auch für die höheren Bahnbeamten in Kraft treten.

Fulda, 23. Nov. Vor einigen Tagen ist in dem eine Stunde von hier entlegenen Dorfe Maberzell eine

Siechcnanstalt eröffnet worden. Der Bischof von Fulda schenkte zu diesem Zwecke ein stattliches Haus und Mitglieder der barmherzigen Schwesterngenossenschaft haben die Pflege darin übernommen.

Frankfurt. In Frankfurt kommt am 3. und 4. Decbr. im Lokale und unter Leitung des Herrn Ad. Heß die nachgelassene Münzensammlung des 1885 verstorbenen dortigen Bürgers Johannes Siebert zur Versteigerung. Die Sammlung umfaßt ausschließlich Kupfermünzen, Marken und Zählpfennige (Jetons) aller Länder der Welt. Seit Jahren ist dieselbe als eine der bedeutendsten ihrer Art nicht nur in Deutschland, sondern weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt und berühmt.

22. Nov. Der Baron v. Erlanger, der bekannte Finanzier in Frankfurt a. M., beauftragte, wie das B. T." berichtet, seinen Kammerdiener Malchus, sein doppelläufiges Jagdgewehr zur Reparatur zum Büchsen­macher zu tragen. Malchus that dies nicht selbst, sondern übergab das im Futteral befindliche Gewehr dem 15jährigen Knaben Martini, der den Auftrag ausführte. In Frankfurt a. M. besteht nun aber der sog.kleine Belagerungszustand", und ist daher das Tragen von Waffen untersagt. Da der Knabe Martini ebenso wenig wie der Kammerdiener Malchus einen Erlaubnißschcin zumTragen von Waffen" besaßen, so wurden sie auf Grund des §. 28, 4 des Sozialistengesetzes angeklagt und verurtheilt. Hiergegen haben nun Beide Revision beim Reichsgericht eingelegt und irrige Auslegung des Gesetzes, betreffend die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, gerügt. Der Dienstmann ober Diener, der nur im Auftrage seines Herrn handele, könne unmöglich als ein Uebertreter des Sozialisten- gesetzes angesehen werden. Der Reichsanwalt beantragte Verwerfung der Revision. Auf heute war nun in Leipzig Publikation des Urtheils angesetzt. Die ver- urtheilenden Urtheile wurden aufgehoben und beide An­geklagte frcigcsprochen. ,

Casscl, 22. Novbr. Ein trauriger Fall wird aus Kirchditmold gemeldet. Dort wurde gestern ein sechzehn-il

1888

jähriger Bursche erhängt an einem hohen Thürpfosten aufgefunden. Da jede Veranlassung zu einem Selbst­morde fehlt, so wird angenommen, daß der Unglückliche den unbesonnenen Streich beging, die Schlinge, welche an dem Stricke sich befand und die er nicht erst selbst geknüpft hat, sich aus Spielerei zur Probe einmal um den Hals zu legen, wobei er dann auf der Leiter aus gcglittcu ist und sich nicht mehr helfen konnte, so daß er bereits todt war, als man ihn entdeckte.

Der commandirende General des 11. ArmeecorpS, General v. Schlotheim, gedenkt, wie es heißt, den Abschied zu nehmen. General von Schlotheim hat sich namentlich um die Hebung der Cavalleric große Verdienste erworben.

Casscl, 20. November. In den am 12. d. M. be­gonnenen und am 17., Nachmittags, geschlossenen Sitzun­gen des Landesausschusses gelangten nachstehende wich­tigeren Angelegenheiten zur Verhandlung bezw. Beschluß­fassung. Die. Gesuche: des Secretärs Schultheis bei der Landesbibliothek dahier, des Secretärs Dörffler bei der Landes-Direction dieses nachträglich und der Wegebau-Aufseher Pemsel zu Großneundorf und Blöcher zu Böhl wurden genehmigt und der denselben zukommende Ruhegehalt festgesetzt. Der Assistent der Landesbibliothek dahier, Dr. Scheerer, ward vorn 1. Januar k. I. zum Secretar derselben ernannt und im dienstlichen Interesse, die Wegebau-Aufseher: Schmidt von Salmünster nach Gelnhausen, Winterstein von Rehren nach Weibeck, Krieg von Rosenthal nach Rehren und Becker von Beckedorf nach Großneundorf versetzt, sowie dem neu bestellten Pfarrer Schafft zu Breitenau die Seelsorge für die evangelischen Insassen der dortigen Corrections- und Landarmen-Anstalt übertragen. Die Einrangirung ver­schiedener Beamten, namentlich der ordentlichen Taub- stummenlehrcr, in die Stufen des neuen Normal-Gehalt- Etats, welche bisher ausgesetzt war, wurde bewirkt und weiter die bei einzelnen Anstalten, vornehmlich in Folge stärkerer Belegung nothwendig werdende Ueberschreitung der im Etat bei den betreffenden Titeln ausgesetzten Verlage genehmigt. Längere Zeit nahm die eingehende Berathung der neuen Geschäftsanweisung für die Kaffen- verwaltung der Landescreditkasse, welche durch die vom Communallandtag beschlossene und vom Herrn Ober-

i Präsidenten genehmigte anderweite Organisation der ge­nannten Anstalt bezw. deren Geschäftsformen nothwendig geworden war und am 1. Januar k. I. zur Einführung gelangen muß, in Anspruch. Nach erfolgter vorläufiger Feststellung derselben beschloß der Landesausschuß, solche probeweise für die Dauer eines Jahres in Kraft treten zu lassen, um auf Grund der alsdann gesammelten Erfahrungen endgültige Bestimmungen treffen zu können und bezeichnete die Beamten, welche mit Versetzung der den verschiedenen Stellen zugewiesenen Geschäfte während der erwähnten Zeit zu beauftragen seien. Die Er­mächtigung zur Zeichnung eines Betrages von 5000 M. Seitens des Bezirksverbandes zu dem Garantiefonds der im Jahre 1889 dahier stattfindenden Ausstellung für Jagd, Fischerei und Sport ward ertheilt und mit Rücksicht auf die erwähnte Ausstellung wurde nochmals für das Jahr 1889 dem Verein zur Beförderung der Fischzucht eine Beihülfe von 1000 Mark bewilligt. Den Vortrag über den am 29. v. M. zu Hünfeld statt- gehabten großen Brand, durch welchen die hessische Brandversicherungs - Anstalt mit rund 800,000 Mark Brandentschädigungen betroffen worden ist, ließ sich der Landesausschuß zur Nachricht dienen und genehmigte die vom Herrn Landes-Director zur Ermittelung der an die einzelnen Berechtigten zu zahlenden Brandschadens­beträge bereits getroffenen Anordnungen; ebenso wurde der Voranschlag über Einnahmen und Ausgaben oben­genannter Anstalt für das Jahr 1889, wonach mit Rücksicht auf den erwähnten Brand die Erhebung einer Brandsteuer von 18 Pfg. (gegen 15 Pfg. im laufenden Jahre) von je 100 Mk. Umlage-Kapital, mithin von der Versicherungssumme der Gebäude in den Bauarts­klassen I = 90 Pfg.; II = 1 Mk. 26 Pfg.; III = 1 M 62 Pf.; IV = 1 «W 98 Pf. unb V = 2 M. 52 Pfg. für je 1000 Mk., nothwendig wird und weiter der Geschäftsbericht vom Jahre 1887 behufs Drucklegung und Veröffentlichung genehmigt. Die Aufnahme bezw.