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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. — Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
M 26. Samstag, den 30. März. 1889.
-ED Genesung! ^^
Aus dumpfem Zimmer, Aus schwüler Luft
Ein Hoffnungsschimmer, Die Freiheit ruft!
Ihr Ruf entzückt mich: „Komm' an mein Herz!
„Der Wald erquickt Dich „Nach Gram und Schmerz.
„O! lass' die Todten
„In Frieden ruh'n!
„Die Frühlingsboten
„Sie kommen nun!
„Noch herrscht im Reiche „Ja Fried und Ruh!
„Die Deutsche Eiche, „Sie ruft Dir's zu.
„Erst such Genesung „In Wald und Flur!
„Vom Tod Erlösung
„Bei der Natur!
„Das Schwert dann schwingst Du „Mit stark'rer Hand
„Und lauter singst Du „Dem Vaterland.
„Wenn Stürme wettern, „Der Wirbel tos't,
„Trompeten schmettern „In West und Ost,
„Wenn Schlachten lieber „Singt Kind und Mann,
„Dann lege wieder „Den Harnisch an!
„Bis dahin eile „Dem Walde zu!
„In ihm nur weile, „Dort wohnt die Ruh!
„Warum verzagst Du? „Hier finb’ft Du Rath! „Dem Wald nur sagst Du, „Was man Dir that!
„Bei uns nur suche, „Was Dir versagt, „So spricht die Buche, „Der ich's geklagt.
Aus ihren Zweigen Die Amsel spricht: „Lass' Alles schweigen, „Berzage nicht!
Vom Gipfel nieder Ihr Ruf erklang:
„Bald tönet wieder „Mein Waldgesang!
Der Specht im Picken Hält fragend an: „Die Häher nicken: „Was fehlt Dir, Mann?
Am Stamm die Meise, „Im Strauch der Fink, Sie trösten leise: „Sei guter Ding!
Aus sanften Lichtern Aeugt klug das Reh: „Klag's uns als Richtern, „Wer that Dir weh?
Der Hund in Treue Küss't mir die Hand: „O! halt' auf's Neue „Dem Schicksal Stand!
„Der Menschen Treiben „Nahm Dir den Muth! „Wir Thiere bleiben „Dir sämmtlich gut!
Die Winde fächeln Und säuseln Ruh', Die Elfen fächeln Mir freundlich zu.
„Steh' nicht so ferne, „Du bleicher Mann, „Wir hören gerne „Dein Singen an.
„Der Dichtkunst Meister (?) „Verschmähen es; „Wir Waldesgeister „Verstehen es.
„Von allem Bösen, „Das Dir geschah, „Sollst Du genesen, „Dein Arzt ist da!
„Im Walde mache „Dem Herzen Lust! „Waidmann, erwache! „Hubertus ruft!
Mit Pfeil und Bogen Diana traut, Sie kömmt gezogen, Geschmückt als Braut.
„O säum' nicht länger, „Sei ritterlich! „Du Deutscher Sänger, „Ich liebe Dich!
„Mit mir zu kosen, „Verschmähe nicht! „Im Schnee brich Rosen „Nach Jägerpflicht!
„Kehr' von den Musen „An meine Brust!
„An meinem Busen „Such' Liebeslust!
Ihr Frühlingslieder Voll Klang und Lust, So kehrt denn wieder In meine Brust!
Die Sorgen weichen, Das Herz wird weit.
Ihr Deutschen Eichen, Ich bin bereit!
Noch deckt die Erde
Zwar Schnee und Eis. Der Herr spricht „Werde"!
Dann spross't das Reis.
Die Lerchen singen, Es grünt die Saat, Die Lüfte klingen, Der Frühling naht!
Da muß ja enden Die Winternacht, Sich Alles wenden, Wie Uhland sagt.
Fritz Becker in Thalhof.
Deutsches Reich.
Müncheu, 20. März. Von angeblich zuverlässiger Seite wird mehreren Blättern Folgendes von hier gemeldet : Nicht weniger als drei berühmte Künstler zugleich beabsichtigen, die eheliche Scheidung einzuleiten. Diese drei Künstler sind — Lehnbach, Gabriel Max und Piglheim. Ersterer hat bekanntlich erst vor wenigen Jahren eine Nichte des Generalfeldmarschalls Moltke heimgeführt. Ueber die Gründe dieser Massen-Ehe- scheidung verlautet vorläufig noch nichts Näheres.
Tages-Greigniff e.
Schlächter n. Laut Bekanntmachung des Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cassel vom 27. d. Mts. sind sämmtliche noch im Umlauf befindliche 1863er vormals kurhessische Staats-Obligationen zur baaren Rückzahlung auf den 1. Oktober d. I. gekündigt worden. Diese Obligationen, von denen immerhin noch 15 bis 18 Millionen Mark im Umlauf seht dürften, notirten in der letzten Zeit an der Börse 102 — 60 und erleiden sonach die Inhaber einen nicht unbedeutenden Verlust durch obige Kündigung.
— Am vergangenen Mittwoch und Donnerstag hatten wir Gelegenheit, den Vorstellungen des Zauberkünstlers Professor Belachini beizuwohnen und müssen gestehen, baß uns das Gebotene äußerst befriedigte. Außer seiner Fertigkeit weiß er seine Kunststücke mit prickelndem Vortrage zu bekleiden und die Zuschauer, die gerne hinter die Geheimnisse kommen möchten, prächtig zu täuschen. Wir hatten schon oft Gelegenheit, Künstler in diesem Genre zu sehen, aber die Ruhe und Fertigkeit von Belachini hatte keiner, hier ist kein Ueberstürzen, Alles präcis und mit Sicherheit vorgeführt; ebenso haben uns die Solo der Violine sehr gefallen, denn Belachini spielt mit einer technischen Sicherheit und accordrein. Wie nun aus dem Jnseratentheil ersichtlich, findet Sonntag Abend die letzte Vorstellung statt, wozu der Künstler aufgefordert wurde, und möchten wir allen denen, die einige Stunden angenehmer Täuschung verleben möchten, den Besuch empfehlen. Sonntag Nachmittag findet eine Vorstellung für Schulen und Kinder statt; Belachini giebt Alles so langsam und deutlich auch im Vortrag, daß es den Kindern gefallen wird.
Großenlüder, 24. März. 'Der Landmann, welcher beabsichtigt, Obstbäume zu pflanzen, kann nicht genug vor dem Ankäufe solcher von herumziehenden Händlern gewarnt werden. Die meisten der Stämmchen sind derart, daß, wenn sie wirklich angehen, doch nach einigen Jahren absterben und dadurch das Geld, die Zeit und am Ende gai die Lust zur Anpflanzung verloren geht. Schreiber Dieses hatte die Gelegenheit, eine größere Anzahl solcher Bäume zu untersuchen. Die meisten erwiesen sich als krank und waren nicht mehr werth, als verbrannt zu werden. Trotzdem werden solche Bäume massenhaft gekauft, weil dem Landmann der Preis derselben (35—40 Pf.) als sehr gering vor- kommt. Aber in der That sind diese Bäume, wegen ihrer unheilbaren Fehlern, die theuersten, die er überhaupt kaufen kann. Der Händler schwindelt dem Land- mann, dem vielleicht ein krebsartiger Flecken rc. verdächtig ist, vor, daß dieser wieder vernarbe, gibt sich als ein großer Kenner des Obstbaues aus und weiß meistens durch seine Zungenfertigkeit zu überreden. Wollen die Bewohner eines Ortes Bäume pflanzen, so mögen sie sich vereinbaren, wie dies an verschiedenen Orten und auch hier geschehen ist und dieselben aus einer guten Baumschule beziehen. Wenn solche Bäume auch etwas theuerer sind, so sind sie im Verhältniß zu denen, die von den Händlern gekauft werden, doch noch billig aus dem Grunde, weil sie eher gedeihen, was im aubern Falle ost sehr fraglich ist.
Fulda, 25. März. Auf Antrag des landwirthschaft- lichen Kreisvereins Schlächtern wird von diesem Jahre ab und zwar jedesmal im Oktober hier ein Pferde- u n d Fohlen markt abgehalten werden. Somit erhalten die alten kurfürstlichen Provinzen Hanau und Fulda wenigstens einen Pferdemarkt, dessen Mangel schon lange beklagt wurde. H. M.
Hanau, 25. März. Der „Anzeiger" meldet: Mit dem Beginne des neuen Schuljahres wird Herr Gym- nasial-OberlehrerDr. W o lff Hanau verlassen, um einem ehrvollen Rufe als erster Oberlehrer am Kaiser-Friedrichs- Gymnasium in Frankfurt a. M. Folge zu leisten, Die hiesige Anstalt verliert in ihm einen vorzüglichen Lehrer und Gelehrten. Der Weggang des allgemein geliebten
und geachteten Mannes von hier wird auch in weiteren Kreisen auf das Schmerzlichste empfunden werden.
Frankfurt a. M., 21. März. Ein Dienstmädchen, welches an der hiesigen Kreiscasse Steuern bezahlen wollte, wurde auf dem Vorflur von einem unbekannten Manne angesprochen und ihr mitgetheilt, die Casse sei schon geschlossen, er wolle aber sehen, ob er das Geld noch los werden könne. Das Mädchen übergab dem Fremden den Steuerzettel und 20 Mark, womit Letzterer sich eine Treppe hinauf begab, gleich darauf aber zurück- kehrte und dem Mädchen sagte, es solle einen Augenblick warten, der quittirte Steuerzettel würde von einem Beamten der Kreiskasse zurückgebracht werden, womit er sich nach der Straße zu entfernte. Nach langem Warten merkte das Mädchen, daß es einem Schwindler zum Opfer gefallen war, der dasselbe Manöver auch bei anderen Personen, jedoch ohne Erfolg, versucht hatte.
Bockcnhcim, 25. März. Der Fahrbursche eines hiesigen Bäckers hat sich heute im Flur eines Hauses der Kirchgasse, wohin er Brödchen zu bringen hatte, mit seinem Taschenmesser den Hals zu durchschneiden versucht, eine absolut tödtliche Verletzung jedoch sich nicht beizubringen vermocht. Er wurde in das Kranken- Haus ausgenommen.________________________________
Ausland.
Wien, 25. März. Aus Prag wird gemeldet, daß Prinz Moritz v. Hanau heute Morgen auf seiner Domäne Horowic, 55 Jahre alt, gestorben ist, Haupterbe dürfte sein jüngerer Bruder Wilhelm sein.
Auf Schloß Heinrichswaldau.
Von Martha Ei tu er.
Vcrf. von ,3m Mai des Lebens«
(Fortsetzung.)
Ebenso stumm blickte ich nun zum Fenster hinaus. Draußen war es trostlos: der Himmel grau, die Erde schmutziggrau, kein Anblick der das Herz erfreute. Meine Augen wandten sich ab, kehrten zu meinem Mitreisenden zurück. Kein Wechsel zu merken! Alles beim Alten! Die Damen bei den Blümlein, der alte Herr verzehrte