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Erscheint Mittwoch ».SamstagPreis mitKreisölatt" u. ^Gemcinnützige Blätter" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

M 104, Mittwoch, den 31. Dezember 1890.

Abommnents-Einladuns.

Bestellungen auf das 1. Quartal 1891 (Januar, Februar, März) der

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bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gefälligst machen zu wollen und zwar möglichst bald, da die Nach­lieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Be­

stellung an bis zu Ende d. Mts. gratis. Schlächtern, im Dezember 1890.

Der Herausgeber.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser will anläßlich des bevorstcheaden Jahreswechsels am 1. Januar nächsten Jahres tu Gegenwart des Kriegsministers und des Ch.fs des Gcneralstabes der Armee die Glückwünsche der kom- mandirenden Generale, der General-Inspekteure der Fuß-Artillerie, des Ingenieur- und Pionier-Korps und der Festungen bezw. des Militär-Erziehungs- und Bil- dungswescnS, sowie der Kommandeure seiner preußischen Leid-Regimenter entgegennehmen.

Die Kaiserin und der neugeborene Prinz be­finden sich wohl; Bulletins werden nicht mehr h-raus- gegeben.

Dem Vernehmen nach haben sitz sämmtliche preußische Minister mit dem Plane der H rsie lang von Beamtenwohnungen einverstanden erklärt, und sollen die einzelnen Ressorts bereits die Kategorien der Beamten angegeben haben, für welche sie Wohnungen beschafft sehen möchten. Man vermuthet, daß dem Landtage noch in seiner gegenwärtigen Tagung eine diesbezügliche Vorlage zugehen könnte.

* Zur Verstaatlichung des Koch'schen Mittels hört derHamb. Korresp.," daß Gehcimrath Koch für sich eine Entschädigung von einer Million Mmk, hu seine Assistenten eine solche von einer halben Million Mark erhält; außerdem wird ihm ein erheblicher Antheil von dem auf jährlich vier Millionen Mark berechneten Ueberschuß aus dem Vertrieb des Mittels zu Theil.

* Wie dieDeutsche Apothekerzeilung" bekannt gibt, ist in aller Kürze eine V rordnung zu erwarten, welche bestimmt, daß das neue Koch'sche Heilmittel nur an solche Anstalten, die eine entsprechende Garantie bieten, nicht aber an einzelne Aerzte abgegeben werden darf.

Die Befreiung Berlins von der Unzahl fremder Schwindsüchtigen, welche die Stadt gegenwärtig in ihren Mauern birgt, wird durch den Polizeipräsidenten Frhrn. v. Richthofen mit allem Nachdruck ins Werk gesetzt. Ende voriger Woche ist an sämmtliche stationäre u> d fliegende Heilanstalten die Aufforderung ergangen, alle derartige Kranke innerhalb acht Tagen zu entlassen, widrigenfalls die Anstalt polizeilicherseits geschlossen wird.

Angesichts der weitgehenden B.strebungen der Regierung von Brasilien und dortiger Privatgesell­schaften, die Einwanderung künstlich zu heben, haben verschiedene europäische Consulate in Brasilien erneute Warnungen vor der Einwanderung erlassen. Ferner haben u. a. die italienische und die französische Re­gierung ihre Auswanderungsverbote in Bezug auf Brasilien wieder in Erinnerung gebracht. Wer nicht alsbald vom Klima hingerafft werden will, sollte nicht jetzt, sondern in der kühlen Jahreszeit nach Brasilien auswandern: Auffällig stark war in der jüngsten Zeit die Weiterwanderung belgischer, spanischer, portugiesischer, französischer und italienischer Auswanderer von Argentinen nach Brasilien. Mehrere Tausende der­selben wurden von Buenos-Aires nach Rio angeworben und nach Pernambuco wciterbesördcrt, wo sie indessen eine so schlechte Aufnahme fanden, daß es zu öffentlichen Ruhestörungen und blutigen Zusammenstößen kam. Die bcdauernswerthen Auswanderer mußten nach Rio zurückbefördert werden und sind theilweise nach Europa zurückgekehrt. Es haben dabei die Agenten und Schiff- fahrts-Gesellschaften gewonnen, nicht aber Brasilien, welches hohe Zuschüsse gehabt hat und nun seinen Einwanderungsdienst in Verruf gebracht sieht. Am übelsten sind selbstverständlich die armen Einwanderer weggekommen, und es genügt wohl der Hinweis auf diese Thatsachen, um die erneuten Warnungen vor der Auswanderui g nach Brasilien und Argentinien Hiu- L' reichend begründet erscheinen zu lassen.

Hake a S., 18, Dezember. Eine seltene Auszeich­

nung ist einem Lehrer der hiesigen städtischen Vo ksschnle, Herrn Otto Schnell, zu Theil geworden. Diesen noch in jüngeren Jahren stehenden, aber durch hervorragende Arbeiten auf naturwissenschaftlichem Gebiete u. A. dem bekannten Zoologen der Leipziger Universität, Professor Leuckart, bekannt gewordenen Elementarlehrer ist Seitens der Leipziger philosophischen Fakultät die Doktorwürde zueikannt worden. Das Kollegium der HaUeschen Ele­mentarschulen weist außerdem zwei andere Mitglieder auf, die unter seminaristischer Vorbildung zur Promotion gelangten.

Gera, 26. Dez. In Bezug aus den trostlosen Zu- sammenbruch der hiesigen Handels- und Kreditbank ner- öffentlicht die hiesigeZsitunz" einen Artikel, in dem vor übertriebenen Hoffnungen und Befürchtungen ge­warnt wird. Noch ist nicht die ganze Größe ds Ver­lustes klargestellt, der einzige Trost der Aktionäre ist wohl der, daß die Aufsichtsräthe sehr wohlhabende Stute sind, deren Fimilien gewiß bereit sein werden zu decken was gedeckt werden muß. Aber es handelt sich nicht nur um 2*/« Millionen Mark, die fehlen, es handelt sich um eine große Schädigung des Kredits einer empor­blühenden Handelsstadt. Auch die Gewerbetreibenden Geras ertrioen VedeuteuDe Venusle 'durch den Krach, der mitten in die Weihnachtswochen hineingefallen ist.

Rudolstadt. Eine fürstliche Verlobung hat das Weihnachtsfest gebracht: Der 38jährige Fürst Günther von Schwarzburg-Rudolstadt hat sich mit der Prinzessin Louise Charlotte von Altenburg, jüngsten Tochter des Prinzen Moritz von Sachsen-Altenburg verlobt. Der Fürst ist das letzte männliche Mitglied des Rudolstädter Fürstenhauses.

Hermsdorf it. K , 22. Dez. Ein moderner Diogenes verschied am Donnerstag in der Person des Buchbinders R.....zu Hermsdorf. Derselbe nährte sich, wie dasHirschb. Tgbl." berichtet, ausschließlich von Heringen. Hemd und Strümpfe waren bei ihm Luxusartikel, von denen er auch bei der grimmigsten Kälte keinen Gebrauch machte. Der alte Junggeselle wurde todt auf seinem Papierlager, welches ihm das Bett ersetzte, aufgefunden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 30. Dez.

* Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hat genehmigt, daß für die Rettungsanstaltz zu Hof Reith bei Schlüchtern auch im Jahre 1891 eine ein­malige Sammlung freiwilliger Beiträge Veranstalter werden darf.

* Am Sonnabend begann bei allen Reichs-Post- anstalten der Verkauf der Beitragsmarken für die Jn- validitäts- und Altersversicherung. Jede Postanstalt führt die Marken derjenigen Versicherungsanstalt, in deren Bezirk sie belegen ist. Der Jahresbedarf an Versicherungsmarken für das Reichs-Postgebiet ist auf 625 Millionen Stück veranschlagt. Außer dem Verkauf besorgt die Post auch die Bestellung der Marken, die Abführung deS Erlöses an die Versicherungsanstalten und das Reich, sowie die Berichtigung der Herstellungs­kosten für der letzteren Rechnung. Die Post wird auch die Renten und Abfindungen vorschußweise zu zahlen haben, welche auf Grund d.s Gesetzes gewährt werden. Man hat für den Bcharrungszustand den B-trag der von der Reichs-Postverwaltung auszuzahlenden Inva­liden- und Altersbezüge auf mehr als 200 Millionen Mark jährlich berechnet. Diese Summe vertheilt sich auf etwa eine Million Empfänger, deren jeder zwölf- mal im Jahre am Ersten eines jeden Monats auf der Post zu erscheinen haben wird, so daß also im Ganzen an 12 Millionen einzelne Zahlungen den Reichs- Postanstalten obliegen werden. An die Zahlung und Buchung dieser Beträge schließt sich alljährlich die Ab- rechnnng über dieselben mit dem Michs Virsicherungs^

amt und deren Wiedereinziehung von der Lersichcrungs° anstatt.

* Es sind nicht geringe Strafen, welche Allen denjenigen angedroht werden, die sich gegen die Be­stimmungen des morgen (l. Januar) in Kraft tretenden Alters- und Jnvalidenversicherungsgesetzes vergehen. So hat eine Ordnungsstrafe bis zu 500 Mark der Arbeitgeber oder dessen Beauftragter zu gewärtigen, welcher wider besseres Wissen oder aus groben Ver­sehen falsche Eintragungen in die Versicherungspapiere macht. Mit Ordnungsstrafe bis zu 300 Mark können ferner Arbeitgeber oder deren Beauftragte belegt werden, welche versäumen, vorschriftsmäßige Marken ' zu ver­wenden. Diese Marken sollen bekanntlich bei der Be­zahlung auf die Quittungskarten geklebt werden. Eine Geldstrafe bis zu 300 Mark oder Haft trifft den Arbeit­geber oder dessen Beauftragten, welcher wissentlich mehr als die Hälfte des WochenbeitrageS einem Versicherten bei der Lohnzahlung in Anrechnung bringt. Vermerke in die Quittungskarte zu machen, darf sich ebenfalls Niemand erlauben, darauf steht eine Strafe bis zu 2000 Mk. oder Gefängniß bis zu 6 Monaten. Wer Marken fischt oder bereits entwerthete Marken aber- mats verwendet, wird mit Gefängniß nicht unter drei Monaten bestraft. Diese Strafbestimmungen lehren, daß es gut ist, recht pünktlich den Vorschriften des Gesetzes nachzukommen.

* Der bisher in Fulda stationierte Spezial- commissar, Regierungsrath Dahlstroem, ist in Folge der Auflösung der Spezialkommission in Fulda von dort zum 1. Januar 1891 nach Eschwege versetzt und ist ihm die weitere Verwaltung der Spezialkommission in Eschwege übertragen.

* Am 1. Januar 1891 wird bekanntlich in den sämmtlichen 22 Kreisen des Regierungsbezirks Kassel die Bestellung eigener ständischer Land-Rentmeister er­folgen. Die früher angedeuteten Bestimmungen haben nun gemäß den Beschlüssen des Landtages und Landes­ausschusses nach einigen Abänderungen eine definitive Gestalt angenommen. Danach werden den eigenen ständischen Rentereien die bisher von den Königlichen Steuerkassen besorgten Geschäfte für die Landeskredit­kasse, die hessische Brandversichcrungsanftalt, die Straßen- bauverwaltung, sowie ferner anderweitige Geschäfte der Verwaltung des Bezirksverbandes übertragen. In den 22 Kreisen ist jedesmal derjenige Ort für die Errichtung der Laudes-Renterei ausgesucht worden, an welchem sich durch die gleichzeitige Verwaltung von Anstalten des Bezirksverbandes eine Geschäftsvereinfachnng erwarten läßt. Auch die Personenfrage ist nach Eintritt mehrerer Veränderungen nunmehr definitiv erledigt. Wie schwierig die Wahl war, geht daraus hervor, daß ca. 350 Per­sonen aller möglichen Stände und Berufsklassen sich um die 22 Rentmeisterstellen beworben hatten. Dir gewählten 23 Personen (für Kassel Stadt und Land ist außer einem Rentmeister auch ein Assistent bestellt worden) sind überwiegend geborene Hessen, welche mit Land und Leuten, sowie den in Betracht kommenden Verhältnissen vertraut sind und bei denen durch ihre bisherige Thätigkeit ausreichende Gewähr vorhanden ist, daß sie in den KassengeMästen und dem zu er­wartenden Geschäftsverkehr geübt sind. Der Gehalt fangt mit 2100 Mark an und steigt in Stufen von 300 Mk. bis 3900 Mark, außerdem erhalten die Landes- RentmeisUr den gesetzliche» Wohnungsgeldzuschuß, welcher je noch den Gehaltsstufen 200 - 450 Mk. beträgt, sowie Dienstaufwands- und Bureaukosten, die je nach dem voraussichtlichen Umfang der Geschäfte 900, 1000, 1200 und 1500 Mark betragen. Die von jedem Rent- meifter zu bestellende Caution schwankt zwischen 6000 und 9000 Mark. Besonders zu erwähnen ist, daß die Bestellung eigener Landes Rentmeister (Agenten, Ren-