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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

MoHr llttrrnön ouf d'cSchlüchierner Zeitung« ll U werden noch fortwährend von allen -!.'!!!!!! . = Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

" ' Deutsches Keich. .....

Berlin. Der Kaiser reist Sonntag Abend nach Bremen, Br merhafen und Wilhelmshafen ab und wird alsdann nach dem Elsaß sich begeben. Von Elsaß reist der Kaiser nach Darmstadt und hierauf nach Eismach zur Auerhahnbalz.

Die Frau Prinzessin Friedrich Leopold von Prcüßen ist am Donnerstag Nachmittag gegen 4 Uhr im Stadtschloß zu Potsdam von einer Prinzessin glück­lich entbunden worden. Das Befinden der hohen Frau ist den Umständen nach wohl- Die Kaiserin hatte sich schon am frühen Morgen zu ihrer Schwester nach Pots­dam begeben.

Es soll beabsichtigt werden, den bisherigen Porto­tarif für Nachnahmesendungen in ermäßigender Richtung abzuändern. Für die Beförderung von Briefen und Packeten nämlich soll das Porto der Bersendungsgattung erhoben werden, und zwar bei Uebermittelung einge- gangener Geldbeträge bis 5 Mark = 10 Pfg, darüber bis 100 Mk. = 20 Pfg., bis 200 Mk. = 30 Pfg., «nd bis 400 Mark 40 Pfg. Die sicher erwartete Steigerung des Verkehrs werde das Eintreten von Einnahmeansfällen verhüten. Weitere Posttaxreformen, insbesondere bezüglich des Tarifs für Sendungen von Drucksachen stellt eine Mittheilung aus dem General» Postamt in Aussicht.

Hamburg. DaS hiesige Handlungshaus Wölber u. Brohm hatte vom preußischen Justizministerium die Erlaubniß erwirkt, Cocosnnßbutter an Gefängniß- verwaltungen' abzugeben, welche dieses neue billige Nahrungsmittel versuchsweise zur Speisung der Ge­fangenen verwenden wollen. Die Firma läßt zur Zeit größere Mengen Cocosnüsse in Kamerun pflücken und vorgestern traf die erste größere Sendung derselben mit dem DampferAnna Woermann« im bissigen Hafen ein. Die Cocosnuß, welche schon sitzt vielfach in den großen Palmkernfabriken des benachbarten Harburg ver­arbeitet wird, soll daselbst in Zukunft in Butter um- gesetzt und, falls die Ergebnisse günstig sind, in großen Mengen auf den europäischen Maikt gebracht werden.

Meininge». Das Festcomitäzur Feier des 75jährigen Bestehens des 32. Regiments am 5. Juni 1890 in Meiningen hat seine Arbeiten soweit gefördert, daß demnächst die Bekanntgabe des Festprogramms bevor- steht. Allseitig wird von dm Betheiligten ein leb­haftes Interesse für die Feier bekundet, in vielen Orten haben sich, was mit großer Freude begrüßt wird, Svezialcomitäs gebildet, welche unter Vertretung eines Vorsitzenden die Festfahrt gemeinsam unternehmen und ihre Anmeldungen in Sammellisten bewirken wollen; diesen SpezialcomilüS wird es anheimgestellt, bei der Anmeldung gleichzeitig davon Mittheilung zu machen' ob und wieviel Festzeichen dieselben zugesandt zu haben wünschen, damit dieselben bereits am Heimathsorte zur Vertheilung gelangen können und das Empfangscomitee und die Festtheilnehmer sowenig wie möglich bei Ankunft der Letzteren am Festort behelligt zu werden brauchen. Die möglichst niedrig zu be- messenden Erstbeiträge werden demnächst festgcsteüt und mit dem Programm veröffentlicht werden können; die Kosten für die im Voraus bestellten Festreichen werden der Sendung der Festzeichen nachzunehmen sein. Diejenigen Kameraden, welche sich in Extrazügen nach Meiningen zu begeben gedenken, wollen ihre Anmel­dung in Sammellisten bereits bis zum 5. Mai d. Js. bewirken, da die Eisenbahnverwaltung hierüber besondere Wünsche bekundet hat.

Lokales und Provinzielles.

* Ächlüchter». 22. April. Zur gegenwärtigen Jahreszeit, in welcher der Landwirth vielfach mit künstlichem Dünger uinjllgchcn hat, dürfte eine Mahnung zur Vorsicht beim Gebrauche desselben wohl am Platze sein. Man hüte sich, wenn man eine offene Wunde hat, dieselbe mit jenen Stoffen irgendwie in Berührung kommen zu lassen, da Blutvergiftung die unausbleibliche Folgest in wurde. Im vorigen Jahre sind verschiedene derartige Fälle bekannt geworden.

i * (Zur Warnung!) Der am Donnerstag Mittag 3/tl Uhr Don K a ss l i i Heiligenstadt eingett offene Zug hat auf der Strecke plötzlich halten müssen. Ein Fahr- gast 4. Klasse hatte sich nämlich das Vergnügen ge­macht, die Nothbremse in Thätigkeit zu setzen. Da dies aber nur wohl aus Neugierde geschehen war, so wird er das gehabte Vergnügen mit einer Strafe von etwa 300 Mark büßen müssen.

* Die Beachtung in weitesten Kreisen der Pferde­züchter hat stets die Eröffnung der Bicbersteiner Fohlenweide gefunden. Die Gebäulichkeiten dieses in Kurhessen wegen seiner Vorzüge für eine gedeihliche Entwickelung der Fohlen renommirten Pferdepfleg- Instituts sind, wie man derKl. Pr." mittheilt, mit einer Theilfläche des Distrikts Nr. 9Hühncrhölzchen" der Oberförsterei Thiergarten seitens des Vorstandes des landw. Centralvereins zu Kassel vom königlichen Forstfiskus gegen ein jährliches Nutzungsgeld von 600 Mk. zunächst noch bis zum 31. März 1896 ge­pachtet. Das Gesammtareal umfaßt 47,746 Ha. Aus der Staatskasse wird zur Unterhaltung der Fohlenweide ein jährlicher Beitrag von 2220 Mk. geleistet. Die Anstatt ist zur Aufnahme von höchstens 60 Fohlen eingerichtet (vorjähriger Auftrieb 56 Stück) die Auf­nahme erstreckt sich nur auf 1-, 2- und 3jährige Stuten- und Wallachfohlen, sowie nicht taftrirbare 1 jährige Hengstfohlen; ausgeschlossen davon sind solche Thiere, welche an Mängeln und Krankheiten leiden, die eine fortwährende ärztliche Behandlung und Aufsicht erforder­lich machen oder durch ihren Aufenthalt auf der Weide das Leben oder die Gesundheit der anderen Fohlen ge­fährden. Für jedes aufgenommene Fohlen, das zeitig vorher angemeldet sein muß, ist Weidegeld von 15 M. zu zahlen und sind 2 Zentner gesunder, guter Hafer zu liefern. (Ltzterer braucht nicht in Natura gestellt, sondern kann durch Geldäquivalent ersetzt werden.) Für alles Andere kommt die Administration auf. In diesem Jahre ist der Beginn des Weideganges auf den 22. Mai in Aussicht genommen und derselbe endet in der zweiten Hälfte des September.

* Im Jahre 1889 haben die 12 vorgcschricbenen Kirchenkollckten in unserem Konsistoriälbczirk die Summe von 28,460 M. 32 Pfg. ergeben, darunter die Oster- follefte für die evangelische Kirche zu Fulda allein 6655 M.

* Ueber die Lage der Laudwirihschaft entnehmen wir einem Bericht aus Kassel : Die Preise für Getreivc und Vieh haben sich in der im vorigen Herbst erreichten, dem Stande von 1880/82 gleich*ommcndcn Höhe er­halten, was die Lage der Landwirthschaft, trotz der ge­ringen Ernte des Vorjahres immerhin erträglich macht. Da die Landwirthschaft auf weitere Erhöhung der Arbeitslöhne und der jetzt schon hohen Preise für Be­darfsgegenstände gefaßt sein muß, so ist die Ueber­zeugung von der Nützlichkeit der Getreidezölle, in welchen man eine Schutzwehr gegen den Wiedereintritt des früheren allzuniedrigen Preisstandes wenigstens bei schlechten Ernten erblickt, in der ländlichen Bevölkerung durch die freihändlerischen und socialdemokratischen Agi­tationen nicht erschüttert worden. Niedrige Preise hätten nach der vorjährigen geringen Ernte verhängnißvoll werden können. Dies sieht auch der kleine Landwirth etu, der hier wenigstens Hafer zum Verkauf zu bauen pflegt und dessen höheren Preisstand als Wohlthat empfindet. Die ländlichen Darlehnskässenvereine nach Raiffeisen'schem Muster nehmen fortdauernd an Zahl zu; es bestehen im Kasseler Regierungsbezirke jetzt etwa 100. Weniger schreiten die Bestrebungen auf Bcgiünduug örtlicher Viehversicherungsvereine fort; das von den Kreisen Schlüchtern und Melsungen gegebene Beispiel der Einrichtung eines den Kreis umfassenden Vich-Ver- sicherungSvcreius hat bisher weitere Nachahmung noch nicht gefunden. Im Kreise Ziegenhain hat der laud- wirthschaftliche Kreisverein die Gründung eines Vieh- zucht-VereinS beschlossen und eine Kommission zur Aus­arbeitung des Statuts niedergesetzt.

Hanau. Vor einigen Monaten ist bei Wachenbuchen eine Petroleumquelle entdeckt worden. Die Bohrungen, welche während des Winters eingestellt waren, sind jetzt wieder ausgenommen worden. Eine Dortmunder G- sellschaft hat das nöthige Betriebsmaterial, eine Dampf­maschine und Facharbeiter gestellt.

Frankfurt 18. April. Nach mehrstündiger Arbeit gelang es gestern, den Kassenschrank der falliten Frank-

furtT Sparbank zu öffnen. Der Inhalt bot einen kläglichen Anblick; es fanden sich etwa 200 M. in Geld, für 5 M. Briefmarken, eine Menge Bilanzen, Rech­nungen und ein großer Pack Promessenscheine vor. Werthpapiere waren nirgends zu finden.

Marburg, 16. April. Mit dem heutigen Tage wurde das diesjährige Musterungsgeschält für den Kreis Marburg beendet. Als ein warnendes Beispiel für Andere theilen wir von demselben mit, daß am letzten Freitag ein hier in Arbeit stehender junger Mann Namens Albert Wilgeroth aus Wolfenbüttel vor der Aushebungskommission erschien, welcher bereits im vorigen Jahre gestellungspflichtig war, sich jedoch nicht gestellt hatte. Die Folge davon war, daß man ihn hier als unsicheren Heercsvflichtiqen sofort einzog und noch am selben Mittag dem Regiment Nr. 83 in Kassel ablieferte. Wilgeroth hat nun den Nachtheil, daß er bis zur Einstellung der Rekruten im Herbste dienen muß, ohne daß ihm diese Zeit in seinem Militär­verhältniß überhaupt angerechnet wird.

Hersfeld. In dem Dorfe Breitenbach am Herz- berge im Kreise Hersfeld wurde dem Schäfer Adam Strack vor einigen Wochen der neunte Junge geboren. Auf eine diesbezügliche Eingabe hat zu diesem Knaben, wie dieHersfelder Zeitung" berichtet, der Kaiser die Pathenstelle angenommen.

Aus Melsungen. Ein hübsches Wahlkuriosum wird im hiesigen Wahlkreis noch immer viel belacht. Ein Bauer äußerte nach Bekanntwerden der Wahlresultate im Reich sein Erstaunen über den Bismark, was der doch für ein großer Mann sei, da er sogar bei den Schwarzen in Kamerun und in Ost-Afrika schon die Wahlen zum Reichstag eingeführt habe. Er müsse doch dort die Borgemester Hellensch im Trabe bon, daß se das so fix gemächt hätten." Befragt über seine Ansicht und Aeußerung erklärte er ganz hartnäckig:Ich hon doch aber gelasen, daß se drei Wilde en Reichstag gemahlt Hon."

Mährenhausen, 17. April. Ein 247 Pfund schwerer Hammel! Der Metzgermeister Ferdinand Jung hat heute auf seinem Wagen einen außergewöhnlich starken drei- jährigen Hammel, der mit bunten Bändern geschmückt war, heimgebracht. Er hat das seltene Stück auf dem Rittergut Breitenau bei Herrn Ludwig Knoch für 80 Mark (selbstverständlich außerdem für den Schäfer ein »Utes Trinkgeld!) gekauft. Der Hammel hat lebend 247 und ausgeschlachtet 138 Pfund gewogen.

Ausland.

Wien, 17. April. Im Ostrauer und Karwiner Kohlenrevier streiten über 30,000 Arbeiter verschiedener Kateaonen. Die Bergarbeiter verlangen Abschaffung der AccordarlDt, zwei Gulden Minimallohn pro Tag und achtstündige Schicht. DasRevier produzirt täglich 120,000 Meterzentner Kable. Falls in der Folge des Streiks auf der Nordbahnstrecke bis Wien Kohlen- mangel eintrefen sollte, werden die fiskalischen Gruben Preußisch-Schlesiens, welche im vorigen Jahre die Hilfe des Ostrauer Reviers angerufen und erhalten haben, jetzt als Gegendienst ungefähr 300 Waggons Kohle nach ^Oesterreich senden. Die Nordbahn hat bereits alle Vorkehrungen getroffen. Die Streikenden gehen sehr gewaltthätig vor, sie erzwingen eine allgemeine Arbeitseinstellung, indem sie die Maschinen beschädigen, die Riemen zerschneiden und die Roste unter den Oefen und Kesseln ausziehen. Das Einschreiten des Militärs vermochte bisher den Terrorismus der Streikenden nicht zu hindern. Bei einem am 17. d. Mts. er­folgten Zusammenstoß mit dem Militär sind mehrere Arbeiter getödtet und viele verwundet worden. Unter dem Kommando eines Generals befinden sich jetzt 14 Bataillone Infanterie und 4 Schwadronen Kavallerie im Ostrauer Bezirk. Die Ostrauer streikenden Arbeiter haben gestern Abend die Zuckerfabrik Großkunzendorf und die Zuckerfabrik Ratmau Überfällen und an beiden Orten die Einstellung des Betriebs erzwungen. Zwei Bataillone Infanterie sind aus Krakau requirirt worden. In Zarnbeck und Wichalkowitz ist die bereits wieder ausgenommen gewesene Arbeit von neuem eingestellt worden.

Brasilien. Die Regierung der neuen Republik Vereinigten Staaten von Brasilien" hat lurch ein Decret die Aufhebung des Religionsunterrichts verfügt