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Mtitwoch, den 5. März

1890.

Berlin. Das Stichwahlcrgebniß stellt sich bis jbt nominell und eine Schulstelle zu Münster (im Groß-

wie folgt:

Es wurden gewählt 10 Konservative,

Nationalliberale, 33 Freisinnige, 6 Demokraten,

16

14 Mit

Sozialdemokraten, 8 Ultramomane und 1 Welse.

den Resultaten vom 20. Februar erscheinen die Par­

teien vorläufig in folgender Stärke: 64 Konservative. 22 Reichspartei, 37 Nationalliberale, 69 Freisinnige, 10 Demokraten, 36 Sozialdemokraten, 100 Ultramontane, .4 Antisemiten, 14 Polen, 9 Welsen, 1 Däne, 13 El- fäss r. 2 Wilde.

Köln, 1. März. Wie die Kölnische Zeitung berichtet, sind |eit vorgestern auf den Saarbrückener fiskalischen Bergwerken A r d c i t e r a u s sch ü s s c eingeführt worden.

Lublinitz, 28. Febr. Eine Revision des hiesigen Standesamtsregisters ergab, daß ein Standesbeamter bisher die Geschäfte geführt habe, ohne dazu berufen und ohne vereidet zu sein. Sämmtliche von ihm voll­zogenen Akte wurden für ungültig erklärt. Der Vorfall wird noch recht unangenehme Folgen haben.

Aus Obcrschltsien. Das kleinste Rittergut der Welt befindet sich laut Grundbuch des Marktfleckens Zanditz im Kreise Rotibor in Oberschlesien, ein Rittergut, das nur aus 26 Morgen Acker besteht und weder Wohn­haus noch Scheuer noch überhaupt etn Gebäude in sich schließt. Bis vor wenigen Jahren gehörte es Baron Nathaniel v. Rothschild in Wien. Derselbe mußte aber wohl keinen Gefallen an diesem Besitz finden, denn er Verlauste es für 500 Mark an den Schuhmacher Raida in Ruderswald. Dieser aber hatte keine Zeit, den Rittergutsbesitzer zu spielen, denn er veräußerte das Gut an seinen Gesellen Schwenzer, welcher seinen Besitz noch nicht hat fuhren lassen. Leider darf er auf seinem Rittergut«: weder säen noch ernten, ber-nzbje Kreiskasse in Ratibor hat die Grundstücke verpachtet, um aus der Pachtsumme die bedeutenden Palionats- lasteii für Kirche und Schule zu decken. So bringt das berühmte Rittergut Zanditz zwar einen Titel, aber leider keinen Pfennig Geld ein. Dafür aber ruhen auf ihm höchst bedeutsame Rechte. Dem Inhaber steht nämlich das Besetzungsrecht der Zanditzer PsarrsteUc und der vier Lehrerstellen in Zanditz und Klein-Peterwitz zu. Der SchuhmachergcscUe und Rittergutsbesitzer Schwenzer hat nun unterm 12. Februar fein ihm zu- stehendcS Recht als Patron der Schule zu Zanditz ausgeübt und den Lehrer Muschalek aus Ratibor zum Hauptlehrer nach Zanditz berufen!

Straubing, 25. Febr. Die Münchener Neuesten Nachrichten schreiben: Der Senior der bayerischen Hand- Werksburschen, der 84jährige Sebastian Schmid von Gossersdorf, genannt Wasterl, ist in der Handwerks- bnrschen-Herbcrge hierselbst plötzlich gestorben. Er war 40 Jahre auf derWalze" und während dieser Zeit nie in ein Bett gekommen. Alle hier zugereisten Haud- werksburfchen gaben ihm das letzte Geleite.

berzogthum Hessen) angetreten. Der Lehrergehnife Schöppner von Fnlda wurde als Lehrer in Kerbersdorf provisorisch angestellt.

* Aus Fulda wird geschrieben: Wir machen die Pfcrdezüchtcr von hier und Umgegend darauf aufmerk­sam, daß auf Wunsch hiesiger Pferdehalter sich Herr Landstallmeister v. d. Marwitz bereit gefunden hat, der hiesigen Gestütestation einen schweren Hengst zuzu- theilen. Es soll damit den umwohnenden Pferdezüchtern die Gelegenheit recht nahe gelegt werden, künftig sich mehr auf die Heranziehung eines kräftigeren Pferde- schlages zu legen, was ja auch den Anforderungen der immer mehr zunehmenden Tieskultur besser entsprechen würde. Außerdem dürfte bei dieser Zutheilung auch auf die Konsequenzen Rücksicht genommen worden sein, welche der in Fnlda neu einzulegende Pferdemarkt für die Pferde besitzenden Kreise unserer Gegend nach sich ziehen muß. Von großer wirthschaftlicher Bedeutung wäre es sicher, wenn unsere Landwirthe sich dazu ent­schließen könnten, den Bestand ihrer Pferdeställe mehr durch eigene Zucht zu kompletteren, als ihren Bedarf durch Einhandeln oder Beziehen von fremden Märkten zu decken.

H'AltengronaU, 2. März. Dem Jngenieurassistenten Maistre, welcher bei dem Bahnbau BrückenauJossa beschäftigt, wurde am Abend des 20. Februar zwischen 8 und 10 Uhr auf der Fahrt von Jossa nach Brückenau ein Handkoffer vom Wagen losgeschnitten und entwendet. In demselben befanden sich außer Leibwäsche und Reise- effekten sehr werthvolle Pläne und Aufnahmen für die Bahn KitzingenGerolzhofen. Trotz den ausgesetzten Belohnungen und den eifrigen Bemühungen der Gen barmen von Brücken all, Zeitlofs und Schwarzenfels ist es noch nicht gelungen, den Thäter zu ermitteln.

(f) Salmunstcr, 3. März. In Ulmbach wurde am Freitag durch das Kgl. Amtsgericht Salmünster in einer Weg prozeßsache an Ort und Stelle Termin ab- gehalten. Während der Verhandlung gerieten zwei

Lokales und Provinzielles.

* SchlLchtern, 4. März. Der heutige Viehmarkt war betrieben mit ca. 6-700 Stück (Ochsen 200, Kühe 200 und 3Ö0 Stück Jungvieh). Der Handel war langsam und wurden durchschnittlich gezahlt für schwere Ochsen pro Paar 1050 Mark, für Kühe 3400 Mark Allgemein wurde getadelt, daß der Markt noch immer nicht auf einen geeigneten Platz verlegt worden ist. Wie wir hören, ist die im vorigen Jahre gewählte Kommission bis heute noch nicht zusammengetreten, um in dieser Sache geeignete Vor­schläge zu machen und Abhülfe zu schaffen.

* Auf hiesigem Bahnhöfe langte dieser Tage eine Wagenladung thüringer Arbeiter an, die als Knechte und Dienstjungen nach dem Vogelsberg weiterbefördert wurden. Ob diese jungen Leute, die bet Verhältniß-! Mäßig sehr geringem Lohne hier auf Arbeit gtheu, auch; Stand halten, bleibt abzuwarten. Wenn der Kuckuck! ruft und die Wachtel schlägt, ist gar mancher Bauer wieder ohne Knecht.

Zur Abhaltung der zweiten praktischen Lehrer-

Weiber, die als Zeugen erschienen waren, in Wort­wechsel. Dabei blieb es aber nicht. Bald lagen sich die Töchter Evas in den Haaren und schlugen sich der­maßen, daß Blut floß und die Haare in der Luft herum flogen. Es muhte später ärztliche Hilfe in An­spruch genommen werden.

Hattau, 1. März. Im Wahlkreis Hanau-Gelnhauscn- Orb-Bockenheim wurde bei der Stichwahl am 28. Febr. gewählt Dr. Schier - Cassel (konservativ) mit 11674 Stimmen. Der Gegenkandidat, Sozialdemokrat Buch­drucker Geck-Offenburg erhielt 11 193 Stimmen.

Kassel, 26. Febr. Die diesjährige ordentliche Ge­neralversammlung des Vereins gegen den Wucher im Regierungsbezirk Kassel wurde heule Nachmittag von 3 Uhr ab im kleinen Stadtbausaale abgchallen. Den Vorsitz führte Herr Landrath von Schleinitz-Hersfeld. Der Verein hat auch im verflossenen Jahre ein erfreu­liches Wachsthum bekundet und beträgt seine Mitglieder- zahl 260; darunter befinden sich 15 Korporationen, meistens Darlehnskassen-Vereine und Genossenschaften. Außerhalb des Regierungsbezirks Kassel hat der Verein ebenfalls Milglieder, u. a. denDeutsch-Israelitischen Gemeindebund" in Berlin. Was die Thätigkeit des Vereins in Bekämpfung des Wuchers selbst anbelangt, so wurde seitens des Vorstandes mündlich und schrift­lich eifrigst dahin gewirkt, über wucherisches Gebühren die Unkundigen, insbesondere die Landleute anfzuklären. Eine Hauptthätigkeit des Vereins bildete, die Gründung von Darlehnskassen anzustreben und zu erleichtern, da diese Kreditinstitute sich äußerst wirksam zur Bekämpfung des Wuchers erwiesen haben, AuS der langen Reihe von Fällen, in denen der Verein gegen Wucherer etu- schrilt, heben wir den folgenden als besonders Markant hervor, Det Handelsmann Israel Oppenheimer aus einem Dorfe bei Alsfeld hatte die Nothlage des Müllers I. F. in S. in ärgster Weise ausgcbcutet und um dem Gesetze ein Schnippchen zu schlagen, seine wuche-

Vauern um den doppelten Preis wieder zurück, worüber der Bauer einen Schuldschein unterschreiben mußte. Auf diese Weise kam der Handelsmann doch zu seinen Wuchcrzinscn. Nachdem der Bauer das Rindvieh dann zwei Jahre und acht Monate unentgeltlich gefüttert, kaufte sie Oppenheimer für den ursprünglich vereinbarten Kaufpreis dem Bauer wieder ab. Dem Müller gelang es endlich, sich wohlmeinenden Menschen uuzuoertrauen und diese beschafften ihm dann das Kapital, um aus den Klauen des Wucherers loszukommen. Oppenheimer wurde zur Anzeige gebracht und vom Marburger Gericht mit 3 Monaten Gefängniß ««b 500 Mark Geldbuße bestraft. Solche Fälle, bemerkte der Vorsitzende, kommen in Kurhessen leider noch zu Dutzenden vor. Der Verein hat zwar nicht die Mittel, die erforderlichen Gelder zu beschaffen, den Bedrängten aus den Klauen des Wucherers zu befreien, allein er ist berufen, Abhülfe zu schaffen, und seine Hauptthätigkeit muß daher darauf gerichtet bleiben, die Errichtung von Darlehnskassen zu fördern und zu betreiben, damit ein förmliches Netz dieser so segensreich wirkenden Institute sich über die ganze Provinz verbreite. Ein Hauptaugenmers ist auf die Vichleihe" zu richten, denn in dieser Form blüht der Wucher in Hessen am üppigsten und eine Menge von wucherischen Uebervortheilungen tritt gerade bei dieser Art, Vieh zu verleihen, zu Tage. Aehnliche Verhält- nisse walten betreffs der Vichleihe in Elsaß-Lothringen ob, weshalb man dort zur Bekämpfung dieses Miß­standes gesetzliche Abhülfe projektirt hat. Der Erlaß eines derartigen Gesetzes sei auch für Hessen von großem Nutzen. Er wisse, daß die kgl. Staatsregierung sich schon seit längerer Zeit mit dieser Frage beschäftige, und stelle daher den Antrag, eine Petition an die Re­gierung zu richten, dahingehend, das Wuchergesetz nicht nur auf Geldgeschäfte, sondern auf sämmtliche belastende Geschäfte auszudehnen, und zweitens ein ähnliches Vieh« leihe-Gesetz, wie für Elsaß-Lothringen projektiert, auch für Hessen zu erlassen. Ueber diese beiden Punkte ent­spann sich eine längere Debatte, und wurde von der Versammlung schließlich beschlossen, zunächst noch ein­schlägiges Material zu sammeln und die Sache für die nächste Sitzung zurück zu stellen. Der Antrag betreffs des Vichleihegesetzes wurde angenommen. Nachdem

durch Beschluß der Versammlung der Mitgliederbeitrag von 3 Mk. auf 1,50 Mk. pro Jahr herabgesetzt worden, wurde als Ort der nächsten

Ka'scl bestimmt.

Offenbach, 28. Febr. An verschiedenen Stellen unserer flossener Nacht rothe Fahnen,

Versammlung wiederum

nicht weniger als vier Stadt wurden in ver«

kt wa 1 Meter lang, an­gebracht. Auf denselben stand in großen Buchstaben: Wählt Ulrich." Auch rothe Plakate mit derselben Aufschrift wurden an die Häuser geklebt. Die rothen Fahnen waren theils an Gaslalcrnen, theils auf hohen Bäumen befestigt. Die Polizei ließ die Fahnen herab- nchmen.

Gricshclm, 23. Febr. Ein auswärtiges Frauen­zimmer, angeblich einFulder" Mädchen, hatte hier ein Kind in Pflege gegeben, welches sie zurücknehmen sollte, da es die Pflegeeltern nicht mehr behalten wollten. Die Mutter holte am letzten Donnerstage ihr Kind wieder ab, doch bot sie es hin und wieder als Geschenk an. Da sie keine Abnehmer fand, so ging sie mit dem- selben nach dem sich zwischen hier und Rödelheim hin­ziehenden Walde, dort legte sie das etwa einjährige Bübchen in den Eingang der Höhle eines wilden Kaninchens, deren sich viele in jenem Walde befinden, und schloß dann die Höhle mit einem Stein. Zwei Frauen, welche Nachmittags durch den Wald gingen, hörten ein Winseln, Wimmern und Geschrei, das sie anfangs für die Stimme eines Thieres hielten; sie gingen jedoch näher und fanden das arme Geschöpf in seiner Höhle. Die Frauen trugen das Kind sofort hierher zum Arzte und es fand sich dann auch bald Jemand, der dasselbe in Pflege nahm.

Prüfung im Königlichen Schullehrer-Seminar dahier ist Termin auf den 16. Juni d. J. angesetzt.

* Der Gerichtsuffessor Puckel dahier ist als Amtsrichter an das Amtsgericht in Bischhauffn versetzt worden.

- Der Lehrer Jffland zu Kerbersdorf hat feine , ,,.... v.......-.... .........

Entlassung aus dem preußischen Staat-verband ge,: kaufte dieselben Thier» in Derselben Stünde an denselben

rissen Zinsen durch Viehkäufe zu erzielen gewußt. Er zwang u. a. seinen Schuldner, den er völlig in Händen hatte, ihm eine Kuh für 200 Mk. abzukaufen, die kaum 50 Mk. werth war. Weiter kaufte er einem Bauern für schuldige Zinsen zwei Stück Rindvieh ab und ver-

Auslands

England. Auch in den englischen Kohlengruben steht ein allgemeiner Ausstand bevor, wenn die von den Ar­beitern geforderte Lohnerhöhung nicht bewilligt wird. Die Zahl der Kohlenarbeiter, welche für letzteren Fall für Anfang März die Arbeit gekündigt haben, beziffert sich bereits auf 430 000.