AllMlhternnMun
Erscheint Mittwochs und Sonnabends. — Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
^? 57.
WWSWWWWMMWWWM«»W»
M^p!l«nae>11 auf d'e „Schlüchterner Zeitung" H werden noch fortwährend von allen
-' —-“.....—.....' Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Mittwoch, den "6. Juli
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser, der am Freitag Abend in Stahlheim eingetroffen war, hat am Sonnabend Morgen von dort zu Fuß und zu Wagen die Reise nach Gnd- Wangen fortgesetzt, wo ihn die „Hohenzollern" erwartete. Am Sonnabend Abend ist die Abfahrt nach Faleidr erfolgt. Das Befinden des Monarchen ist fortdauernd vortrefflich. Er erledigt auch während seiner Reise täglich die laufenden Regierungsangelegenheiten uno nimmt die regelmäßigen Verträge der Kabinetschefs entgegen, die sich in seiner Begleitung befinden.
* — Dir a n Sonntag von den Blättern veröffentlichte Liste der Beiträge für das B'smark-Denk- mal in der Reichshauptstadt schließt mit 459,098 Mark 68 Pfg. ab. Inzwischen sind bereits von Neuem folgende größere Beträge eingegangen : von dem Zweig- comit6 Magdeburg als erste Rate 6000 Maik, von dem zu Bremen als zweite Rate ebensoviel, aus Hamburg 72,000 Mark, aus Ehemnitz 6000 Mark, so daß dir halbe Million bereits überschritten ist.
— Um den durch die Einführung des Zonen- resp. Kilometertarif-s in Oesterreich-U 'garn herbeige- führten neuen Verhältnissen in Deutschland Rechnung zu tragen, sind nach der „Nat.-Ztg." Verhandlungen zwischen den süddeutschen und preußischen Eisenbahnverwaltungen eingeleitet, die für Bayern eine Reduktion des zu theuren RcisegepäcktarifeS und für Preußen eine Verminderung des zu hohen Personentarifes, verbunden mit Aufhebung des bisherigen Freigepäcks ins Auge fassen. Man ist hierbei von der Thatsache ausgegangen, daß die bayerischen Personentarife nicht reduzirbar seien, ohne die Staatseinnahmen aus dem Eisenbahngefätle schwer zu schädigen, daß aber die preußischen Personen- tarifc im Vergleich zu Süddeutschland und Oesterreich zu hoch seien. Der Abschluß dieser Verhandlungen steht im Herbst dieses Jahres zu erwarten.
— Die Mehreinnahmen Preußens aus der Forst- und Bergwerksverwaltung, sowie aus den direkten Steuern im Rechnungsjahre l889 90 betragen zusammen 25 Millionen, der Ueberschuß der ganzen Finanzgebahrung während des gedachten Rechnungsjahres beträgt gegen 97 Millionen. An die Kreist gelangen auf Grund der lex Flueue 47 Millionen zur Vertheilung.
* — Oas nächste (11.) Deutsche Bund erschieß e n findet in Mainz statt.
München, 9. Juli. In den Waldungen im städtischen Forste Karsten bei München ist die Nonne ausgetreten. Durch das Auftreten dieser Raupe sind ausgedehnte, werthvolle Waldungen im Staatsbesitze und ebenso Privatwaldungen im weiten Umkreise der Residenzstadt vollständig vernichtet worden und die Befürchtung besteht, daß bei wiederholtem Auftreten der Nonne im kommenden Jahre die Zerstörung der Waldbestände nie dagewesene Dimensionen annehmen wird. In den Fichtenwaldbestäuden sind zur Zeit schon Tausende von Tagewerken mit oen herrlichsten Fichtenbeständen vernichtet und eine dreifach größere Fläche sieht ihrem Untergänge entg-gen. Nach beiläufigem U-berschlage sind gegen 5000 Tagwerk kahlgcsresscn. Nach dem gegenwärtigen Stande der Vermehrung der Nonne ist da- Schlimmste zu befürchten und wir werden ein Er- rigniß erleben, wie es einzig in der Forstgeschichte Bayerns dasteht und wie es seit unvordenklicher Zeit in Deutschland nur einmal eingetreten ist, nämlich im Jahre 1852 in Ostpreußen. Die Waldungen von München über die Ortschaften Pasing, Gauting, Starn- berg, Zell, Sauerlach, Hechenkirchen, Ebersberg, Dorfe« und zurück nach München sind im höchsten Grade ge- föhrdet, da die Nonne in größerer oder geringerer Menge sich Heuer überall bereits zeigt. Gestern sind 60 städtische Arbeiter nach dem städtischen Forste Karsten abgegangen, um dort gemeinschaftlich mit dem Forst- p-rsonal den Vernichtungskrieg gegen die Nonnenraupe zu beginnen. Um der Vermehrung und dem Weiter- nmsichgreifc» der Nonne Einhalt zu thun, wird der EberSberger Wald abgeforstet. Im Laufe dieser Woche toirb bereits mit dem Abschüsse deS Wildes begonnen «tid dann werden gegen 1000 Holzhauer angewarben,
1890.
ba nahezu 800,000 L Holz geschlagen und sofort entrindet werden. Die Arbeiter werden in eigens errichteten Blockhäusern im Walde wohnen, eigene Koch- stätten und Kantinen sorgen für die leiblichen Bedürfnisse und auch für ärztliche Hülfe wird gesorgt werden. Ferner erfordern die großen Massen gefällten Holzes den Bau einer eigenen Waldbahn aus dem Schlagplatze nach der Station Kirchsceon.
Vor einigen Tage zog eine Windhose durch einen großen Theil des Großherzogthums Oldenburg, überall bedeutende Verwüstungen anrichtend. In Tweelbake wurde verschiedene kleinere Häuser gänzlich zerstört. Auf der Strecke von Tweelbake über Neuenwege bis Wüsting wurden 16 bis 20 Gebäude gänzlich zerstört, abgedeckt oder sonst erheblich beschädigt. Ein Kind wurde von der Windhose eine Strecke weit fortgerissen, ohne daß es jedoch Schaden nahm. Als die Windhose die Hunde passirte, so sie sich voll Wasser, welches sie über Ohmstede fallen ließ, wodurch eine theilweise Uebersckwemmung entstand. Auch anderwärts wurden viele Häuser abgedeckt, zertrümmert und zerstört. Nach einer Schätzung hatte der eigentliche Wirbelsturm einen Durchmesser von 70 bis 80 Meter und etwa die Geschwindigkeit eines langsam fahrenden Güterzuges. Man konnte deutlich beobachten, wie er Kraut, Gras, Erde durch die Luft wirbelte, Dachstück-, Stroh, Torf in die Lust entführte. Seine Bahn ist überall durch geknickte und umgerissene Bäume gekennzeichnet. Eichen- stämme von 50 bis 60 Zentimeter Durchmesser, die ein Mann nicht zu umklammern vermag, wurden ab- gchrochen und fortgetragen. In Wüsting wurden mehrere Eisenbahnwagen aus dem Geleise gehoben. Das auf den Weiden grasende Vieh wurde vielfach von der Erde aufgehoben und getödlet oder in die Gräben geworfen. Glücklicherweise sind keine Verluste an Menschenleben zu besagen.
Aachen, 7. Juli. In der Jaeobstraße wohnt ein Fuhrknecht, der gestern früh kirchlich getraut worden war und fröhliche Hochzeit zu feiern gedachte. Das Fest sollte j doch jäh und furchtbar unterbrochen werden. Saum halten die Neuvermählten miteinander zu Mittag gegessen, als sie ihrer Baarschaft wegen in Streit ge» ricthen, in dessen Verlauf die erzürnte Frau ein Küchenmesser ergriff und es ihrem Manne in die Seite stach. Der Verletzte brach blutend zusammen und starb kurz darauf, während das unselige Weib die Flucht ergriff.
Neumarkt, 12. Juli. Sämmtliche Grundbesitzer des hiesigen Kreises haben die Gründung eines Vereins gegen den gesetzwidrigen Kontraklbruch ländlicher Arbeitnehmer beschlossen.
Lokales und Provinzielles.
Schlächtern, 15. Juli. Leider hat die Ausdehnung der gefürchteten Maul« und Klauenseuche, von deren Auftreten bereits Mittheilung gemacht wurde, in den jüngsten Tagen wieder erheblich zugenommen. An der Einführung und Handhabung sanität - polizeilicher Bestimmungen zur Verhütung der W-itcrvcrschleppung hat es nicht gefehlt, die Behörde hat mit anzuerkennender Sorgfalt sofort Alles gethan, was erforbeilidj war, indessen Allem zum Trotz hat sich die Seuche doch rasch und ziemlich ausgedehnt weiterverbreitet. Die amtlichen Ermittelungen haben übrigens mit Sicherheit ergeben — und das dürfte für Landwirthe wie Viehhändler und Metzger gleich lehrreich sein — daß die Seuche in seither seuchenfreie Ortschaften stets durch Schweine eingeschleppt worden ist, welche auf Dichmärkten in der Umgegend gekauft worden waren. Der Auftrieb von Schweinen ist deßhalb von den Behörden für verschiedene Viehmärtze in den Hesscn-Darmstödtischcn und Hessen- Nassauischen Bezirken strengsten- untersagt worden; ferner ist für diese Viehmärkte die Seuchenfreiheit aller anderen zum Auftrieb gelangenden Klauenthierc zur Bedingung gemacht und durch tierärztliche Bescheinigung zu erbringen. Laut amtlicher Feststellung besteht zur Zeit die Seuche noch in 24 Gemarkungen in den Kreisen Marburg, Kirchhain, Tübingen, Friedberg, Gießen, Biedenkopf, Schotten, Hungen und Wetzlar, und zwar in Hachborn, Oberhörgern, Eberstadt, Großenbuseck, Oppenrod, Bettenhausen (Oberhessen), Weitershain, Nonnenwerth, Nonncnrod, Allendorf, (Wetzlar), Eschen- rod, Gladeubach, Weidenhausen, WommelShausen, Ulrichstein, Götzen, Ulfa, HelperShsin, Bildet, Holzhausen,
Ober-Erlenbach, Rohrbach, Unter-Schmitten und Wallern - hausen. Bei den bunt durcheinander laufenden Grenz- verhältnifsen zwischen Kurhessen, Großh Hessen, Nassau, Waldeck, Thüringen, Sachsen rc. ist für' alle Landwirthe in den benachbarten Districten größte Vorsicht geboten, da vielfache Berührungspunkte unvermeidlich, um so mehr, da erfahrungsgemäß Uebertragungen auf den Menschen häufig vorkommen.
* — Gottlob, ein blauer Himmel lacht seit Sonntag über Sta' ^nd Land. Der Siebenschläfer hat uns lang genarrt, aber doch nicht sieben Wochen lang. Die bekannten drei Wetterheiligen im Mai haben sich Heuer besser angesessen, als der Siebenschläfer. Nur von einem dieser Heiligen wissen wir übrigens, woher und wohin er gekommen ist: von Servatius. Ein Bild Hans Schühlcins in der Münchener Bibliothek, auf dem er dargestellt ist, zeigt linker Hand ein Wappenschild mit drei Holzschuhen, rechts eine Aufschrift, in welcher der Heilige also spricht: „Zu Lüttich den Glauben lernt ich — Servatius, da warf man mich — Mit Holzschuhen zu todt auf der Fahrt — Zu Mastric ich begraben wardt." (Am Niederhein und in holländischen Städten prügelt sich die Jugend heute noch mit Holzschuhen.)
* — Unsere Wetterpropheten. Bei dem jetzigen unsicheren Wetter, das einem den Sommer ganz verleidet, ist es schwer Wetterprophet zu spielen, der hundertjährige Kalender gibt schon lange nicht mehr zuverlässige Berichte und selbst unseren Meteorologen schlägt Jupiter pluvius oft ein Schnippchen. Dagegen stehen gewisse Thiere nicht ganz mit Unrecht im Rufe, ziemlich sichere Wetterpropheten zu sein. Vor allem steht bei uns der Laubfrosch in Ansehen, der bei schönem Wetter aus dem Wasser steigt und durch Quaken den Regen ankündigen soll. Leider entspricht der Frosch seinem Rufe nicht ganz, denn in Gefangenschaft gehaltene Laubfrösche haben ihrem Rufe keine Ehre gemacht. Von den Spinnen als Wetterpropheten aber wird viel rühmliches erzählt. Schönes Wetter soll nach Beobachtern dieser Thiere bevorstehen, wenn z. B. viele Kreuzspinnen sich zeigen und tüchtig an ihren Netzen arbeiten, besonders auch des Nachts; veränderlich werde das Wetter aber, so heißt es, wenn die Kreuzspinne selten erscheine und weniger arbeite; arbeite sie gar nicht oder zerreiße sie gar ihre Gewebe, so gibt es Regen und Gewitter. Schwalben sollen durch die Höhe ihres Fluges das Wetter anzeigen können und Fliegen durch die Stärke ihres Gesummes. Doch auch diese genannten Propheten sind nicht allzu sichere, und das darf ihnen nicht allzu sehr verübelt werden, irren doch selbst die vorzüglichsten meteorologischen Observatioricn in Deutschland wie im Auslande ziemlich häufig bei ihren Voraussetzungen.
* — Falsche Fünfzigmarkscheine, welche auf photo- graphischem Weg sehr täuschend hergestellt und deßhalb von echten Scheinen nur schwer zu unterscheiden sind, befinden sich im Umlauf. Wir mahnen deßhalb zu größter Vorsicht.
* — Die rothen Eilgutfrachtbriefe werden nach einem Beschluß deS „Deutschen Eisenbahn-Verbandes" durch weiße, die mit einer breiten rothen Einrahmung versehen sind, ersetzt.
* — Nach den Bestimmungen des Betriebs Reglements für die Eisenbahnen Deutschlands sind trunkene Personen zur Mitfahrt und zum Aufenthalt in den Wartesälen nicht zuzulassen. ES wird ihnen dann daS Fahrgeld, sowie die Gepäckfracht für die nicht zu durchfahrende Strecke ersetzt. Leistet aber ein Angetrunkener den Anordnungen des Dienstpersonals nicht Folge, beobachtet er überhaupt die vorgeschriebene Ordnung nicht, dann ist ein Ausschluß von der Fahrt ohne jeden Anspruch auf Fahrgeld oder Gepäckfracht an der Stelle.
* — Eine für die Obstweinhändler wegen seiner prinzipiellen Bedeutung wichtiges Gutachten hat das Ober-Medizinal-Kollegium zu BreSlau in einer Klage- sache, die Qualifizirung von Cidcr (Acpfelwcin) be- treffend, abgegeben. Ein schlesischcr Schankwirth, der nur die Konzession zum AuSschank von Bier, Wein und feinen Liqueuren, nicht auch von Branntwein hatte, war in Strafe genommen worden, weil er Obstwein (Cider) ausgeschäukt hatte, den der Sachverständige für Branntwein erklärte, da der Alkoholgehalt von 15 pCt. nicht durch Gährung entstanden, sondern zugesetzt sei. Auf die eingelegte Berufung wurde das Gutachten eines