Einzelbild herunterladen
 

SchlüchtemerMung

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Mittwoch, den 6. November

Unsere Mititärlafte».

Kaum war seiner Zeit die Nachricht von erhöhten Forderungen für Zwecke der Heeres- und Marineoer- waltung in die Öffentlichkeit gelangt, so begannen die freisinnigen Zeitungen in allen Tonarten die alten Weisen von dem unerträglichen Drucke der Militärlasten hören zu lassen. Dabei gaben sie in heuchlerischer Art vor, ebenfalls für die Wehrkraft des Vaterlandes besorgt zu sein, behaupteten aber, daß, wenn die Vorschläge ihrer Partei wegen zweijähriger Dienstzeit u. s. w. angenommen würden, die Stärkung derselben ohne finanzielle Opfer seitens der Militärverwaltung erreicht werden könnte.

Zu bewundern ist hierbei nur die fast kindliche Ein­falt, mit der man sich auf jener Seite mit den That­sachen in Widerspruch setzt. Jedermann weiß, daß 1866 und 1870 nicht die Zahl der deutschen Truppen, sondern ihre tüchtige militärische Durchbildung wesentlich zu unseren Erfolgen beigetragen haben. Diese Erfolge haben wir unter dem gegenwärtigen Wehrsystem erreicht. Sollte man da es nicht für Vermessenheit halten, jetzt durch Abkürzung der Dienstzeit in dieses System Bresche zu legen?

Wenn es sich einzig und allein um die Zahl der Krieger handelte, so wäre uns Rußland bei Weitem über. Denn ein absolut regiertes Land mit über 80 Millionen Einwohner kann sich mehr Soldaten ver­schaffen, als Deutschland mit nur 47 Millionen, zumal hier auch noch der Reichstag ein wichtiges Wort mit- zusprechen hat. AuS diesem Grunde müssen wir den Werth darauf legen, das, was uns an Zahl abgeht, durch erhöhte Schulung des einzelnen Soldaten zu er­setzen. Eine solche Schulung würde aber durch Herab­setzung der Dienstzeit im Sinne der Freisinnigen ernstlich gefährdet sein.

Tief beschämend muß es für unser deutsches Volk sein, wenn hier immer und immer wieder der Geld­punkt hervorgekehrt wird, beschämend namentlich gegen­über der Bereitwilligkeit, mit welcher unsere westlichen Nachbarn die erhöhten Militärlasten auf sich genommen haben. Als ob uns die Ehre und die Unabhängigkeit unseres Vaterlandes um elendes Geld feil wäre! Wenn wir bereit sind unser Blut für Kaiser und Reich hinzu- geben, dann sollten wir doch den Werth dieser edlen Gabe nicht dadurch verringern, daß wir mit dem Gelde knausern, welches uns die Mittel für die Kriegsführung schaffen soll.

Ein einziger unglücklicher Krieg kann dem Vater- lande mehr kosten, als die Aufwendungen mehrerer Jahrzehnte für militärische Zw cke. Das haben die Franzoseu 1870 gelernt. Sie haben aber auch daraus die Nutzanwendung zu ziehen verstanden. Sollen wir wirklich damit so lange warten, bis wir durch Schaden klug werden?

Im vorigen Jahrhundert, namentlich unter Friedrich dem Großen, waren die Militärlasten weit drückender als jetzt. Das zeigt ein Vergleich der Stärke des stehenden Heeres zur Einwohnerzahl damals und heute. Dazu kommt, daß wir vor hundert Jahren noch das Werbesystem hatten, daß also jeder einzelne Soldat für seine Dienste noch besonders belohnt werden mußte, während er sie heute dem Staate als gesetzliche Pflicht leistet. Sind wir denn wirklich so weit herunter­gekommen, daß wir über eine Last murren, an welcher unsere Vorfahren weit schwerer zu tragen hatten?

ES liegt ja nahe, die diesseitigen Ausgaben für die Vertheidigung des Vaterlandes mit den Aufwendungen anderer Länder zu vergleichen. Das wird uns sehr . erleichtert durch einen Aufsatz, welchen Richard von Kaufmann in den Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik (Bd. 52) veröffentlicht hat. Hiernach haben England, Frankreich und Italien für Zwecke der Landes- vertheidigung pro Kopf der Bevölkerung mehr aufzu- bringen, als jeder der Staaten Deutschland, Rußland und Oesterreich. Faßt man aber das Verhältniß der Ausgaben für HeereSzwecke zu den gesammten StaatS- auSgaben inS Auge, so kommen Preußen und Oesterreich am günstigsten fort. In Deutschland betragen nämlich die Ausgaben für die LaudeSvertheidigung 12,40 pCt in Oesterreich 12,31 in Rußland 35,44, in Frankreich 17,50, in England 19,27, in Italien 15,78 pCt. der gesammten StaatSausgaben.

Wir sehen also, daß andere Länder noch mehr Grund haben dürfen, sich durch die Militärlasten gedrückt zu fühlen. Und doch sprechen sie nicht davon, am aller­wenigsten die Franzosen, die sich eins wissen in dem Augenblicke, wo über die Stärkung ihrer Wehrkraft Beschluß gefaßt werden soll.

Man thut immer so, als ob das zu diesem Zwecke verwendete Geld so zu sagen weggeworfen wäre. Man vergißt aber, daß das Geld im Lande bleibt, und daß die Mehrausgabe für Ausrüstungsgegenstände, Materia­lien rc. doch wesentlich der heimischen Industrie zuGute kommt. Man vergißt ferner, welche vortreffliche Schule der Militärdienst für unser ganzes Volk ist. Hier be­kommt mancher erst seine Erziehung, hier wird der Ordnungssinn geweckt, hier lernt er sich untcrordnen; kurz und gut, das, was er hier lernt, kann ihm in allen Lagen des Lebens nützlich sein.

Das weiß auch unser deutsches Volk, und deswegen gehört sein Heer zu den volksthümlichsten Einrichtungen. Aber eben deshalb hat das deutsche Volk die Pflicht, Einspruch zu erheben gegen die Bestrebungen derjenigen Parteien, welche das Heer seiner Volksthümlichkeit ent-

kleiden wollen. Das geschieht leider, wenn muthet wird, uns bei Forderungen für das Stolz des Vaterlandes, auf Kosten unserer

uns zuge- Heer, den Wehrkraft

Väter am

knauserig zu zeigen.

Was für gewaltige Opfer haben unsere Anfänge des Jahrhunderts für die Befreiung des Vaterlandes gebracht! Da wurde nicht gefragt:Was kostet's?" Und heute sollten wir die Opfer scheuen, wenn es sich in erster Linie um die Erhaltung des Friedens, in zweiter Linie um die Sicherstellung des Sieges in einem uns aufgedrungenen Kriege handelt?

Gott gebe, daß es nicht erst eines unglücklict>en Krieges bedarf, um uns von der Verwerflichkeit der Lehren jener demagogischen Hetzer zu überzeugen. Vor diesen ist unser Volk durch die Ereignisse des Jahres 1866 gewarnt worden. Wie hätten sich dieselben ge­staltet, wenn es nach den Wünschen unserer Fortschritts­leute gegangen wäre! Wahrhaftig, das deutsche Volk würde seine jetzige Machtstellung, eS würde seine nationale Unabhängigkeit nicht verdienen, wenn es sich auf die Seite jener nörgelnden Querköpfe stellen würde!

Spurgeons Reden hinter dem Pflug,

allerlei

Ein wer hat Dornen lernen.

Leuten aus Stadt und Land dargeboten von A s m u s Mahner.

(Fortsetzung.)

wenig Mühe ist freilich damit verbunden; aber

je Kirschen ohne Steine oder Rosen ohne gefunden? Wer gewinnen will, muß wagen Herr Faulhuber liegt im Bett und hat Bauch­kneipen, während Herr Rüstig Gesundheit und Reichthum gewinnt. Der Hund in der Hütte bellt die Fliegen an, der Jagdhund weiß gar nicht, daß eS solche gibt. Trägheit wartet, bis der Fluß anstrockene und kommt gar nicht zu Markte, der muntereJchversuchs" schwimmt hinüber und macht die besten Geschäfte. Der weinerliche Kannichnicht" konnte nicht das Butterbrot essen, das für ihn geschmiert war, aberJchversuchs" machte sich

Brot aus Pilzen.

Jedermann, der nicht von der Stelle kommt, schiebt die Schuld auf seine Eoncurrenten. Als der Wein gestohlen war, Hatten's die Ratten gethan. Es ist be­quem, stets einen Sündenbock zu haben, auf den man die Schuld schieben kann. Indessen eine .Maus findet ein Loch, wenn noch so viele Katzen im Zimmer sind. Gute Arbeiter sind immer in Nachfrage. In der schlechtsten Bude im Markt läßt sich etwas verdienen. Kein Barbier rasirt einem so sauber, daß nicht ein zweiter noch etwas zu thun fände. Nichts ist so gut, daß es nicht noch besser sein könnte, und wer das Beste liefert, bekommt die Bestellung. Die neuen Maschinen würden uns alle an den Bettelstab bringen, so haben'S die Propheten in den Wirthshäusern großmäulig auS- posaunt, allein statt dessen haben alle diese Dresch-, Mäh- und Sämaschinen nur demjenigen zu desto besserem Verdienst geholfen, die damit zu arbeiten verstanden. Wer ehre Seele hat, die immer am Boden kriecht, kann nur erwarten, daß er arm bleibt, wer aber seinen Ver­stand-kasten ausmacht und sich bald hier, bald da einige

«Kenntnisse sammelt, wird schon vorwärts kommen, wenn er vorher auch noch so unwissend war. Es sind schlechte Zeiten, heißt es immer; allerdings und wenn man Maulaffen feil hält und Luftschlösser baut, dann sind die Zeiten immer schlecht.

Viele kommen deshalb nicht voran, weil sie sich nicht aufraffen können, einen Anfang zum Besseren zu machen. Wie sie die ersten paar Thaler sparen können, das ist bei ihnen die Schwierigkeit. Drum heißt es hier: »Frisch gewagt ist halb gewonnen." Wirf den Bierkrug weg und das Schnapsglas dazu und schreib auf deine Fahne:Ich wag's einmal!" mach dich aus Werk und dann fort mit dem Ersparten nach der Sparkasse und es wird noch was aus dir werden. Arme Leute werden immer arm bleiben, wenn sie meinen, sie müßten es sein. Aber man kann aus der tiefsten Armuth kommen, wenn man früh genug dahinter her ist und nicht erst wartet, bis man eine Frau und ein halbes Dutzend Kinder hat; ist das bereits der Fall, so trägt man gar viel Gewicht zum Wettlauf bei sich und muß meistens zufrieden sein, wenn man Nahrung und Kleidung gewinnt für die Kleinen. Etliche Hühner scharren nur um so eifriger, wenn sie einen großen Schwärm Küchlein hinter sich haben. Jungen Leuten maz.es schwer sein, den Hügel zu erklimmen, doch steht ihncht der Weg dazu offen, und wer zu einem steilen Berg ein muthig Herz bringt, wird bald oben sein. Nach gethaner Arbeit ist gut ruhen. Wenn junge Leute in frühen Jahren sich selbst verleugnen, tüchtig arbeiten, einfach leben und ihr Geld sparen wollten, so brauchten sie nicht ihr Leben lang Steine zu klopfen, wie so viele müssen. Schon aus haushälterischen Gründen sollten sie Temperenzler, d. h. Enthaltsamkeitsleute sein: Wasser ist das stärkste Getränk, treibt es doch Mühlräder. ES ist das Getränk, dessen sich Löwen tiiiö Bären bedienen, und Simson hat nie etwas anderes getrunken. Aus dem Bier- und Branntweingelde ließe sich bald ein Haus bauen.

Wenn man etwas Gutes in der Welt thun will, so ist ebenfalls die Losung:Ich wag's einmal" am Platz. Es gibt viele Arten, Gott zu dienen und einige, die ganz genau für dich passen, wie der Schlüssel inS Loch. Halte mit deinem Zeugnis nicht zurück, weil du kein Hofprediger bist, sei zufrieden mit zweien oder dreien in einer Hütte zu reden. Auch auf ganz kleinen Feldern kann sehr guter Weizen wachsen. Man kann ebenso gut in kleinen Töpfen kochen als in großen. Kleine Brieftauben können große Botschaften überbringen. Auch ein kleiner Hund kann einen Dieb anbellen, den Herrn aufwecken und das Hans retten. Auch ein Funke ist Feuer. E i n Satz göttlicher Weisheit trägt den ganzen Himmel in sich. Thue, was du thust, mit Freundlichkeit, bete dafür mit Herzlichkeit und stelle den Erfolg Gott anheim.

Leider ist aber bei Vielen guter Rath weggeworfen wie guter Same auf.nackten Felsen. Man lehre eine Kuh sieben Jahre und doch lernt sie nie singen: Nun danket alle Gott!" Von einigen scheint das Wort zu gelten, daß, als sie geboren wurden, Salomo an der Thür vorüberging und nicht hineinsehen wollte. Ihr Wappen ist eine Narrenkappe auf einem Eselskopf. Sie schlafen, wenn es Zeit ist zu pflügen, und weinen, wenn die Ernte kommt. Sie essen alle Kartoffeln zum Abendbrot auf und wundern sich, daß zum Frühstück keine mehr da sind. Unsere arbeitenden Klassen sind nicht sparsam und haushälterisch, und so wird das Land von Armen voll. Wenn das, was ins Maischfaß kommt, in den Backtrog käme, so würden viele Familien besser genährt und besser gelehrt. Wenn nur das, was in Verschwendung drauf geht, für die Zeit der Noth zurückgelegt würde, so brauchten keine Armenhäuser

mehr

erbaut zu werden.

Ich wag's einmal! spräch jeder so, Dann läge mancher nicht auf Stroh, StÜrb' noch nicht sobald vor Mangel, Kriegte Fische an die Angel, Macht sich fett im Stall ein Schwein, Hort Weib und Kind nach Brot nicht schrei'u.

Noth und Mangel flögen fort, Bettler gäb es nicht am Ort.

Es ging nicht mehr so sehr verkehrt, Dir und mir wär' Freud' bescheert.

(Fortsetzung folgt.)