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JS 12. Mittwoch, den 11. Februar 1891.

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Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat an den Staatssekretär v. Bötticher eine Kabinetsordre gerichtet, welche die Be­rufung von Delcgirten des Handwerkerstandes anordnet, behufs Konferenzen mit den leitenden Stellen des Reichs über die schwebenden Fragen big Handwerks, insbesondere über Jnnungswesen, Befähigungsnachweis, Beschränkung des Hausirhandels u. s. w.

Große Anleihen des Reiches und Preußens man spricht von 600 Millionen Mark werden, wie bestimmt verlautet, noch in diesem Monate auf Grund der bewilligten Credite auf den Markt gebracht werden. In Finanzkreisen ist man allseitig der Ueberzeugung, daß der gegenwärtige Zeitpunkt für die Begebung der Anleihe durchaus günstig ist. An den deutschen Börsen herrsche Geldüberfluß und größere Unternehmungen seien für die nächste Zeit nicht zu erwarten. Auch nach der Richtung herrscht allseitige Uebereinstimmung, daß die neue Anleihe weder eine vierproceutige noch eine dreieinhalbprocentige, sondern nur eine dreiprocentige werden kann und daß es dringend nothwendig ist, die Anleihe jetzt so groß zu machen, daß damit für längere Zeit, für Jahresfrist, alle Geldbedürfnisse des Reiches und Preußens Befriedigung finden können.

Allen nicht-katholischen Mitgliedern des preußi­schen Abgeordnetenhauses ist jetzt eine Zuschrift, die Unterschriften aus allen preußischen Provinzen trägt, zugeschickt worden. In derselben wird unter Hinweis auf die große Erregung, die die Sperrgeldervorlage im preußischen Bolk hervorgerufen hat, deren Ablehnung gefordert.

Hamburg, 6. Februar. Hier wurde eine Frau v. Ellern wegen unerhörter Mißhandlung ihrer sechzehn­jährigen ehelichen Tochter Sophie verhaftet, die sie mit glühendem Eisen auf den nackten Körper, nachdem sie mit Stricken fcstgebuuden war, gezüchtigt hat, so daß der Körper mit 22 Brandwunden bedeckt war. Die Tochter wurde ins Krankenhaus gebracht und zwar in schwer verletztem Zustand.

Stettin, 3. Februar. Seit einigen Wochen verging kein Tag, an welchem nicht falsche Geldstücke bei der hiesigen Polizei eingeliefert wurden. Der Schneider Guminsky und dessen Frau sind jetzt als Thäter in Haft genommen. Beide sind keine Neulinge in der Falschmünzerei, denn im Jahre 1885 wurde der Ehe­mann wegen dieses Verbrechens zu 5 Jahren, die Frau zu 3'/» Jahren Zuchthaus verurtheilt. Aus dem Zucht­haus entlassen, setzte der Mann das alte Geschäft als­bald mit neuen Kräften fort.

Der älteste Mann Deutschlands, der Rentner MarcuS Jordan zu Bielefeld, ist am Donnerstag zur letzten Ruhe eingegangen. Der Entschlafene, der bis auf wenige Tage vor seinem Tod sich einer bewunderns- werthen körperlichen und geistigen Frische erfreute, stand im 112. Lebensjahr.

Erfurt, 4. Februar. Die Leiche des vor mehreren Wochen in Santa Cruz verstobenen Inhaber der Welt­firma J. C. Schmidt (Blumenschmidt) ist einbalsamirt und am 31. Januar nach hier verladen worden. Das Einbalsamiren, die Transportkosten rc. belaufen sich auf gegen Mk. 10,000.

Aus Gotha wird geschrieben: Einen Beitrag zum Beweis der namentlich von fortschrittlicher Seite so oft geleugneten Thatsache, daß die Landwirthschaft, nament­lich die kleinen Bauern, sich in arger Bedrängnis auch in unserem kleinen Herzogthum befindet, dürfte die Thatsache liefern, daß im verflossenen Jahr im Be­zirk des Amtsgerichts Gotha nicht weniger als 36 bäuerliche Grundbesitze zum Zwangsverkauf ausge­schrieben worden sind. Wie schlecht die Zinsen auf die von Bauern auf ihren Grundbesitz eufgenommenen Kapitalien eingehen, davon können auch die öffentlichen Kassen und die Kapitalgläubiger reden. In manchen Orten des gedachten Bezirk ist bei freiwilligen oder in Zwangsverkäufen gar kein Gebot zu erhalten.

KarlSruhe, 3. Februar. Ein Schwabenstreich. Fasching ist da, und wenn sich die großen rheinischen Städte ihren Karneval leisten, kann man's dem kleinen Städtchen Zcll a. H. nicht verübeln, wenn es auch sein Fastnachtsspiel haben will; nur ist das Motiv, das man sich ausgesucht, nichts weniger als ein faschingsmäßig-s. Das, was dargestellt werden soll, ist eine historische Episode aus der Schwedenzeit. Im Jahre 1649 w«r Hell a. H. noch eine freie Reichs

stadt und sollte von den Schweden überumpelt und mit einem Handstreich genommen werden. Der Vogt von Entersbach hatte davon Kenntniß bekommen, er schwang sich auf sein Rößlein und hinterbrachte dem Reichs- schuldheißen in Z-U die Absicht der Schweden. Dieser sammelte sofort seine getreuen Bürger, zog mit ihnen den Schweden entgegen, die er angriff und besiegte, und kehrte im Triumph in seine Reichsstadt zurück, begrüßt mit Hellem Jubel. Aus Dankbarkeit wurde dem Vogt von Entersbach ein mit Silber beschlagenes Schwert geschenkt. Noch bis in die 1840er Jahre hinein wurde der Tag der Schwertübergabe zur Erinne­rung an die Thaten der ehemaligen Reichsstädter feierlich begangen. Heuer nun gelangt diese hübsche Kriegsgeschichte zur bildlichen Darstellung durch etwa vierhundert Personen als Karnevalspiel.

Aus dem Rcichslande, 3. Februar. Ueber einen mit Axt und Mistgabel in einem reichsländischen Orte zwischen zwei Landleuten geführten Kampf wird Folgendes berichtet: Die einander verschwägerten Weber Schäfer und Ambiehl, welche ein Haus bewohnen, waren wegen ihrer Kinder in Streit gerathen. Ambiehl bewaffnete sich in Folge dessen mit einer Axt, Schäfer mit einer Mistgabel. Als nun Ambiehl auf den Schäfer eindrang, wehrte sich Schäfer mit der Gabel und stieß den Schwager zu Boden, und als sich letzterer wieder erheben wollte, bohrte ihm Schäfer die Gabel durch das Auge in das Hirn. Noch am Abend desselben Tages verstarb der so schwer Verletzte.

Auslaod.

In Brüssel fand neuerdings eine Kundgebung von Eonscribirten gegen die Conscription statt. Daran nahmen 2000 Mann theil; sie trugen auf den Hüten nne Karte mit der Aufschrift:Nieder mit der Blut­sauer und zogen, die Marseillaise singend, durch die Stadt. Diese Vorgänge werfen ein trübes Licht auf die belgischen Armeezustände und erweisen, was seit Jahren vorausgesagt worden ist, daß, wenn es einmal sich darum handeln wird, die öffentliche Ordnung gegen die Unruhestifter zu vertheidigen, auf einen Theil der Armee nicht zu rechnen ist.

Italien. Der Bersaglierioffieier Cecci legte dem Kriegsministerium ein neues Gewehrmodell vor, dessen Kaliber kleiner als das des Lebelgewehres ist; die Leistungsfähigkeit beträgt 200 Schüsse in der Minute, ohne daß das Gewehr von der Schulter genommen wird. General Clatdini erklärte, die Erfindung bedeute eine Umwälzung des modernen Heerwesens. Das Ge­wehr wiegt 6 Pfund. Der Zeitpunkt, wo man keine Soldaten mehr brauchen, sondern nur noch die Grenze mit elektrisch zu entladenden Gewehren behängen wird, rückt sichtlich immer näher!

Portugal. Der Militäraufstand in Oporto hat durchaus nicht den ungefährlichen, ausschließlich localen Charakter, den man ihm in Regierungskreisen beimessen möchte. Die revolutionäre Bewegung verzweigte sich nach Coimbra, nach Brozza und sogar nach Lissabon; die Unzufriedenen in Oporto sollten das Signal geben, und falls ihnen der Aufstand gelang, sollte gleichzeitig in allen übrigen großen Städten der Sturm losbrechen. Die Regierung ist sich also offenbar klar darüber, daß sie es mit einem schweren Attentate gegen die Monarchie, mit dem Ausbruche einer vielleicht nicht gerechtfertigten, aber jedenfalls im Lande sehr verbreiteten Unzufrieden­heit zu thun hat. Ob die drakonischen Maßregeln, welche die Regierung zur Unterdrückung der Bewegung ergriffen hat, ihren Zweck erfüllen werden, das wird die nächste Zukunft lehren.

Süd-Amerika. Nach in Mexiko eingegangenen Nachrichten hat Guatemala für einen Krieg mit San Salvador 25,000 Mann equipirt. Der Krieg dürfte diesen Meldungen zufolge in der ersten Hälfte des Februar erklärt werden. Honduras werde Costa Rica und N caragua in Schach halten, falls diese Republiken versuchen sich einzumischen; andernfalls werde es San Salvador, welches sich für den Kamps vorbereitet, ebenfalls angreifen. Guatemala wie San Salvador bemühen sich, Anleihen aufzunehmen.

Lokales und Provinzielles.

Schlöchteru, 10. Febr. DerHanauer Anzeiger" schreibt:Sehr bedenklich sind die großen Anstrengungen, welche in den Kreisen Fulda, Gersfeld, Hünfeld und

sogar in Schlüchtern gemacht werden, um das Land­gericht von Hanau nach Fulda zu verlegen. Es dürfte geboten erscheinen, daß nicht allein die städtischen Be­hörden, vielmehr auch die Bürgerschaft, so viel in ihren Kräften steht, für Erhaltung des Landgerichts am hiesigen Orte in Agitaiion treten. Eine Verlegung des Landgerichts von Hanau nach einer anderen Stadt ist gleichbedeutend mit dem Wegzug von 3035 Familien." Hierzu bemerkt dasFuldaer Kreisblalt": Zur Frage der Landgerichtsverlegung von Hanau nach Fulda haben wir seither aus taktischen Gründen geschwiegen, um nicht durch vorzeitiges Rühren die uns wohlbekannte Agitation in unserer Stadt und unserem Kreise, sowie in den Kreisen Hünfeld, Gersfeld uud Schlüchtern auch im gegnerischen Lager zu wecken. Jetzt aber, wo sich derHau. Anz." rührt und die Sache sogar schon als bedenklich" für die Hanauer hinstellt, dürfen auch wir aus der bislang beobachteten Reserve heraustreten. Es ist richtig, daß man sich um die Erlangung des Land­gerichtes für hier bewirbt und zwar schon geraume Zeit. Die Zweckmäßigkeitsfrage des hiesigen Orts ist in weiteren Kreisen anerkannt, daher fand auch unsere Stadt in ihrem Eroberungskampfe so ausgiebige Unter- stützung weit und breit. Ob der Sieg au; unsere Seite fallen wird und die Hanauer Grund zur Angst haben müssen, ist noch nicht zu sagen; allerdings sind an leitender Stelle Verhandlungen über diesen Gegenstand und Einziehungen von Gutachten im Gange. Wir wünschen und hoffen, daß die Regierung wie der Land­tag sich den schwerwiegenden sachlichen Gründen für eine bequeme Rechtspflege, welche für Fulda sprechen, nicht verschließen werden und das gute Recht und die berechtigten Interessen der Stadt Fulda und der für dieselbe eingetretenen Kreise diesmal zum Siege gelange. Hanau, dem der Reichstag nun auch die Kosten für Bauten zu Militärzwecken neuerdings genehmigte, wollen wir es nicht verdenken, wenn es unseren Bestrebungen gegenüber nicht die Hände müßig in den Schoß legt; aber es könnte sich bei einem etwaigen Verlust doch be­ruhigen, wenn es die reichlichen Zuwendungen bedenkt, die es im Laufe der Jahre in militärischer Hinsicht Dom Staate erhalten hat.

* Zur Verhütung der Maul- und Klauenseuche werden im In- und Auslande alle möglichen Vor­kehrungen getroffen. Die vorgeschriebenen Untersuchungen der Thiere an Der Abgangs Station im Auslande, an der Grenze, an dem Platze, wo sie zur sofortigen Schlachtung ausgeladen werden sollen, alle Desinscktions- Maßregeln und was sonst noch vorgeschrieben ist, ver- mögen aber das Auftreten dieser verderblichen Jn- fektions-Krankheit nicht zu hindern. Ist es doch schon wiederholt vorgelommen, daß Thiere, welche am Ab­gangsorte für vollkommen gesund erklärt werden mußten, während des Transportes in desinsizirien Wagen in» fizirt wurden. Merkwürdig ist auch die Erscheinung, daß in inländischen Stallungen, in denen nur im Jn- lande gezüchtetes Vieh steht, oft plötzlich die Seuche ausbricht, ohne baß man eine Berührung mit ver­seuchtem Vieh Nachweisen könnte. Die|e Fama, die im letzteren Falle meistens einen Händler als den Träger der Jns-kcionskeime ansieht, scheint aber hier Recht zu haben. Es wird nämlich mitgetheilt, daß die Händler zwar Alles, auch ihre Kleider, nach der Be­gleitung eines seuchenverdächligen Transportes deSin- siziren lassen müssen, daß es ihnen aber unbenommen bleibt, die Stricke, mit denen das Vieh im Wagen an­gebunden war, ohne vorherige Desinfektion wieder in Verwendung zu nehmen. Bekanntlich lieben es die Thiere, im Wagen an den Stricken zu lecken, womit nachgcwieseN sein dürfte, daß kein Gegenstand so direkt während des Transportes ilifizirt wird, wie gerade bis Stricke, und daß durch diese die Jnsiknon am leichtesten erfolgen wird. Die geringen Kosten, die eine gründliche Desinfektion der Stricke oder bie Neuanschaffung ver­ursacht, werden wohl kein Hinderniß sein, die Händler dazu anzuhalten, die Striae, an denen seuchenkranke oder seuchenverdächtige Thiere im Eisenbahnwagen an­gekoppelt waren oder die sonst in Berührung mit diesen Thieren kamen, gründlich desmsizlcen oder noch besser verbrennen zu lassen. Sicher ist das die einzige Mög­lichkeit, das immer wieder erneute Auftreten der Maul- und Klauenseuche, wenn nicht ganz zu verhindern, so doch viel seltener zu machen.

* Die Größe des Frostschadens, welcher durch