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M 74.

Samstag, den 13. September

1890.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat das schleswig-holsteinische Füsilierregiment Nr. 86 der Kaiserin verliehen. Während des feierlichen Akl>s standen die Bataillone in Breit- kolonnen mit entrollten Fahnen, die Kaiserin hielt im Wagen, der Kaiser sagte in seiner Ansprache, in Aner­kennung der vortrefflichen Leistungen des IX. Armee­korps beim Manöver habe er beschlossen, seine Gemahlin zum Chef eines Regiments zu ernennen, in welchem Söhne der Provinz dienen, der dieselbe entstammt. Er erwarte, daß das Regiment im Bewußtsein der ihm zu Theil gewordenen Ehre im Stiege wie im Frieden stets seine Schuldigkeit thue. Das Regiment soll den Namen Füsilier-Regiment-Kvnigin" führen und den Namens­zug der Kaiserin in den Achselklappen tragen. Die kombinirten Land- und Marinemanöver an der schles- wig-holsteinischen Küste sind nun beendet. Aus allen Berichten geht hervor, daß die Leistungen des IX. Ar­meekorps und der Flotte ganz vorzügliche waren, wie denn auch Kaiser Wilhelm, der fast während der ganzen Manöverzeit den greisen Feldmarschall Grafen Molkte zur Seite hatte, mit seiner lebhaften Anerkennung nicht zurückhielt. Der Kaiser reist am Donnerstag über Kiel nach Berlin zurück und begibt sich nach kurzem Aufenthalte zu den Manövern nach Schlesien.

In der Rede, die der Kaiser bei der Festtafel zu Glücksburg hielt, ist besonders eine Stelle bemerkens- werth. Graf Reventlou hatte in seinem Kaisertoast die Hoffnung ausgesprochen, daß es dem Monarchen ge­lingen werde, die dunkeln Schatten zu bannen, die den inneren Frieden unseres Vaterlandes bedrohen. Der Kaiser erwiderte, daß er diese Hoffnung theile; aber so fügte er hinzu:

Ich vermag es nur dann, wenn jeder deutsche Mann an seinem Theile seine Hilfe mir ange. bethen läßt, und Ich hoffe und erwarte, daß die Mitglieder der Provinz ein Jeder für sich und ein Jeder in seinem Wirkungskreise es sich ange­legen sein lassen werden, dahin zu wirken, daß die festgeschlossenen Bande der Ordnung aufrecht er­halten werden den umstürzenden Elementen gegen­über. Wenn ein jeder Bürger seine Pflicht thut, dann bin auch ich im Stande. für sie zu sorgen und zu unserer Aller Heil in Ruhe und Frieden die Geschicke des Vaterlandes zu lenken."

Der Kaiser appellirt hier sehr bestimmt an die bürgerliche Selbsthilfe und Mitarbeit, ohne welche die StaatShilfe unwirksam bleiben muß.

Das Schweine-Einfuhr-Berbot ist so gut wie aufgehoben. Der Landwirthschaftsminister Dr. von Lucius hat, wie dieVossische Zeitung" zu melden weiß, dem Berliner Magistrat mitgetheilt, daß er im Einver­nehmen mit dem Reichskanzler bereit sei, die Einfuhr ungarischer Schweine aus Steinbruch und Bielitz-Biala zur Atschlachtung auf dem dortigen Schlachthof wider­ruflich zu gestatten. Die Voraussetzung dieser E-laub- niß wäre aber die völlige Trennung der eingesührten Schlachtschweine von den auf dem Berliner Viehhof zum Verkauf ausgetriedenen. DieVossische Zeitung" theilt ferner mit, daß die für diesen Zweck polizeilich geforderten Einrichtungen des Centralvichhofes binnen 3 Tagen beendet sein würden, sodaß dann die Einführung ungarischer Schweine beginnen könne.

1,448,121 Personen haben in den Jahren von 188089 dem deutschen Reich den Rücken gekehrt und sind nach Amerika ausgewandert. Dazu kommen noch die nach Australien und anderen Staaten Ausge­wanderten. Im laufenden Jahre 1890 hat die Aus­wanderung gegen 1889 wieder zugenommen.

Aus Obckschlesien wird gemeldet, daß im Rybniker Kreis der Hungertyphus ausgebrochen si und daß Man wegen der schlechten Ernte dort schlimmen Zeiten entgegenzugehen fürchte.

Aus Sachsen. Das rechte Elbufer ist infolge des Dammbruchs bis zum Elstergebiet meilenweit über­schwemmt, das Elend ist unbeschreiblich. Ueberall sind Häuser eingestürzt. Militär und Fischer bringen Men­schen und Vieh in Kähnen aus den umliegenden Dörfern nach hier in Sicherheit. Auf dem linken Elbufer hinter Belgern hat ein neuer Deichbruch stattgefunden. In -^argau sind die an der Elbe gelegenen Häuser stark gesährdet. Viele Deichdämme sind noch in Gefahr, ».nri|M Master nicht bald fällt. Der Staatsminister

Lokales und Provinzielles.

Pf. Schlüchtern, 11. Sept. Die gestern auf dem Acisdrunnen bei Schlüchtern abgehaltene Thierschau war mit Rindvieh sehr gut beschickt. Es hatten aus­gestellt : aus dem hiesigen Kreise 72 Landwirthe 125 Thiere und aus dem Kreise Gelnhausen 1 Besitzer 7 Thiere, im Ganzen waren auf dem Ausstellungsplatze 16 Bullen, 52 Kühe, $4 Kalbinnen; Pferde waren etwa 50 Stück ausgestellt, Prämien wurden zuerkannt, für Bullen: Bürgermeister Müller-Hütten 60 Mk., Heinrich Blum- Sterbfritz 40 Mk., Ludwig Bolender-Schlüchtern 30 Mk., Wilhelm Jöckel-Romsthal 25 Mk., Kaspar Heilmann- Elm 20 Mk., Andreas Hopf-Gomfritz und Adam Gerlach-Elm Ehrendiplome. Für Kühe: Conrad Schweinsberger-Langenselbold 25 Mk., Adam Gerlach- Elm 20 Mk., Kaspar Schau berger-Niederzell 20 Mk., C. A. Leipold-Schlüchtcrn 15 Mk., derselbe ein Ehren- diplom, Anton Weber-Eckhardroth 15 Mk., Heinrich Bolender-, Johannes Kohlhepp- und Karl Hafner- Schlüchtern je 10 Mk., Ludwig Bolender-Schlüchtern 5 Mk., Nikolaus Scheel-Gundhelm 5 Mk. Für Rinder: Heinrich Schreiber-Hohenzell 20 Mk., Conrad Schweins- be g-r-Langenselbold 15 Mk., Ferdinand Rüffer-, Jean Hr dermann Schlüchtern je 15 Mk., Johannes Eim- § chwarztnfrls 10 Mk. und 1 Ehrendiplom, für eine

v. Nostiz-Wallwitz ist am Montag Nachmittag nach Riesa abgereist, um die Durchbrüche der Elbdämme bei Brom- nitz, Lorenzkirchen und Nünchritz zu besichtigen. Bei Nünchritz ist der Damm auf 80 bis 100 Meter Länge weggerissen. In Dresden sind große Waarenvorräthe vernichtet, weil das Wasser auch in die Keller wcitent- fernter Straßen gedrungen ist, an deren Räumung Niemand gedacht hat. Zahlreiche Großbetriebe und viele hundert Handwerker haben die Arbeit einstellen müssen.

Ulm, 9. Sept. DieUlmer Ztg." meldet aus Friedrichshafen, der verschwundene und im Bodensee leer wiedergefundene Postbeutel habe eine Hofsendung enthalten, darunter die Untersuchungsakten über die Stuttgarter Offiziersaffairen; der Verlust verursache Aufregung, ein Nachtwächter sei verhaftet.

Freiburg t. Bk., 7. Sept. Alle bisher vorge­kommenen Schändungen von Gotteshäusern dürften durch den Akt, welcher in den Orten Gollenheim am Kaiser­stuhl ausgeführt wurde, überboten werden. Als der Küster des Morgens die Kirche betrat, prallte er entsetzt zurück, auf dem Hauptaltar ein lebendiges Ungethüm zu sehen, erholte sich aber bald von seinem Schrecken, und als er näher kam, fand er einen mächtigenZiegen- bock auf dem Altar stehend. Wie sich ergab, hatten die Kirchenschänder das Thier einem Einwohner des Ortes aus dem Stalle gestohlen, die Kirche erbrochen und den Bock auf dem Altar festgebundm.

Vom Schwarzwald, 1. September. Eine Zigeunerbande raubte auf ihrem Durchzuge einem Kurgaste in Bad Petersthal ein neun Jahre altes Kind. Das Verschwinden desselben wurde glücklicher Weise bald bemerkt. Nach längerem vergeblichen Suchen lenkte sich der Verdacht auf die Zigeuner, die ^urz zuvor durch den Ort ge­wandert waren; sofort wurde Jagd aus die Bande ge­macht. Es gelang, dieselbe einzuholen und ihr den Raub abzujagen. Die Schuldigen wurden in das Ge­fängniß zu Oberkirch geliefert.

Ausland.

Oesterreich. Der Kaiser hat eine Verordnung er­lassen, durch welche die Regierung angewiesen wird, für die Nothleidenden in Ober- und Nieder-Oesterreich, Böhmen, Schl-sien und Vorarlberg zwei Millionen Gulden aus Staatsmitteln aufzubieten zurnichtrückzahl- baren Unterstützung.

Rußland. Bei den russischen Manövern in Wolhynien, welche j-tzt begonnen haben, operiren zwei Armeen, die Wolhymsche und die Ljublinsche, mit zusammen 191 Bataillonen, 144 Eskadrons und 456 Geschützen gegen einander. Bei der Einweihung einer Synagoge sagte der Londoner Oderrabbiner Dr. Adler, er habe Nach­richten ans zuverlässigster Quelle, welche keinen Zweifel darüber lassen, daß eine große Judenverfolgung in Rußland g plant sei. Zugleich heißt eS über Wien, daß allmählich alle Juden aus Rußland ausgewiesen werden sollen, etwa im Verlauf der nächsten fünf Jahre.

Muster-Collection Kaspar Shauberger- und Heinrich Börncr-Niederzell je 10 Mk., Ferdinand Zipf-Hoyenzell, Kaspar Rosenberger-Niederzell, Müller Albiuger-Sanncrz, AdamWeitzel-Kressenbach, Leonhard Kohlhepp-Schlüchtern, Nikolaus Beck-Schlüchte: n, Philipp Hildebrand-Schlüch- lern, Kaspar Baist-Schlüchtern, Alois Noll-Marborn je 5 Mk. Für Pferde: Johs. Gerlach-Hof-Raith, Amand Hergemöder-Ulmbach, Joseph Link-Sarrod je 10 Mk. für einjährige Füllen, Kaspar Eckhard-Schlüchtern, Richard Frischkorn-Hintersteinau, Heinrich Heil-Ulmbach je 15 Mk., Nikolaus Ruppert-Sarrod 10 Mk. für zwei­jährige Füllen, Nikolaus Berthoid-Hintersteinau 25 M., Johannes Gerlach-Hof-Raith 15 Mk. für dreijährige Füllen, Ferdinand Zipr-Hohenzell 15 Mk., Johannes Rehw-Gundhelm 15 Mk-, Nikolaus Berthold-Gomfritz 10 Mk., Georg Bemgen-Niederzell 10 Mk. für vier­jährige Füllen, Domainenpachter Keiser-Hundsrück ein Ehrendiplom und Freideckscheine für zwei zweijährige Füllen. Außerdem erhielten noch 25 Besitzer Freideck­scheine resp, den Geldbetrag dafür ä 5 Mark für Mutterstuten. Die obige Thierschau zeigte, daß hin­sichtlich der Rindviehzucht die richtigen Bahnen einge« schlagen, es waren durchweg wirklich schöne Thiere auf­getrieben und hatte die Prämiirungs-Commission gerade keine leichte Arbeit. Fragliche Commission, bestehend aus den Herren Oeconom Köhler und Kreisthierarzt Remy-Schlüchtern, Bürgermeister Noll-Romsthal, Oeco­nom Scheidemantel aus dem Kreise Gelnhausen und Oberamtmann Schwarz aus dem Kreise Hanau, hat sich sehr lobend über die vorgeführten Thiere ausgesprochen und namentlich die gute Nachzucht rühmend hervorge- Hobsn, die Herren bedauerten nur, nicht mehr Geld- mitt l zur Prämienvertheilung verfügbar zu haben. Diejenigen Aussteller, welche diesesmal keine Prämien erhalten konnten, mögen sich damit trösten, der Gesammt­heit durch ihre Betheiligung bei der Ausstellung einen auerkennungswertheu Dienst geleistet zu haben Auch die Pferdeschau ergab befriedigende Resultate und wurde constatirt, daß in der Pferdezucht der Kreis ebenfalls Fortschritte gemacht habe. Wenn somit die Ausstellung ein befriedigendes Bild gezeigt hat, muß anderseitig bemerkt werden, daß wir mit unserer Viehzucht noch lange nicht auf der Höhe der Zeit angekommen, es bleibt noch recht viel nachzuholen und möchten doch alle Land- wirthe des Kreises, Groß- wie Kleingrundbesitzer, ihre Vorurtheile und Sparsamkeit am unrechten Platze auf- geben und die Bestrebungen des landwirthschaftlichen Kreisvereins besser unterstützen, es würden dann gewiß noch günstigere Resultate erzi.lt werden. Die Prämiirung, um 9 Uhr angefangen, war gegen 2 Uhr Mittags zu Ende, worauf ein kleiner Kreis der Theilnehmer 25 Herren sich imHotel Stern" zum Festessen vereinigte und in heiterer Stimmung bis Abends 8 Uhr zusammenblieb. Von verschiedenen Seiten wurde mißliebig bemerkt, daß die Thierschau doch gar zu sehr ein lediglich landwirtschaftliches Gepräge habe, so ganz ohne Sang und Klang, ohne Festjungfrauen, Fahnen und Kränze, das wäre eigentlich gar kein landwirth- schattliches Fest, meinten Viele, und ein Fest sollte und wollte es auch nicht sein. Der landwirthschaftliche Kreisverein mit seinen 160 Mitgliedern ä 3 Mk. jähr­lichem Vereinsbeitrag hat bessere Verwendung für seine Gelder, als F.ste zu feiern. Einen besseren AuS- stellungsplatz als unsern Acisdrunnen kann man sich wohl nicht denken, auch Speisen und Getränke waren dort wie hierim Stern" vorzüglich. So Gott will, werden wir in drei Jahren wieder größere Thierschau halten, hoffen wir, daß der landwirthschaftliche KreiSverein bis dahin 5001000 Mitglieder zählt, denn nur dadurch wird die Möglichkeit geboten, größere Arrangements zu treffen.

* Am 9. und 10. September fand unter Leitung des Provinzial-Schulrathes Kanngießer und des Regie- rungs-Schulrathes Falckenheim die Abgangsprüfung an hiesigem Seminar statt. Geprüft wurden: 1. Bach­mann, 2. Bethge, 3. Braun, 4. Bräutigam, 5. Euler, 6. Herhold, 7. Knoche, 8. Krcß (Breitenbach), 9. Linde, 10. Lofinck, 11. Lotz (Niederzell), 12. Neuhardt, 13. Neuber, 14. Plock, 15. Rüster (Ahlersbach), 16. Sand­mann, 17.Schaake, 18. Scharf, 19. Trensch, 20. Walter, 21. Weber, 22. Weishaar L, 23. Weishaar II., 24. Werner, 25. W ssenbach (Hütten), 26. Schüßler. Sämmt­liche Examinanden haben die Prüfung bestanden.