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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. ,. Gemeinnützige Blätter" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 P

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Mittwoch, den 25. März

1891.

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Schlüchtern, im März 1891. ________________________________________ Der Herausgeber.

sagt, daß Geldmittel für einen Strike nicht aufzubringen mären und die Bergleute jetzt leichtsinnig handeln würden, wenn sie ohne Aussicht auf Erfolg einen Strike

Deutsche» Reich.

Berlin. Der Kaiser machte am Sonnabend völlig unerwartet dem Minister v. Boetticher einen etwa ein- stündigen Besuch. Bald nachher sprach auch der Reichs­kanzler v. Caprivi bei demselben vor. Es ist das offen­bar eine ostentative Auszeichnung, die darthun soll, daß der oben genannte Minister persönlich intakt aus der bekannten Affaire hervorgegangen ist.

Der Kaiser hat die Einladung der Stadt Köln zu einem Festmahl auf den Gürzenich angenommen. Ende April oder Anfang Mai wird Se. Maj. dieser Einladung Folge leisten, jedoch sind bestimmte Reise- diSpositioncn noch nicht getroffen.

Das Herrenhaus überwies am Freitag das Wildschadengesetz an eine Kommission von 15 Mitgliedern. Fast alle Redner, auch der landwirthschaftliche Minister, sprachen von dem politischen Beigeschmack, den die Sache nachgerade erhalten habe; die ganze Wildschadenfrage, erklärte Herr v. Heyden, werde sehr überschätzt; er er­kannte aber an, daß der ersatzlosen Verwüstung des Ackers des kleinen Mannes ein Ende gemacht werden müsse. Der Z. 5 (Regreß) sei allerdings unannehmbar; daS Abgeordnetenhaus werde sich auch mit weniger begnügen.

Ein New-Aorker Blatt hatte die Mittheilung gebracht, die Bereinigten Staaten von Nordamerika würden ihre sämmtlichen Häfen gegen die Einfuhr deutscher Jndustrieartikel schließen, wenn das deutsche Reich nicht das Verbot der Einfuhr von Schweinefleisch aus Nordamerika aufhebe. Die Reichsregierung läßt erklären, daß diese Angaben unbegründet sind. Immer­hin scheint es zutreffend zu sein, daß die Vereinigten Staaten dringend um Aufhebung des deutschen Schweine- einfuhrverboteS ersuchen wollen.

* DieNat.-Ztg." schreibt: Im sozialdemo- kralischen Lager herrscht tiefste Niedergeschlagenheit; in der langen Kette der Niederlagen, welche die Sozial- demokratie auf gewerkschaftlichem Gebiete erlitten, ist die jetzt in Hamburg erfolgte die gewaltigste und ein- schneidenste. Sämmtliche Strikes, welche die Sozial- demokratie im letzten Jahre unternommen hat, sind ver­loren gegangen; kein Strike hat aber derartige Summen (über 400,000 Mark) gekostet, wie der Hamburger, kein Strike hat auch derartige prinzipielle Bedeutung gehabt, wie eben wieder dieser Hamburger, denn bei demselben handelte es sich nicht um Lohnerhöhung oder um Verkürzung der Arbeitszeit, sondern darum, daß der Tigarrenfabrikanten-Verein von 1890 erklärte, keine Arbeiter einstellen zu wollen, welche den soziatdemo- kratischen Fachvereinen angehören. Der Verein war durch daS herausfordernde Vorgehen der Fachvereins- führer hierzu veranlaßt. Mit seltener Einmüthigkeit haben die Mitglieder des Fabrikantenvereins zusammen­gestanden und somit einen Sieg für die ganze Industrie Deutschlands errungen. Die sozialdemokratische Organi­sation der Cigarrenarbeiter in Hamburg ist so gut wie vernichtet, denn die Mitglieder des Fabrikantenvereins beschäftigen den größten Theil der in Hamburg-Altona- Ottensen thätigen Cigarrenarbeiter. Letztere sind auf die Berliner Arbeiter wegen des Ausganges des Strikes auf das schlechteste zu sprechen. Die Berliner haben noch nicht den zehnten Theil der Summe, auf die sie tingeschätzt waren, aufgebracht, während die Arbeiter in Hamburg mit ihrer guten Organisation Alles daran gesetzt haben, um Gelder flüssig zu machen. 3000 Mk. besaßen die 3000 sinkenden Arbeiter nur, als der Strike begann, es sind also in den letzten 16 Wochen 397,000 Mark zusammengebracht worden. Angesichts dieser furchtbaren Niederlage in Hamburg werden die sozialdemokratischen Führer ihren ganzen Einfluß auf- bieten, wo es irgend nur geht, Strikes zu verhindern. Klier und Singer haben den Bergleuten ganz offen ge-

unternehmen würden.

Bremerhaven, 14. März. Der Norddeutsche Lloyd wird von jetzt ab wöchentlich drei Schnelldampfer nach Newyork exp^diren und zwar am Dienstag, Mittwoch und Sonnabend. In Handelskreisen wird man namentlich die Expedition eines Schnelldampfers am Die jtag freudig begrüßen, da es für diesen Tag bis­her an einer Postoervmdung mit Newyork fehlte. Eine wöchenttlich dreimalige Expedition eines Schnelldampfers kann keine DampscrUnie außer dem Norddeutschen Lloyd ermöglichen.

Flensburg. Daß ein Geschäftshaus seine Schulden nach 130 Jahren bezahlt, dürfte ein seltener Fall sein. Ein altes spanisches Handelshaus war im Jahre 1760 nicht mehr im Stande, seinen Verbindlichkeiten gegen­über der Flensburger Firma R. nachzukommen; es stellte seine Zahlungen ein. Die Nachkomme» des spanischen Hauses haben indeß durch rastlosen Fleiß und glückliche Geschäftsverbindung ihren Namen wieder zu Ehren gebracht, und vor einigen Jahren ließen sie plötzlich Nachforschungen anstelle» über das Bestehen der alten Flensburger Firma R., um an diese die Schuld ihrer Vorfahren aus dem Jahre 1760 abzutragen. Von dieser wußten die R-'schen Nachkommen natürlich nichts mehr, um so weniger, als die Firma selbst nicht mehr besteht. Trotzdem waren die Nachforschungen von Erfolg, denn man entdeckte die Erbberechtigten auf einem Landhause in der Nähe von FlenSburg. Der Besitzer des letzteren, dessen Urgroßvater im Jahre 1760 Inhaber des R.'schen Geschäfts war, erhält nun alljährlich durch Vermittelung des Hamburger Bank­hauses H. einen spanischen Chek, bis diealte" Schuld abgetragen ist. Für das Jagc 1891 wurde der Chek dieser Tage in Flensburg in klingendes Gold um- gewandelt.

Erfurt, 20. März. Eine wenig erbauliche Mit­theilung wurde unseren Stadtverordneten durch eine vom Vorsitzenden eistaiut; Aufklärung, wonach unsere Spat lasse einen Kursoerlast von 95,000 Mark zu ver- z-lchtten hat. Die in denEiat eingestellten Sparkassen- überschüsse im vorgesehenen Betrage von 40,000 Mark wurden deßhalb gestrichen. Schließlich tröstete man sich mit Stettin, dessen Sparkasse einen Kursverlust von nahe an 70,000 Mk. geyavt hat. DerThüringer Anzeiger" schreibt:Die Noth der sozialdemokratischen Führer muß eine erschreckende Noch sein. Herr Bebel versteuert nämlich ein jährliches Einkommen von 36,000 Mk. und der Parteipapst in Erfurt, H-rr Reiß- haus, besitzt zwei Häuser, die er sich im Lauf weniger Jahre zusammengeschneidert hat. Außerdem fahren die sozialdemokratischen Leithammel bei ihren Ausflügen in die Umgegend stets zwüter Klasse und wohnen in den ersten Gasthöfen. Und die Rechnung für alle diese Annehmlichkeiten bezahlen die, welche nicht alle werden." In Neuhaus bei Sonneberg haben einige Kartenbrüder von Sonnabend Abend bis Sonntag Abend in einer Bierwirthschaft ununterbrochen beim Spiel verweilt. Werden die aber am Montag gearbeitet haben!

angegeben. Als gerettet sind 318 Personen gemeldet. Die Taucher haben die Zwischendecke und das Karten- haus voll von Todten und die Laken von Leichen ver­stopft gefunden, überall Zeichen eines fürchterlichen Todeskampfes.

Wir aus Neworleans gemeldet wird, sollen seit vorigem Sonnabend 700 Italiener aus Furcht die Stadt verlassen haben. Es steht fest, daß die Majorität der Jury von den Angeklagten Geld empfangen hat. Sämtliche gelynchte Italiener waren bereits naturalisiert und stimmberechtigte Amerikaner, so daß die ganze An­gelegenheit ihren internationalen Charakter verliert.

Lokales und Provinzielle».

* Schlächtern, 24. März.

* Dem Vernehmen nach verkaufte Herr Fritz Schäfer das ihm gehörige Haus an der Breidenbacher Straße für 11,000 Mk. an einen hiesigen Geschäfts­mann. Ebenso soll demnächst bei einigen andern Häusern Besitzwechsel eintreten.

* Sämmtliche Unterbehörden der Alters« und Javali>:nversicherungS2nftalt der Provinz Hessen-Nissan sind neuerdings angewiesen worden, ein wachsames Auge auf die strikte Befolgung der Bersichecungsoor« schristen zu haben, und namentlich alle Unregelmäßig» fetten und Unterlassungen der verantwortlichen Arbeit, gever und Dienstherr,chaft-n zur Anzeige zu bringen» um je nach dem Ergebniß der ring-leiteten Unter­suchung die im Gesetze vorgesehenen Slrafbestimmungen zur Anwendung bringen zu können.

* Fahrpreisermäßigung für Kranke. Der Kaiser hat aus den Vortrag des Ministers der öffentlichen Arbeiten zu genehmigen geruht, daß mittellosen Kranken, sowie nötigenfalls je einem Begleiter zum Zwecke der Aufnahme in öffentliche Kliniken und öffentliche Kranken- yäuser bei den Reisen nach und von den Heilanstalten eine Fahrpreisermäßigung auf den Staatseisenbahnen dadurch gewährt werde, daß bei der Benutzung der dritten Wagenklaffe der Militärpreis erhoben wird. Die P.rionen, weiche von dieser Vergünstigung Gebrauch machen wollen, haben nachzuweisen: 1) ihre Mittellosig­keit durch eine Bereinigung der Ortsbehörde, in welcher zugleich zu bestätigen ist, daß nach Maßgabe der Reichs- g-fctze über die Kranken- und Unfallversicherung die Fürsorge anderer Verpflichteter nicht eintritt; 2) ihre bevorstehende Aufnahme in eine Heilanstalt durch eine Bescheinigung der Letzteren oder wenn solche in dringenden Fällen nicht sogleich beizubringen ist des behandelnden Arztes über die Nothwendigkeit der Auf- nähme in eine Heilanstalt. Der für die Ueberführung eines Kranken zur oder von der öffentlichen Heilanstalt etwa nothwendige Begleiter erhält die Fahrkarte auf Grund besonderer Bescheinigung. Diese Fahrtver­günstigung wird zum 1. April b. J. in Geltung treten.

* Das Königliche Provinzial-Schulkollegium in Kassel hat an die Herren Dirigenten sämmtlicher höheren Schulen, sowie an die Kuratorien der nicht staatlichen höheren Schulen der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstenthums Waldeck unter dem 16. März d. J. nach­stehende Verfügung erlassen: Der Herr Unterrichts« minister hat aus Anlaß eines besonderen Falls sich dahin ausgesprochen, daß über die Gestaltung des Lehr- plauS und der Berechtigungen der Realgymnasien für die Zeit des unter den schonendsten Formen auszu« führenden UebergangS derselben in andere Schularten endgiltige Entscheidungen noch nicht getroffen sind und auch vor dem 1. April 1892 schwerlich getroffen werden. Wie aber diese Entscheidungen auch ausfallen mögen, so liege doch für die Eltern, welche zu Ostern dieses Jahres ihre Kinder Realgymnasien übergeben wollen oder deren Söhne bereits solche Anstalten besuchen, ein Grund zur Beunruhigung durchaus nicht vor, Ab-

\ Ausland.

Ueber den Untergang derUtopia" wird von Gibraltar weiter berichtet: Die Rettungsboote konnten wegen des herrschenden starken Sturmes nicht an das Schiff heran­kommen und mußten sich begnügen, die von den Wellen Fortgerissenen aufzusuchen. Die Mannschaften der eng­lischen und schwedischen Boote wetteiferten mit einander in den Bemühungen, die Ertrinkenden zu retten. Die Panzerschiffe ließen elektrisches Licht auf die See fallen. Die Zahl der Ertrunkenen wird gegenwärtig auf 576