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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

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Mittwoch, den 17. April.

1889.

Etwaige für die nächste Nr. bestimmte Anzeigen und Corre- spondenzen erbitten wir uns des Charfrei- tags wegen bis Donnerstag Nachmittag 3 Uhr. Die Redaction.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Polizei-Präsidium von Berlin beab­sichtigt, nach derPost", künftig den Redaction^! von Zeitungen, in denen neu austauchende Geheimmittel zur Ankündigung kommen, soweit thunlich, vor Einleitung des Strafverfahrens nach der ersten Anzeige davon Mittheilung zu machen, daß das betreffende Mittel als Geheimmittel angesehen werde. Eine dankenswerihe Neuerung, welche die seither empfundenen Ucbelstände auf diesem Gebiet etwas erträglicher machen dürfte. Hoffentlich geschieht das nach und naiti im ganzen Reich.

Die Kaiserin Friedrich empfing den Fürsten in längerer Audienz. Die Kaiserin läßt jetzt von Cronberg im Taunus nach dem benachbarten Schönberg eine Fahrstraße bauen. Bis jetzt besteht eine Verbin­dung beider Orte durch einen Feldweg, auf dem mehrere Häuschen stehen, welche die Kaiserin sämmtlich für sechstausend Mark ankaufte. Die Kaiserin unterläßt «eitere Ankäufe von Grundstücken, da zu hohe Preise gefordert werden.

DerStaatsanzeiger" meldet amtlich die Verab­schiedung des bisherigen Kriegsministers Bronsart von Schellendorff und die Ernennung des bisherigen Gou­verneurs von Straßburg i. E., General der Infanterie von Verdy du Vernois zum Staats- und Kriegs­minister.

Scharfrichter Krauts ist wegen der an seinem Gehülfen begangenen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolge verhaftet worden und wird jedenfalls vor die Geschworenen gestellt werden.

Ueber das Verbrechen des Scharsrichters wird folgendes Nähere bekannt. Die Frau Krauts bat ihren Mann neulich verlassen; der letztere hatte seinen Gehilfen Gummich in Verdacht, mit der entlaufenen Frau zu­sammen zu leben. Darüber gerieth Krauts mit Gummich in Streit und verletzte ihn durch einen Fußtritt tödtlich. Krauts war dann verreist, kehrte aber zurück und stellte sich der Polzei. In dieser Woche hat der Verhaftete eine Hinrichtung in der Provinz zu vollziehen.

Wie aus Washington gemeldet wird, haben sich Deutschland, Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika dahin geeinigt, daß von jedem Staate nur ein Kriegsschiff bei Samoa verbleiben solle, bis die etwa im Mai zusammentretende Berliner Konferenz ihre Beschlüsse gefaßt haben wird. Das SchiffAlert" wird Nordamerika, dieSophie" Deutschland und wahr­scheinlich dieCalliope" England vertreten.

Heiteres von der Co n tr o l-V e rsam in lu n g. Es war am Schlüsse einer der diesjährigen Frühjahr- Controlversammlungen der Reservisten der Provinzial- Jnfanterie, welche auf dem Kasernenhofe des in der Blücherstraße garnisonirenden Kaiser-Franz-Garde- Grenadir-Regiments Nr. 2 abgehalten wurde, als ein Soldat mit einer offenen Cigarrenkiste im Arm sich dem Bezirksspieß" näherte und demselben in leisem Tone eine Meldung machte. Der Bezirksfeldwebel strich sich den Bart und begann:Ja richtig! Eins noch habe ich Ihnen zu eröffnen : Zur Errichtung eines Kaiser Wilhelm- Denkmals auf dem Kyffhäuser wird eine Sammlung vcranstaltet, zu der alle Krieger, also auch die Reserve- söhne des Mars, zur Beisteuer aufgefordert werden. Selbst die kleinste Gabe ist willkommen. Der Gefreite hier wird sogleich mit der Einsammlung freiwilliger Beiträge beginnen." Während hierauf der bezeichnete Soldat zum rechten Flügel schritt, man sich über die Höhe des Beitrages berieth und ein Nickel- oder Silber­stück nach dem anderen in die Cigarrenkiste wanderten, stand etwa in der Mitte der Abtheilung im ersten Gliede ein wohlgenährter gut gekleideter NeservevaterlandSver- theidiger und wühlte erröthend in allen Taschen herum, ohne auch nur einen Pfennig zu entdecken. In echt kameradschaftlicher Weise erboten sich einige der Um­stehenden, dem Dicken mit einem Darlehen zu helfen, der sich durchaus nicht darüber beruhigen konnte, daß

er in den Augen des Einsammlers als Geizhals Dallcsbruder" gelten sollte, doch ehe sich der Dicke dazu entschloß, von dem Anerbieten Gebrauch zu machen, stand derKistenmann" bereits vor ihm. Eben wollte der Wohlgenährte etwaszu seiner Entschuldigung sagen, da beugte sich sein Hintermann vor, warf ein Markstück in die Sammelliste, zeigte auf den Vordermann und sagte:Für mich und diesen da."Junge! Emil!" drehte sich der Dicke um und umhalste vor versammeltem Kriegsvolk den noblen Spender.Emil, so verjeltest Du mich, was ich an Dich jethan habe? Emil, det verjeß ick mein Lebtag nich! Jieb mir Deine Lamäng und laß uns wieder Freunde sind, so dicke Freunde, als wir bei die Fünfunddreißiger jewesen, bis Aujuste, unseres Hauptmanns Köchin, die heute meine Jattin ist und um die wir uns verknurrt hatten, sich vor mir erklären dhat und Dich eenen Korb jab. Emil, Du kommst nachher gleich mit mich mit; ick bin Budiker und will Dir pflegen, wie ne Amme een Pappelkind. Heute sind wir wieder den janzen Dag Soldaten, da wollen wir Fettlebe machen; aber Du mußt ooch nich wieder mit meine Olle poussiren wollen, verstehst? Emil?" Die Sammlung war beendet, die Mannschaften wurden entlassen und unbekümmert um das Gelächter der Kameraden, zog der dicke Reservemarsisohn mit seinem wiedergefundenen hageren Freunde Arm in Arm von bannen. Mit seinerAlten', die ihm nach seiner Meinung das Geld heimlich aus der Tasche genommen hatte, damit er nicht kneipen gehen sollte, wird er nun wohl nicht zu strenge ins Gericht gegangen sein.

Hamburg. Die Hamburger Großkaufleute wollen dem deutschen Reiche zwei Kriegsschiffe stiften. Es sind bereits bedeutende Summen zugesagt. Wenn die Bremer nun ein Uebriges thun, so wird unsere Flotte ja einen erfreulichen Zuwachs zu verzeichnen haben, ohne daß die Steuerzahler belastet werden.

Bremerhafen. Der Nordd. Lloyd weigert sich ent­schieden, die von den Heizern und Kohlenziehern ver­langte Lohnerhöhung zu bewilligen. Wenn ein Streik ausbricht, so will die Direction des Lloyd für die Fahrten nach dem Süden schwarzes Heizerpersonal anmustern und für die Reisen im Norden Mannschaften in Ant­werpen und Southampton anwerben.

Aus Westfalen, 11. April. (Brieftauben beim Kaiser­manöver.) Bei Gelegenheit des diesjährigen Kaiser- manövers sollen die Brieftauben der deutschen Verbands­vereine, namentlich aus Rheinland und Westfalen, in umfassender Weise zur Bildung von Taubenposten benutzt werden, speziell soll auch eine solche mittels Hin- und Rückdreffur zwischen dem Hauptquartiere des Kaisers auf dem Jagdschlösse Springe und Hannover eingerichtet werden. Außerdem soll am 1. Sonntage der Abwesen­heit des Kaisers beim Manöver für diejenigen rheinisch­westfälischen Brieftaubenverbandsvereine, die mindestens 190 Kilometer von Hannover entfernt ihren Sitz haben, ein Preisfliegen ab Hannover, und zwar ein Serien fliegen, bei welchem zur Ausgleichung der verschiedenen Entfernungen für diejenigen Vereine, die von Hannover 180245 Kilom. entfernt liegen, fünf Tauben, und bei denen die noch entfernter liegen, vier Tauben eine Serie bilden.

Wie aus Münster in Wests, telegraphirt wird, ist dort der Bischof Johannes Bernhard B r i n k m a n n heute Nacht, 76 Jahre alt, plötzlich gestorben.

Luxemburg, 11. April. Der Herzog von Nassau hat am Donnerstag Nachmittag vor der luxemburgischen Kammer als Regent den Eid auf die Verfassung geleistet. Punkt 3 Uhr erschien der Herzog-Regent mit dem Erb­prinzen und großem Gefolge in der Kammer, wo die Herren vom Kammerausschuß empfangen und in den Sitzungssaal geleitet wurden. Der Präsident hieß den Regenten herzlich willkommen und lud ihn sodann zur Ablegung des verfassungsmäßigen Eides ein. Mit kräftiger Stimme sprach der Herzog:Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe!" Nachdem der Präsident den Regenten beglückwünscht hatte, hielt dieser eine längere Ansprache, in der er für die Versicherung der Treue und Anhänglichkeit des luxemburger Volkes an das Haus Oranien-Nassau herzlich dankte. Von diesem Tag an sei er Luxemburger aus ganzem Herzen, und die Pflicht, die er übernommen habe, stehe in vollem Einklang mit seinen innigsten Wünschen und Bestrebungen. Nach

vder f dieser Rede, welche ebenso wie alle anderen in franzö­sischer Sprache gehalten wurde, herrschte allgemeine Be­geisterung. In den maßgebenden Kreisen Luxemburgs hat das angenehme Wesen des Herzogs überhaupt den besten Eindruck gemacht. Der Herzog wird bis auf Weiteres in Luxemburg bleiben.

Coblenz, 12. April. Ein wahres Meisterwerk des Uhrmachergewerbes hat ein hiesiger Kunstuhrmacher con* struirt. Die Uhr ist 2 Meter 45 Zentimeter breit, 3'/z Meter hoch und 56 Zentimeter tief, in gothischer Bauart sehr elegant ausgeführt, zeigt die Secunden, Minuten, Viertelstunden, Stunden, Tage, Wochen und Monate, die Jahreszeiten, Jahre und Schaltjahre, be­ginnend mit der ersten Sekunde des ersten Jahres und endigend bei der letzten Sekunde des Jahres 99 999. Außerdem zeigt die Uhr in geographischer Hinsicht die richtige Zeitstellung auf jedem Breitegrad der nördlichen und südlichen Halbkugel der Erde, sowie die verschiedenen Phasen oder Lichtgestalten des Mondes und schlägt die Minuten, Viertelstunden nnd Stunden. Sodann sind sehr viele automatische, kunstgerecht geschnitzte Figuren an derselben angebracht, welche theilweise die Zeit, das Christenthum und das menschliche Leben versinnbildlichen; z. B.: der Minutenschläger, der Viertelschläger, der Genius, der Tod, der Schutzengel, der Cherubin, die 12 Apostel, die Figur Christi, die 4 Menschenalter, die 4 Jahreszeiten, tue 7 heidnischen Gottheiten, von welchen die Namen unserer Wochentage stammen, die 12 himm­lischen Zeichen. Nach einem blasenden Trompeter kommt der Nachtwächter und bläst die richtigen Stunden, bei der Morgenstunde wird er vom laut krähenden Hahn abgelöst. Der Kukuk ist ganz eifrig in seinem Ruf, nämlich beim Erscheinen des Frühlings und des Sommers, wogegen er im Herbst und im Winter ruht. Weiter bewegen sich die bedienenden Engel beim Leiden Jesu Christi: Man sieht ferner: den läutenden Küster oder Meßner, den in die Knie sinkenden, die Hände faltenden und betenden Greis. An Gemälden setzt diese Uhr in Bewegung: die 7 Bildnisse der Erschaffung der Erde, die 14 Stationen oder das ganze Leiden Christi. In musikalischer Beziehung bewegt sich von Zeit zu Zeit ein lieblich klingendes Flötenwerk. Die Uhr besteht aus 18 verschiedenen Werken und am Zifferblatt befinden sich 33 Arbeitsfelder.

Tages-Ereignisse.

Gelnhanscn, 11. April. In unserer Stadt soll mit dem 1. Mai laufenden Jahres eine Kinderbewahranstalt ins Leben treten. Die Anstalt wird vom Frauenverein gegründet und geleitet und soll die specielle Leitung einer Diakonissin übertragen werden. Die erforderlichen Localitäten werden von der Schöffer-Becker'schen gemein­nützigen Stiftung zur Verfügung gestellt. Die Bewahr- anstalt bezweckt, Kindern von 2 bis 6 Jahren, deren Mütter zur Ernährung ihrer Familie auf ihrer Hände Arbeit angewiesen sind, Tags über als Aufenthalt zu dienen. Sie finden daselbst im Sommer während der Zeit von Morgens 7 Uhr bis Abends 7 Uhr Aufsicht und Verpflegung gegen eine geringe Vergütung von etwa 10 Pfg. täglich. Während des Winters wird die Aufsichtszeit eine kürzere sein.

Hanau, 11. April. Für die Erweiterung des Exerzier­platzes in Aussicht genommenen Grundstücke und für die Errichtung desselben sind vom Kriegsministerium 270,000 Mark angewiesen worden. Der Exerzierplatz soll auf 1000 Meter im Quadrat gebracht werden.

Es sind dazu eine Anzahl Bruchwiesen und Ländereien von Privaten seitens der Militärbehörde anzukaufen und hat die städtische Behörde ihre Vermittelung hierzu bereitwilligst zugesagt. Wie wir hören, soll für den Hektar ein recht anständiger Preis bewilligt werden und wird deshalb auf eine rasche und glatte Abwickelung gerechnet, da bei einem event. Expropriationsverfahren nur weniger zu erreichen sein dürfte. Der Hauptent­wurf für die Gebäulichkeiten der Kavallerickaserne ist jetzc soweit fertig gestellt. Von maßgebender Stelle soll aber auch die baldige Ausarbeitung eines Vorentwurfs zur Errichtung eines großen Proviantsamts nebst den dazu gehörigen Wohngebäuden nnd Magazinen, Bäckerei u. s. tu. eing.forbert werden.

Bockenheim, 11. April. Für eine Russenstein-Brennerei in Eckenheim trafen am Montag Abend 150160