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SchlWernttMung

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Jf 15. Mittwoch, den 20. Februar. 1889.

N. 865. Es wird hierdurch zur Kenntniß gebracht, daß der Herr Landesdirector für eine Anzahl zu Ostern zur Confirmation gelangenden evangelischen und katho­lischen Zwangszöglinge Lehr- und Dienststellen sucht.

Lehrstellen werden gesucht für:

Anstreicher, Bäcker, Buchbinder, Eisendreher, Korb­macher, Metzger, Müller, Sattler, Schlosser, Schmiede, Schneider, Schreiner, Schuhmacher, Wagner und Zangenschmiede.

Die Lehrbedingungen sind: 3jährige Lehrzeit, jährliches Lehrgeld einschließlich Ersatz zu leistender Krankenkasse- Beiträge in der Stadt 40 Mark und auf dem Lande 37 Mk. 50 Pfg. Das Lehrverhältniß wird vertrags­mäßig geregelt. Den Gesuchen um Zuweisung von Lehrlingen haben die betreffenden Bewerber die von dem zuständigen Herrn Pfarrer und Bürgermeister zu be­wirkende Beantwortung folgender Fragen beizufügen:

a) Alter des Meisters und seiner Ehefrau?

b) Zahl und Alter der vorhandenen Kinder?

c) Wie sind die Vermögens-und Erwerbsverhältnisse?

d) Wie ist die bürgerliche und kirchliche Führung?

e) Ist der Meister vermöge seiner geschäftlichen Tüchtigkeit, sowie des Umfangs seines Geschäfts für geeignet und befähigt zu erachten, einen Lehr­ling derart auszubilden, daß derselbe nach beendeter Lehrzeit das Gewerbe selbstständig zu betreiben vermag?

f) Hat der Meister nicht vielleicht die Absicht, sich in dem Lehrling eine billige Arbeitskraft für seine landwirthschaftlichen Arbeiten zu verschaffen oder denselben zu anderen, nicht geschäftlichen Arbeiten auszubeuten ?

g) Wird für den Fall, daß die Zuweisung eines Lehrlings Ostern d. I. nicht mehr möglich sein sollte, das Anerbieten für spätere Zuweisung im, Laufe des Jahres 1889 aufrecht erhalten?

Dienststellen werden für männliche Zöglinge in der Landwirthschaft, sowie für weibliche in der Haus­und Landwirthschaft gesucht.

Die Bedingungen werden nach den ortsüblichen Ver- hältnissen vereinbart, eine Zahlung aus ständischen Fonds findet für die in Dienst tretenden Zöglinge jedoch in der Regel nicht mehr statt.

Die Gesuche um Zuweisung eines Zöglings in den Gesindedienst haben eine Bemerkung darüber zu ent­halten, ob dieselbe auch noch im Laufe des Jahres 1889 stattfinden kann, wenn solche zu Ostern d. J. nicht mehr möglich sein sollte. Die Bewerber haben die Beant­wortung der für die Lehrmeister gestellten Fragen, soweit hier zutreffend, ebenwohl zu erbringen. Alle Meldungs­gesuche, auf welche bis zum 1. Mai er. Bescheid nicht ergangen sein wird, können zu Ostern d. J. nicht mehr berücksichtigt werden.

Alle diejenigen, welche den vorstehenden Bestimmungen entsprechend beabsichtigen, Knaben in Lehre oder Dienst zu nehmen, haben ihre Gesuche baldigst an den Herrn Landesdirector von Hundelshausen in Cassel einzureichen.

Schlüchtern, den 12. Februar 1889.

Der Königliche Landrath.

R o t H.

Brief eines verwundeten Matrosen aus Apia an seine Eltern. Das Schreiben, welches derStraßb. Post" vom Vater des Verwundeten zur Veröffentlichung überlassen worden, athmet bei aller Schmucklosigkeit ein warmes Vaterlandsgefühl und einen wackeren Soldaten­geist, aus diesem Grunde sei es hier nachstehend wieder- gegeben:

Apia, den 24. December 1888.

Liebe Eltern und Geschwister!

Ich habe Euern lieben Brief hier in Apia erhalten. Wir kamen den 14. December in Apia an. Also früher, wie wir das vermutheten. Es freut mich, daß Ihr noch Alle gesund und munter seid. Ich kann das von mir leider nicht sagen. Ich liege hier mit noch 34 Kameraden verwundet im Lazareth. Mein Schuß ist in die linke Hinterbacke gegangen. Derselbe hat ein verdammtes Loch gemacht, unterhalb des Gesäßes rein- gegangen und oberhalb raus. Gefährlich wird es hoffent­lich nicht werden, so Gott will bleiben meine Glieder klar und wir sehen uns gesund wieder. Ich kann

schlecht schreiben, da ich stets auf der rechten Seite liegen muß. Ich werde Euch nun einen kleinen Ueberblick ermöglichen.

Die Unruhen waren schon lange im Gange. König Mataafa, der Rebell, kämpft gegen Mimause. Da stecken nun noch die Amerikaner dahinter und hetzen gegenseitig. Mataafa verfügt angeblich über 56000 Mann. Donnerstag, den 16., waren wir an Land be­urlaubt, da hatten wir eine große Schlägerei zwischen Amerikanern und uns und Samoanern. Montag Abend machte sich das Landungskorps klar, nächsten Morgen an Bord zu gehen. Es waren 170 Mann. Wir wurden aber schon um 12/a Uhr Nachts geweckt. Um 2 Uhr gingen wir von Bord. 70 Mann ungefähr in einem großen Prahm mit einem Offizier, die Uebrigen mit drei Offizieren in beiden Kuttern. Meine Wenig­keit war im Prahm, wir haben am Meisten gelitten. Wir fuhren nur dicht unter Land hin. Wir wurden verrathen, daß wir landen wollten. Die Kutter blieben weiter zurück und wir ruderten weiter. Nach zwei Stunden versuchten wir zu landen. Da kam der Besitzer der Plantage Vailele und rief, wir sollten so schnell wie möglich rauskommen. Wir gleich bis an den Bauch ins Wasser und aus Land. Kaum war die Hälfte an Land, so sauste eine Salve über uns weg, ohne einen zu verletzen. Wir suchten schnell Deckung und die Schützenlinie ging vor. Wir gaben auch einige Schüsse ab. Da war wieder alles ruhig. Wir rückten weiter in die Kokospalmenanlage vor. Die Hunde feuerten nun wieder von der Apiaseitc her. Einer von uns wurde nun verwundet. Wir erwiderten das Feuer kräftig. Nach der Vailele-Seite ging eine tiefe Schlucht, durch dieselbe lief ein 1 bis 1 Va Meter tiefer Bach. Jenseits der Schlucht nun war unterdessen ein feindliches , Kanoe gelandet, dasselbe landete ungefähr gegen 200 Mataafa-Leute. Die standen uns nun im Rücken. Nun Kehrt gemacht, durch die Schlucht durch und dem stärkeren Feind entgegen. Ein Obermaat und ich mit ungefähr 1012 Mann deckten den Rücken der An­greifenden. Die Bestien kamen immer näher und über­schütteten uns buchstäblich mit Kugeln. Die Kerls waren alle mit amerikanischen Snider- und Winchester- büchsen bewaffnet. Beinahe alle mit Repetirgcwehren. Nun fingen sie an, uns zu umzingeln. Die braven Kameraden fielen nun einer um den anderen. Mit- nehmen konnten wir sie nicht mehr, es war unmöglich. Dieselben wurden grausam verstümmelt aufgefunden; es waren drei Stück. Es mußte nun was erfolgen, um durchzukommen, sonst wäre von unserem kleinen Häuflein von 70 Mann gegen Hunderte nichts mehr übrig geblieben. Signal kam:Seitengewehr pflanzt auf," und mit Hurrah durchbrachen wir die feindliche Linie. Da kam uns Hilfe. Die Kutter hatten gelandet und stießen zu uns. Nun waren wir fein heraus. Aber jetzt fingen die Kanaker wieder ein möderisches Feuer an. Da wurde unser tapferer Offizier, Lieutenant z. S. Spengler, verwundet und er mußte weggetragen werden. Gleich darauf fiel Lieutenant Sieger tödtlich verwundet, dann Lieutenant Borchardt, nicht schwer. Dann besam auch ich meinen Schuß. Ich schleppte mich nach der Faktorei, dort war der Verbandplatz. Wie es da aussah, will ich nicht weiter schreiben. Der Eber" erschien, warf einige Granaten in das Dorf, und unsere Leute bräunten Alles nieder. Um 3 Uhr schifften wir uns ein. Die Todten und Verwundeten wurden im Boote nach demEber" gebracht. Wir hatten im Ganzen 11 Todte und 36 Verwundete. Den anderen Tag wurden noch 2 an Bord geschafft. Noch zwei andere hatten Missionare begraben. Einer starb noch an seinen Wunden. Also 16 Todte. So was war noch nicht da. Unser Lob werdet Ihr nachher in den Zeitungen wohl hören. DerEber" brächte uns nach Apia. Den nächsten Tag kamen die transportfähigen verwundeten nach derOlga". Die Schwerverwundeten blieben an Bord. Den 30. bombardirteOlga" noch ein Dorf.

Ich wünsche Euch nochmals fröhliche Feiertage, der liebe Gott wird mich bald wieder gesund werden lassen.

Ich grüße und küsse Euch nun tausendmal, liebe Eltern und Geschwister, und verbleibe Euer treuer Sohn.

Mit Gott für König und Vaterland!"

Das Simmenthaler Rind.

Von allen mitteleuropäischen Rinderrassen hat seit einer Reihe von Jahren keine so sehr die Aufmerksamkeit der Landwirthe und Züchter in Anspruch genommen, als die des Simmenthals im Berner Oberlande und der verschiedenen Schläge derselben, welche bis zu einer gewissen Originalität herangebildet worden sind. Das eigentliche Stammland des edlen Simmenthaler Rindes ist das alpenreiche Düringthal, welches auch heut noch die edelsten und stärksten Thiere des Schlages liefert.

Die Geschichte des Simmenthaler Rindes ist alt, in­sofern ja bekannt ist, daß schon die Römer zur Zeit ihrer Herrschaft in Helvetien es ihres Milchreichthums wegen zu schätzen wußten und große Heerden desselben über die Alpen nach Italien trieben jung dagegen, wenn man erwägt, daß es in seiner heutigen Voll­kommenheit und Schönheit und in seiner Leistungsfähig­keit kaum viel mehr als 1012 Jahr alt ist.

Bei der im Jahre 1869 in Karlsruhe abgehaltenen Landes-Viehausstellung galt, wie Dr. Lyrtin in den Mittheilungen der D. L.-G. schreibt, der Hochschwanz der Bernerviehes noch als ein Rassemerkmal, während bei der folgenden Ausstellung im Jahre 1886 Thiere mit Schwanzansätzen, welche die Kreuzlinie um 5 Ctm. überragten, nicht mehr zu finden waren. Der Kopf der Thiere war edler und feiner, das Horn kürzer und schlanker, die Haut zarter und verschiebbarer als vordem; der Hals hatte von seiner früheren Mächtigkeit verloren, dagegen war die Brust und der ganze Rumpf tiefer, breiter und runder geworden. Die Eckigkeit des Körpers war abgerundeteren Formen gewichen und der grobe Unterfuß hatte sich zu beiden Seiten abgeplattet, dabei an Durchmesser von vorn nach hinten erheblich gewonnen. Das ganze Thier erschien trotz seiner Mächtigkeit und Masse edler, schlanker und beweglicher. Von dunkeler Färbung waren nur noch wenige Thiere zu sehen. Die geschilderte, sehr erhebliche Wandlung in den Eigen­schaften des Simmenthaler Originalthieres ist auf die strenge Auswahl der Zuchtthiere und auf die reichliche zweckentsprechende Ernährung und Pflege der Eltern wie der Jungthiere zurückzuführen, wobei die Schweizer Züchter von Seiten der Bundes- wie der Kantonal- regierungen durch gesetzliche Vorschriften über die Bullen- Haltung, Abhaltung von Zuchtvieh-Ausstellungen und nahmhafte Prämiirung von Zucht- und Aufzuchtsthieren unterstützt wurden. Auch bildete sich eine Heerdbuch- gesellschaft, welche im Jahre 1880 das Bulletin des kantonalen Heerdbuches der Berner Fleckviehrasse in Bern im Druck erscheinen ließ. In verhältnißmäßig kurzer Zeit ist es den Simmenthaler Züchtern auf diese Weise gelungen, das Vieh hinsichtlich der edlen, eben­mäßigen Formen, des breiten kräftigen Körperbaues, der Feinheit, der Vermehrung des Fleischgewichts, der Milchergiebigkeit, der Stellung und Stämmigkeit der Gliedmaßen und der von der Liebhaberlust bevorzugten helleren Färbung des Haarkleides zu vervollkommnen. Nunmehr scheint die Grenze sowohl der Verfärbung der Tbiere in die helleren Tonarten, sowie auch die Verfeinerung der Haut und Knochen erreicht zu sein. Auch in Bezug aus die Milchnutzung des Simmenthaler Rindes ist, wie schon gesagt, ein entschiedener Fortschritt zu bemerken; allein auch in dieser Hinsicht dürfen gewisse Grenzen nicht überschritten werden, wenn nicht der eigentliche Typus des Schlages und seine vorzüglich kombinirte Leistungsfähigkeit verloren gehen sollen.

Es betragen die Gewichte:

der ausgewachsenen Kuh . . . 700850 Kg. des dreijährigen Bullen . . . 800900 Kg. des neugeborenen Kalbes. . . 3240 Kg.

Das männliche Thier wird bereits im Alter von 12 14 Monaten zum Sprunge verwendet, in 4 Jahren ist dasselbe ausgewachsen.

Die Färse (Kaldin) zeigt allerdings im Alter von 18 Monaten die Erscheinungen der Brunst, sie wird aber erst nach zurückgelegtem zweiten Lebensjahre geführt, so daß die Zeit des ersten Kalbens nahezu in das dritte Lebensjahr fällt. Die Zuchtkühe behält der Züchter, so lange sie zuchtfähig sind und zieht aus denselben oft 12 und noch mehr Kälber, durchschnittlich aber 6 8. Bei der Aufzucht werden den jungen weiblichen Kälbern nach der Geburt während 1518 Wochen täglich ca. 8 Liter Vollmilch verabreicht. Nach diesem Zeitpunkt