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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. .Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

Samstag, den 11. April

1891.

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l^fMImislPti °uf dieSchlüchterner Zeitung" ätftllt-UUliyt-ll werden noch fortwährend von allen

* - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

All die verehrten Leser dieser Zeitung !

DieSchlüchterner Zeitung" mit der amtlichen BeilageSchlüch- terner Kreisblatt" hat trotz der Kon­kurrenz, die ihr zu machen versucht wird, gerade in letzter Zeit erfreulicherweise an Abonnenten zugenommen. Wir haben dadurch die Ueberzeugung gewonnen, daß unsere Zeitung stets Befriedigendes liefert, und sind auch dadurch in die Lage gebracht, unsern verehrten Abonnenten noch mehr zu bieten. Wir haben uns deshalb auf Wunfch mehrerer unserer verehrten Abonnenten gern entschlossen, von Beginn dieses Quar­tals ab ohne Erhöhung des Abonnements­preises statt der früher nur alle 4 Wochen erschienenen BeilageGemeinnützige Blätter" eine wöchentliche Beilage, den so allgemein beliebten

Issustrirten Kamilienfreund" jeder Sonnabend-Nummer unserer Zeitung beizulegen und hoffen und wünschen, daß wir uns dadurch in noch höherem Maße wie seither das Wohlwollen der verehrten Leser unserer Zeitung erwerben und dadurch die Zahl der Abonnenten immer mehr vergrößern.

Die Redaktion.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Aufhebung des Schweinc-Ein fuhr- verbots für Einfuhr aus Amerika soll, wir dieRhein. Westfäl. Zeitung" authentisch erfahr,» haben will, be­schlossene Sache sein. Die amtliche Veröffentlichung hierüber sei in wenigen Wochen zu erwarten.

Auf Antrag des Provinziallandtags der Provinz Schleswig-Holstein ist dem Herrcnhause der Entwurf eines GesetzeS über die Heranziehung der Fabriken, Bergwerke, Steinbrüche, Ziegeleien u. s. w. zu Präzi- pualleistungcn für den Wegebau zugegangen. Der An­trag auf Mehrbelastung der Fabriken u. s. w. steht, entgegen dem Anträge des Provinziallandtags, nur den Gemeinden zu.

Das deutsche Kreuzergeschwader, aus der Krcuzer- fregatt«Leipzig" und den KreuzerkorvettenAlexan- brine" undSofie" bestehend, welches sich jetzt in den chinesischen Gewässern befindet, hat nunmehr doch noch Befehl erhalten, zum Schutz der deutschen Staats­angehörigen sich sofort nach der chilenischen Küste zu begeben. Das Geschwader npräsentirt eine Macht von 1000 Mann und 38 Geschützen.

Vor Kurzem ging durch die Presse die Nachricht, daß in Hamburg ein Transport von 300 staikcn ame­rikanischen Rindern eingetroffen sei. Wie wir j tzt hören, war dies nur der Vvrirab von größeren Sen­dungen, die baldigst folgen werden. Einer der ersten Hamburger Viehhändler hat mit amerikanischen Buh« Händlern Kontrakte abgeschlossen, nach welchen diese ver­pflichtet sind, im Laufe dieses Jahres 20,000 Mast- ochsen nach Hamburg zu senden. Von den dort ange- kommenen 800 Rindern waren 21 Siück von dem Berliner Engros-Schlächtermeister Pfördike angekauft, geschlachtet und nach Berlin geschafft worden. Weitere 10 Bullen sind von einem anderen Berliner Schlächter­meister ang,kauft worden. Das Fleisch ist fest und mager. Die Preise stillen sich mit all n Spesen auf 45 bis 50 Pfennige pro Pfund, im Engrosverkauf mithin 10 Pfg. pro Pfund billiger als Berliner Markt- waare. Auf dem letzten Montags Markt machte sich bereits der Import aus Amerika bemerkbar; das Ge- jchäfl wickelte sich langsam ab, die Preise waren niedrig r,

der Markt wurde nicht geräumt. Die Nachricht, daß am letzten Sonnabend mit dem DampferH rrmann"

307 Rinder aus Baltimore in Brcm rhaven angelangt seien, drückte das ganze G schüft herunter. Die in Biemerhaven gelandeten Rinder sind im allerbesten Zustande ang kommen und Verluste auf der Reise nicht zu beklagen. Das gute Gelingen der Sendungen läßt mit Bestimmtheit schließen, daß weitere größere Trans­porte in spätestens 14Tagen folgen werden. Das an- gekommene Vieh ist W idevieh, welches hier sehr rar und th.u-r ist. Es sind vorwiegend jurge, kräftige Ochsen, auch Jungvieh und einige Kühe, 7 Kälber wurden während der Reise geboren.

Um künstlichen Tokayer handelte es sich in einer Anklage wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittel­gesetz, die vor der 88. Abtheilung des Schöffengerichts zu Berlin gegen den Kaufmann Theodor Frohloff zur Verhandlung gelangte. Der Angeklagte hat für das Liter ächten Medicinal Tokayer 1 Mark 60 Pf. bezahlt und ^Fläschchen ä/» Liter verkauft, die er sich mit 50 Pfg. bezahlen ließ. Dieser Wein stammt aus Lissa in Posen und kostete dem Weinhändler 50 Pfg. pro Liter. Das Publikum hat somit 4 Mark für den Liter einer Flüssigkeit gegeben, deren Herstellung dem Fabri­kanten vielleicht 30 Pfg. Ulkosten verursacht hat. Der GerichtSch, miker Dr. Bischofs fällte ein geradezu ver­nichtendes Urtheil über den in Frage kommendenechten Medizinal-Tokuyer." Der in Ungarn erzeugte Wein reiche auch nicht annähernd hin, um den Bedarf zu decken. Deshalb werde auch k-ineSwegS ein Hehl daraus gemacht, daß ein Theil des aus Ungarn bezogenen Weines mit künstlichem W-ine vermischt sei, die Liefe­ranten bezeichneten diesen Wein als Dessertwein, während Derjenige Ungarwcin, der als M dizinal-Tokayer be­zogen werde, ein reines Naiurerzeugniß zu fein pflege. Die letztere Sorte solle Kindern und Genesenden zur Stärkung dienen, während der Dessertwein als Genuß­mittel anzusehen sei. Der vom Angeklagten bezogene Wein enthalte keine Spur von denjenigen Mineral- stoffen und Salzen, welche das kennzeichnende Merkmal des unverfälschten Traubensaftes bilden, er halte den­selben vielmehr für ein Kunsterzeugniß bei gering« werthigsten Art. Der StaatSanwalt führte aus, daß der Angeklagte mindestens fahrlässig handelte, er bean­tragte gegen denselben eine Geldstrafe von 50 Mark. Der Gerichtshof hielt ebenfalls eine Fahrlässigkeit für vorliegend und erkannte auf 25 Mark.

Zur Ueberfüllung im höheren Lehrfach in Preußen fonftatirt dieKöln. Ztg.", daß thatsächlich am 1. April 1889 im Ganzen 1445 anstellungsfähige Kandidaten ohne Anstellung waren. Damit würde der Bedarf noch für 7 Jahre gedeckt sein, wenn gor kein Nachwuchs hinzukäme.

Aus Ostpreußen. Wie angenehm der Grenzverk,hr mit Rußland ist, wird durch folgendes Vorkommniß illustrirt. Ein B wohner aus dem Kreis Mogilno reiste nach einer russischen Grenzstadt. Von den russischen Beamten wurde ihm feine Baarschaft, in 300 Mark deutschem Geld bestehend, abgrnommen, auf Grund einer Bestimmung, nach der das Einbringen von mehr als 10 Rubel in ausländischem Silber verboten ist. Ueber« dies ist er mit einer Geldstrafe von 200 Mk. belegt und schließlich verhaftet worden, da er die Summe nicht erlegen konnte. Glücklicherweise ist es ihm ge­lungen, anderen Tages zu entweichen.

Thor», 7 April. Der bisherige Oberprimaner Engels vom hiesigen Realgymnasium, welcher kürzlich die Abiiurientcnprüfung nicht bestand, ist nach der Th. Z.» von dem Generalimendanien der König­lichen Schauspiele in Berlin, Grafen Hochberg, als Hofschauspieler engagirt und bereits aufgetreten. Engels hatte hier bei ein, in Festspiel im Gymnasium die Hauptrolle übernommen und dieselbe vorzüglich ausgeführt.

Bremen. Auf Grund an maßgebender Stelle cingezogcncr Erkundigungen erfährt dieKölnische Volkszeitung" in Bestätigung ihrer früheren Meld­ungen, daß es sich bei den Bezügen englischer und amerikanischer Kohlen keineswegs um Gelegenheits- käufe seitens desLloyd" und derHamburger Packetfahrt-Acticn-Ge'ellschafl" handele. Die in Eng­land gekauften 80,000 Tonnen Kohlen träten in vollem Un fange an die Stelle der bisher bezogenen deutschen Kohlen. Die amerikanischen Minen könuren

ihre Kohlen frei und billiger nach den deutschen Häfen liefern, »l6 die deutschen Werke.

Bochum, 7. April. DerW'stfäl. Volkszeitung" zufolge forderte die ^Regierung 36 Einkommensteuer- pflichtige auf, ihre Steuerzeutel wegen irrthümlicher Veranlagung zurückzugeben. Darunter befinden sich die Generaldirektoren Baarc und Frielinghaus, sowie viele Beamte des Bochumer Vereins.

Aus Thüringen. Im Deutschen Reich gibt es einen Ort, welcher wohl ca. 1400 Einwohner, Kirche, 3 Lehrer, 1 Gasthof, 7 Schankwirthschaflen, 1 Mühle mit bedeutender Wasserkraft, 1 Dampfschneioemühle, 2 Fabriken (die eine davon mit ca. 3Oo Arbeitern) und dergl. mehr, aber keine Postanstalt hat. Die nächste Postanstalt liegt vielmehr 2 Hz Kilometer davon entfernt. Dieser merkwürdige Ort ist Volkstedt bei Rudolstadt.

Erfurt, 6. April. Von amtlicher Seite wird nicht nur die endgiltige Festsetzung des Besuches des Kaiser­in unserer Stadt bestätigt, sondern auch hinzugcfügt, daß die Kaiserin ihren hohen Gemahl begleiten und dem Gang der von Erfurt nach Kassel zu ftattfinbenbcu Manöver folgen werde.

Aus Bayern. Zu einem blutigen Kampf kams am Mon­tag bei Hof in Bayern zwischen beschäftigten und feiern­den Arbeitern. Eine größere Anzahl von Arbeitern war für Legung des unterirdischen Kabels Berlin- München engagirt, während viele der Beschäftigung suchenden Arbeiter zurückgewie>en werden mußten. Diese letzteren fragen nun mit den Arbeitenden Streit an, welcher in eine blutige Schlägerei auSartete. Auf beiden Seiten waren bald etwa 30 der Kämpfenden mehr oder minder verwundet. Die Polizei, welche den Exeedenten nicht gewachsen schien, requirirte Militär aus Baireuth. Es sind mehrere Verhaftungen sorge* nommeii morden.

Saarbrücken, 6. April. In der hiesigen Wirth­schaftZum Hahnen" wurde gestern Abend ein Civilist von einem Unteroffizier erstochen. Die Beiden hatten sich über die zweijährige Dienstzeit unterhalten, deren Einführung der Civilist befürwortete. Er wurde von dem Soldaten durch eine Bemerkung beleidigt und gab demselben eine Ohrfeige. Der Unteroffizier zog sofort sein Seitengewehr und tödtete den Gegner durch einen Stich in die Lunge.

Metz, 6. April. SechSunddreißig und ein halb Prozent Gyps, nicht mehr, aber auch nicht weniger, wurden in einer Mehlprobe gefunden, welche von der zuständigen Behörde eines der dahier garnisonirenden Dragoner-Regimenter einem Apotheker im Laufe der letzten Tage zur Untersuchung übergeben worden war. In dem betreffenden Regimente war der eigenthümliche Geschmack und das Knirschen des Brodes beim Zerkauen aufgefallen, was bei dem hohen Prozentsatz (über ein Drittel!) d.s nach dem Ergebniß der Untersuchung bei* gemengten Gipses allerdings nicht Wunder nehmen kann. Wie' das Gyps in das Mehl gekommen ist, und wie groß die Quanluären sind, welche in dieser Weise gemischt wurden, w rd die Unlersuchung klarstellen, welche gegen einen in Metz wohnenden Militärbeamte» eingelötet ist.

Lokale- und Provinzielles»

* Schlüchter», 10. April.

* Das für die heutige Nr. als Sonntagsbei­lage bestimmte illustrirte JournalJll. FaMlieufrcund" ist leider bis jegt wider Erwarten noch nicht ringe- gangen und kann daher für heute nicht beigelegt werden, was wir zu entschuldigen bitten. Die Redaktion.

* Versetzt wurde Herr Postoerwalter Grebc von Elm nach Borken, Kreis Homberg.

* Zum Ankauf von Remonten im Bereiche des R-gierungsbezirks Kassel sind folgende Märkte anberaumt worden. Am 19. Juni in Trendelburg 9 Uhr, am 20. Juni in Niederyone 8 Uhr, am 20. Juni in Fulda 3l/s Uhr.

* Der diesjährige strenge und anhaltende Winter wird von den Laudwurheu wohl sobald nicht wieder vergessen werden. Sie alle, von dem größten bis zum (Linsten sind überzeugt, daß wohl drei Viertheile der Öinterbeftelluiig umgcpflügl werden müssen, denn was unter dem Schnee nicht verfaulte, das wurde durch Ibis Nachtfiöste der letzten Z it vernichtet, so daß der