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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

M 40. Samstag, den 17. Mai 1890.

Geschäftsbericht bet Molkereigenossenschaft Fulda Lauterbach, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht.

Die Genossenschaft Hat 2 Molkereien mit Vollbetrieb, die eine in Fulda mit 4, die andere in Lauterbach mit 3 Separatoren. Der größte Th.il der Milch wird zu Butter verarbeitet, die Mager- und Buttermilch wird zu ermäßigtem Preise (2 Pfg. pr. Liter) den Lr fern iten zurückgegeben, ein geringer Theil der entrahmten Milch wird zu Magerkäse ein Theil der eingelieferten Voll­milch zu Fettkäse verarbeitet. Der Verkauf in den beiden Städten Fulda und Lauterbach ist unbed utend. Der Verkaufsladen in Lauterbach erzielte eine Einnahme von 7,600 Mark, das Städtchen ist klein und treiben die Bewohner meist selbst Laudwirihschaft. Fulda da gegen hat 12000 Einwohner; der Verkaufsladen und der Verkaufswagen erzielten 30,000 Mk.; im B r- Hältniß zur Gröge der Stadt eine geringe Summe, die ihre Ursache darin hat, daß die Milchlieferanten der Molkerei den Bollmilchoerkauf in der Stadt beibehalten habe >, so baß die Molkerei blos auf den Verkauf der Nebenprodukte beschränkt ist. Die Magermilch findet beim Volke wenig Anklang.

Es wurde Vollmilch eingeliefert: in Fulda 2,146,226 kg in Lauterbach 1,115,282

Summa 2,361,582 oder täglich durchschnittlich 8908 kg.

Der durchschnittliche Fettgehalt war in Fulda 3,52 °/o, in Lauterbach 3,72"/«, insgesammt durchschnitt­lich 3,590/6. g gm 3,52"/« in 1888 und 3,47% in 1887. Bezahlt wurde für die Mckch das ganze Jahr hindurch abschläglich für 1 % Fett 2,75 Pf,, dementsprechend für 1 kg ei gelieferte Milch in Fulda 9,68 Pf. durch­schnittlich, in Lauteidach 10,23 Pf.; insgesammt für 1 kg Milch im Durchschnitt 9,88 Pf. (in 1888=9,68 Pf., in 1887 9,41 Pf.) D-r Fettgehalt wird ver­mittelst Soxlct's Apparat festgestellt und sind die Control- versuche stets zur Zufriedenheit ausg fallen. Es wurden von dem Chemiker der Genossenschaft folgende Unter­suchungen ansg.führt: 3410 auf Fett, 650 auf sp c. Gewicht, 600 tm Cremometer, 535 im Gährprobc- appanat, 500 auf Säure mittelst Titrirapparat, 4 Salz- 2 Kali 4 Acthnproben.

Die Gesammtunkosten betrugen 878 Mk. 90 Pf., wobei der Gehalt des Chemikers blos zur Hälfte be­rechnet wurde, da er die Hälfte f hier Aibeitszcit auf die Milchabnahme und Buchführung verwendet. Auf 3410 Milchuntcrsuchungen auf F tt ausgerechnet, kostet eine Untersuchung 26 ^fg., wobei die andern Unter« suchungeu unberechnet bleiben.

Die eingcli f rte Milch wird in zwei K ppwaagen, von jeder Melkzit g-'trennt, nach Kilo gewogen, während die zurückg hende Mager-, Buttermilch uno Mölke nach Liter verausgabt wird. Der entstehende Verlust ist ungefähr 34%.

Aus der ring li ferten Vollmilch wurden producirt, resp, verkauft:

236,428 Pfd. Butter 62,082 Ltr. Vollmilch

2,445,543 Magermilch 4,445 s/a Rahm 176,042 Buttermilch

301,333 Molken

284 */2 Pfd. Matte 50,130 Stück Handkäse 10,388 Backsteinkäse

348 Bri-käse

7,866 Camembertkäse 20,094 Burgkäse

31,314 Neuschateller

477,898 Lauterbacher Frühstückskäse 134 Pfd. Kochbutter 413 Flaschen Kesyr.

Diese verkaufte Waare ergab einen Erlös von 399,227 Mk. 76 Ps., mithin verwerthete sich 1 kg Vollmilch brutto mit 12,3 Pf. Die Gesammtbelriebs- kosten bclikfcn sich auf 53033,37 Mk., mithin kamen auf I Hz eingclttfcrte Vollmilch 1,63 Pf. Kosten, woraus sich die Netiovnwerthung von 10,67 Pf. auf 1 kg Mstch ergibt. Die Jahresabrechnung (Bilanz) ergab nach Abrechnung der üblichen Abschreibung, Bezahlung von Zinsen rc. einen Reingewinn von 13784,17 Mk.

Die ordentliche Generalversammlung am 4. März beschloß folgende Th ilung des Reingewinnes: 5°/o fließen in den Reservefonds (h Z. schon 16,000 Mk), 1500 Mk. w rden pro 1890 vorg .-tragen, ' s Pf. wird auf die eiaglii ferte Milch nachbezahlt, der Rest wird der Betriebsrücklage überwiesen.

Aus der Mitgliederbewegung geht hervor, daß von 180 Genossen innerhalb des Jahres 130 ausgeschieden sind. Dies hat folgende Bewandtniß. Von den 180 Mitgliedern der Genossenschaft liefern 25 größere Be­sitzer ebensoviel Milch wie die übrigen 155 kleineren Bauern. Das Interesse der Lieferanten wurde vordem 1. Oktober dadurch g wahrt, daß in den General- versammlungen rc. jeder Genosse für jede gezeichnete Kuh eine Stimme hatte, sodaß die 25 größeren Besitzer ebensoviel Stimmen ungefähr hatten, wie die 155 kleineren Bauern; und dirs ist, wie jeder Fachmann gewiß zu­geben wird, vollständig berechtigt. Das neue Genossen­schaftsgesetz nun hat durch diese für die Genossenschaft so segensreiche Einrichtung einen großen Strich gemacht, indem § 27 des Gesetzes b stimmt: Jeder Genosse hat eine Stimme. Daß bei der Mitgliederzusammenfetzung o.-r fraglichen Genossenschaft deren Existenz auf dem Spiele staub, war eben so natürlich, wie es den größeren Besitzern nicht zu verdenken war, daß sie unter den Umständen ihren Austritt eikläreu wollten. Wenn auch das Geschäftsaatheil bei allen Genossen gleich ist, so richtet sich doch die Sicherungsanlage »und vor allem das ganze Interesse nach b>r Milchlieferung, resp, der G öße des Gutes. Das Gesetz enthält hierbei den Molkereigenossenschaften gegenüber eine Härte, mag die Bestimmung bei andern Genossenschaften auch voll be- rechtigt sein. Es ist aber ein Unding, daß die Stimme eines Genossen, d r täglich 10 Liter lj fmt^ ebensoviel gilt, wie eines solchen, der 800 Liter li fert! Hub das war hier der Fall. Deshalb sind 130 Mitglieder aus­geschieden und haben einestille Gesellschaft" gebildet. Als solche Haven sie gleiche Rechte und Pflichten wie die Genossen, haben aber k in Stimmrecht und keine Haftpflicht. Das Wohl und Wehe der Molkerei liegt nun in 50 St>Minen und wird bab i voraussichtlich ganz anders gedeihen, wie bei 180 Stimmen, von denen die Hälfte wedr Interesse noch überhaupt eine Ahnung von Mockereiwesen und Molkereibetrieb haben.

Deutsches Reich.

Hamburg, 13. Mai. Gestern Nacht fand ein großer Krawall streikender Bauarbeiter in der Steinftraße statt, so daß von den Schutzleuten blank gezogen werden mußte. Es kamen viele Verwundungen durch Stein­würfe vor. Am Mitternacht war die Gasbeleuchtung vollständig erloschen, nachdem die Gasflammen bis dahin nur nothdüritig gebrannt hatten. In den Straßen herrschte tuffte Finsterniß. Am Abend hatte die Stadt­verwaltung der Gasanstalt 100 Arbeiter der Straßen- reinigung zur Aushilfe gesandt. DerGeneralanzeiger," welcher nicht durch Dampf, sondern nur durch einen Gasmotor gedruckt wird, kann in Folge dessen nicht erscheinen. Soeben wurden Konstablermasfen telegraphisch beordert, um die Nebengasanstalt im Vorort Barmbeck zu schützen.

Ngrdhausen, 10. Mai. Aus dem bet unserer Nachbarstadt Bleichrode belegenen Dorfe Buhla ist kürzlich im Namen von 600 Webern der Umgegend eine Petition an den Reichstag abgesandt worden, in der zur Verbesserung des Handwerks der Handweberei" nichts weniger als Folgendes erbeten wird: 1) Be­sondere Besteuerung der mechanischen Webereien, 2) Ein­führung der Konzessionspflicht für neue mechanische Webereien, 3) Einführung eines wirksamen Baumwoll- zolles behufs Hebung der Leinenindustrie, 4) Zuwendung von Militäilieferungen. Richtig ist, daß die wirthschafl- liche Lage jder Handweber eine sehr ti aurige ist, denn der Gcsammtwoche-idienst einer fleißigen Familie beläuft sich nur auf Mk. 6,50. Der Reichstag wird daran aber nicht viel ändern können.

Blankenbnrg i. Th. Einem Landwirth in der Nähe ist sein gesamter Viehstand zu Grunde gegangen, weil der Knecht aus Versehen statt Kochsalz Chilisalpeter unter das Futter gemischt hatte. Daß es der Besitzer unterlassen hat, beide Stoffe so zu bewahren, daß keine Verwechselung hätte Vorkommen können, Muß er jetzt theuer büße».

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 16 Mai.

* Der Brand in Rückers soll nicht, wie es anfangs hieß, in der Kirche, sondern im Schäfer'schen Gehöfte entstanden sein und ca. 30 Gebäude, darunter die Kirche und die Schule in Asche gelegt haben. Leider haben nur drei von dem Abgebrannten versichert, die übrigen, meistens arme Leute, jedoch nicht. Der Bauer Schäfer ist wegen Verdachts der Brandstiftung verhaftet worden.

* Die Maikäfer sind in diesem Jahre in hiesiger Gegend nicht besonders zahlreich; in anderen Gegenden treten sie dagegen in g-oßen Massen auf. Wie die Zeitungen melden, sind an der Hess. Bergstraße und im Odenwald bereits viele Obst- und Waldbäume völlig kahl gefressen. Einzelne Gemeinden haben sich deshalb veranlaßt gesehen, Vernichtungsmaßregeln gegen die ge­fräßigen Käfer zu ergreifen und vergüten pro Liter Maikäfer 6 Pfg. aus der Gemeindckasse.

L4 Fulda, 13. SDZai. Zu Ehren des ersten hessischen Städtetages, welcher gestern und heute hier stattkand, prangte die ehrwürdige Bonifaciusstadt im festlichen Flaggenschmuck. Die konstituirende Versammlung fand gestern Nachmittag im Rathhaussaal statt und wurden die zahlreich erschienenen Vertreter der hessischen Städte zunächst von dem Fuldaer Oberbürgermeister Herrn Rang willkommen geheißen. Zum Vorsitzenden und Leiter der Verhandlungen wurde Herr Oberbürgermeister Westerbur g-Hanau, w.lcher die erste Anregung zur Gründung des Städtetages gegeben, einstimmig gewählt. Daß diese Anregung auf fruchtbaren Boden gefallen, be­weist deutlich die Thatsache, daß fast sämmtliche Städte Kurhessens einschließlich der Grafschaft Schaumburg und der Herrschaft Schmalkalden, ohne Zögern ihren Beitritt erklärt haben, sowie daß trotz des weiten Weges für die nördlich gelegenen Städte folgende Stadtg-meindeN vertreten waren: Kassel, Fulda, Hanau, Marburg, Esch- wege, Witzenhausen, Hersfeld, Hünfeld, Homberg, Rint In, Schmalkalden, Gelnhausen, Schlüchtern, Melsungen, Salmünster, Volkmarsen, Wannfried, Felsberg, Borken. Licht nan, Soden, Obernkirchen, Neustadt, Grebenstein, Amöneburg, Wächtersbach, Steinau und Orb. In die Verhandlungen eingetreten verbreitete sich der Vorsitzende, Herr Oberbürgermeister Westerburg, in einem klaren und faßlichen Vortrage über Zweck und Ziel des hessischen Städtetages Diese gipfeln darin, daß solche Fragen zur gemeinsamen Erörterung und Erwägung in periodisch wiederkehrenden Velsammlungen kommen sollen, welche für die Gesammtheit der hessischen Städte in Bezug auf Ver­waltung und andere Gebiete von Wichtigkeit und Interesse sind, sowie insbesondere auch über alle diese Fragen eine Verständigung bezüglich der praktischen Handhabung zu er­zielen. Es wird sich dabei um alle Zweige der kommu­nalen Selbstverwaltung handeln, um Schulen, Feuerlösch­wesen, Armen- und Krankenpflege, Kommunalste»», Sanitätsanstalten, Finauztrageu, Polizeiliches u. s. w. Ein Ausschuß wird für die eventuelle Durchführung der Beschlüsse sorgen. Diese grundlegenden Gesichtspunkte sind in den Stativen niedergelegt, zu der n Durchberathung nunmehr geschritten wurde. Dieselben wurden ohne wesent­liche Abänderungen nach dem Hanauer Entwürfe ange­nommen. Herr Bürgermeister K l ö f f l e r - Kassel stellte dabei den Antrag, anstatt eines nur speciell hessischen Städtetages, einen solchen für die ganze Provinz Hessen-Nassau zu gründen. In der sich hierüber ent­spinnenden Debatte sprachen sich jedoch fast die sämmt­lichen Redner gegen eine derartige Erweiterung aus, da bedauerlicher Weise zwischen den Stadtgemeinden des ehe­maligen Kurhessens und Nassaus zn wenig gemeinsame Berührungspunkte beständen. Der Antrag wurde in Folge dessen zurückgezogen, doch aber eine Resolution angenommen und den Statuten beigeRgt, wonach die Gründung eines hessen-nassauischen Städtetages durch den hessischen nicht aufgehoben sein soll. In den Vorstand des Städtetages wurden nunmehr die Herren Bürgermeister Kläffler- Kassel, We st erb urg -Hanau, Rang-Fulda, Vocke- Eschwege, Shdow-Rinteln, v. Loreuz-Witzenhausen und L o p- Melsungen gewählt, auch a s nächstjähriger Versammlungsort Kassel bestimmt und mit einem Hoch auf den Kaiser die Versammlung geschlossen.

Wolfhagen, l l.Mai. Ein ebenso bedauerlicher als seltener Unfall passirte vor einigen Tagen der zehn­jährigen Tochter eines hiesigen Ackermanns. Dieselbe