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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Samstag, den 1. Juni.

Das Heil kommt von den Juden.

Von Pfarrer Hartm ann - Schlächtern.

(Schluß.)

Freilich soll ja der Christ in er ster Linie seinen Sonntag nicht deshalb feiern und heilig halten, um dann um so mehr irdischen Gewinn zu erzielen, sondern vor Allem, um seinem Gott zu dienen und seiner Seele Heil zu fördern. Hier gilt eben auch das Wort:Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches Alles (auch das Irdische, so viel nöthig ist) zu fallen (Mtth. 6, 33)!" Zu dem Ende soll der Christ an seinem Sonntag von aller Werktagsarbeit ruhen, soll sich anschicken zum gemein­samen Gottesdienst und seine Seele sammeln zum Gebet und zur Aufnahme des göttlichen Worts, das ja immer nocheine Kraft Gottes ist, die da selig macht alle, die daran glauben (Röm. 1, 16)." Ein Christ, der ohne Noth den Gottesdienst versäumt, ist kein Christ. Sage Niemand, er könne auch ohne Gottesdienst ein guter gläubiger Christ sein. Christenleben ist G e- meinschaftsleben und diese Gemeinschaft zeigt sich am Vollkommensten eben im gemeinsamen Gottes­dienst, im gemeinsamen Gebet. Es ist freilich noch nicht jeder ein wahrer Christ, der in die Kirche geht, aber ein wahrer Christ geht in seine Kirche, sofern die Noth ihn nicht obhält, denn er kann ohne Glaubens- und G e b et s g e m c in s ch a f t nicht sein. Was sollen aber die Juden, die durchweg fleißig ihre Synagoge besuchen, von solchen Christe» halten, die jahrein und jahraus in kein Gotteshaus gehen, die am Sonntag Morgen nicht fertig werden können mit allerlei häuslichen und anderen Geschäften, ja die oft nicht einmal so viel Zeit finden, sich sonn­täglich zu kleiden? Doch wir wollen von diesen Christen" absehen, denn da sie selbst wenig Achtung haben vor ihrem Christenthum und vor der Kirche, so wird es ihnen auch völlig gleichgültig sein, ob die Juden davor Achtung bekommen oder nicht. Sehen wir auf dir, die noch Christen sein wollen, die noch etwas halten auf Christenthum und Kirche, auf Bibel und Gottesdienst muß man nichc manchmal auch an ihrem Christenthum irre werden, wenn man auf ihre Sonntagsfeier achtet? Gehen wir z. B. auf's Land in ein Bauernhaus. Man schickt sich an zur Kirche zu gehen, da klopft es an die Thüre und herein kommt der Jude, der Pferde- oder Viehhändler; nun wird ein Handel abgeschlossen, oder es wird abgerechnet und mit dem Besuch des Gottesdienst ist es nichts, oder wenn auch die Sache vorher fertig ist eine rechte Sammlung, eine ht. Andacht ist dann nicht mehr möglich. Ihr Christen schämt euch, daß ihr euch nom Juden euern schönen Sonntag Morgen, eucrn Gottes­dienst und euere Andacht rauben und stören laßt! Wo sind die Christen, welche in diesem Falle ein heiliger Zorn überkommt, daß sie den Juden zur Thüre hinausweisen nach dem Vorbilde des Heilandes, der einst in heiligem Zorn die Käufer und Verkäufer zum Tempel hinauspeitschte, wobei die Jünger an das Wort dachten:Der Eifer um Dein Haus hat mich verzehrt." Was würde euch geschehen, wenn ihr am Samstag zum Juden kämet, um Geschäfte zu machen? Doch ihr wagt es gar nicht, dies zu thun, und ihr sollet den Juden dahin bringen, daß er es auch nicht mehr wagt, euch am Sonntag zu behelligen und in euerer Sonntags­ruhe zu stören; ihr würdet ihm auch gewiß mit solcher e r n st e n christlichen Gesinnung mehr Achtung abge­winnen, als mit euerer Laxheit und Gleich gültig- keit. Wenn der Jude Sonntags zu euch kommt, um Geschäfte zu machen, machts doch, wie jener Schieds­richter. Zu ihm kam er hat es mir erst kürzlich selbst erzählt am hellen Sonntag ein Jude und ver­langte, er solle ihm sofort eine Klage ausnehmen gegen den und den. Der Schiedsmann sah ihn ruhig an und antwortete:Kommen Sie nächsten Samstag!' Jude:Nein, nein, es hat Eile, es muß heute ge­schehn!" Schiedsmann:Kommen Sie nächsten S a m s- tag !* Jude:Nu, Sie wissen doch, da hab' ich Schabbes!" Schiedsmann:Und ich habe heute Son u- tag; hier ist die Thüre!" Während der letzten jüdischen Ostcrfeiertage schickte ich in ein jüdisches Ge­schäft, um einen gewissen Gegenstand holen zu lassen.

Obschon es au einem Tage war, an welchem die Juden Vieh fortbrachten und die Läden offen hatten, hieß es, dieser Gegenstand dürfe während der Feiertage nicht verkauft werden. Ich weiß nun nicht, worauf sich das Verbot gründet. In dem, was Gott der Herr im Alten Testament sagt, über die Feier des Passahfestes, habe ich keine Bestimmung gefunden, wonach grade dieser be­treffende Gegenstand oder andere ähnliche vom Verkauf ausgeschlossen wären. Aber ich gestehe es, ich habe alle Achtung von dem Kaufmanne gehabt und habe gedacht:Wenn doch unsere Christen uur den zehn t e n Theil so ängstlich wären mit der Heilighaltnug ihres Sonntags sie hätten auch mehr Segen von ihrer Feier!"

Und was soll man dazu sagen, ihr Landleute, wenn ihr euch von dem Juden bestimmen laßt oder falls ihr es aus eigenem Antriebe thut, ist es noch trauriger immer am lieben Sonntag ihm das verkaufte Vieh zu bringen ? Warum bringt ihr es ihm nicht Samstags? Nicht wahr, er würde euch schön Heim- leuchten. Ich habe wenigstens einmal mit zugesehen, wie ein Jude einen Bauern in der größten Entrüstung fortfagte, als dieser ihm an einem Freitag Abend nach Beginn des Schabbes eine Kuh brächte. Und ihr habt so wenig Achtung vor euerem Sonntag, daß ihr an diesem Tag dem Juden das Vieh zutreibt? Wisset, daß unsere alte Hessische Sabbathsordnung noch zu Recht besteht, wonach das Vichtreiben am Sonntag bestraft wird. Ich kann daher nur allen ernsten Christen den Rath geben, jeden, sei er Christ oder Jude der Sonntags Vieh treibt, bei Königl. Laudrathsamt oder tirret bei Königl. Staatsanwaltschaft anzuzeigen, damit er seine verdiente Strafe erhalte, welche sich incl. Kosten immerhin auf ca. 30 Mark belaufen kann. Denn wer das göttliche Gebot nicht achten will, der soll wenigstens das menschliche respectiren lernen, welches sich ja in diese m Falle auf jenes gründet.

Wir wollen ja freilich für unseren Sonntag keine jüdischen Sabbathsgesetze nein, un­sere Anbetung Gottes soll sein eine Anbetungim Geist und in der Wahrheit," worauf der Herr auch Hinweist in dem Gespräch mit der Samariterin, aus welchem ja die Ueberschrift unserer Abhandlung genommen ist. Aber dieserAnbetung im Geist und in derWahrheit" entspricht eben die Sonntags feier der meisten Christen keineswegs. Wenn man auch zwar des Morgens den Gottesdienst besucht und Gottes Wort hört, aber den Nachmittag und deü Abend bringt man zu in allerlei weltlicher Lust, beim Karten­spiel oder auf der Bierbank, so liegt darin weder Geist noch Wahrheit. Aber, heißt es, sollen wir denn nicht einmal ein Vergnügen und eine Er­holung am Sonntag haben, wenn wir uns die Woche über geplagt, und geschunden haben? Ja, ihr lieben Leute, ich gönne euch von Herzen ein Vergnügen uud eine Erholung nach der sauren Wochenarbeit, wenn's nur aber auch immer ein wirkliches Vergnügen und eine Erholung wäre! Ein Vergnügen magsjawohl für Manches sein, von Sonntag Nachmittag bis in die späte Nacht hinein auf dem T a n z b o d c n herumzu- springen, aber ob's auch eine Er ho l u n g ist, das weist jedesmal der Montag Morgen aus. Es mag wohl Mancher eine Erholung darin finden, gerade den Sonntag Nachmittag oder den Abend im Wir thsh ause auf der Bierbank zuzuoringen, aber oo es auch immer ein Vergnügen ist, dagegen protestiren am Montag Morgen der dumpfe Kopf und der leere Geld- deutel. Glaubt indes nicht, ich wollte euch im Tanz­vergnügen überhaupt wehren, oder ich wollte euch wehren, in heiterer und fröhlicher Gesellschaft etwa ein Glas Bier zu trinken nein ich kämpfe nur gegen den Mißbrauch und gegen das Uebermaß. Und es ist Thatsache das werden alle diejenigen, die Augen haben zu sehen 'zugestehen daß in unserer Zeit die Vergnügungssucht und die G enuß s uch t in allen Volksklassen das erlaubte Maß längst überschritten hat und daß gerade dazu der Sonntag mißbraucht wird. Und da wundern sich denn noch Viele und murren da- über, daß sie auf keinengrünen Zweig kämen" und klagen dieschlechten Zeiten" an unb bedenken nicht, daß sie es sind, die die Zeit erst schlecht machen und daß sie beständig die Sage in der Hand halten und

immer wieder dengrünen Zweig" selbst absägsen, daß sie zu Boden fallen müssen. Wie kann Gottes Segen dahin kommen, wo Sein heil. Gebot mißachtet wird? Ihr Christen glaubt es, es liegt ein offenbarer Segen in der strengen Sabbathfeier der Juden und in ihrer Mäßigkeit und Nüchternheit. Laßt euch diesen Segen nicht entgehen, indem ihr euere bisherige Sonn­tagsfeier einer gründlichenR e v i si o n" unterzieht und dabei zu der Erkenntniß kommt:Der Sonntag ist vor Allem dazu da, daß ich meinem Gott diene und mein Seelenheil fördere, dann giebt mir Gott auch neue Kraft und neuen Muth zum irdischen Tagewerk und Sein Segen wird dann auch im Irdischen nicht aus­bleiben."

Ich hätte nun noch von so Manchem zu reden, was in dieses Kapitel der Sonntagsheiligung gehört, z. B. von dem Vereinswesen unserer Zeit, das an sich wohl gut in seiner Uebertreibung und Ausartung viel Unheil anrichtet. Doch das giebt vielleicht einmal Veranlassung zu einer besonderen Ab­handlung. Jetzt will ich Schluß machen und Alles, was ich noch auf dem Herzen habe, zusammenfassen in das Wort des Apostels Petrus:Lieben Brüder, ich ermähne euch als die Fremdlinge und Pilgrime: Ent­haltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten, und führet einen guten Wandel unter den Heiden ich sage: unter den Juden, auf daß die, so von euch afterreden als von Uebelthätern euere guten Werke sehen und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird (I. Petr. 2,11.12)."

Das gewonnene Resultat aber aus diesen meinen Aufsätzen, zu welchen mir Pastor Wagner aus Syden- ham mit seiner Predigt, resp, der Einsender dieser Predigt an die Redaction der Schlüchterner Zeitung die dankenswerthe Veranlassung gegeben hat, ist nun dieses:

1. Das Heil ist von den Juden gekommen. Von den heutigen Juden kommt das Heil nicht, aber manches Unheil, gegen welches die Christen sich wappnen müssen. Das geschieht besonders durch eine gründliche Revision unserer Stellung den Juden gegenüber in socialer Hinsicht. 2. Das Heil ist von den Juden auf die Heiden jetzt C h r i st e n übergegangen. Diese haben nun die Aufgabe, dieses Heil den Juden wieder zu übermitteln, welches geschieht durch eine gründliche Revision unserer Stellung den Juden gegenüber in religiös- sittlicher Hinsicht, so, daß zuletzt die Juden sagen müssen:Das Heil kommt von den C h r i st e n !"

Die beiden Worte der Klatschsucht.

Es giebt zwei Wörtchen so kurz, daß man sie ohne Ueberlegung ausspricht, so leichtbeschwingt, daß sie von Mund zu Mund fliegen, ohne daß man weiß, auf welchen Lippen sie geruht haben, so mächtig, daß sie die Verleumdung rechtfertigen und viele Gewissen nicht belasten. Dennoch vermögen diese beiden Wörtchen den guten Ruf ganzer Famlien zu vernichten und die Herzen mit Verzweiflung zu erfüllen. So schlimm sind sie, daß sie der Jugend ihre Freuden, dem Alter seinen Frieden, liebenden Herzen ihr Vertrauen, Allen aber das Glück rauben; so beliebt, daß sie in allen Häusern, in allen Gesellschaften Aufnahme finden; so geistreich, daß sie das Gespräch beleben, so daß durch sie auch die einsilbigsten Leute wortreich, die Langweiligsten unter­haltend werden.

Nun diese zwei Worte heißen: Man sagt.

Man sagt", unter dieser Maske verbirgt sich ein Gespenst von der Art jener Vampyre, die im Dunkel der Nacht das Blut ihrer Opfer aussaugen. Dieses Schreckgespenst, so schreibtFürs Haus' sehr richtig, raubt aber nicht das Blut, es raubt ein weit höheres Gut, die Ehre.

Würde man Thatsachen aufstellen und sagen:Der und der hat eS gethan", so würde jeder entrüstet auf­fahren und beweise verlangen, aberMan sagt es !" Wer ist verantwortlich? Wer hat die Geschichte zuerst aufgebracht? Der tödtliche Pfeil kommt aus dem Hinterhalt.

Hub giebt es kein Mittel gegen diese Ausgeburt der Hölle?

Wenn einmal Lüge und Verläumdung, Haß und Neid,