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Erscheint Mittwoch u. Samstag—Preis mit „Kreisblatt" u. „Gemeinnützige Blätter" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
^ 27.
Samstag, den 4. April
1891.
^UfMhitirtPtt °uf die „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen -.....—~ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsche- Reich.
Berlin. Der Rücktritt des kommandirenden Admirals v. d. Goltz soll nahe bcvorstehen. Als sein Nachfolger wird der Vizeadmiral Knorr genannt. — Der komman- dirende General v. Albedyll in Münster, von dem dieser Tage in den Blättern berichtet worden war, daß er seinen Abschied eingereicht habe, soll sich, wie die „Post" meldet, in der That mit Rücktrittsgedanken tragen. Er wird in nächster Zeit sein 50 jähriges Dienstjubiläum feiern und gedenke nach diesem den aktiven Dienst zu verlassen.
Bremen, 31. März. Auf einer am Sonnabend den 28. d. M. in Düsseldorf stattgehabten Versammlung von Vertretern der sämmtlichen an dem kontinentalen <Passagierverk.hr nach Nordamerika beteiligten Dampf- chifffahrtS-Gesellschaften wurde ein Uebereinkommen in der Richtung getroffen, vom 1. April d. J. ab die Zwischcnd--cks-Passagepreise auf sämmtlichen Linien gleichmäßig ausgehend um zehn Mark und in Amerika um 3 Dollar zu erhöhen.
Meiningen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Sachsen feierte am Sonnabend sein 60jähriges militärisches Dienstjubiläum. Am 24. Juni 1818 geboren, trat er, wie das „Mil.-W.-Bl." berichtet, am 28. März 1831, also noch nicht 13 Jahre alt, in das großherzoglich sächsische Kontingent als Musketier ein. Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog überbrachte General Graf Wedell die Glückwünsche Sr. Majestät des Kaisers zu seinem 60 jährigen Militär-Jubiläum.
Halle, 29. März. Die hiesige Ortskrankenkaff', der Tischler hat sich der vom Magistrat in Gemäßheit der bekannten Regierungsverordnung ergangenen Aufforderung, die sog. Naturhcilkundigen von der fassen- ärztlichen Praxis auszuschließen, schließlich zwar gefügt, aber beim Reichsversicherungsamt in Berlin Beschwerde eingelegt, um eine authentische Bestimmung des Begriffs „Arzt" im Sinn des Gesetzes herbeizuführen. — Auch eine Submission. Der Stadtrath zuOhrdrufhat dieser Tage Nachstehendes bekannt gegeben: „Die Anfertigung von zwei Paar hoher, wasserdichter Stiefeln soll öffentlich vergeben werden. Zu dem hierzu auf Sonnabend, den 28. d. M., Vormittags 11 Uhr, anberaumten Termin wollen sich nur hiesige Reflektanten an unterzeichneter Stelle melden."
Guben, 30. März. Große Verwüstungen hat in unserer Gegend am Charfreitag ein hier ausgebrochenes Gewitter bei heftigem Schneegestöber angerichtet. Dabei schlug ein Blitz in das Schloß des eine Stunde entfernten Rittergutes Buderose, bekannt durch seine vielhundertjährigen Eichen, zertrümmerte Balken und Thüren und warf das auf dem Boden befindliche Getreide durch einander. Zwei in der Küche befindliche Dienstboten blieben trotz herumfliegender Trümmer unversehrt. Sämmtliche Fenster des 18 Fenster Front zählenden Schlosses sind zertrümmert.
Ausland.
Belgien. Die aufmerksame Polizei hat in der Nacht vom 29. März in Seraing einen mit 250 Kilos Dynamit beladenen Wagtti. in Beschlag genommen, welcher von drei als Sozialisten bekannten Individuen trans- portlkt wurde. Es liegen über diese Affaire nachfolgende Nachrichten vor: Es war Nachts 2 Uhr, als der Polizeichef Cornet auf seinem Heimgänge einem Fuhrwerk ohne Laterne begegnete. D-r Fuhrmann erklärte, die Laterne sei ihm unt.rwegs zerbrochen. Cornet in der Meinung, daß die Ladung gestohlene Gegenstände enthalte, verhaftete den Fuhrmann, sowie zwei B-gleiter desselben, - sie mit dem R.volver bedrohend, falls sie einen Fluchtversuch machen sollten. Die Ladung enthielt mehrere Kisten mit 6100 Dyramitpatronen, welche die Namen des Fabrikanten Alfred Nibel in Hamburg trugen und im Walde von Caraillon, zwischen Seraing Und Ongree verborgen werden sollten. ' Dieselben hätten hingereicht, Seraing und halb Lüttich in die Luft zu sprengen. Die Verhafteten wurden nach dem Zellen- gefängniß in Lüttich gebracht. Die Polizei sucht zu ermitteln, wer die Patronen bestellt hat, besonders aber, feie die 9 fast ganz unversehrten Kisten von der größten
Lokale- und Provinzielle».
* Schlächtern, 3. April. Das unter Leitung des Herrn Seminarlehrers Löwe stehende Gesangkränzchen, aus einer Anzahl hiesiger Damen bestehend, bereitete im Saale deS „Hess. Hofes" seinen Familienangehörigen einen genußreichen musikalischen Abend. Einer großen Zahl vortrefflich gesungener Sololieder und Duette folgte das dramatisirte Märchen „Schneewittchen," das mit seiner reizenden Aufeinanderfolge von Deklamation, Engel- und Chorgesängen nebst Klavierbegleitung die Zuhörer zu lautem Beifall hinriß. Den freundlichen Sängerinnen gebührt unser h rzlichster Dank. Ganz
Dynamitfabrik der Welt nach Belgien eingeschmuggelt werden konnten, ob dieses per Bahn oder zu Wasser geschah. Die Kisten sind vorläufig in einem Schulsaal zu Seraing untergebracht. Der Kriegsminister hat Genieoffiziere abgeordnet, um den Inhalt der Kisten zu prüfen und die Patronen zu zerstören. Man fragt sich allgemein, ob vielleicht die belgischen Sozialisten dem Beispiele der Pariser Kommunarden nachfolgen wollten, deren Thaten neuerlich in ihren Versammlungen gepriesen wurden.
England. Wie dem Londoner „Reuterschen Bureau" aus Calcutta vom Montag gemeldet wird, hat in Man ip ur, einem von den Britten anhängigen, aber nicht tributpflichtigen Gebiet, ein ernster Zwischen- fall stattgefunden. Der General-Kommissar von Assam, Quinton, hatte sich mit einer aus zwei Regimentern Ghoorkha's bestehenden Eskorte nach Manipur begeben, um die Verhaftung eines Häuptlings vorzunehmen, welcher den Raja entthront hatte. Während der Nacht griffen die Eingeborenen das englische Lager an. Die Angriffe wurden zwei Tage lang von den Eingeborenen fortgesetzt, so daß schließlich die Munition der Ghoorkhas vollständig erschöpft war. Quinton gab daher den Befehl, daß lebet auf seine eigene Rettung bedacht sein solle. Die Ghoorkhas verloren etwa 460 Mann, Quinton und 7 englische Offiziere werden vermißt. ES find bereits zwei Regimenter nach Manipur abge- gangen, ein drittes soll demnächst folgen.
In Sosta wurde auf die Minister Stambulow und Beltschcff von 4 Personen ein zweifelsohne politisches Attentat gemacht und letzterer von 3 Kugeln getroffen und getödtet, während Stambulow, dem das Attentat eigentlich gegolten haben soll, unverletzt entkam. In der Nacht wurden 250 Personen verhaftet, darunter Karawelov, der ehem. Minister und Schullehrer. Die Aufregung ist groß.
Türkei. Aus Konstantinopel wird berichtet, daß in Mekka dem berühmten Wallfahrtsort der muhamedanischen Welt, es zu einer Schlacht zwischen 3 arabischen Stämmen gekommen sei, wobei der Stamm Ebnet-Reschid allein 600 Mann und eine große Anzahl Kameele verloren haben soll.
New-Uorl, 30. März. In dem Steinkohlengebiete von Pennsylvanien dauert nach in PittSburg einge, gangenen Berichten die Arbeitseinstellung noch immer an und nimmt immer größere Ausdehnung an. Heute kam eS zu sehr ernsten Ruhestörungen, indem gegen 1000 Streikende einen Angriff auf die Fabrik von Trick in Mortwood, eine der größten in dem Distrikte, unternahmen, die Eisenbahnschienen in einer Länge von 500 Fuß auf rissen und zerstörten und 12 Koaksöfen, sowie mehrere einzeln gelegene Häuser und Scheunen in Brand steckten. Etwa 1500 Streikende umzingelten die Fabrik von Jimtown, vertrieben die dort Angestellten und bedrohten den Oberaufscher. — Der Korrespondent des New Yorker „Herold" in ParkerSburg (W.st-Bir- ginien) berichtet über ein Verbrechen, welcher von italienischen Arbeitern, die an einem abgelegenen Orte bei einem Eisenbahnbau beschäftigt waren, begangen wurde. AlS sie daS Lynchverfahren von New-OrleanS diskutirten, rief ein Schotte Macaulcy, der Führer der Arbeiter, aus, die Einwohner von New-Orleans hätten recht gethan, so zu handeln. Darüber erbittert stürzten sich die Italiener auf den Schotten, tödteten ihn und verstümmelten den Körper. Bisher wurde Niemand verhaftet.
Chitago, 31. März. Die Grippe tritt hier fortgesetzt epidemisch auf; gestern sind daran 300 Personen gestorben. Die Straßen nach den Begräbnißplätzen sind den ganzen Tag überfüllt, etwa 600 Leichen sind noch unbeerdigt.
besonders aber müssen die Verdienste des Herrn Löwe um das vortreffliche Gelingen hervorgehoben werden, der es verstanden hat, die Gesänge sowohl in musikalischer Hinsicht als auch in Bezug auf Deklamation fest und sicher einzuüben, und sagen ihm alle für seine Bemühungen herzlichen Dank. An den Vortrag der Gesänge reihte sich noch ein Tänzchen, sodaß sich die Gesellschaft in heiterster Stimmung trennte mit dem Wunsche, recht bald wieder einen derartigen genußreichen Abend verleben zu dürfen.
* — Provisorisch angestcllt wurde der Lehrer Nüd- ling in Züntersbach als Lehrer an der kath. Schule in Grüsselbach, Kreis Hünfeld, der isr. Schulamtskandi- dat Freudenberger aus Häßdorf in Bayern als Lehrer an der isr. Schule in Flieden. In den Ruhestand versetzt wurde Lehrer Knöll in Ahlersbach.
* — Die vom Herrn Oberpräsidenten der Provinz Hessen genehmigte, bei den Einwohnern des Regierungsbezirks Kassel zu vcranstaltende Collekte zu Gunsten der durch die Wassersfluthen am 24. und 25. November v. I. im Kreise Hofgeismar Beschädigten findet gegenwärtig im Kreise Schlüchtern statt, und empfehlen wir dieselbe den Lesern unserer Zeitung auf das angelegentlichste zur Berücksichtigung.
* — Am 31. März traten diejenigen Landwehrleute zweiten Aufgebots, welche im Jahre 1891 ihr 39. Lebensjahr vollenden, zum Landsturm zweiten Aufgebots über, ohne daß es darüber einer Bescheinigung in ihren Militärpässen bedarf. Ausgenommen davon sind diejenigen Ländwehrleute obiger Kategorie, welche wegen Kontrolentziehung in eine jüngere JahreSklasse zurückversetzt worden sind. Bei diesen verlängert sich die Zugehörigkeit zur Landwehr zweiten AufgebotS um die Däuer der Zurücksetzung. Bei der FrühjahrSKantrollversammlung wipd >ie JahreSklasse 1878 (Eintrittsjahr), sowie die Jahresklasse 1883 zur Landwehr zweiten resp, ersten Aufgebots übergeführt.
Aus der Röhn. Zufolge aus der Röhn zugegangenen Nachrichten liegt seit Charfreitag der Schnee fast fußhoch und sind alle Hohlwege verweht; mitunter thürmen sich Schneewehen bis zu 5 Meter Höhe. Fast überall findet die Vermittlung des Verkehrs auf Schlitten statt, ein Zustand, der um diese Zeit selbst für ein Gebirge zu den größten Seltenheiten zählt.
Gersfeld, 31. März. Seit Charfreitag hatten wir täglich mitunter recht heftige Schneestürme. Der Schnee liegt fußhoch und sind die Hohlwege gänzlich zugeweht. Der Verkehr wird durch Schlittenfuhrwerk unterhalten.
In der Diözese Fulda findet am ersten Sonntag im Mai eine allgemeine Kollekte für die Marienkirche in Hannover statt. Es ist noch eine Bauschuld und eine Schuld für die Errichtung bei Pfarrei von zusammen 190,000 M. zu decken.
Bebra, 30. März. In dem benachbarten Orte W. war der Gemeinderath über den Ankauf eines zweiten Zuchtbullen einig geworden. Ein solcher war in dem Dorfe H. bei Sontra ausgeboten, weshalb beschlossen wurde, zwei Mitglieder deS Gemeinderathes zur Best tztigung des Bullen nach dort zu entsenden. Am folgenden Tage gesellte sich diesen, aber ohne Auftrag, ein drittes Gemeinderathsmitglicd hinzu. Aber nicht nach H. fuhren die Drei, sondern, nach Fulda, wo sie auf einem benachbarten Gute einen Zuchtbullen für den ansehnlichen Preis von 423 Mark tauften. Nach dem geschehenen Handel fuhren sie mit dem Schnellzuge wieder ihrer Heimath zu. Es war aber leicht erklärlich, daß sie mit dem eigenmächtigen Kauf keine Zustimmung bei dem Gemeinderathc fanden, und |o entspann sich ein lebhafter Streit, welcher erst durch die oberste Kreisbehörde geschlichtet werden mußte. Auf Ersatz der Reisekosten konnte natürlich keiner rechnen, am allerwenigsten das nicht beauftragte Gmeinderaths- mitglied, während die andern beiden nur die Vergütung der Kosten beanspruchen konnten.
Kassel, 30. März. Die „Hessische Morgenzeitung" hat jetzt offiziell aufgehört ein nationalliberales Blatt zu sein. Der Vorstand des nationalliberalen Wahl« vereinS zu Kassel gibt folgende Erklärung ab: „Hierdurch bringen wir zur öffentlichen Kenntniß, daß zwischen dem unterzeichneten Vorstand und der „Hessischen Morgenzeitung," welche sich in ihrem neuerdings veröffentlichten Programm selbst nicht mehr als Organ der nationalliberalen Partei bezeichnet, bis auf Weiteres keinerlei Verbindung mehr besteht."