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SchWemerMtung

Samstag den

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Z ue u^t onc» «tunim tu Mchhi^ -' - --' - »»^^. ^ ^ .- ^uJ-4'^4.^^rjtfOM W/<^MM*ZlCMM>iMaMMIMmMaHMUnwa^

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Zur Sedanfrier.

Heil Deutschland Dir!

Heil Euch, Ihr tappten Krieger, heut, Die Ihr den Feind besiegt in heißer Schlacht! Die Ihr das Heer, das uns mit Hohn bekriegt, Zu Grunde und zu nichte habt gemacht. Heil Euch, Euch tapfren Kriegern Heil! Wohl möget Ihr gezittert haben, Als Ihr dein Feind entgegen seit geruckt.

Wohl Manchem mag das Herz erbebet haben, Als er das große Schlachtfeld hat erblickt!

Doch muthig gings voran

Durch Sturm und dunkle Nacht,

Ihr standet Mann für Mann

In Sedaus heißer Schlacht.

Manch' einer sank getroffen nieder

Und ruht beweint im Feindesland.

Schlaft wohl, Ihr tapfren Krieger!

Euch Allen Heil,

Denn Ihr, Ihr habt errungen

Was längst als Wunsch in jedem Herz geklungen: Die Einigkeit des Deutschen Reichs.

Heil Deutschland Dir!

Erhebe muthig Dein Panier!

Laß hoch den Adler in den Lüften schweb^E Und höher, immer höher soll er sich erheben, Und alles Volk ftimm"freudig ein

Und nur ein Ruf dürchbrause unsere Reihn, Heil, Krieger, Kämpfer, Sieger Euch!

Es wurde Euch das schöne Loos zu Theil, Fürs Vaterland zu streiten und zu siegen.

S t e i n a u. L u l u B r u ch h a u s.

Ueber den Londoner Streik und feine Folgen

schreibt ein Korrespondent des Berliner Tageblatts u. a.:

Es geht nun nicht länger an, von dem Streik der Londoner Dockarbeiter allein zu sprechen; wenn dieser auch der bedeutungsvollste und in seinen unmittelbaren Folgen empfindlichste ist, so bildet er doch nicht länger den einzigen Allsstand, von dem London heimgesucht erscheint. Aus Sympathie für die Dockarbeiter haben, um auf die Direktoren der Dock-Gesellschaften einen größeren Druck auszuübeN, alle anderen mit der Dock­arbeit Verfrachtung und Verschiffung beschäftigten Kräfte gleichfalls die Arbeit eingestellt. Kärrner, Kahn- sührer, Lastträger in den City-Wuarenhäusern machen gemeinsame Sache mit den Dockarbeitern und erklären, die Arbeit nicht eher wieder aufnehmen zu wollen, bis dieberechtigten" Forderungen dee Letzteren bewilligt sind. Dieser Korpsgeist hat nun viele Arbeiterkreise, die mit den Docks in keinem unmittelbaren Zusammen­hänge stehen, veranlaßt, sich dem Ausstande gleichfalls anzuschließen. Die Kohlenträger in den Werften entlang der Themse und den London durchschneidenden Kanälen haben ebenfalls zum großen Theil die Arbeit eingestellt, die Karrenführer der großen Londoner Stadt-Speditions­geschäfte, in deren Händen zum größten Theil die Packet- besörderung liegt, machen Miene und haben zum Theil bereits begonnen, zu streiken, und die Arbeiter der Londoner Gaswerke drohen mit einem allgemeinen Aus- stande. London ohne Gas und Kohle ohne Heerd- seuer und Licht, der Kälte und Finsterniß überliefert, bietet leinen erquicklichen Ausllick, und die Arbeiter haben nicht Unrecht, wenn sie behaupten, daß ein Tag ohne Straßenbeleuchtung und ohne den nothwendigsten Komfort im Hause genügen würde, einen solchen Sturm ^k öffentlichen Meinung zu erregen, daß die Dock- ^esellschaften rasch zur Nachgiebigkeit gezwungen werden würden.

Das Streitfieber wirkt aber anscheinend nach allen Richtungen hin ansteckend, und Arbeiter, die mit ihrem Ausstand den Dockärbeitern gar nicht helfen können, beginnen nun rechts und links die Arbeit niederzulegen, K" die Armee der Streikenden zu vermehren. Die Meinung walkt bei ihnen pyr, daß der Augenblick ge­

kommen fei, wo,in einem Au wasch n" mit den Arbeit­gebern Abrechnung gepflogen werden sollte; wo sich die Arbeiter nicht gebührend entlohnt glauben oder Ur­sache zur Unzufriedenheit haben, wird jetzt gestreikt. Man schätzt heute die Zahl der streikenden Arbeiter in London bereits auf 120000.---

In den Docks ist alles wie ausgestorben. Schiff an Schiff liegt da, und keine Hand regt sich, den zwi­schen ihren Wandungen gebetteten reichen Inhalt aus- zuladen. Die Kapitäne, Rheder und Handelsherrn sind in heller Verzweifelung. Die Schiffe können nicht ein­laufen und auslaufen, und in der City ist der Waaren« verkehr zum vollständigen Stillstand gekommen. Die Postdampfer für Australien, Indien und Westindien konnten die Waare nicht löschen und sind heute mit derselben Ladung, die sie nach London gebracht haben, wieder ausgelaufen! Die australische Wolle, der west­indische Zucker und Kaffee und die indischen Produkte werden daher wieder nach Australien zurückverfrachtet und dann von dort noch einmal hierher gebracht werden, ehe sie an die Empfänger zur Ablieferung gelangen! Welchen Schaden das für die Rheder und die Besitzer der Waaren bedeutet, läßt sich leicht denken, und für manche Firma kann der Londoner Dock-Streik leicht verhängnißvolle Folgen haben.

Das Londoner Geschäft selbst leidet sehr empfindlich ; viele Gebrauchsartikel werden knapp, viele verderben in Folge der langen Lagerung, so namentlich die Zu­fuhren an ausgeschlachtetem Fleisch, und ein wahrer Rattenkönig von Prozessen wird aus dem Streik wegen verspäteter Lieferung, Verweigerung der Annahme rc. erwachsen. Die Peninsular und Oriental Line hat schon eine Klage gegen die Cast Jndia Dock Company angebracht und verlangt, wie es heißt, 50,000 Pfd. Sterling Schadenersatz. Ihrem Beispiel werde» andere Schifffahrtsgesellschaften und Rheder folgen, und den Direktoren mag darob wohl bange werden! Ein Aus- wandererschiff liegt seit acht Tagen mit 5)00 Emigranten an Bord im Dock, ohne auslaufen zu können! 5000 Passagiere find gleichfalls zurückgehalten! Das Schlimmste ist aber der Stillstand in den Löscharbeiten. Die Ver­legenheiten, die daraus fließen, sind einfa-h unbeschreib­lich und unfaßbar. Die nächste Wollauktion dürfte auch die Folgen spüren. Am empfindlichsten sind augen­blicklich jedoch der*Thechandel und der Zuckermarkt betroffen. Heute arbeiteten einige hundert City-Kauf­herrn und ihre Clerks (Buchhalter Korrespondenten und Kommis) in den Docks, um einen aus China ein- gelaufenen Dampfer mit diesjährigem Thee zu löschen! Auf allen in die Docks einlaufenden Bahnen stockt der Verkehr, und die Zustände sind einfach unhaltbar ge­worden. Jemand muß nachgeben, und dieser Jemand werden hoffentlich die Dock-Gesellschaften sein, deren seit ihrer Verschmelzung monatlich um 80,000 Pfd. Sterl. erhöhter Reingewinn es ihnen gestattet, einen Antheil an die Arbeiter abzugeben, die sie bisher un­streitig und nachgewiesener Maßen schmählichgeschun­den" haben.

Deutsches Reich.

Magdeburg. Der kolossale Schwindel, welchen eine Anzahl Magdeburger Zuckerfirmen mit künstlicher Preis­steigerung des Zuckers getrieben haben, wird jetzt viele Bankerotte herbeiführen. Unsere Leser intereisut es zu wissen, daß der Rohzuckerpreis bis auf 29 Mk. getrieben war, daß jetzt Hunderttausende von Säcken zu 14 Mk. 40 Pfg. ausgeboten werden. Dem entsprechend ist ein ganz erheblicher Rückgang des Zuckerpreises zu erwarten. Dieser Schwindel mußte zum Krach führen. Aehnlich ist es mit anderen Nahrungsmitteln, die Spekulation erhöht die Preise in unsinniger Weise, ein Rückschlag tritt sicher bald ein. Der Zuckerskandal in Magdeburg nimmt immer größere Dimensionen an. Jetzt ist es, wie dieMagdeb. Ztg." schreibt, zu skandalösen Schläge­reien auf der Börse gekommen. Diefeinsten" Leute Magdeburgs haben sich geprügelt! Das ist ja eine zuckersüße" Geschichte.

AuS Eibenstock in Sachsen wird mitgetheilt, daß der verwittweten Frau Oberförster Bayreuther, deren Gatte bei dem Eisenbahnunglück von RöhrmooS getödtet wurde und dir selbst noch schwer krank darniederliegt, Seitens der bayrifMen StaatSregierung eine einmalige Entschädi­gung in Höhe von 100,000 Mk. auSgezahlt worden ist.

Auch die Angehörigen der übrigen Verunglückten wurden durch hohe Entschädigungen abgefunden.

Wie aus dem Regierungsbezirk Potsdam berichtet wird, war das Auftreten der großen Kiefernraupe (Thalaena bombyx pini) in einigen Revieren so ge­fahrdrohend, daß in dem zweiten Quartal umfangreiche Vertilgungsmaßregeln vorgenommen werden mußten. Die Vertilgungsmaßregeln erstreckten sich über eine Gesammtfläche von 7317 ha und erforderten 470 736 kg Klebstoff. Die Kosten beliefen sich auf 133 377 Mark oder pro Heetar Fläche auf 18,23 Mark.

Wurzburg, 25. Aug. Die Wechselfälschungen, welcher die Inhaber der Getreidefirma H. Hirschberger u. Co. beschuldigt sind, sollen mindestens 200,000 Mk. betragen, wozu dann noch die Passiven von ungefähr gleichem Betrage treten. Aufgedeckt wurde das Schwindelgeschäft angeblich dadurch, daß die k. Notenbank bei Annahme eines auf die Firma gezogenen Wechsels einer hiesigen Großbrauerei bei der Letzteren anfragte und die Mit­theilung erhielt, daß ihr von einem derartigen Papier Nichts bekannt sei. Weitere sofort angestellte Recherchen ergaben, daß auch verschiedene andere Wechsel gefälscht waren und daß diese Manipulationen schon seit längerer Zeit betrieben wurden. Die Folge war, daß man zwar den Vater des Hirschberger frei ließ, die anderen drei aber verhaftete. Der Erstere, welcher vergeblich bemüht war, Deckung zu schaffen, soll einen Vergiftungsversuch gemacht haben. Die erste Vernehmung der Wechsel­fälscher soll stattgefunden haben. Zahlreiche kleinere Leute sind an dem Krach bethciligt.

Lokales rrud Provinzielles.

Schlächtern, 29. Aug. Die Durchschnittspreise für Heu, Stroh und Hafer, welche nach amtlicher Fest­stellung per Monat August für gelieferte Fourage ge­zahlt werden, betragen für den Centner Hafer 7,75 J£, für Heu 2,40 X und für Stroh 2,93 J6

Die Bewegung auf Erhöhung der Kohle npreise macht Fortschritte. Eine Versammlung von sogenannten Strecken-Kohlenhändlern (Versandt direkt ab Zeche) beschloß in Duisburg, für bestimmte Kohlensorten eine allgemeine Preiserhöhung von 510 M. für den Doppelwagen herbeizuführen. In letzter Zeit hat auch eine Königliche Bergverwaltung ihre Kohlenpreis, um 11 pCt., von 112 auf 124 Mk. per 10000 kg, eine Kohlenhandlung sogar um ca. 32 pCt., von 95 auf 125 Mk., per 10000 kg erhöht. Für die Ver­braucher der Kohlen ist dies durchaus wenig erfreulich, um so mehr, als eine Grenze solcher Steigerung vor­läufig nicht erkennbar ist.

* Schießprämien für erlegte Raub­vögel. Es ist wahrscheinlich den Jägern und Forst­beamten noch wenig bekannt, daß der Militärfiskus auf die Erlegung der Raubvögel, wie Habichte, Falken rc., mit Ausschluß der Bussarde, eine nicht ganz unbedeutende Schießprämie gesetzt hat. Dies ist geschehen im Interesse der Brieftauben-Srationen, die in Betreff des Nach­richtendienstes, besonders im Kriege, militärischen Zwecken dienen. Die Habichte und Falken sind den Brieftauben ganz besonders gefährlich, weshalb deren Vertilgung angestrebt wird. Der Militärfiskus hat den einzelnen Bezirken einen gewissen Fonds für Prämien zur Ver­fügung gestellt und zahlt je nachdem für zwei bis fünf erlegte Raubvögel 5, 6 bis 10 Mark Schießprämie. Zu dem Zwecke sind von jedem erlegten Raubvogel die beiden Fänge abzuschneiden und einzuscndcn. In der Zeit der Eröffnung der Hühnerjagd, wo Falken und Habichte immer gern sich da aufzuhalten pflegen, wo Rebhühner gejagt werden, und den Jäger häufig schuß- niäßig anfliegen, dürfte es angemessen sein, auf diese Einrichtung aufmerksam zu machen.

* lieber die Behandlung von Fundstücken und die den glücklichen Findern obliegenden Verpflichtungen herrschen, wie sich aus vielen Gerichtsverhandlungen ergibt, noch immer die seltsamsten Vorstellungen. Dem' gegenüber sei daran erinnert, daß jeder Finder, der die polizeiliche Anzeige des Fundes über brei Tage verzögert, deS gesetzlichen Finderlohnes verlustig geht, und wer gar über Wochen wartet, hat die Vermuthung des un­redlichen Erwerbes gegen sich und läuft auf alle Fälle Gefahr, wegen Unterschlagung angeklagt zu werden. Eine solche liegt vor, wenn der Finder über die Sache zu seinem Vortheil verfügt.