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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. ..Gemtinnützige Blälter" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg

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Jf 23, Samstag, den 21. März 1891.

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Bestellungen auf das 2. Quartal 1891 (April, Mai, Juni) der

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Schlächtern, im März 1891. Der Herausgeber.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. März. Es verlautet, das preußische Kultusministerium solle in nicht allzuferner Zeit getheilt werden, da der Umfang ter einzelnen Abtheilungen kaum zu überfein ist. Es wurde dann ein Ministerium für Geistliche und ein solches für Unterrichtsangelegen- heiten errichtet werden. Es bliebe dann noch die bis­herige Abtheilung für Medizinalwesen übrig, die wohl einem Ministerium zugetheilt werden würde. Die Beisetzung der Leiche des Avg. Windhorst hat am Mittwoch Vormittag in der katholischen Marien­kirche in Hannover unter großem Gepränge statt- gefunben. Nach einem feierlichen Trauergoltes- dienste in der Berliner Hedwigskirche, welchem die höchsten Reichs- und Staatsbehörden, Vertreter des Kaisers und der Kaiserin und Deputationen aller Parteien, auch der Sozialdemokraten, beigewohnt hatt n, war der Sarg nach Hannover mit ter Bahn überführt und im Fürstenzimmer des dortigen Bahnhofes auf ausdrückliche Anweisung des Kaisers ausgestellt. Im langen Zuge bewegte sich von hier das Trauergefolge nach der Marienkirche. Die geistlichen Handlungen voll­zog der Bischof von Hildrsheim. Eine große Volks­menge wohnte der Feierlichkeit bei.

München. Wie derFrankfurter Zeitung" aus München berichtet wird, hat die dortige Polizei den Apotheken jede Abgabe Kochficher Lymphe, auch an Aerzte, verboten. Hierzu bemeitt dasBair. Vaterl.", daß man sitzt in Amerika die Elektricität als Hinrichtungs­mittel aufgegeben habe, weil zu zweifelhaft im Erfolg, und man statt dessen für die Folge die Todescandidalen mitKöchin" impfen werde.

Die Sozialdemokratie hat in Hamburg eine ge= waltige Niederlage erlitten. Der Cigarrenacbeiterstreik daselbst, der über 16 Wochen gedauert hat und für den die ganze Sozialdemokratie, auch außerhalb Deutschlands, durch Sammlungen eingetreten war, ist am Sonnabend zu Gunsten der Fabrikanten entschieden worden. Der Streik kostete den Arbeitern mehr als 400,000 Mail.

Elbing. Eine tolle Liebesgeschichte setzte vor Kurzem die Bewohner einer benachbarten Bahnstation in Auf­regung. Ein dort angestellter Beamter empfing ganz unerwartet den Besuch einer längst vergessenen Braul, welche eine sofortige Chelichung von ihrem Geliebten verlangte. Da er aber davon nichts wissen, sondern sie mit Geld abfinben wollte, kam eS zwischen Beiden zu heftigem Zanke, der sehr in Thätllchk.it ansartetc. Unter den größten Schimpfworten hieb dieDame" mit einem Regenschirm auf den Treulosen ein, so daß dieser sich ins Gasthaus flüchten mußte. Die Scene erneuerte sich an mehreren Tagen; ja es kam so weit, daß der Mann sich von dem dortigen Gendarmen nach seinem Büreau begleiten lassen mußte. Als bie Wüthende auch dort einbringen wollte und einen nicht geringen Menschenauflauf verursachte, sah sich der Gendarm zuletzt genöthigt, das tobende Frauenzimmer inS OrlSgefängniß zu bringen, von wo sie nach vier­stündiger Haft mit dem nächsten Zuge nach ihrer Heimath Thorn befördert wurde.

In Kirchkimmen, einem kleinen Dorfe im Groß- herzogthum Oldenburg, erschien Ende voriger Woche als Quartiermacher für eine Compagnie ein Soldat in voller Uniform, mit Mantel, Helm und Seitengewehr und verlangte für sich bis zum folgenden Tage zunächst Unterkunft. Diese wurde ihm sofort «erschafft, der Quarticlinachcr ließ es sich gut schmecken und begab sich alsdann in's Dorf, um seine Leute unterzubringen. Ein Haus belegte er mit drei, ein anderes mit vier Soldaten und so fort; für den Wirth, bei dem er sich schließlich entstellte, um hier den Abend gemüthlich zu verbringen, bestimmte er zwei Officiere und 6 Mann. Der Quartiermacher ging dann nach Hause und legte

sich zu Bett. Am anderen Morgen jedoch, nachdem er erst gehörig gefrühstückt, erschien er tpieber in der Wohnung des Bezirksvorstehers, ließ sich, da Letzterer gerade nicht anwesend war, von der Frau desselben gegen 3 Maik Marschkompetenzen anshändigru, empfahl noch, die Quittung sorgfältig aufzubewahren und begab sich dann in der Richtung nach Falkenburg auf den Weg, um fline Compagnie abzuholen. In Kimmen wurde an diesem Tage in den Häusern, wo Einquar­tierung angezeigt war, außerordentlich gekocht, alle Mädchenherzen schlugen höher, man wartete den ganzen Tag, aber vergeblich, und als gegen Abend immer noch keine Soldaten erschienen, wurden die guten Leute end­lich gewahr, daß sie es mit einem Schwindler zu thun gehabt hatten. DerFourier" trug die Uniform des in Münster garnisonirenden 1. Westfälischen Infanterie- Regiments Nr. 13 und nannte sich Musketier Better. Bisher ist noch keine Spur von ihm entdeckt.

Aus Thüringen. In einem Magdeburger Theater­blatt finden wir folgende Annonce:Suche per sofort zu einem reellen und soliden Unternehmen (Theilungs- verhältniß) einen Kompagnon mit 60 bis 80 Mark Einlage. Sehr gute Bibliothek und gutes Theater vor­handen. Das Geld wird zurückgezahlt. ®ifL Offerten an die Theaterdirektion in Tambach bet Ohrdruf." Das muß ein rentables Theaterverhältniß sein ! Vielleicht tritt zur Aufbringung der Summe von 60 Mark und zur Hebung des Unternehmens ein Finanz-Konsortium zusammen.

Aus Thüringen, 15. März. Kaufmannselend! In Walteishaufen erichoß sich dieser Tage ein seit Jahres­frist stellenloser Kaufmann Namens Wilhelm Salje aus Kleinpein (Hannover). Die ganze Baarschaft des Un­glücklichen, der erst fünfundzwanzig Jahre zählt, betrug achtzehn Pfennige.

Jena. Ein Student, welcher einer Verbindung angehört, bekenn Besuch von seinem Vater, einem biederen Förster. Er wurde auf seinen Wunsch vom Sohne mit auf die Kneipe genommen, wo er sich im Streife der jungen Leute ganz heimisch fühlte und tüchtig mit poculirte. Man hatte ihm ein Commersbuch vorgelegt und der Alte fang wacker mit. Schließlich wurde auch das Kneiplied gesungenCa ca geschmauset, laßt uns nicht rappelköpfisch fein",dessenRefiam lautet:Edite, bibite, collegiales, post multa säcula pocula nullal, was ungefähr so viel heißt, alsEßt unbtriuft IM Freundes­kreise, denn mit der Zeit hört Alles auf." Der alte Forstmann, welcher die lateinische Sprache nur dem Namen nach kannte, stutzte nach den lateinischen Worten, aber er half sich und sang aus vollem Halse: Edelmann, Bibelmann, Consistorialrath, Forst- meister, Säbelmann, 1 opelmann. Hurra!

Ausland.

Italien. Prinz Jcrome Napoleon, der Sohn des Königs Jerome von Westfalen, ist nach entsetzlichen Qualen seinen Leiden nun endlich erlegen. Als ihm Die Sterbesacramente gespendet wurden, war er ;chon bewußtlos. Der Prinz ist 70 Jahre alt geworden. Oberhaupt der Familie wird nunmehr fein ältester Sohn Victor.

Gibraltar, 18. März. Der DampferUtopia," von Triest nach New-Aork mit 700 italienischen Aus­wanderern unteiwcgs, sank nach einem Zusammenstoß mit den englischen PanzernAnson" undRodney" in der Bucht von Gibraltar. Alle dort liegenden Kriegs­schiffe sandten Boote zur Rettung aus. Die Zahl der Umgekommenen soll 200 betragen. Die Schisisvesatzung soll gerettet sein.

Amerika. Die große nordamerikanische Stadt New- Orleans ist dieser Tage der Schauplatz unerhörter Greuclihaten gewesen. Seit Jahren hatte der italienische

GeheimbundMaffia" sein Unwesen in New-Orleans getrieben, allein es wollte der Polizei nicht gelingen demselben ein Ende zu machen, da viele Bethelligte sich aus Furcht vor der Mordbande scheuten, Zeugniß ab- zulegen und Andere, welche als Zeugen erscheinen sollten, verschwanden, noch ehe sie Zeugniß ablegen konnten. Man nahm allgemein an, daß sie durch dieMaffia" beseitigt worden waren. Da wurde am Abend des 15. Oktober v. I. der Chef der Polizei von New, Orleans, Hennessy, gerade als er in seine Wohnung treten wollte, von einer Bande Sizilianer erschossen. Am 13. d. Mts. ist nun der Prozeß gegen die dieses abscheulichen Verbrechens beschuldigten neun Sizilianer beendet worden, und wie vorauszuschen war, sind sechs sieigesprochen, während sich die Geschworenen über den SchUtdipruch wloer die nötigen drei Angeklagten nicht zu einigen vermochten, da Berurthcilungen durch die nordameeikaulichen Schwulgerrchte bekanntlich mit Ein­stimmigkeit erfolgen müssen. Die schon vorher auf einen bedenklichen Grad gestiegene Erbitterung der Volksmenge machte sich hierauf in furchtbarer Weise Lust. Das Sladtg^sängniß wurde erstürmt, und ehe die Behörden es hindern konnten, waren vier, nach anderen Nachrichten sechs von den neun Eingekerkerten ergriffen; zwei derselben wurden niedergeschossen, zwei an den nächsten Laternenpsäylen auf der Straße auf­gehängt. Die Wuth des Pöbels war so maßlos, daß die Polizei sich nicht getraute, mit Gewalt gegen den­selben vorzugehen. Die Leichen der Gelynchten wurden in üblicher Weise vom Todtenbeschauer untersucht und dieser konstatirteermordet durch unbekannte Personen." Kein einziger Derjenigen, die das Urtheil desRichters Lynch" vollstreckt haben, ist verhaftet worden ; die Einen sind geflüchtet, die Anderen gehen frei umher. Die Polizei wagt nicht, dieselben zu verhaften. Und das geschieht in einer Stadt von nahezu 300,000 Ein­wohnern I Aufgeregte Volksmassen ziehen durch die Straßen und drohen, sämmtliche in der Stadt befind­lichen Italiener umzubringen. Andererseits tritt die Maffia" mit erneutem Terrorismus auf, und nicht langte dürfte es dauern, so werden wenigstens einige der Mörder der Gelynchten der Rache der Italiener zum Opfer gefallen sein. Ernstliche Unruhen werden in Folge dessen befürchtet. Die Nachricht von den Vorkommnissen in New-Orleans hat in Rom große Erregung verursacht und die meisten Blätter sprechen die Erwartung aus, daß die Regierung der Vereinigten Staaten Italien sofort volle Genugthuung geben werde. Einige von ihnen sind jedoch so vernünftig, anzuerkennen, daß sich unter den italienischen Landsleuten in New- Orleans viel lichtscheues Gesindel befindet, welches, um der vaterländischen Justiz zu entgehen, in der Fremde Verbrecher-Genossenschaften gegründet und durch seine fortgesetzten Schandthaten gewissermaßen die unerhörten Vorgänge provozirt habe. Daß dies nicht ohne Grund, beweist die Mittheilung, daß Parkerson, der Führer der Volksmenge, welche an den verhafteten Italienern Lynchjustiz übte, ein mit der UnterschriftDie Maffia" unterzeichnetes Schriftstück erhalten haben soll, in welchem angedroht wird, daß er getöbtet und seine Familie ver­giftet werden würde. Die gegen 3 andere Italiener wegen Theilnahme an der Ermordung Hennessey's er­hobenen Anklagen sind zurückgezogen worden, dagegen befinden sich 5 andere Italiener noch immer in Hast und sollen gerichtlich verfolgt werden. Der Staats­anwalt ist mit Erörterung der gegen die Geschworenen erhobenen Beschuldigung der Bestechung beschäftigt.

Lokales Hub Provinzielles.

* Schlüchtcrn, 20. März.

* Während gelehrte Welterkundige einen nassen und fallen Sommer vorhersagen, stellen Land- und Forst-