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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

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Samstag, den 4. Januar

1890.

fbftedhtttrtttt °uf tueSchlüchterner Zeitung" MkßtkUUtkUltk werden noch fortwährend von allen inii »lL»s-«ma---_L_1= Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

ist, als reine Naturbutter üerfanft haben und sollen diese Vergehen fortan von der Strafkammer mit größter Strenge abgeurtheilt werden. Die Strafschärfung datiert vom 15. Oktober. Während nun Butterhändler im Juli, August oder September sündigten, und bei denen die Voruntersuchung so rasch vor sich ging, daß sie vor dem 15. Oktober abgeurtheilt werden konnten, mit 10 Mk., höchstens 30 Mk. bestraft wurden, erging es einem Butterhändler, dessen Vergehen in den Juni zurückdatirte, das jedoch infolge einer langwierigen Voruntersuchung erst kürzlich zur Verhandlung ge­langte, bedeutend schlimmer. Der Angeklagte war ge­ständig, wiederholt Butter absichtlich zum Zweck der Täuschung mit Margarine gemischt und in den Handel gebracht zu haben und wurde deshalb zu 1500 Mk. Geldstrafe, ev. 250 Tagen Gefängniß, ver- urtheilt. Der Tenor des Urtheils soll in 3 Zeitungen veröffentlicht werden. Der Kommis des Berurtheilten, der seinerseits dadurch eine Doppelmischbutter hcrstellt, daß er die Reste aus den Margarinefässern mit der Milchbutter vermischte, kommt mit 30 Mk. Geldstrafe weg, weil man anliimmt, daß er die Strafthat unter dem Einfluß seines Prinzipals verübt hat. Ein zweiter Butterhändler, der sich desselben Vergehens schuldig gemacht hat, wurde zu 3 Wochen Gefängniß und 1000 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Die beiden Fälle gelangten noch vor das Schöffengericht, weil sie demselben durch Eröffnungsbeschluß schon vor dem 15^. Oktober über- wiesen waren. Zur Ueberwachung' des Butterver- lauks durch die Hamburger Händler ist jetzt, wie den Jtzehoer Nachrichten", laut demSchleswig-Holsteiner laudw. Wochenblatt", unterm 21. v. Mts. von Hamburg geschrieben mit^ infolge einer Veranlassung von Berlin bereits in den letzten Wochen eine schärfere Handhabung des Gesetzes eingeführt worden, wie solche in Altona schon seit längerer Zeit besteht. Die wiederholten Be­schlagnahmen von Mischbutter, welche hier entweder vom Auslande eingeführt oder in Hamburg selbst ange- fertigt wird, haben zu der Maßregel geführt, daß mit dem 1. Dezember mehrere Polizeibeamte allein dafür bestimmt sind, b?i den Butter- und Fettwaarenhändlern regelmäßig Stichproben zu entnehmen, die alsdann im Staatslaboratorinm geprüft werden sollen.

Zosscn, 30. Dec. Durch ein tieftragisches Geschick ist das Glück einer hiesigen Familie durch die am Ort herrschendeDiphteritis-Epidemie" zerstört worden. Nachdem bereits vor 7 Wochen zwei erwachsene Töchter von der tückischen Krankheit ergriffen und binnen kurzer Z it derselben erlegen waren, starb am 18. Dec. eine dritte Tochter gleichfalls an der Diphteritis. Am 21. d. Mts. fand die Beerdigung deS jungen Mädchen statt und als die tiefgebeugten Eltern nach kurzer Zeit von dem Bcgräbnißplatze zurückkchrten, fanden sie auch ihre letzten beiden Kinder ein Knabe und ein Mädchen an der Diphteritis aus's Heftigste erkrankt, um zwei Tage darauf zu stebben. Die unglücklichen Eltern, die binnen wenigen Monaten ihre sämmtlichen Kinder verloren, siud der Verzweiflung nahe.

Kronach, 29. Dezember. Recht chedäuerliche Vor­kommnisse in der städtischen'Kassenverwaltung verur­sachen eine gewaltige Aufregung unter der hiesigen Einwohnerschaft. Esyat sich nämlich, wie in der letzten gemeinschaftlichen Sitzung der S adtvertretung konstatirt wotheti ist, hcrausgcstellt, daß in den jw letzter Zeit einer Revision untcrzögeaeü Sparkaflebüchern vielfach Rasuren vorgcnommcn sind und daß nmthmaß- lich Unterschleifk und Urkundensälschungen zu Ungunsten des vormaligkn.StadtkämmcrS,Des KaufmannsKünmerer, vorliegen. Die Stadtvertretung Hat in Folg« dessen den Beschluß gefaßt, eine Revision der sämmtlichen auSgegebenen Sparlassedücher vornehmen zu lassen.

Kaiserslautern, 29. Dec. Ein Verbrechen hat heute die ganze Stadt in Aufregung versetzt. Der 30 Jahre alte Schreiner^ Friedrich Raquet gerieth heute Vormittag mit seiner Ehefrau, die sich in gesegneten Umständen befand, in streit, warf sie zu Boden und trat ihr derart Mehrmals auf den Leih, daß die Frau unter entsetzlichen Schmerzen alsbald'stärb. Der Ver­brecher befindet sich in Haft. "

Würzburg, 29. Des. Eine Belohnung von 30 Mark hat derUntcrfränkijche Thierschutzverein" für Denjenigen ausgesetzt, welcher ihm den Aufenthalt deS

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Januar.

Das Kaiserpaar wohnte am Ncujahrstage zu­nächst dem Gottesdienste in der Schloßkapelle zu Berlin bei und nahm unmittelbar darauf im weißen Saale die Gratulationskour entgegen. Um 1 Uhr fand im Zeughaus« die Parole-AuSgabe für die Generale und das Offizierkorps statt. Dem Vernehmen nach wird der Kaiser den preußischen Landtag am 14. ds. Mt». persönlich eröffnen, vorher aber dem Kronrathe präfidiren, in welchem die Thronrede festgesetzt werden soll. Am Freitag Abend wird sich der Kaiser nach Trachenberg begeben, um einer Jagd beim Fürsten Hatzfeld beizuwohnen. Die Rückkehr soll am Sonn­abend Abend erfolgen.

Fürst Bismarck wird zum 7. oder 8. Januar bestimmt in Berlin zu, ückcrwartet.

Nachdem der Bundesrath seine Zustimmung gegeben hat, daß die neu herauszugebend« Pharmakopoc i« deutscher Sprache erscheine, wird dieselbe den Titel Deutsches Arzeneibuch (Pbarm. Germ., ed. III.) erhalte«.

Eine allgemeine deutsche Pferdeausstellung ist in Berlin für die Zeit vom 12. bis 22. Juni 1890 be­schlossen. Mit derselben ist eine Ausstellung Dorr- Gegen­ständen, welche mit der Zucht, Pflege, Haltung und dem Gebrauch des Pferdes in unmittelbarem Zusammen­hang stehen, verbunden. An Preisen find zusammen 99,770 Mark auSgesetzt.

Die Patronentaschen der Infanterie und Jäger werden geändert; in welcher Weise, läßt die betreffende KabinetSordre nicht klar erkennen. Man ersieht bus ihr nur, daß eine Tasche vorn, die andere hinten ge­tragen wird; die Anbringung der letzteren macht zu­gleich eine Aenderung deS Tornisters nothwendig. Die betr. Neuanschaffungen und Aenderungen, erstere, soweit Mittel dafür verfügbar sind, sollen gleichzeitig mit dem Jufanteriegewehr 88 zur Einführung ge­langen.

In dem in Elberfeld verhandelten Sozialistenprozesse ist gestern die Verkündigung des Urtheils erfolgt. Bon den Angeklagten wurden der Konditor Finke zu 1 Vs Jahren, Harm zu 6 Monat, Röllinghoff, Bierrnfeld, Neumaun zu je fünf, Hüttenberger und Bartel zu je vier Monat Gefängniß verurtbeilt, eine andere Anzahl Angeklagter erhielt kürzere Gefängnißstrafen bis zu 14 Tagen herunter, 43 Angeklagte, darunter Bebel, Grilleuberger und Schuhmacher wurden freigesprochen.

Dkv Bürgermeister Hoeren von Stoppenberg macht bekannt, daß in seiner Gemeinde ein Christusbild zer­trümmert und am Holzesstamm in Bleischrift geschrieben sei:Hoch lebe didSozialdemokratie." Auch in Schonne- bek undau der eisernen Hand" sollen Kruzifixe von ruchloser Hand zertrümmert worden sein.

Altou«, 2K Der. Die . Fürstin von Monaco, geb. Heine, besitzt in unserer Borstadt Ottensen eine prachtvolle Pilla mit' wundervollem Park, dem ehe- maligen Heine'schen Park, an der Elbschaussee.' Es ist nun bekannt, daß diese Dame, eine enragirte Fran­zösin,'seit dem setzten Kriege ihrer hiesigen Dienerschaft den Befehl ertheilt hatte, keinem Deutschen den Zutritt zu dem Grundstück zu gestatten und so war denn dieser herrliche Mesitz seit fast 20 Jahren den Augen des PuMuinS entzogen, was s. Z zu vielfachen ent- rüst^ttn Erörterungen Veranlassung gegeben hat. Nach­dem sich Frau Heine jetzt mit dem regierenden Fürsten von Monaco vermählt hat, hat der Fürst zwei be^ deutende Hamburger Architekten beauftragt auf dem Grundstück ein Schloß zu erbauen, da Frau Heine in ihrem blinden Deutschenhaß bereits vor längerer Zeit die Villa abreißen ließ, da sie auch nicht wollte, daß diese von einem prusswn betreten würde.

' Sirtafverfügung für den Verkauf von Misch- butter. Au verschiedenen Gerichten, so z. B. auch beim Königl. Amtsgericht Altona hat, wie dieBerl. Maikch. Ztg." mittheilt, der erste Staatsanwalt einen eigenen Dezernenten zur Verfolgung der Butterhändler best ilt, welche Nalürbutter, die mit Margarine mrmischt

Dieustknechtes Christof Gumbmann aus Mitteldorf mit5 theilt. Derselbe war bei einem hiesigen Kutscher in Dienst und hat einem Pferde die Zunge abgeschnitten, weil es diese immer zum Maul heraushängen ließ.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 3. Januar.

* Falsche Einmarkstücke kursieren, wie von krimineller Seite festgesetzt worden ist, seit einiger Zeit in fast allen Theilen des Reiches, namentlich aber in den großen Städten. Die Stücke tragen die Jahres­zahl 1885. Ihre Prägung ist so genau, daß es großer Aufmerksamkeit bedarf, um sie von den echten zu unterscheiden. Ferner sind auch gefälschte Thaler mit der Jahreszahl 1885 in Umlauf. Bei diesen ist der Klang nur so wenig abweichend, daß ein feines und geübtes Ohr dazu gehört, um den Unterschied heranßzuhören. Nur das Aussehen ist trotz der sorg­fältigsten Prägung verdächtigt wegen des bleiartigen Glanzes, der den falschen Stücken eigen ist. Auch haben die Falsifikate ein geringeres Gewicht als die echten Münzen. Daher Vorsicht.

* Im nächsten Jahre kommt eine ganze Reihe hessischer Domänen zur Neuverpachtung. Nach einer derH. M." vorliegenden Uebersicht sind es folgende: Domäne Fahre bei Melsungen, Heydau bei Alt­morschen, die Meierei bei Kassel, Bingartes mit Jo- hanneSberg bei Hersfeld, Möllenbeck mit Meierei Ellerburg bei Rinteln, Mönchehof bei Kassel, Welling- rode bei Sonlra. Im darauf folgenden Jahre, also in 1891, kommen folgende Domänen zur Neuver« Pachtung: Eichhof bei Hersfeld und BrUrchaufen -bei Treysa.

Fulda, 28. Dezember. Für die Nestamiruttg der Grabeskirche des hl. Bonifazius gingen bis jetzt an zuständiger Stelle ein 12,005 Mark 88 Pfg. Die Influenza ist nun auch hierorts aufgetreten. Zuerst zeigte sie sich in einem hiesigen Geschäfte, dessen Chef in Berlin gewesen und dieselbe von da mitgebracht hatte, jetzt soll sie auch in verschiedenen Privathäusern, wenn auch sehr milde, ausgetreten sein. (Tbl.)

Hersfeld, 20. Dec. Dem Major und Bataillons' Kommandeur im Infanterie Regt. Nr. 32 Wohlge' bohren, ist unter Verleihung des Charakters als Oberst' lieutenant der Abschied bewilligt.

Bebra, 30. Dezember. Heute Morgen wurde hier in einem Schweinestalle etu elfjähriger Knabe halber­froren aufgefunden, der angeblich von Zigeunern ge­raubt worden, denselben aber in Friedlos entlaufen und sich hierher ge flüchtet hatte- Polizeiliche Untersuchung ist sofort eingeleitet worden.

Der Ort Hönebach im Kreis Rotenburg ist in der Nacht zum Freitag durch eine verheerende Feuersbrunst heimgesucht worden, durch welche 8 Gebäude einge­äschert worden sind.

In Siemcrode hat-ein Knecht aus Versehen die Medizin getrunken, die für ein an Verstopfung leidendes Pferd bestimmt war. Die Wirkung säst eine wahrhaft durchschlagende" gewesen sein.

Cassel, 28. Dezember. Der General Frhr. Mar­schall v. Biberstein, Kommandeur des 83. Regiments im französischen Kriege, ist gestorben.

? In den vom 9. bis einschließlich l 4. Dezember stattgefundenen Sitzungen des Landes-Ausschusses ge­langten nachstehende Angelegenheiten von allgemeinerem Interesse zur Beschlußfassung dezw. Berathung: die für das laufcude Jahr vorläufig festgesetzte Geschäfls-An- weisung für die Kassenverwaltung der Ländeskreditkasse wurde nach den von dem Herrn Landesdirektor auf Grund der gemachten Erfahrungen vorgeschlagenen und von einer Ju diesem Zwecke eingesetzten besonderen Com­mission geprüften Abänderungs-Auträgen genehmigt, so­wie in Folge der mit dem 1. Januar 1890 beschlossenen Einführung derselben nunmehr der bisherige Rechnungs- führer Keil zum Kassenvorstaude, der Sekretär Quentin zum Hauptkassirer und die Sekretaxe Kistner und Stip- ' pich zu Buchhaltern der Landrskridilkasse ernannt. Zum Verwalter der Leihbank zu Hanau ist der Buchhalter und Kassenkonlrolenr Wißner der Schatzkasse dahier be­fördert und mit der von dem hüchbejahrten Bibliothekar erbetenen Hilfeleistung bei der Landesbi,bliothek zu Fulda der Herausgeber der ZeitschriftHessenland" F. Zwenger-