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Der Kaiser i« den Reichslanden.
Der Kaiser Wilhelm und seine Gemahttu weilen zur Zeit in den Reichslauden.
Der junge deutsche Kaiser, von dem Bismarck im vergangenen Jahre sagte, daß er sein eigener K Wer werden würde, legt in alle Beziehungen seines hohen Berufes ein start belebendes persönliches Element. „Selbst ist der Mann"; er selbst besucht die auswärtigen Souveräne und empfängt deren Gegenbesuche, wobei immer neue Faden der Einigung. Bereinigung und des Friedens gesponnen werden. Mit den deutschen Fürsten steht der junge Kaiser in persönlichem Verkehr. Fast keine Woche vergeht, ohne daß das Berliner Schloß deutsche Fürstlichkeiten als Gäste beherbergt. Der Kaiser selbst ist der oberste Jnspector seiner Armee und Marinerer erscheint unvermutet bald hier, bald dort, prüfend, aneisernd, fördernd. Er wollte sich persönlich überzeugen, wie die Verhältnisse beim Bergarbeiterstreik lagen und empfing deshalb die Arbeitgeber wie die Arbeiter- Deputation, ließ sich auch fortdauernd über die Ergeb mfse der geführten Untersuchung Bericht erstatten.
In diesem Sinne und aus diesem Gefühl heraus will der Monarch sitzt das persönliche Band knüpfen, da« ihn als Kaiser mit den Reichslauden verfassungsmäßig bereits verbindet. Das Land, welches sein Großvater und sein Vater als oberste Führer der deutschen Truppen im Jahre 1870 dem Reiche von den Franzosen zurückgewannen, weist die Stätten der kriegerischen Ruhmesthaten seines Vater«, weist die Schlackujelder von Weißendurg, Wörth, Suchern und bei Metz auf, die erst in den jüngsten Tagen wieder die Grabhügel der daselbst gefallenen Helden im frischen Kräazeschmuck
und zwar besonders in der Zeit der Eisenbahnen, die alles überallhin schnell befördern.
Ae«», 21. Aug. PckauWjchM 'Mr einigercZeit in Grelz der .pBiilitä^ MK>-n. Die Fghae:
desselben, welche die Horte trM: „Mit Gott für Kaiser und Reich" ip ftufitUelfr versteigst worden. Es ^ .......... r____,____, ... wuvde ein s^rei^'von 103 ^
neuester ^rit ist eine gewisse Mildernng eingetretcn.i Eisenach, 1M- August. Alll. 1h.- ds. erkannte die - ■ • - - ...... - Straskammer des hiesigen Landgi!richts Z.egen den Lehrer
-Tischer in Söndheim. Dieser hätte tzinem fast 15jäh- rigen Jungen, welcher in der Schönschreibstunde seiner wiederholten Rkahnung, kleiner zu schreiben, nicht nach- gekommen war, zwei Ohrfeigen gegeben. Dr. Mentzel in Ostheim hatte am nächsten Tage (bescheinigt, daß der rechte Backen des Knaben Park geschwollen und die Fingerstriemen darauf noch sichtbar gewesen seien. In der Verhandlung wurde deshalb Lehrer Tischer wegen Ueberschreitung seines Züchttgungsrechtes auf Grund des § 340 des Str.-G.-Bi unter Annahme mildernder Umstände, die in der durch des Knaben Ungehorsam Hervorgerufenen Erregulig und in' seui.kr.dreiundzwanzig- jührigeir straf- und tabellofen Amtsführuilg erblickt wurden, zu 50 Mark Geldstrafe, unä in die Kosten
prangen sahen.
Kali« WH-yr-ä'-Mt die Reichslande tviederholt ' und auch Metz besucht. Die Bevölkerung jubelte dem greisen Monarchen zu — stimmte aber bei den folgenden ReichStagSwahlen im Sinne der Protestier; erst in
Dem Kaiser Friedrich war es während! seiner kurzen Regittungszeit, die ja zugleich eine Leidenszeit war, nicht vergönnt, präsentativ aufzutreten. Indessen ließ er in seiner gleich nach der Thronbesteigung erlassenen Proklamation an die Reichslande keinen Zweifel, daß dem Reiche auf alle Fälle erhalten bleiben müsse, was
mit Strömen deutschen Blutes erlauft worden war. Uud als in Frankfurt a. O. das Denkmal für den Prinzen Friedrich Karl enthüllt wurde, nahm Kaiser Wilhelm H. nochmals Gelegenheit, das Legendengebilde zu zerstören, als ob sein Vater einer Rückabtrcluug der ReichSlaude an Frankreich geneigt gewesen wäre. Eher würden unsere achtzehn Armeekorps aus der Wahlstatt bleiben! so erklärte damals der junge Kaiser.
Bei der Anwesenheit Kaiser Wilhelms 11. in Straßburg erhält der dortige Kaiserpalast seine Weihe. Vor siebenJahren Wurde zu ihm der Grundstein gelegt und erst vor wenigen Monaten war die innere Ausstattung vollendet. Der Kaiser wird also in Straßburg im eigenen Heim wohnen. Die französische Regierung wird während der Anwchichril des Kaisers in Metz eine ihr höchst peinliche HöstichkcitSpsticht zu erfüllen haben: sie muß den Monarchen osfiziell begrüßen lasse». So will es her Brauch, dem sich die Franzosen diesmal um so weniger entziehen können, als ihnen erst vor Kurzem (bei der Abholung der Gebeine LatourS und Carnots) auch die Deutschen iu so würdiger Weise ihre Achtung bezeigt habe». „ ,
Es ist hier nicht der Ort, um sich in Erörterungen über die mögliche» Folgen des kaiserlichen Besuches der ^eichslande zu ergehen; diese Folgen würden auch nicht fogkidr zu Tage treten. An den Gemüthern der Elsaß- Lothringer kann aber daS ihnen und ihrem Lände vom Kaiser gezeigte Interesse unmöglich spurlos vorübergehen.
Tages-Ereiguifse.
Aus Thüringen. Schon in der.nächstcn Zeit dürfen unsere hohen Fleischpreise einen erfreulichen Rück Song erfahre». Die letzten großen Viehmärkte in Schweinfurt, Neustadt a. d. S. und Römhild haben l'ijoii einen m«uder lebhaften Gang gehabt und die Prüft find nicht unerheblich gewichen. Durch die Maul- und Klauenseuche war bekanntlich der Viehhandel
sthr schwach apwordenund besonders in Nvrbdeutschland Pnmktnau, ». Aug. UW« ^
war ein wirklicher Mangel eingetreten. Diesem ist! kommen ausgevildrten laufen erlegte ein Huzogttchu
jetzt vollständig abgeholfen und vorn
für
die nächste Zeit wieder das ,
ruhigeren Bahnen bewegen. An Mas dies kein Mangel eintreten, da wir ge Jahr über reiche Futtervorräthe verfüge nächsten Woche werden wohl auch die P schwrine nicht unerheblich herabgehen. D von Oesterreich-Ungarn bezüglich des
lich wird sich Geschäft in ) wird über- ' in diesem Schon in der e der Mast- . Grenzsperre lorstenviehs
ist bekanntlich in den letzten Tagen wi .. aufgehoben worden und die bekannten Bakonyer werden wir nun bald wieder zu sehen bekommen. Es ist bekannt genug, welche bedeutende Konkurrenz der deutschen Schweinezucht durch diese Art Schweine in den letzten Jahren gemacht worden ist. Einigermaßen spaßhaft ist das dermalige Verhalten eines Theils unserer ländlichen Bevölkerung. Es wird nämlich mö g lich st wenig aus den Markt gebracht. Lbährend wir meistens um diese Zeit billige Butter- und Eierpreise gehabt haben, auch an Schlachtgünsrn kein Mangel war, sieht man dermalen von dem beliebten Martinsvogel nur noch sehr wenig, sodaß wir unsere „Hütes" zumeist ohne den prächtigen Gänsebraten verspeisen müssen. Alles wartet auf das in unserer Gegend in Aussicht stehende große Manöver und erhofft von der hier stattftndenden Zusammenziehung der Truppe» eine gewaltige Preissteigerung sämmtlicher Produkte. Wenn nur nicht auch hier, wie so oft im Leben, eine höchst unangenehme Täuschung eintritt. Es ist ein längst bekannter Grundsatz in der Nationalökonomie, daß, wo starke Nachfrage eintritt, sofort auch das Angebot sich bedeutend steigert,
verurtheilt.
In sein Städtchen Menscswltz bei Altenburg ist kürzlich der Lehrer und Organist &' ivegpy,Beleidigung einer - dreizehnjätstigen' Schülerin, .die er einer dritten Person gegenüber als ein „dUiümes Tfing" bezeichnet hatte, weil sie nach ihrem Eintritt iy hjeMeusclwitzer I Seleelenschule rö'iiidjra fu^Mt^ ihn zu grüßen, zu 8 Rkaik Geldstrafe verurtheilt Worden. Der Vater des „beledigten“ MädchM hatte, Htrafantrag gestellt, weil durch die GüßerüUg^schie ganze Familie tief gekränkt worden sei". Än der Berufungsinstanz wurde kürzlich das Urtheil des SchösfcngeM^ bestätigt, und der verklagte Lehrer hat »uu sbendrein gegen 200 Mark Gerichtskosteil zu zahlen. '
Schwelm, 20. Aug. Welch enorme, „^lugtrast den Brieftauben innewohnt, möge man aus folgendem Beispiel ersehe». Der hlesige Bereist Briestanbc, welcher i» diesem Jahre von KaisersiaUter» (210 Kilometern), Straßburg (310 Kilpm ) und Mülhausen i. E. (402 Kilometer) aus bereits Wctlflicgcn verunstaltete, ließ am vergangene» Sonnabend Morgen um, 8 Uhr von Lausanne am Genfer See 22 Tanben auf, von welchen die erste bereits RachmittaigS tritt 6 Uhr und in etwa halbstündigen Zwifchetipaustn bis '^iun Abend noch weitere 8 Tauben auf dem'hrimathlichen Schlage ein- trafen. Der in gerader Luftliuit 540 Kilometer oder 72 Meilen betragende Wetz war somit in der erstaunlich turnen Zeit von 8 Stunden zurückgelegt.
Primltnan, 18. Aug. Gincu Fuchs mit fünf voll
Revierdeamler im hiesigen Forste. Der fünfte Lauf war unterhalb der Brust herausgewachsen. Herzog Ernst Günther, welcher jetzt hier verweilt, wird das seltene Exemplar ausstopfen lassen und nach Potsdam mitnehmen.
Bom Main, 16. Aug. In Bergtheim wurde vor einiger Zeit die Leiche des Privatier J. Schimmel auf der Straße unter Umständen gefunden, welche die Annahme eines Mordes rechtfertigten. Trotz eifrigster Nachforschungen schien indessen die Entdeckung des Mörders nicht gelingen zu wollen. Jetzt dagegen dürste möglicherweise Licht in die Affaire kommen. Der Nachtwächter der Gemeinde gerieth nämlich am Donnerstag mit seiner Ehefrau in Streitigkeiten, wobei letztere ihrem Manne zurief: „Gelt, du willst mich auch erschlagen, wie du den Schimmel mit dem Hammer erschlagen hast?" Wenigstens will eine Nachbarin diese Aeußerung vernommen haben und machte hiervon der Gendarmerie Mittheilung, worauf die Verhaftung des Nachwächters erfolgte.
Gießest, 16. August. Ein hier wohnender armer Flickschneider erhielt dieser Tage Nachricht, daß er zum Erben des Vermögens eines in Amerika verstorbenen Verwandten eingesetzt sei. Der Glückliche ist nun Besitzer von beiläufig 800,000 Mark in Baar und zweier Fabrikanlagen, sowie eines Landhauses mit ausgedehntem Grundbesitz.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchlern, 23. Aug.
— Zur genauen Aufschrift bei Manöver- Postsendungen gehören: Familienname (möglichst auch Vorname, iintei.Unipäuben bie Orduungsnnmmer), Dienstgrad und .TrsippeütDl (Regiment', Bataillon, Compagnie oder Wkaorpy,'f. w.) unb für gcivöhnlich der ständige Hfarstlsonört, eintretendensalls mit dem Zusatz „oder vüchzMnden". Die Angabe eines Marschquartiers; als Bestimmungsort empfiehlt sich in der Regel nicht. . Eine mustergültige Ausschrift soll lauten, wie folgt:
An
den Musketier Hermamr Müller III.
1. Hessisches Infanterie-Regiment M. 80 4; Compagnie.
Loldalenbrief»^ ! Hanau
Eigene Angelegenheit vor ' oder nachzusknden.
Empfängers. - - . ■ ...
Absendxr: G ust av Müller, .
Schlüchteru, .
* Schlächtern. Die Königliche Regierung in Cassel erläßt folgende, das Ausbrennen-Der nicht besteigbaren Schornsteine betreffende Polizei- Verordnung für den Umfang des diesseitigen RegierungWczi'rkS: § 1. Das Ausbrennen der nicht besteigbaren (sogen. rnssischen) Schornsteine darf nur rrfokgcn, wüin'Nach pstichtmäßigem Ermessen des SchornMufeg-rs 1- Pch in dem Sckiorn- " sie in Glanzruß gebildet hat, der mir den gewöhnlichen Reinigungsmitteln nicht entfernt werden kann und 2. der Schornstein vorschriftsmäßig änsyefnhrt, nicht schadhaft ist und seine ReinigungSWreÄ"ftnerfest verschloffen sind. Jedoch darf das AusIenuen der Regel nach nicht . mehr alS einmal im Jahr vörgkNommen werden. § 2. Das Ausbrennen dars^nur in ,den Vormittagsstunden, bei stiller Kuft und möglichst geschoßweise von oben
nach unten geschehen. Von der Absicht des Ausbrennens ist dem Hausbesitzer und der Ortspolizeibehörde mindestens 24 Stunden vor der Ausführung Anzeige zu machen. § 3. Wider den Willen des Hausbesitzers darf das Ausbrennen nur mit schriftlicher Genehmigung der
Ortspolizeibehörde nach sachverständiger Untersuchung des Schornsteins und mir dann erfolgen, wenn da« Ansammeln des Glanzrußes W , in feuergefährlicher Weise bemerkbar macht. Das Gleiche gilt, wenn das Ausbrennen an einem Sc^vlnstkin ausnahmweise Ntcht" als einmal im Jahre vorgenommen Wchen foU- ß 4- Der Schoriisteinfegcrmetster hat' bei dem Ausbrrllstrn