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Jf 3. Mittwoch, den 8. Januar

1890.

¥UftJLt«rt<m °uf dieSchlüchterner Zeitung" ^l|llUUnyHl werden noch fortwährend von allen i 1 "'"- "= Postanstalten undLandbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Kaiserin Augusta, welche seit vor­gestern an einem leichten Erkältungszustande litt ist nunmehr an einem Anfall der Influenza erkrankt, der mit Fieber und katarrhalischen Erscheinungen verknüpft ist.

Die mit dem 1. April dieses Jahres bevorstehende Neu-Eintheilung des deutschen Heeres wird in der fort­laufenden Nummcrirung der Truppenverbäude zu weiteren Abweichungen von der alten Form führen. Das 15. Armeekorps wird eine 30. (bisher 33.) und eine 31. Division zählen, das 16. Armeekorps aber eine 33. und 34. Das 17. Armeekorps erhält die 35. und 36. Division. Die Kavallerie-Brigaden führen die Nummer der Divisionen ; bei der 1. Division (I. Armee­korps) tritt noch eine 37. Kavallericbrigade zu der 1. Kavallericbrigade. Die beiden neuen Fcld-Artillcrie- brigaden führen die Nummern ihrer Armeekorps (16, 17). Die fünf neuen Infanterie-Regimenter, welche aus den bisherigen 4. Bataillonen gebildet werden, haben die Nummern 140144, ferner gehören 140. zum 2. Armeekorps, 141. zum 17., 142. zum 14., 143. zum 15., 144. zum 16. Armeekorps. Die 4 neuen Feld- artillerie-Regimenter haben die Nummern 33 bis 36, davon gehören 33. u. 34. zum 16. Armeekorps, 35. und 36. zum 17. Armeekorps. Das bereits bestehende 16. Pionierbataillon tritt zum 16. Armeekorps. Die 33. und 34. Division stehen in Metz, die 35. in Graiidenz, die 36. in Danzig.

Dresden, 2. Januar. Die Influenza-Erkrankungen sind hier seit Weihnachten massenhaft, theilweise mit schweren Folgen. Insbesondere sind BerkehrSbeamte heimgesucht, weshalb der Bahn-, Post- und Telegraphen- bctrieb kaum aufrecht zu erhalten ist. Bei der Beglück- Wünschungscour am Hofe fehlte mindestens ein Drittel der sonstigen Courbesucher. Die Königin hielt, in Folge Erkrankung, keine Cour ab, die Hoftafel mußte abgesagt werden. Der Finanzminister, der kaum erst von einer Lungenentzündung genesen war, erkrankte wiederum an der Influenza.

München, 3. Januar. Der Magistrat hat wegen der Jnfluenzagefahr in Folge des Gutachtens der Aerzte die Schließung sämmtlicher Volksschulen bis zum 13. Januar angeordnet.

Nürnberg, 30. Dec. Ein gemeines Bubenstück wurde heute vom Schöffengericht nach Gebühr bestraft: Ein Bäckergeselle hatte den neben ihm beschäftigten Bäckerlehrling theils durch Drohungen (mit Erstechen), theils durch Versprechungen veranlaßt, oftmals in den Teig Petroleum, Nadeln, Nägel und Glassplitter zu mischen. Selbstverständlich erlitt der betreffende Bäcker­meister durch das Vorgehen seiner Bediensteten großen Schaden, da ihm viel verkauftes Brod zurückgebracht wurde und er manche Kundschaft verlor. Der Lehrling legte ein vollständiges Geständniß ab, während der Ge­selle beim Leugnen verharrte. Das Urtheil lautete für den Lehrling wegen Sachbeschädigung auf 14 Tage Gefängniß, während der Geselle wegen Anstiftung zn einer einjährigen Gesängnißstrafe verurtheilt wurde. Gleichzeitig wurde die sofortige Verhaftung des Gesellen vorgenommen.

WiirzbU'g, 4. Januar. 200 Bahnbedienstete sind an der Influenza erkrankt. Auch der Regierungs­präsident Graf Luxburg liegt an derselben Krankheit schw r darnieder.

Mainz, 3. Januar. Die gestern Nachmittag durch die obere Medizinal- und Gerichtsbehörde vorgenommene Leichenschau der ermordeten Kinder und des Mörders Mctzgermcister Kiesling, welcher seine vier kleinen Kinder am Neujahrstage töbtete, hat das Resultat er­geben, daß er Kinder erstechen wollte und, als ihm dies nicht gelang, denselben den Hals abschnitt. Das Bübchen von 8 Jahren hatte nämlich drei tiefe Stiche in der Brust; einer derselben war zwischen den Rippen hindurchgegangen und hatte die Lunge durchbohrt. Als das Kind nach diesen Verletzungen noch so viel Kraft hatte zu schreien, da setzte der Unmensch dem Kinde das Messer an den Hals und durchschnitt denselben bis zur Wirbelsäule. Die Medizinalbehörde gab ihr

Urtheil dahin ab, daß rur ein Mensch im höchsten Wahnsinn einen solchen schändlichen Verbrechens fähig sei. Heute Nachmittag fand auf dem Friedhof die Beerdigung der Opfer statt.

Dortmund, 2. Januar. Die Influenza grassirt hier seit 14 Tagen in geradezu erschreckender Weise. Der Kranken sind so viele, daß die Aezte kaum im Stande sind, den an sie gestellten Anforderungen zu genügen. Gar nicht selten tritt die Influenza bösartig auf. Seit mehreren Tagen schon ist die Zahl der Sterbefälle bedeutend höher als die der Geburten; an einem Tage standen 56 Leichen in unserer Stadt. Von der allgemeinen Ortskrankenkasse waren bis zum letzten Dienstag von der 5000 Mitgliedern 385 erkrankt, das sind rund 7 Vs Procent; hiervon leiden 245 an er Influenza. Täglich werden etwa 50 neue Krank­heitsfälle angemeldet.

-r- Salmünster, 5. Jan. Am 4. d. Mts. starb hier der Amlsgerichtsrath F ü rer im besten Mannes­alter von 46 Jahren. In den weitesten Kreisen wird dieser Todesfall lebhafte Theilnahme erwecken, denn Herr Führer hat als ausgezeichneter Beamter, ausge­rüstet mit den herrlichsten Charaktereigenschaften, sich die Achtung und aufrichtige Verehrung aller Denjenigen erworben, welche mit ihm in Verbindung zu treten Gelegenheit hatten. Die Bewohner des Amtsgerichts­bezirks Salmünster umstehen das offene Grab geschlossen, mit dem Gefühle tiefinnerster Trauer und herzlichsten Beileids für die schwer geprüften Hinterbliebenen, denen allzufrüh ein liebevoller, sorgsamer Gatte und Vater entrissen worden ist.

Orb, 30. Dec. Gestern hat sich hier ein Comitee gebildet, welches sich zur Aufgabe gestellt hat, die Interessen der Stadt Orb zu wahren uud zwar in erster Linie dahin zu wirken, daß Orb ein Landraths­amt und eine Eisenbahn erhält. Jeder einsichtige Bürger Orbs wird diese Bestrebungen nur anerkennen und denselben den besten Erfolg wünschen. Was den ersten Punkt anbetrifft, sp ist^allerdings sehr zu beklagen, daß bei der Einführung der neuen Kreisordnung gar keine Schritte gethan worden sind, um das Bezirksamt hier zu erhalten; an der berufenen Stelle fehlte damals aus bekannten Gründen der Wille und die Bürgerschaft hat ohne Widerspruch geschehen lassen, was jetzt zu ändern wohl kaum gelingen dürfte.

Fulda, ,2. Januar. Um der Ueberhandnahme des Sperlings zu steuern, haben sich vier Gemeinden des hiesigen Kreises zusammengethan und lassen für jeden in den betreffenden Gemeinden eingefangenen, getödteten und abgelieferten Sperling 2 Pfg. aus der Gemeinde­kasse auszahlen.

Hersfeld, 2. Jan. Leider sind die Bemühungen, unserer Stadt die Garnison zu erhalten, erfolglos geblieben. Laut kriegsministerieller Verfügung ist vom hiesigen Bataillon die Kündigung des Bertragsverhält- nistcs mit der Stadt hinsichtlich der bisher benutzten Gebäude und Grundstücke erfolgt. Das Bataillon ver­läßt am 31. d. J. unsere Stadt und siedelt nach Cassel über.

Schmalkalden, 2. Januar. Vor etwa 4 bis 5 Jahren war ein hiesiger Einwohner, dem wegen Miß­handlung seiner Frau 9 Monate Gefängniß zuerkannt waren, auf sein eingereichtes Gnadengesuch vom Kaiser Wilhelm I. begnadigt worden, so zwar, daß vom Voll­zug der Strafe abzusehen sei, wenn der Verurtheilte sich nicht weiterer Mißhandlungen seiner Ehefrau zu Schulden kommen lasse, dagegen bei dem ersten der­artigen Vergehen an dem Betreffenden die Strafe nach­träglich vollstreckt werden solle. Auf diese Weise war die Frau vor Mißhandlungen geschützt, aber vor Kurzem hat sich der Mann doch wieder so weit vergessen, daß er seine Frau von Neuem mißhandelte. Dadurch hat er sich die Wohlthat des kaiserlichen Gnadenbeweifes verscherzt und wird deshalb seine 9 Monate nun doch verbüßen müssen.

Cassel, 4. Januar. Wie soeben verlautet, hat der Arbeiter Eißel, welcher im Kreisgerichts-Gefängniß wegen Verdacht des Todtschlags seiner Ehefrau inhaftirt ist, heute früh durch Erhängen (mittels eines Hosen- trägers) seinem Leben ein Ende gemacht.

Rintelu, 26. Dec. Aus Lauenhagen wird folgen­der Unfall berichtet: Als um 7 Uhr früh die Ehefran K. zum Brunnen ging, glitt sie beim Herausziehen des Eimers auf dem vor dem Brunnen befindlichen Eise aus und fiel über die Einfriedigung in den Brunnen hinab. Es gelang ihr, im Wasser mit dem Kopf nach oben zu kommen, sie faßte sich an die Wandsteine und blieb so bis an den Hals im Wasser hängen. Während des Unfalls war Niemand in der Nähe, der es hätte bemerken können. In ihrer hilflosen Lage blieb die Frau eine geraume Zeit, ohne daß ihr Hilferufen von Jemand vernommen wurde. Schließlich hörte eines ihrer Kinder der Mutter Hilferuf und kam herbei. Durch nun rasch herbeigeeilte Hilfe wurde die Frau K. herausgezogen und gerettet.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 7. Jan. Die Influenza-Epidemie macht sich auch in unserem Städtchen sehr bemerklich; in fast jedem Hause leiden eine oder mehrere Personen an derselben. Zum Glück ist der Verlauf meistens ein gutartiger, wenigstens hört man nicht von schweren Fällen.

Schlüchtern, 6. Jan. Lehrer Laister zu Kloster­höfe wurde als Lehrer an die ev. Schule zu Erbstadt, Kreis Hanau, definitiv angestellt. Provisorisch angestellt wurde Lehrergchülfe Freitag zu Uttrichshausen als Lehrer in Roppeshain, Kreis Marburg, Schaum- burg aus Wenzigcrode, beauftragter Lehrer zu Schweinsberg, als Lehrer in Klosterhöfe, Kreis Schlüchtern; Neuber aus Niederzell als Lehrer nach Mosborn, Kreis Galnhausen; Blum aus Marjoß als Lehrer nach Wahnshausen, Kreis Hersfeld. Zu Lehrergehülfen wurden bestellt: Geschwindner aus Schlüchtern an die ev. Schule zu Uttrichshausen. Schultheiß aus Ramholz nach Burg -Gelnhausen; Knöll aus Ahlersbach nach Springstille, Kreis Schmal- kalden. Versetzt Lehrer Werner aus Radmühl an die Stadtschule zu Wächtersbach.

* Der Schluß der Hasenjagd ist auf den 18. Januar Abends festgesetzt worden.

* Ueber die den Pferden geschlagenen Striemen, über Blindschlagen mit der Peitsche alles Etwas, was gesehen werden kann, wird wohl geschrieben. Schlimm, ja oft die schlimmste Pein aber hat das arme Thier da zu erdulden, wohin wir selten einmal blicken, im Maule. Legt einmal eure Zunge an das Gebiß, nach dem es die ganze Nacht hindurch in einer Temperatur unter Nullgrad gehangen. Ihr werdet eure Zunge nicht so leicht wieder von dem Geschirr zurückziehen können, und wenn ihr frei kommt, so werdet ihr ein Stück von der Haut eurer Zunge eingebüßt haben. Taucht man aber das Gebiß vorher in abgestandenes, also wärmeres Wasser, so wird sich alles dies nicht er­eignen. Wir machen daher die Fuhrleute auf das An­wärmen der Gebisse aufmerksam. Sie haben es ohne große Mühe in der Hand, ihren Thieren große Leiden zu ersparen.

* Als rechtsgiltige Quittungen werden nur solche angesehen, bei denen die Namensunterschrift geschrieben ist; daraus folgt, daß es ebensolche nicht sind, bei denen die Unterschrift durch einen Stempelabdruck aus­geführt worden ist. Diese letztere Methode ist vielfach gerade im täglichen Geschäftsverkehr gebräuchlich, indem man oft zur Vollziehung der Quittung einen Kautschuck- Namens-Stempel anwendet. Eine solche Quittung braucht Niemand anzunehmen, da sie vor dem Gerichte keine Gültigkeit hat.

Werthsendungen an Vorschußvereine und sonstige Genossenschaften, bei denen die Adresse nicht vollständig ist, ;, B. der in Folge des neuen Genossenschafts-Ge- setzes vorgeschriebene ZusatzMit unbeschränkter Haft­pflicht" fehlt, sollen jetzt von der Post als unbestellbar behandelt werden. Es ist deshalb genaueste Aufschrift erforderlich.

* Zufolge der neuen Wehrordnung dürfen am 1. April nachbenannte Truppentheile des 11. Armee­korps Einjährig-Freiwillige ein stellen: Regiment Nr. 81, Frankfurt, und 116, Gießen, ganz, beim 83. Re­gime it, Cassel, 1. und 2. Bataillon, beim 94., Jena, 3. Bataillon,

Ausland.

Madrid, 28. Dec. Die Influenza-Epidemie ist hier in stetem Steigen begriffen, doch abweichend von