Erscheint Mittwoch u. Samstag —Preis mit „Kreisblätt" u. .Memeiünützige Blätter" viertcljährl. 1 Mk.—Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat entschieden, daß ein Dom in Berlin als Predigt- und Grusikirche mit einem Kostenaufwand von etwa 10 Millionen Mai k erbaut werden soll. Dem mit dem Berliner Dombau betautn Architekten Raschdorff ist die Bearbeitung eines di-snn Plane entsprechenden Projektes aufgetragen worden.
— Die kaiserliche Familie ist mit dem gesummten Hofstaate am Freitag Nachmittag vom Neuen Palais bei Potsdam zum Winteraufenthalt nach dem königlichen Schlosse in Berlin übergestedelt.
— Der „R.ichsanz." erklärt, die M ltheilung der Blätt-r, von der Regierung sei fest beabsichtigt, die landwirthschaftlichen Zölle auf die Höhe, welche dieselben vor der l^tn Steigerung bis Zolles (1887) hatten, herabzusetzen, entbehre jeder Begründung.
— Der erste Versuch, die russische Grenze bei Vieheinfuhr wieder zu öffnen, hat, wie es scheint, einen un- günstigen Erfolg gehabt, wenigstens meldet die „Schles. Ztg/ : „Der erste von Schoppivitz eingetroffene, einer Berliner Firrua gehörige Transport lebender russischer Schweine enthielt unt-r 107 Stück 30, welche an der Maul- und Klauenseuche erkrankt waren. Da russischer- seits der Rücktransport verweigert wurde, erfolgte die Abschlachtung des ganzen Transports im Beuth^ne- öffentlichen Schlachthause.
* — Die Geweibisteuerkomision des Abgeordnetenhauses genehmigte die Bestimmung, daß G werde mit jährlichem Bttricbsentrag von unter 1500 Mk. steuerfrei bleiben.
— Die GewerbestenerkommWon des Abgeordnetenhauses nahm die Betriebssteuer für Gast- und Schank- wirthe aß.
Ausland.
Oesterreich. Der verschollene Erzherzog Johann (Johann Onh) ist 38 Jahre alt, ein Vetter des Kaisers, ein Sohn d r noch lebenden Großherzogin von Toscana. Der Erzherzog, ein Mann voller hochfliegenden Pläne, machte Zeit Lebens viel durch feine Extravaganzen von sich reden. Bald 'suchte er sich zum Reorgamsator der Armee aufzuspielen, bald trat er als Antispiritist h r- vor, bald beglückte er das lustige Wien mit einer Reihe von Walzern und einer von ihm componirte» Oper. Sein unruhiges Leben mit Schauspielcrincn, das ihn von Wien bis nach London und nach Berlin zog, verschlang hohe Summen, so daß zuletzt seine finanzielle Lage eine sehr erschütterte war. Kaiser Franz Joseph, der mit Trauer diesen Dingen zusah, ließ ihn eines Tages zu sich kommen und fragte ihn, mit wie viel Geld er aus seiner Lage befreit weiden könne, und ob er eine neue Lebensweise beginnen würde, wenn man sich entschlösse, ihm zu hifen? Der Erzherzog sah seinen Vetter prüfend an, und weil er nur Güte und Verzeihung im milden Antlitz las, machte er die schönsten Versprechungen, ujö nannte — die doppelte Summe dessen, was er schuldete! Mit der Hälfte zahlte er seine Schulden, die andere Hälfte legte er als Sparpfennig bei v rschiedenen BaRi rs an. Die Summe, die ihm d-r Kaiser, ohne eine Miene zu verziehen, auf ein Blanqu-tt schrieb, war 100,000 Gulden. Erzherzog Johann besserte sich aber nicht, und endlich geschah das Ungeheuere, er wurde auf Befehl des Kaisers aus der Liste der Erzherzöge gestrichen. S it der Stunde trug er den Namen Johann Orth, ^nach einem Schloß auf einer Jasel im Traunsee. Seine Geliebte M lla Stubel, die Schwester von zwei Schau- fpielerine«, soll er in London geheirathet haben, ehe er zu Scknff ging. ,
Rußland. Wenn „Väterchen" reist. E-u sonderbares Abenteuer passirte kürzlich eurem Dünner, der in einem Schnellzuge von Krakau gen Warschau fuhr. Es war bereits nach Mitternacht, als der Zug in einer kleinen Station vor Warschau, welche für den Schnellzug nicht als Haltestelle verzeichnet war, plötzlich hielt und sämmtliche Fahrgäste zum Aussteig n aufgefordert wurden. In einer schlecht verwahrten Hölzerudn Wa te- h lle wurden die Fahrgäste hierauf untergebracht und diese Wartehalle von Kosaken umstellt. Nach einiger Zeit aber wurden die Fahrgäste angewiesen, die Waite- Halle zu verlassen, und von den Kosaken mr ein Feld geführt, wo sie in strömenden Regen, bei empfindlicher Kälte, von den Kosaken eingeschlossen, mehrere Stutzen Weihen mußtxn. Während dessen war von ungefähr
zwei Regimentern russischer Infanterie der ganze Bahndamm zu beiden Seiten dicht besetzt worden und nicht lange danach sauste mit Blitzesgeschwindigkeit ein Zug vorüber, in w.lchem, wie später mitgetheilt wurde, der Herrscher aller Reuße» eine seiner Reisen machte. Mehrere Stunden vor dem Eintreffen des Hofzuges wurde der ganze Verkehr auf der Strecke gegen Warschau eingestellt. N ichdem der Zug mit dem „Väterchen" Zar die Station passirt hatte, gaben die Kosaken die durchnäßten und halberfrorenen Passagiere frei, worauf dieselben nach beinahe siebenstündigem unfreiwill'gen Aufenthalte ihre R-ise sortiern konnten. Wenn es einem der Fahrgäste eingefallen wäre, wegen der unfreiwilligen Aufenthaltes einige Worte zu verlieren, so -hätten die Kosaken höchst wahrscheinlich mit ihm nicht hel Federlesens gemacht. — Es ist das übrigens nicht das erste Mal, daß so etwas in Rußland passirt.
Lskalss litte) Provinzielles.
, * Schlächtern, 16. Dez.
* — In einer Extra - Beilage zum Regierungs- Amtsblatt Nr. 54 wird der Bericht über den Geschäkts- betrieb der hessischen' Brandversicherungsanstalt vom Jahre 1889 nebst Bilanz und einem nach Kreisen ab« getheilten Verzeichniß von sämmtlichen Brandschadens- Vcrwilligungen veröffentlicht. Hiernach beträgt der Gesammtschaden von den im Jahre 1889 entstandenen Schadensfällen 741.693 Mark 56 Pfennig. Es brannte im Jahre 1889 im Kreise Schlüchtern 14 Mal und zwar zu Schlüchtern 5 Mal, (12. Jaa., 3. Juni, 14. Juni. 9. Sept., 24. Nov.fl zu Steinau 2 Mal, (26. Juni und 9. S pt.), zu Salmünster (29. März). Altcuaronau (5. Nov.), Lindenberg (3. Ju u), Mottgus (27. Juni) Sannerz (28. Noo.), Schwärzenfels (H. Febr.1. Sterbfritz (17. Febr.), wofür insgesammt 14,797 M. 8 Ps Schadenersatz geleistet wurde.^ Besonderen Schaden verursachte nur der Brand zu Sterbfritz am 17. Februar, wofür der Eigenthümer der ab- gebrannten beiden Gebäude 3156,50 M. Entschädigung erbt 4t, und der Brand zu Altengronau am 5. November, wofür die betr. Brandbeschädigten insgesammt 4864 M. 69 Pfg. Entschädigung erhielten. Die höchste Summe bei 10 Brandfällen hatte der Landkreis Kassel mit 62,436 Mark 56 Pf.; die Brandsteuer dieses K-ises^ betrug 87,765 Mark 37 Pf. Das Gesammtvermögen i der hessischen Brandversicherungsanstalt am Schlu'se des Jahres 1889 beträgt, einschließlich des Reservefo ids im Betrage von 587,772 Mark 16 Pf., 1,110,967 N. 30 Pf. Die Ursache des Schadens war in 43 Fällen kalter Blitzschlag, in 7 Fällen Blitzschlag, welcher gezündet hat, in 11 Fällen vorsätzliche Brandstiftung aus Gewinnsucht, in 41 Fällen vorsätzliche Brandstiftung aus anderen Motiven, in 45 Fällen Fahrlässigkeit einschließlich Rauchens, in 22 Fällen Spielen der Kinder mit Streichhölzchen, in 69 Fällen vorschriftswidrige oder mangelhafte Bauart, 2 Gewerbebetrieb, 2 Gasexplosion, 2 mutmaßliche Selbstentzündung, 7 Gardinenbrände und 9 Erploston durch Petroleumlampen, 47 Fälle waren nicht zu ermitteln.
* — Nach der neuesten B.stimmung des Bundesraths scheidet eine Anzahl von Arbeitern und Arbeiterinen aus der B-rsicherung aus. Nach §. 4 des Bundes- rathsbcschlusseS sind Aufwärter oder Aufwärterinen und ähnliche zu niederen häuslichen Diensten von kurzer Dauer an wechselnden Arbeitsstellen thätige Personen von der Versicherung ausgenommen. Danach fallen also auch die Wäscherinen aus.
* — Als erste Kalenderwoche, für welche Beiträge der A't rs- und Juvalisitäts-Bersichkrung zu entrichten sich, ist die Z it vom Donnerstag, den 1. Januar 1891, als Den nunmehr feststehenden Termin des Inkrafttretens des oben gedachten Reichsgesetzes, bis ein chließlich Sonntag, den 4. Januar 1891 anzusehen.
» — Die Preise der Arbeiter-Fahrkarten sind auf aßen preußischen Staatseisenbahnen nunmehr öligem in auf 1 Pfennig für den Kilometer herabgesetzt worden.
— Bei der herrschenden Kälte empfiehlt es sich in jeder Gemeinde, sich zu versichern, ob auch, trotz seiner Zeit bei den Herbstübüngcn vorgenommener Leerung und Austrocknung der Spritzencylinder »>d Ventile, nicht wieder .Wässer in dens lben sich gesammelt hat. In vielen Fällen wird wen sich überzeugen müssen, daß eine mehr od r weniger mächtige Eisschicht in den Maschine» deren sofortige Inbetriebsetzung Zur Unmög-j
lichkeit macht. Aufthaue» mittelst Petroleum oder Spiritus, Austrocknen mittelst Schwamm, Reinigung der die Bewegung versagenden Theile und Einschmieren derselben mit flüssigem Glycerin ist das einzige Mittel, um vor Schaden bewahrt zu bleibe’.
* — Das in Bordeaux erscheine de Fachblatt „Veloce Sport" theilt mit, daß ihm dreißig und, mehr radfährende Geistliche in dem Giror.de' departement bekannt seien. Als d^ese den Bordeaux 'er Eezbijchof um tue Einwilligung zum Radfahr en angingen, sagte der Hohe Herr: „Nun, meine guten Freunde, das kostet Euch weniger als ein Pferd und mwubt Euch-dadurch, daß Ihr mehr Weg zurücklegen könnt, Eure Mission besser zu erfüllen! Warum sollte ich Euch hindern?" Das ist jedenfalls Jne Ansicht, der jrd;r Unbefangene be stimmen muß.
* — Trauringe sind Schmuckgegenstände und deshalb — nach einer neuerlichen Eutsch idung des Ober« laadeSg richK' Stettin — pfändbar.
* — Das absichtliche Zuschlägen von Z mmerthüren von SeitenJineS Mieters, der damit den Hausherrn hatte ärgern wollen, ist dieser Tage von einem Schöffengericht alseIlebertretung im Sinn des bekannten U flugs- paragraphen erklärt und der Mieter in eine Geldstrafe von L0 -Mk. genommen worden, wozu noch die nicht unbedeutenden Kosten der Verhandlungen kommen.
* — Einer speciellen Beachtung empfehlen wir die heutige B-itage von F. C. H ei n ein a it n, Hoflieferant m Erfurt. — Di-.selbe enthält dte überraschendsten Wcihnachftgeschenke, Bindeartikel von lebenden und getrockneten Blumen in den geschmackvollsten Arrangements zasammengestellt, neueste Zimmer- und Tafel- de^ostonen, sowie Christbaumschmuck-Sortimente in ben*7f|-.utwüften und zweckentsprechendsten Sorten aus Glas, Lametta re, rc. Letztere enthalten außerdem alle zur Verschönerung des Christbaumes nöthigen Gegenstände wie: Spitze, Schnee, Eisflimmer, Eisguirlanden rc. ic. — Sortiment a. für Bäume von 1 — 1 Hz in Höhe ausreichend, 5 J6, Sortiment b. für Bäume von 2 m auSr.ichkNd, 10 ^ — Als besonders practisch empfehlen wir ferner die Christdaum-Lichtanzünder und -Ausiöscher, pro Stück 35
— Da vom 1. Januar t I. ab kommunalständische Rentmeister bestellt sind, werden von diesem Zeitpunkt ab alle Geschäfte, die der Kommunalverband den Königl. Rentmeister» übet tragen hatie, von den neu bestellten Beamten besorgt. Die Slraßenarbriter werden von diescin Zeitpunkte ab ihr Geld nicht von den Königlichen, sondern von den ständischen Rentmesstern ausbezahlt erhalten. Ebenso werden Zinsscheine zu Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse nur von den kommunalständischen Kassenbeamten in Zahlung oder Umtausch angenommen. Desgleichen werden die Brandkassen-Geschäfte nur noch von den neubefteltten Beamte» besorgt.
* — Das auf den meisten Eisenbahnstrecken übliche Prüfen und Durchlochen Der Fahrkarten während der Fahrt hat schon zu zahlreichen Unglückssällen Veranlassung gegeben. Der Minister Der öffentlichen Arbeiten hat diesem in Der Presse wiederholt erörterten Uebel« stände »in neuester Z :it seine besondere Aufmerksamkeit zugewendetund sämmtliche preußischeStsatsbahndirrktonen beauftragt, das fragliche Verfahren thunlichft bald unbedingt zu untersagen. Soweit die Durchführung dieses Verbots ohne nachtheilige Folgen für die Regelmäßigkeit Der Züge und ohne tieMert-werthe Vermehrung des Zugpersonals nicht möglich sein sollte, soll die Prüfung und Durchlochung Der Fahrkarten an Den Einund Ausgängen der Bahnhöfe vorgenommen und die Fahrkurten-Kontrole am Zuge im Wesentlichen darauf beschränkt werden, ob die Reisenden nicht eine höhere als die bezahlte Wagentiaffe benutzen. Diese Einrichtung soll im Jahre 1892 in Wirkmmkeit treten, bis wohin voraussichtlich Die erforderlichen Maßregeln getroffen sein werden. Von da an sollen nur solche Personen zum Betreten des Bahnsteiges zugelassen werden, welche mit Fahrkarten oder sonstigen Fahrlegitimatädnea versehen oder eine bZaudere „Bah yreigkwie" lösen.
* — Fulda hatte am 1. Dezember d. J. 12,944 Einwohner, Zunahme gegen 1885 660. Wolfhagen 2691 Einwohner, Abnahme 26. Orb zählt jetzt 3323 Einwohner, W i tz e n h a u s en zählt 3182, Zunahme 46, Fritz! ar 3221 Einwohner, Abnahme 18 Personen
Atzt, 15. Dez. H.ute Mittag Kurz räch 12 Uhr entstand in der Wermuth-Fabrik des Hrtru JustizrathS