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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. — Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
M 49. Samstag, den 22 Juni.
1889.
' Bestellungen auf das 3. Quartal 1889 (Juli, Auguste September) der
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S ch l ü ch t e r n , im Juni 1889. Der Herausgeber..
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Einige Gedanken über Volkswirthschaft.
Bon Asmus M a hne r.
(Fortsetzung.)
Ihr Juristen, wenn ihr helfen wollt, für euch ist ein Feld da, wie für wenig andere, ihr braucht nicht erst zu den Leuten hinzugehen, um ihre Noth kennen zu lernen, sie kommen zu euch und klagen sie euch. Ihr könnt wie außer dem Pfarrer Keiner sonst Einblick in das Elend unseres Volkes thun. Die guten, alten Zeiten, — manche nennen sie freilich „die schlechten" — wo der „Herr Amtmann" der Vater seiner Amtsein- gesessenen war, sind ja allerdings vorüber, und das „Bureau", das leidige Bureau ist ja auch für den Juristen das Hauptfeld der Thätigkeit geworden. Aber es giebt doch auch heute noch ein Vorzimmer vor der Amtsstube, und wie manche Sache, die, erst in die Amtsstube gelangt, viele Bogen Papier und noch viel mehr Volkswohlstand verschlingt, könnte im Vorzimmer mit einem guten Warst abgemacht werden. „Anlichambre" und „antichambrieren" haben einen Übeln Beigeschmack — in euerer Hand liegt es, das Antichambrieren in einen Segen für unser Volk zu verwandeln, wenn ihr euch eueren großen Collegen, den Osnabrücker Patri- archen Ju st n s Möser, mutatis mutandis, zum Vor- bild nehmen wollt. (cf. Justus MöserS jämmtL Werke v. R. Abckeu. Berlin 1858.)
Ihr Aerzte, wenn ihr helfen wollt, seid eigentlich die natürlichen Vertrauten der Leute. Helfen ist ja euer hoher Beruf, wenn es auch vor allem dem Leib der Patienten gilt. Aber wie viele, die euch anrufen, sind vielmehr Patienten an der Seele! Ein Wort der Mahnung, der Belehrung grad' aus dem Munde derer, die dem Leid so wohl thun, wird Wunder wirken. Freilich von solchen, die vom Schachergeist beseelt, den Beruf als ein „Geschäft", die Wissenschaft als die „tüchtige Kuh, die mit Butter versorgt", imb ihre Patienten mit Leib und Seele als ein Couglomerat von Atomen ansehen, kann man so etwas nicht verlangen. Solche würden sich ja dadurch nur zu schaden glauben “~- oder, weil sie nichts mehr „glauben" — zu schaden wissen.
Wollt ihr helfen, ihr Verwaltungsbeamten, dann zeigt den Leuten, daß ihr die euch gegebene Gewalt nicht anwendet, um euch Vortheil zu verschaffen, oder nach Willkür zu handeln. Denn wenn ihr daS nicht thut, dann trauen euch die Leute nicht und mit Recht, da sie sich stets sagen, ihr suchtet eueren Vortheil und nicht den ihrigen. Ihr müßt die Leute mit der That Lügen strafen — mit Worten, die nicht zu den Thaten stimmen, lockt man keinen Hund hintcr'm Ofen vor. Für euch Verwaltungsbeamte ist'S noch weit mehr nöthig als für Pfarrer und Lehrer, daß ihr unter das Volk geht und Volksart und Volkssitte kennen lernt, denn ihr kommt oft aus einer Gegend des Vaterlandes in die andere, Und andere Länder, andere Sitten, besonders in unserem deutschen Vaterland, dessen Stämme sich wohl vor ihrem Kaiser beugen, die man aber nie unter einen Hut bringen wird, oder über einen Kamm scheeren darf. Ihr müßt den Eharacter des Volkes, daS euch der Landesherr anvertraut hat. kennen lernen. Andere, wie Pfarrer und Lehrer, auch Richter und Aerzte sind euch gegenüber hierin vielfach im Vortheil, da sie meistens in der günstigen Lage sind, Stellungen in der Heimath zu erhalten, deren Eharacter sie von Jugend aus kennen, ja selbst witbilden. Durch eifriges und liebevolles Studium müßt ihr daher das zu erlangen suchen, waS jenen die Ratur gegeben hat. Wenn ihr den Weg zu den Herzen der Leute finden wollt. Was ihr vielleicht in der einen Gegend für probat gefunden habt, ist es deshalb auch Uoch nicht in einer anderen Gegend, wo die klimatischen und winhschaftlichen Verhältnisse andere sind. Es gilt Aur oft, berechtigte Eigenthümlichkeiten zu schonen, auf unberechtigte Vorurtheile einzugehen, um sie zu wider- iegen, So etwas lernt sich aber nicht am grünen Tisch,
sondern allein im Leben. Darum sorgt, daß ihr das Leben der Bevölkerung kennen lernt und euch den Blick nicht durch Vorurtheile trüben laßt, wenn ihr den Willen habt zu helfen; und daß ihr diesen Willen habt, davon ist Asmus fest überzeugt.
Ihr Alle aber, die ihr helfen wollt, bedenkt, daß es ein wahrer Spruch ist: „Wer im Kleinen nicht treu ist, der ist auch im Großen nicht treu." Vor allem muß man sehen, daß ihr euch selber helfen könnt, vor allem muß euere Haus wirthschaft ein Muster sein, ehe ihr V o l k s wirthschaft treiben dürft. Wenn ein Landwirth anderen rathen will, wie Ackerbau getrieben wird, und sein eigenes Gut bringt nichts als Hypotheken ein, dann lachen ihn die Leute aus. Wenn ein Pfarrer vom christlichen Ehestand predigt, und sein eigener Ehestand ist ein Wehestand, wenn er von christlicher Kinder- zucht spricht und seine Kinder sind wie die bösen Buben Elis, wenn er von Demuth spricht und hält sich selbst für. etwas Besseres als andere, wenn er die Geduld rühmt und ist selbst beim kleinsten Unglück aus Rand und Band, dann heißt er mit Recht ein Lügner, wennschon seine Worte wahr und gut sind. Wenn ein Lehrer die Kinder Religion lehrt und er ist selber ungläubig und leichtsinnig, dann wär's ihm und den ihm anver- traulen Seelen besser, das Lügenmaul verstummte. Wenn ein Bürgermeister Zucht und Ordnung in der Gemeinde aufrecht erhalten will, und er ist selbst ein Säufer oder hat im eigenen Hause keine Zucht, dann wird er ein Leule-Gespött und man sagt ihm: „Kehr' vor deiner Thür!" Wenn Einer dasLoos der armen und dienenden Classen heben will, und seine eigenen Dienstboten müssen klagen über schlechte Behandlung, schlechtes Essen', schlechten Lohn, so sind das böse Empfehlungen für ihn. Also: erst den Balken aus dem eigenen Auge, gezogen, ehe man zu den Anderen sagt: „Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen."
(Fortsetzung folgt.)
Tages-Ereignisse.
Berlin, 17. Juni. Wie man hört, ist die Berufung der nächsten Reichstagssession für Anfang November in Aussicht genommen.
— 18. Juni. Der General der Infanterie Bronsart von Schellendorff, der nach Enthebung von der Stellung als Kriegsminister zu den Offizieren von der Armee versetzt wurde, ist unter dem 15. Juni zum komman- direnden General des I. Armeekorps ernannt.
— Die geretteten Mannschaften vom „Adler" und „Eber" sind von Bremerhafen ans am Montag mit dem Admiral Heusner in Kiel angelangt und auch dort von Tausenden herzlich begrüßt und unter Vorantritt der Matrosenkapelle von der Bevölkerung nach der Kaserne geleitet worden.
— DaS deutsche Hilfskomitee für Pennsylvanien, das am Montag in Berlin im RathhauS zusammen- getreten ist, wird demnächst mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit treten. Zu Ehrenpräsidenten und Präsidenten wurden die Präsidenten der gesetzgebenden Körperschaften: v. Levcyow, Herzog von Ratibor und v. Köller gewählt ; zum Vorsitzenden Bürgermeister Duncker, zum Stellvertreter Commerzienrath Frentzel, zum Schatzmeister Dr. Si-mens. Die Deutsche Bank in Berlin wird Beiträge entgegennehmen; die Gelder werden durch den deutschen Generalkonsul in New-^ork übermittelt werden.
r Mainz, 19. Juni. Prinz Bernhard von Sachsen- Weimar, Premier-Lieutenant im 1. hessischen Husaren - Regiment Nr. 15, stürzte heute Morgen in der Schillerstraße mit dem Pferde und mußte schwerverletzt nach seiner Wohnung gebracht werden.
Düren, 15. Juni. Auf hiesigem Bahnhöfe wurde dieser Tage in der Coupeeheizung eines Wagens erster Klasse ein Rothkehlcheuuest mit 5 Eiern endeckt. Der Wage« läuft in dem Lokalzuge Dürrn-Köln und steht
nur von Nachmittags 4 bis morgens halb 6 Uhr auf der Station, welche Zeit wohl von den Vögelchen zum Bauen benutzt wurde. Beobachtungen, welche angestellt wurden, ergaben, daß das Rothkehlchenpaar unter frohem Gezwitscher angeflogen kam, als der Wagen wieder anlangte.
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern, 21. Juni. Das Programm zum Ver- bandsfest und der 11. Abgeordneten-Versammlung des Hessischen Kriegerverbandes, welche vom 6. bis 8. Juli in hiesiger Stadt stallfindet, ist wie folgt festgesetzt. Sonnabend, den 6. Juli, von Nachmittags 4 Uhr ab Empfang der Abgeordneten. Von Nachmittags 5 Uhr ab Abgeordneten-Versammlung im Hessischen Hof mit folgender Tagesordnung: 1. Nachmittags 5 Uhr Begrüßung der erschienenen Herren Abgeordneten durch den Vorsitzenden des Verbandes und Eröffnung der Sitzung. 2. Prüfung der Vollmachten und Aufstellung der Präsenzliste. 3. Verlesung der Verhandlung der 10. Abgeordneten-Versammlung vom 1. Juli 1888 durch den Kameraden Schriftführer. 4. Bericht des Kameraden Schriftführers über die Thätigkeit des geschäftsführenden Vorstandes im abgelaufenen Jahre nebst Anzeige der Aufnahme der Kriegervereine Elm, Heinzell, Hersfeld (Kampfgenossen), Vollmerz und Bieder durch denselben in den Verband. 5. Kassenbericht des Verbands-Kassirers und Wahl der Kassen-RevisSren. 6. Referat des Herrn Verbands-Vorsitzenden über den 18. Bundes-Abgeord- netentag zu Wiesbaden. 7. Antrag des Kriegervereins Fulda, die Gründung von Unterstützungskassen betreffend. 8. Decharge - Ertheilung für den Verbands - Kassirer. 9. Beschickung des Abgeordnetentages des deutschen Kriegerbundes pro 1890 zu Dortmund. 10. Wahl des OrtcS für die nächstjährige regelmäßige Abgeordneten- versammlung. 11. Neuwahl des Vorstandes. 12. Parole- Angelegenhelten. 13. Erledigung etwa weiter gestellt werdender Anträge. — Abends 7 Uhr Concert auf dem Festplatz. Sonntag, 7. Juli, früh 8 Uhr Reveille. Von Vormittags 10 Uhr ab Empfang der auswärtigen Vereine im Hessischen Hof; daselbst Ausgabe der Festkarten. Vormittags 10*/« Uhr Abmarsch der Angekom- meNkN nach dein Festplatz; daselbst Begrüßung nnd Uebergabe des Festplatzes. Bon Vormittags 11 Uhr ab Concert auf dem Festplatze. Nachmittags 3 Uhr Parade der Kriegervereine auf dem Festplatze. Nach der Parade: Aufstellung sämmtlicher Vereine und Festzug durch die Hauptstraßen der Stadt zurück nach dem Festplatzc; sodann Festrede, Gesangsvortrüge und Concert. Nach dem Concert: Tanzbelustigung. Nach Eintritt der Dunkelheit Beleuchtung des Festplatzes, Feuerwerk rc. Montag, den 8. Jülsi Vormittags 9 Uhr: Ausstug zu Wagen nach der Steckelburg bei Vollmerz. Von Vormittags 11 Uhr ab Concert auf dem Festplatze. Von Nachmittags 3 Uhr ab Concert und Tanz. Für Volksbelustigungen, als Carouffel, Schießbuden rc: wahrend des Festes ist gesorgt.
— Der Psarramts-Candidat Lambert wurde mit Versetzung der zweiten Pfarr- und Rectorstelle zu Steinau beauftragt.
— Nach Mittheilung des Königlichen Proviantamts zu Bockenheinl sollen die Heu- und Roggenstroh-Ankäufe bei dem dasigen Magazin gleich nach Beginn der Heu- resp, der Roggen-Ernte ausgenommen werden. DaS Königliche Proviantamt zu Bockenheim wird jede nähere Auskunft über Preis und Qualitäts-Verhältnisse jederzeit schriftlich oder mündlich ertheilen.
In Hauswurz ist am 16. Juni eine Postagentur in Wirksamkeit getreten. Die Postbcförderung nach und von der genannten Postagentur findet statt: a) durch eine wetklüglich einmalige Landpostfahrt und sonntägliche Botenpost zwischen Neuhof und Hauswurz, b) durch eine werktäglich einmalige Botenpost von Neuhof nach Hauswurz, mit nachstehenden Kurszetteln 1, Landpost-