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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

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Mittwoch, den 22. Januar

1890.

| Würzburg, 13. Jan. Nach längerem Leiden starb hier der in weiten Kreisen bekannte frühere Badearzt und Königl. Bezirksarzt Dr. Jmhof von Brückenau im 54. Lebensjahre.

Amberg (Bayern), 17. Januar. Ein aufmerksamer Beobachter der Natur, welcher in der Nähe von Amberg wohnt, theilt mit, daß von demselben Tage an, an welchem die Influenza begann, die mannigfachen Vögel deren Lieblingsausenthalt sein Obstgarten Winters und Sommers ist, plötzlich verschwunden waren. Diese Beobachtung wurde auch von Anderen gemacht. Weit und breit sei auch nicht ein einziger Fittich mehr zu zu sehen oder eine Vogelstimme zu vernehmen.

Straubing, 15. Jan. In seiner Ansprache an die Geschworenen bei Eröffnung des niederbaierischen Schwurgerichts betonte Oberlandesgerichtsrath Steinle aus München besonders, daß der Mißbrauch des langen Messers erschreckend überhand nehme. Jedem Vater müßte bange sein, wenn er seine Söhne an einem Sonntag bei der Tanzmusik wisse, da er niemals wissen könne, ob dieselben mit dem Leben davonkommen werden. Es sei höchste Zeit, diesen Auswüchsen bru­taler Roheit ein Ende zu setzen, und ersuchte er die Geschworenen, von der Austheilung der mildernden Umstände keinen Gebrauch zu machen, oder doch höchst selten. Im letzten Drittel des vergangenen Jahres fielen in Niederbaiern nicht weniger als zwölf Menschen­leben der Rauflust zum Opfer. Zur Verhandlung kommen folgende Fälle: Mord und Mordversuch 1, Mordversuch 1, Raub 2, Raubmord 1, Kindestödtung 3, Meineid ausnahmsweise nur 5, Brandstiftung 5, Nothzucht 3, andere Sittlichkeitsverbrechen 5, räuberischer Diebstahl 1, Körperverletzung 12, Münzfälschung 2, Urkundenfälschung 1 und Gefährdung eines Eisenbahn­transportes 1.

Thalfang, 15. Januar. Ein furchtbarer Mord wurde vorgestern an dem Gemeindeförster Schmitt von Hr^r verübt. Gegen 9 Uhr Abends befand sich derselbe in seinem Familienzimmer und war mit dem Schreiben eines Briefes beschäftigt, als ein Schuß krachte und er getroffen von einer Kugel zusammenbrach. Er raffte sich auf und wankte, indem er rief,ich will den Kerl sehen", hinaus, brach jedoch in der Hausthüre bewußt­los zusammen. Auf das Geschrei seiner Frau kamen Nachbarn herbei und trugen den Sterbenden ins Zim­mer. Die Kugel hatt: ihn oberhalb des Magens ge­troffen. Eine innere Verblutung hatte den Tod herbei­geführt. Ueber den Thäter verlautet noch nichts, anch sind keine Anhaltspunkte vorhanden. Sch. war streng aber gerecht in seinem Amte und den Wilderern, deren es noch immer viele in unserer Gegend gibt, ver­haßt. Außer der Kugel, die allein traf, bestand der Schuß noch aus 5 bis 6 schweren Posten und 8 bis 9 leichten Schrotkörnern, welche zerstreut im Fenster ein­geschlagen hatten, und so zu laden ist nur die Sitte des Wilderers.

Mainz, 16. Jan. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts kam heute ein Prozeß zur Verhandlung, dem Wechselfälschungen im Betrage von nahezu 200 000 Mark zu Grunde lagen. Angeschuldigt, Wechsel in dieser Höhe gefälscht zu haben, ist ein aus angesehener Familie stammendes Mädchen Joscphine Best von Ost- Hofen, Geschäftsführern« einer dortigen, ihrer Familie gehörenden, im vorigen JahreS in CorcurS gerathenen Zucker,- Stärke- und Backsteinfabrik. Nach dem Tode ihres Vaters übernahm die damals erst 19jährige An­geklagte die Geschäftsführung. Das Geschäft nahm auch einen erfreulichen Aufschwung bis ein größeres Kapital gekündigt wurde. Um die hierdurch entstandenen! fienanziellen Schwierigkeiten auSziiglcichen, verfiel die­selbe auf das Mittel, Wechsel zu fälschen, die sie den Geschäftsfreunden als Zahlung gab. Das Urtheil lautet, gegen die Angeschuldigte auf drei Jahre Ge­fängniß, wobei das Gericht als strafschärfend die hohe Summe der Fälschungen, als strafmildernd in Erwägung zog, daß die Angeschuldigte ein Opfer der KindeS- und Geschwisterliebe geworden.

l^fLIlitttn^tt °uf dieSchlüchterner Zeitung,, ^CIlLUUllyEli werden noch fortwährend von allen -Us.»............... , t~ Postanstalten undLandbrieftrügeru owie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Koblenz, 27, Jan. Der Kaiser ordnete, wie die Magd. Ztg." meldet, an, daß die von der Kaiserin Augusta begründeten Rheinanlagen auf seine Kosten in der bisherigen Weise erhalten werden sollen.

Elberfeld, 15. Januar. Einige 50 Böttchergesellen einer hiesigen Faßfabrik haben die Arbeit niedergelegt, weil die Fabrik für den großen Faßfabrikanten Boden- heim in Kassel, der von den Böttchergesellen nach Aus­bruch des allgemeinen Ausstandes in Acht und Bann gethan war, Lieferungen gemacht haben soll. Boden­heim hatte die Forderungan seiner Arbeiter abgeschlagen und ist auf dieselben auch nicht eingegangen, als seine sämmtlichen Gesellen die Arbeit einstellten. Neuerdings, nachdem auch ein Versuch, andere Arbeiter aus dem Auslande heranzuzichen, so gut wie gescheitert war, hatte Bodenheim sich entschlossen, bei auswärtigen Faß­fabrikanten arbeiten zu lassen. Zu ,diesen gehörte auch die hiesige Firma.

Essen a. d. Ruhr, 18 Januar. Der Verbands- vorstand der bergmännischen Interessen in Rheinland und Westfalen hat an den Verein für bergbauliche In« teressen unter dem 13. Januar fünf Forderungen ge­stellt, die bis zum 1. Februar angenommen sein müssen. Wie dieRhein. Wests. Zeitung" bestätigt, sind die­selben : 1) Lohnerhöhung von 50 Prozent, 2) Ver­minderung der Schichtdauer auf acht Stunden iücl. Ein- und Ausfahrt, 3) Wegfall sämmtlicher Kohlen- abzüge, 5) Zweimalige Lohnzahlung in jedem Monate. Die Antwort hierauf wird bis zum>- 25. Januar er wartet. Dasselbe Blatt veröffentlicht die Forderungen der Belegschaft von ZecheSchlägel und Eisen" mff ähnlichem Inhalt und Verlangen der Feststellung eines Minimallohncs für Hauer nicht unter 5 Mark, für Schlepper nicht unter 3 Mark und für Pferdetreiber nicht unter 2 Mark 50 Pfennig.

Konitz, 17. Januar. Die Grumbkowsche kalifor­nische Millionenerbschafl scheint bereits ihren Herrn ge­funden zu haben. Nach denN. W. M." ist der in Kalifornien ohne Erben, aber mit Hinterlassung eines Vermögens von 35 Millionen Mark verstorbene Friedrich Wilhelm o. Grumbkow der direkte Onkel der hier seit Jahren ansässigen Familie v. Grumbkow. Da die Wittwe v. Grumbkow diesen Nachweis mittelst des Stammbaumes und der Kirchenbücher führen kann und theilwcis« bereits geführt hat, so dürfte sie neben ihren Kindern die allein Erbberechtigte sein.

Goldberg (Schles.), 16. Januar. In der Nähe unserer Stadt wollte man zwei Löwen gesehen haben, auf die am 14. d. eine große Treibjagd veranstaltet wurde. Zu derselben war auch ein Gutsbesitzer aus dem benachbarten Hermsdorf erschienen. Schon kamen die beiden Bestien in Sicht und schon machten sich einige der wüthigsten Jäger schußbereit, als der er­wähnte Gutsbesitzer in den vermeintlichen Löwen, die drei Tage lang ganz Goldberg und Umgegend in Schrecken gehalten hatten, seine beiden Leonberger Hunde erkannte, die ihm entlaufen waren und die er jetzt noch rechtzeitig von sicherem Tode retten konnte.

Gogoliu, 16. Jan. An der Influenza erkrankte dieser Tage ein Bauer. Der Arzt verordnete ihm ein Pulver, das er, um den häßlichen Geschmack der Me­dizin zu mildern, z grokiem (mit Grogk) einnehmen sollte. Die Frau des Erkrankten verstand aber z grochem (mit Erbsen.) Sie kochte daher einen gehörigen Topf voll Erbsen und schüttete das Pulver hinein. Diesen Brei hat nun der Mann mit gutem Erfolg verzehrt.

Posen, 15. Jan. Eine wohl noch nirgends beobachtete Folge hat die Influenza in einem Falle in Posen hinterlassen. Vor etwa drei Wochen erkrankte General­arzt Dr. Henrici an der Influenza, die heftig auftrat, aber glücklich verlief. Als der Erkrankte fast wieder- hergcsteUt war, trat plötzlich am linken Bein im Unter­schenkel völlige Blutstockung ein, die nach kurzer Zeit einen so bösartigen Charakter angenommen hat, daß die behandelnden Aerzte eine Amputation für nothwendig erklärt haben. Vorher sollte nach derSchles. Zig." jedoch noch ein Spezialarzt aus Berlin zu Rathe ge­zogen werden.

Lokales «»d Provinzielles.

Schlächtern, 21. Januar 1890.

* Auf die der heutigen Nummer beiliegenden Gemeinnütziger Blätter" machen wir hiermit speciell aufmerksam.

* Die Einlösung der am 1. März 1890 fällig werdenden Zinsabschnitte her' Landeskreditkasse wird bei derselben vom 24. Februar 1890 an, sowie außer­dem in bisheriger Weise bei allen Königlichen Steuer­kassen des Regierungsbezirks Kassel erfolgen.

* Die in allen Theilen des Staates streng zur Anwendung gebrachten veterinärpolizeilichen Vorschriften zur Unterdrückung der Lungenseuche des Rindviehes haben den erfreulichen Erfolg gehabt, daß am Schlüsse des 3. Quartals 1889 die Seuche, abgesehen von je einem vereinzelten Falle in den Regierungsbezirken Oppeln und Kassel nur noch in Rindviehbeständen in den altverseuchten Regierungsbezirken Magdeburg und Merseburg herrscht und auch hier nur in gegen früher sehr vermindertem Umfange, nämlich in ersterem Be­zirke nur noch in 12 Gehöften, in letzteren nur noch in 2 Gehöften.

In Rotenburg ist am 18. Januar Se. Hoheit Prinz Wilhelm Friedrich Ernst von Hessen-Philipsthal- Barchfeld gestorben. Derselbe war am 3. Oct. 1831 geboren. Er war in erster Ehe mit Marie Auguste, Fürstin von Hanau, Tochter des verstorbenen. letzten Kurfürsten, vermählt, später (1872) von ihr geschieden. Das Schloß in Rotenburg war dem Prinzen bekanntlich durch den Ausgleich im Agnatenproceß zügesprochen worden und hat derselbe dort alljährlich residirt. Prinz Wilhelm hatte sich noch dreimal vermählt.

Hana». Wie wir erfahren haben, ist auch für daS Jahr 1890 die Abhaltung von 12 Viehmärkten hier- selbst bewilligt worden, deren erster bereits Dienstag, den 28. d. M.,,stattfindet.

Frankfurt a. M., 17. Januar. Bei der Ver­steigerung des im JustizpalaiS nicht mehr zu ver­wendenden Mobliars erstand ein ingeniöser Sachsen- Häuser Wirth die Bänkchen der Strafkammer und die Verbrecherbänke, um seine Gäste darauf sitzen und Acppelwein" trinken zu lassen.

Frankfurt. Die Influenza hat einem Geschäfts- Hause großen Segen gebracht und zwar der Firma, welche das Patent auf Antipyrinpulver besitzt, das nur von dieser Firma in den Handel gebracht werden darf. Der Gewinn der Firma soll sich bereits auf 400,000 Mk. belaufen, denn wie diePharmaz. Ztg." mittheilt, betragen die Selbstkosten für das im Detail . mit 25 Pst, im EngroShandel mit 15 Pf. verkaufte Antipyrin netto 1 Pfennig.

Ans dem Rheingau, 16. Januar. Auch in diesem Winter wurde wieder eine große Anzahl stattlicher Nuß­bäume gefällt und zu hohen Preisen an die Gewehr- schaften-Fabriken verkauft.

> .' auem-Mii Ausland.

Paris, 17. Jan. DemPetit Journal" zufolge kam gestern von Wien auf dem hiesigen Ostbahnhof ein polnischer Schneider in einer Kiste verpackt an, der das Reisegeld sparen wollte. Derselbe wurde sofort verhaftet.

In Monte Carlo (Monacco) hat sich schon wieder eine der leider fast alltäglich gewordenen Tragödien ab­gespielt. Vier junge Engländer, Brüder, deren unlängst verstorbener Vater ihnen ein großartiges Vermögen hinterlassen hatte, verloren binnen wenigen Tagen Alles, was sie besaßen, an der Spielbank. Die Bankverwal- tung hatte zwar die Großmuth, ihren Opfern das Reise­geld nach England auszuzahlen, die vier ; jungen Leute machten aber bereits in Nizza Halt und nahmen sich in einem dortigen Hotel gleichzeitig das Leben.

Rußland. Die Unzufriedenheit greift auch im Heer immer weiter um sich; die Folge sind Ver- schwörungen, Verhaftungen und Selbstmorde. ES gährt in Heer und Flotte, unter den Zivilbeamten und sogar in Hofkrcisen. DemDaily Telegraph" wird aus Petersburg telegraphirt, daß in hohen Kreisen große Furcht herrsche.Patrouillen ziehen beständig durch die Slraßcn; die Telegramme ausländischer Korre­spondenten werden angehalten oder der Zensur streng unterworfen. Privatbriefe werden geöffnet, abgeschrieben oder konfisziert und die Presse wird geknebelt, wie dies niemals vorher der Fall war. Hauptmann Voreikoff, von der berittenen Kaiserlichen Garde, verübte vorigen Sonnabend Selbstmord, aber die Zeitungen wurden angewiesen, es nicht zu erwähnen. Es wird geglaubt, daß dieser Offizier und mehrere andere Offiziere der Garnison, welche sich das Leben genommen, an dem